Interview mit Michael Binder, Veritas

Die Speicherwelt befindet sich im Wandel

| Redakteur: Tina Billo

Michael Binder ist Technology Sales & Services Manager DACH bei Veritas.
Michael Binder ist Technology Sales & Services Manager DACH bei Veritas. (Bild: Veritas)

Ungezähmtes Datenwachstum, "blinde Flecken" und die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU. Sich angleichende Hardwarelösungen, softwarezentrierte Storage-Architekturen und Cloud-Dienste: Michael Binder, Technology Sales & Services Manager DACH bei Veritas, wirft im Gespräch mit Storage-Insider einen Blick auf die Entwicklungen im Speichermarkt.

Storage-Insider: Rückblickend betrachtet - welche Entwicklung markiert für Sie eine entscheidende Wende in der Storage-Industrie?

Michael Binder: Der Einzug der Virtualisierung hat die Speicherbranche in den letzten 30 Jahren am stärksten verändert. Die Technik hat die Hard- und Software voneinander getrennt und es so erst möglich gemacht, dass wir Speicherressourcen zu großen virtuellen Pools zusammenschließen können.

Das Virtualisierungskonzept hat eine Reihe weiterer wichtiger Innovationen eingeleitet. Dazu gehören beispielsweise Software Area Networks (SANs). Darüber hinaus konnten Entscheider dank der Virtualisierung die Auslastung der Speicher massiv verbessern oder Ausfälle von ganzen Anwendungs-Stacks leichter kompensieren.

Wie wichtig ist das Thema Storage momentan für die Technologieindustrie?

Michael Binder: Noch nie war die Nachfrage nach Storage-Lösungen so groß wie heute. Daran wird sich vermutlich auch künftig wenig ändern, denn bis 2020 soll das weltweite Datenvolumen auf 44 Zettabyte ansteigen. Es werden also immer mehr Daten erzeugt, die gespeichert werden müssen. Die entscheidende Frage ist, ob Unternehmen in Hardware investieren und die hierfür nötigen Kapazitäten selbst schaffen oder sie ihre Daten in die Cloud auslagern.

Welcher Herausforderung müssen sich IT-Verantwortliche aus Ihrer Sicht momentan in puncto Datenspeicherung stellen?

Michael Binder: Organisationen müssen heute sorgsamer denn je sein, was die Verwaltung ihrer Daten betrifft. Insbesondere so genannte blinde Flecke sind riskant. Das sind Speicherbereiche und -lokationen, die ein Verantwortlicher gar nicht im Blick hat oder kennt und ebenso wenig darüber im Bilde ist, welche Inhalte dort abgelegt sind. Ein typisches Beispiel hierfür sind Cloud-Storage-Dienste, die Mitarbeiter eigenmächtig und ohne Autorisierung der IT-Abteilung buchen und nutzen.

Nur wer solche blinden Flecke aufspürt und ausleuchtet, kann Datenverlusten oder Informationskrisen vorbeugen. Unternehmen stufen gemäß einer kürzlich veröffentlichten Studie allerdings 52 Prozent ihrer verarbeiteten und gespeicherten Daten als "Dark Data" - also als blinden Fleck - ein. Somit sind ihnen Inhalt und Wert von mehr als der Hälfte ihrer abgelegten Daten unbekannt.

Gibt es weitere Punkte, denen Unternehmen rund um die Datenspeicherung Beachtung schenken sollten?

Michael Binder: Die Einhaltung immer schärferer juristischer Vorgaben spielt bei der Datenspeicherung des Weiteren eine bedeutende Rolle. Generell bewegt sich der Trend weltweit hin zu einer strengeren Regulierung beim Umgang mit digitalen Informationen. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Verarbeitung personenbezogener Daten.

Organisationen müssen daher sicherstellen, dass sie alle relevanten Vorgaben erfüllen. Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU stellt beispielsweise sehr spezifische Anforderungen an die Speicherung und Verarbeitung der von EU-Bürgern erfassten Daten. Darunter fällt auch die Festlegung, in welchen Ländern diese physisch liegen dürfen. EU-Bürger haben zusätzlich das Recht, Organisationen aufzufordern, alle Daten über sie zu löschen.

