Im Fokus: Cloud Storage Die Reise des Datenspeichers in die Cloud

Autor / Redakteur: Michael Hanisch* / Dr. Jürgen Ehneß

Im Rahmen unseres Themenschwerpunktes „Im Fokus: Cloud Storage“ erläutern wir die unterschiedlichen Facetten des Komplexes, bieten einen mosaikartigen Überblick und gehen nicht zuletzt der Frage nach der jeweils geeigneten Cloud-Speicherstrategie nach. Der vorliegende Gastbeitrag beschäftigt sich mit der Praxis: Was gilt es bei der Datenmigration in die Cloud zu beachten?

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Im Fokus: Cloud Storage – der Umzug der Daten in eine Cloud muss detailliert geplant werden.
Im Fokus: Cloud Storage – der Umzug der Daten in eine Cloud muss detailliert geplant werden.
(Bild: © vectorfusionart - stock.adobe.com)

Die Menge an Informationen, die tagtäglich in Unternehmen anfällt, wächst schon allein aufgrund der herkömmlichen Datenverarbeitung stetig an. Durch den verstärkten Einsatz neuer Technologien wie Big Data, Internet of Things oder künstlicher Intelligenz nimmt das Volumen inzwischen überproportional zu. IT-Entscheider stehen daher vor der Frage, wie sie die Daten so ablegen, dass sie je nach Relevanz einen raschen Zugriff darauf sicherstellen, Kosten reduzieren und gleichzeitig den gesetzlichen Vorgaben gerecht werden können. Denn der Gesetzgeber schreibt nicht nur die Aufbewahrungsdauer vor, sondern stellt auch bestimmte Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit.

Bestandsaufnahme

Bislang wurde die Vorhaltung der Daten in eigenen Rechenzentren geregelt. Hier befinden sich die Daten auf SSDs, Festplatten oder Bandlaufwerken – abhängig von der potenziellen Häufigkeit des Zugriffs. Mittlerweile ist das Konzept, sämtliche Datenbestände selbst zu hosten, etwas aus der Zeit gefallen. Zwar gibt es vereinzelt Lösungen, die auch „On-Premises“ eine gewisse Flexibilität erlauben. Beispielsweise lassen sich Kapazitäten lokal installieren, werden aber nur bei tatsächlicher Nutzung abgerechnet beziehungsweise freigeschaltet. Allerdings kann auch dieses Modell rasch an seine Grenzen stoßen. Die Anforderungen, die viele Unternehmen an ihre Storage-Lösung stellen, sind eindeutig: Gefragt ist eine flexible, mitwachsende Lösung, die gleichzeitig alle Vorgaben in Sachen Datenschutz und Datensicherheit sowie gesetzliche Bestimmungen erfüllt.

Erfolgsfaktoren bei der Storage-Planung

Abhilfe schafft eine Cloud-Lösung, die alle wesentlichen Anforderungen erfüllt. Dabei geht es zunächst um den möglichst flexiblen Einsatz der Storage-Umgebung. Es heißt oft, dass Storage-Ressourcen mit dem Bedarf mitwachsen können sollen. Manchmal werden große Datenmengen, die sich nicht mehr im täglichen Zugriff befinden, allerdings auf Archivspeichermedien wie etwa Bandlaufwerke ausgelagert. Daher muss sich eine flexible Storage-Lösung in beide Richtungen bewegen, sich also vergrößern oder verringern können.

Ein weiterer Punkt ist die Datensicherheit, sprich: die Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Authentizität von Informationen. Die Daten müssen vor Beschädigung oder Manipulation sowohl durch Personen als auch durch technische Fehler geschützt werden. Dazu gehören Maßnahmen, die personenbezogene Informationen im Rahmen des Datenschutzes berücksichtigen. Zu diesem Zweck sollten die Zugriffsrechte für bestimmte Bereiche abhängig von ihrer Sensibilität granular geregelt sein. Außerdem müssen die Daten stets verschlüsselt übertragen werden. Dies sind nur zwei Beispiele für selbstverständliche Vorsichtsmaßnahmen.

Wichtig ist auch das Thema Compliance. Cloud-Lösungen gewährleisten die Einhaltung von Regeln beziehungsweise deren Einheitlichkeit, da die entsprechenden Funktionen bereits integriert sind. So zeichnet AWS CloudTrail Ereignisprotokolle zu Aktionen innerhalb von AWS-Konten automatisch auf und speichert sie. Eine erhöhte Transparenz über die Nutzer- und Ressourcenaktivitäten entsteht zudem durch die Aufzeichnung von API-Aufrufen und -Aktionen an der AWS Management Console. Die Integration der APIs ermöglicht dann auch, die Einhaltung von Compliance-Regeln nicht nur zu überwachen, sondern auf potentielle Regelverstöße automatisch zu reagieren und diese zu unterbinden.

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Gemeinsam Einsparpotenziale realisieren

Neben diesen Werkzeugen ist die Nutzung von Synergien zur gemeinsamen Beschaffung und Verwendung von Ressourcen ein Aspekt, der das künftige Storage-Umfeld von Unternehmen maßgeblich beeinflussen kann. Denn wenn die Ressourcen auf mehrere Unternehmen verteilt werden, sind dadurch Preisvorteile möglich, die der Cloud-Betreiber direkt an seine Kunden weitergeben kann. Nicht zuletzt sorgt ein zentrales Management für Einsparpotenziale, da für die Verwaltung der Ressourcen nur ein Team notwendig ist. Dadurch kann das Unternehmen seine eigenen IT-Experten entlasten und gleichzeitig sein Budget schonen.

