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CeBIT 09: Kommentar Die Mutmacher-Messe?

Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Nico Litzel

Die CeBIT ist vorbei. Die nächste CeBIT kommt ... bestimmt. Ein neues strategisches Konzept ist jedoch ... unvermeidlich.

Auf dem IBM-Stand in Halle 2: Die Welt als Projektionsfläche für viele Informationen.
Auf dem IBM-Stand in Halle 2: Die Welt als Projektionsfläche für viele Informationen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Im alten Athen und auch bei den Inkas, so heißt es, wurde der Überbringer schlechter Botschaften schon mal geköpft. Deshalb heute die positive Meldung vorweg, wenn es auch nur die Selbstwahrnehmung der CeBIT-Macher ist: Nach kraftvollem Start und gutem Verlauf verbreitet die CeBIT 2009 Zuversicht in der internationalen ITK-Branche. „Ein Großteil der 4.300 Unternehmen aus 69 Ländern hat auf der CeBIT neuen Mut gefasst“, sagte Ernst Raue, CeBIT-Vorstand der Deutschen Messe AG, am Sonntag in Hannover.

Ich weiß nicht, wo Herr Raue am Dienstag, dem ersten Messetag, war. Wahrscheinlich mutmachend mit Herrn Schwarzenegger unterwegs, immer umringt von einen Pulk Journalisten. Das hat den Weitblick in die leeren Messegänge wohl ein wenig behindert. Bis auf den Sonntag lief es dann zufriedenstellend. Das nennt man wohl Euphemismus, da nach den offiziellen Verlautbarungen der Messe, die 1.500 Aussteller und etwa 100.000 Besucher weniger hatte.

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Der richtige Einbruch kommt erst noch

Allerdings sei ein Hinweis für die Mutmacher erlaubt: Die Finanzkrise hat laut Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut (Fernsehinterview im SWR) das reale Wirtschaftsleben in Deutschland noch gar nicht richtig erreicht hat. Kann man nur hoffen, dass der gute Mann auch nur ein Marktforscher ist, der nach eigenem Bekunden nicht in die Zukunft sehen kann.

Beunruhigend fand ich das viele Lob, das die Aussteller der Veranstaltung aussprachen: Weniger, aber gutes Fachpublikum; die CeBIT ist eine Präsenzmesse; wir hatten viel Betrieb am Stand; wir hatten Schlimmeres befürchtet und Ähnliches mehr. Mich erinnert das an das Lob der Münchner Systems in den letzten Jahren. Stellvertretend für viele, zwei Statements.

Viel Lob mit einem kleinen aber

Christian Lorenz, Riverbed: „Auch wenn die CeBIT 2009 nicht mehr mit der Messe in ihren Hochzeiten vergleichbar ist, können wir doch ein positives Resümee ziehen. Wir haben sehr gutes Feedback von den Besuchern bekommen. Allerdings haben wir beobachtet, dass die Kunden inzwischen nicht mehr aus ganz Deutschland, sondern eher aus der Region anreisen.“

Und Nikolaus King, Gingcom: „Die Besucherzahlen lagen wie erwartet unter dem Vorjahresniveau, für das internationale Publikum scheint die CeBIT jedoch nach wie vor zu den wichtigsten Messen zu zählen. Die Qualität der Fachbesucher-Kontakte hat uns überrascht.“

Trotz des „dramatischen Besucherrückgangs“ (Tagesschau) und daraus entstehender Zweifel am CeBIT-Konzept, auch für mich war die Messe erfreulich, da ich nur hier so viele Fachgespräche in so kurzer Zeit führen kann. Ob diese Rechnung auch für die Aussteller aufgeht, wird wohl erst die nächste CeBIT zeigen, wenn das Verhältnis Leads/Umsatz und Standkosten wieder auf dem Prüfstand steht. Eine Zeitungsmeldung vom 10. März zeigt, dass die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen, die beiden Eigentümer der Deutsche Messe AG, im Hintergrund über eine strategische Neuausrichtung reden. Die 20er-Hallen, soviel scheint schon klar zu sein, werden 2010 geschlossen bleiben. Für einen Verlustausgleich und damit Planungssicherheit sind aber erst mal 250 Millionen Euro nötig.

(ID:2020055)