Welchen Innovationen erachten Sie derzeit als einschneidend für die Branche?

Michael Binder: Die Verfügbarkeit innovativer, neuer 3D-NAND-Technologien wird dazu beitragen, dass wir Verbesserungen bei der Hardware sehen. Dies liegt daran, dass sich durch die dreidimensionale Struktur der Chips eine höhere Speicherdichte und Geschwindigkeit erzielen lässt. Das hilft der Industrie, das Mooresche Gesetz zu halten sowie Leistung und Kapazitäten weiter zu verdoppeln.

Als noch gewichtiger werden sich jedoch über kurz oder lang softwaredefinierte Architekturen, kurz SDA, herausstellen. Sie führen den Gedanken der Virtualisierung fort und ermöglichen Kunden ihre Speicherressourcen in Storage-Pools zusammenzuführen - sei es lokal, in der privaten oder der öffentlichen Cloud.

Stichwort SDA: Welche Rolle spielen dabei Policy-Plattformen?

Michael Binder: MIt Policy-Plattformen lässt sich das Potenzial abrufen, dass softwaredefinierte Architekturen bieten. Beispielsweise ermöglicht ihr Einsatz IT-Verantwortlichen, Richtlinien festzulegen, die auf der einen Seite den Service-Anspruch von Anwendungen beschreiben. Das können Antwortzeiten, Failover-Level, geographische Aspekte oder schlicht Kapazität sein. Die Applikation fragt ihre exakte Service-Klasse für Speicher nach diesen Kriterien an. Auf der anderen Seite kennt die Policy-Plattform die genaue Struktur und Identität aller verfügbaren Speicherressourcen, unabhängig von der darunter liegenden Infrastruktur.

Die Policy-Engine weist Anwendungen und Diensten dabei, sobald angefragt, die jeweils passenden Ressourcen zu. Die Komplexität der Infrastruktur bleibt dem Anwendungsentwickler oder Service-Designer verborgen. Das ist wahre Unabhängigkeit von Hard- und Software bei maximaler Flexibilität sowie garantierten Service-Levels.

Auf was muss sich die Speicherbranche aktuell einstellen?

Michael Binder: Künftig wird die Software den Wert einer Lösung bestimmen. Das liegt daran, dass sich Hardware-Produkte - abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen - immer schneller aneinander angleichen. Von den Leistungsmerkmalen her gesehen, werden sie sich mehr und mehr ähneln und insofern letztlich der Preis das entscheidende Auswahlkriterium sein. Das wiederum führt dazu, dass sich mit dem Verkauf von Hardware immer geringere Margen erzielen lassen.

Auf diese vorhersehbare Entwicklung hat die Industrie längst reagiert. Die großen Storage-Player investieren schon seit geraumer Zeit massiv in softwaredefinierte Architekturkonzepte. Ihr Mehrwert liegt darin, dass sich kluge Failover- oder Provisionierungsfunktionen auf jeder standardisierten Hardware ausführen beziehungsweise über diese bereitstellen lassen.

Welche Vorteile bieten softwaredefinierte Speicherkonzepte?

Michael Binder: Unter anderem lassen sich Daten unkompliziert und unaufwändig aus dem On-Premise-Netzwerk in Cloud-basierte Speicherplattformen migrieren. Diese bieten den höchsten Grad an Standardisierung und sind dem softwaredefinierten Storage-Konzept vollständig verpflichtet.

Über die kommenden Jahre hinweg wird sich dieser Trend ausweiten. Unternehmen müssen ihrerseits sicherstellen, dass sie in SDA-fähige Ressourcen investieren. Denn nur so werden sie künftig vollen Nutzen aus den kosteneffektivsten, standardisierten Storage-Plattformen ziehen können - sowohl On-Premise als auch in der Cloud. Das schafft Zukunftssicherheit.

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