Welche Art der Cloud darf es ein?

Unternehmen, die ihre Daten in die Cloud bringen wollen, haben die Wahl zwischen zwei wesentlichen Modellen: Sie können ihre lokalen Ressourcen komplett aufgeben und eine vollständige Migration vornehmen („all-in“). Das hat den Vorteil, dass sie keine lokale Storage-Infrastruktur vorhalten müssen. Auch die Frage nach der Datensicherung können sie an den externen Dienstleister auslagern. Cloud-Anbieter wie AWS bieten aber auch Hybrid-Clouds an, die einen gemischten Betrieb aus einer AWS-Cloud und lokalen Umgebungen ermöglichen. Dieses Modell ist dann interessant, wenn ein bestehendes Rechenzentrum flexibel erweitert oder vorhandene virtuelle Maschinen in der Cloud betrieben werden sollen. Eine Hybrid-Cloud bietet sich zudem an, wenn ein Unternehmen bestimmte Strukturen aus Sicherheitsgründen redundant betreiben will. In einigen Branchen ist dies sogar gesetzlich vorgeschrieben. Hybrid-Clouds können auch für Firmen sinnvoll sein, die über eine gemischte IoT-Infrastruktur verfügen. So lässt sich ein Datenaufkommen, dass in Edge-Knoten gesammelt wird, direkt in der Cloud verarbeiten.

Die nächsten Schritte

Am Anfang einer erfolgreichen vollständigen oder auch nur teilweisen Migration von Daten in die Cloud stehen einige wichtige Schritte. Zunächst sollten sich die IT-Entscheider mit der passenden Migrationsstrategie befassen. Wichtig ist dabei vor allem die Frage, welche On-Premises-Ressourcen wann und in welcher Abfolge übertragen werden. So lassen sich bestimmte Teilbereiche in Ruhephasen, etwa am Wochenende oder an Feiertagen, in die Cloud verschieben. Das gilt auch für abgeschlossene Bereiche, die zunächst nicht ablaufkritisch sind.

In der nächsten Phase sollte ein Anwendungsfall erstellt werden, der alle möglichen Szenarien abbildet, die während der Migration eintreten können. Wichtig ist dabei, das gesamte Unternehmen einzubeziehen, da von einem Migrationsprojekt in der Regel nicht nur Teilbereiche betroffen sind. AWS bietet hierfür seinen Migration Evaluator an, der ein Geschäftsszenario erstellt, auf dessen Basis sich die jeweiligen AWS- und Migrationsentscheidungen treffen lassen.

In der anschließenden Mobilisierungsphase wird das Geschäftsszenario verfeinert, indem etwaige Lücken in der Migrationsbereitschaft des Unternehmens aufgedeckt werden. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau einer Basisumgebung für die zu migrierende Infrastruktur, auf Verbesserungen der Betriebsprozesse sowie auf dem Ausbau der Cloud-Fähigkeiten der beteiligten Teams. AWS bietet mit dem Application Discovery Service ein Werkzeug, das hilft, einen Überblick über die zu migrierenden IT-Ressourcen des lokalen Rechenzentrums zu bekommen.

Der nächste Schritt ist die eigentliche Migration. Hierzu haben die Cloud-Anbieter einige Tools im Portfolio. So offeriert AWS einen Migration Hub, der den fortgeschrittenen Prozess transparent aufzeigt, damit etwaige Probleme leicht identifizierbar sind. In einigen Fällen bietet es sich an, schnell in die Cloud zu wechseln und die Architektur in AWS neu zu erstellen. Hierfür eignet sich CloudEndure, ein Migrationswerkzeug, mit dem viele Rechner von mehreren Quellplattformen, sei es physisch, virtuell oder von anderen Clouds, automatisiert umziehen können.

Nicht zuletzt müssen die Mitarbeiter und die Organisation vor der eigentlichen technischen Umsetzung auf den Umzug in die Cloud vorbereitet werden. Dazu gehört neben dem Training und der Sensibilisierung der Anwender für die veränderten Prozesse und Sicherheitsmaßnahmen auch die Anpassung organisatorischer Abläufe an die neuen IT-Strukturen.

Anwendungsfall Unilever

Ein gutes Beispiel ist die US-amerikanische Tochter des niederländisch-britischen Lebensmittelkonzerns Unilever. Das in über 190 Ländern tätige Unternehmen musste seine IT-Infrastruktur, mit der die digitale Marketingstrategie umgesetzt wurde, erneuern. Zuvor waren lokale Rechenzentren im Einsatz, die über verschiedenste Technologien und Prozesse verfügten. Um seinen Betriebsablauf zu optimieren, entschied sich das Unternehmen für eine Vereinheitlichung der IT-Ressourcen.

Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland.
Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland.
(Bild: THORSTEN JOCHIM)

In einer Ausschreibungs- und Evaluierungsphase in mehr als 16 Ländern wählte Unilever AWS aus. Der Cloud-Anbieter ist nach Einschätzung der Verantwortlichen am besten in der Lage, die Ziele von Unilever zu realisieren: eine gemeinsame Technologieplattform für Webseiten mit einer regionalen Architektur zur Bereitstellung von Inhalten sowie die Migration vorhandener Web-Komponenten in die Cloud.

*Der Autor: Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland

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