Startups - das haben wir noch nie so gemacht

Die Speicherwelt wird beständig neu erfunden - aber nur weniges hat Bestand

| Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Masse oder Raumkrümmung?: Oder auf Storage übertragen: Sind Daten Nullen und Einsen oder Symbole?
Masse oder Raumkrümmung?: Oder auf Storage übertragen: Sind Daten Nullen und Einsen oder Symbole? (Bild: Martin-Schumann_Fotolia)

Sogenannten „disruptiven“ Speichertechniken gehört laut Branchenexperten die Zukunft. Diesen Schluss legt auch die Vielfalt an Entwicklungen nahe, mit denen Startups auf den Markt drängen. Storage-Insider wirft in unregelmäßigen Abständen einen Blick auf die Newcomer. Nach mehr als einem Dutzend Startup-Artikeln wird es Zeit für eine erste Sortierung.

Die Sichtweise auf den Umgang mit Daten hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Schneller verfügbar müssen sie sein. Am besten überall und zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Darüber hinaus natürlich umfassend geschützt und einfach zu verwalten. Nicht zuletzt sollte sich der beständig anwachsende Informationsschatz gewinnbringend nutzen lassen.

Das wiederum leistet jungen Unternehmen Vorschub, die mit neuen Speicherplattformen, Virtualisierungs- und Verwaltungslösungen, innovativen Dateisystemen, Container-Technologien sowie vielem weiteren mehr gegen die etablierten Hersteller antreten.

Schluss mit Speichersilos

"Hyperkonvergente Sekundärspeicher vereinfachen das Datenmanagement" und sollen dem oftmals anzutreffende Sammelsurium an Insellösungen den Garaus machen.

Ein Beispiel hierfür ist die Cohesity DataPlatform. Die Lösung konsolidiert auf verschiedenen Systemen gespeicherte Daten, beherrscht Dateien und Objekte sowie Backup, Archivierung, Snapshots, Clones, Replizierung und Disaster-Recovery. Hinzu kommen Analytics-Funktionen.

Die Appliances von Rubrik sollen verschiedene für die Datensicherung eingesetzte Hard- und Softwarelösungen ersetzen. Sie bieten eine einheitliche Plattform für die standortunabhängige Replizierung, Sicherung, Archivierung und Wiederherstellung von Daten. Such-, Verwaltungs- und Analysefunktionen sind ebenfalls Teil des Pakets.

Ob hyperkonvergent, hyperskalierbar oder in Kombination: "Hedvig lässt Speichermedien mit Petabyte-Kapazitäten kommunizieren". Die Distributed Storage-Plattform von Hedvig schafft die Basis für den Aufbau verteilter privater, hybrider oder Multi-Cloud-Umgebungen. Die Software läuft auf Standard-Servern, unterstützt beliebige Betriebssysteme, Hypervisoren, Anwendungen und Container und kann mit Block-, Datei- und Objektspeichern umgehen. Für die Anbindung von Rechen- und Cloud-Ressourcen stehen alle nötigen Schnittstellen zur Verfügung ebenso sind für die Verwaltung entscheidende Speicherfunktionen integriert.

Datenschutz modern

Dem Thema Backup und Restore hat sich das Unternehmen Waxar Data Saving Systems verschrieben. Die in den Appliances waxarindustry, waxarexpert und waxarsmart verpackte Software des deutschen Startups arbeitet betriebssystemunabhängig und sichert Daten im Gegensatz zu klassischen Lösungen auf der physikalischen Ebene. Hierfür werden die einzelnen Bit-Zustände direkt auf der Festplatte ausgelesen.

"Nie war das Backup-Image so wertvoll wie heute" vermittelt einen tieferen Einblick in die Lösungen, die zu Grunde liegende Technik und deren Unterscheidungsmerkmale.

Branchenliebling Flash

Obwohl der Markt aufgrund seiner vergleichsweise hohen Wachstumsraten hart umkämpft ist, scheint noch "Goldgräberstimmung bei Flash" zu herrschen.

Tegile Systems bietet mehrdimensional skalierbare hybride und All-Flash-Arrays an, die sich aufgrund ihrer Multiprotokollfähigkeit in bestehenden Infrastrukturen als NAS- und SAN-Speicher einsetzen lassen. Da die Meta- gesondert von den Anwendungsdaten gespeichert werden, sind Daten schneller griffbereit.

Das als Primärspeicher gedachte hybride Flash-System HX550 von Reduxio arbeitet mit dem auf einer Metadaten-Architektur beruhenden hauseigenen zeitstempelorientierten Betriebssystem TimeOS. Die ineinander greifende Techniken NoDup, Tier-X und BackDating sollen für mehr Leistung, eine effizientere Speicherplatznutzung und die schnelle Wiederherstellung von Daten sorgen sowie Snapshots obsolet machen.

NVMe-Techniken gewinnen an Bedeutung

Auf NVMe-Techniken basierende Lösungen sollen es möglich machen, die Geschwindigkeits- und Latenzvorteile von flashbasierten Systemen auszuschöpfen. In unserem Beitrag "Mangstor und E8 Storage tunen die Storage-Performance" präsentierten wir zwei der Newcomer.

Die All-Flash-Arrays von Mangstor fassen NVMe-Ressourcen in einem gemeinsamen Pool zusammen, auf den an Shared-Storage-Umgebungen angebundene Server gemeinsam über ein RDMA-Ethernet- (Remote Access Direct Memory) oder InfiniBand-Netzwerk zugreifen können. Die Speicher lassen sich über die in OpenStack Cinder integrierbare Titan Software zentral verwalten.

Das auf einer Rackscale-Architektur beruhende NVMef-AFA von E8 Storage ist für den Einsatz in Unternehmen und softwaredefinierten Clouds konzipiert. Über 90 Prozent der Kapazität von SSDs sollen sich nutzen lassen, dadurch biete die Lösung gegenüber vergleichbaren Produkten eine zehnfach so hohe Leistung. Dadurch eigne sich das AFA vor allem für das Zusammenspiel mit HPC-, Echtzeit-Analytik- oder Datenbank-Anwendungen, bei denen es auf eine hohe Performance ankomme.

Speicher für unstrukturierte Daten

Mit Object-Storage-Lösungen lassen sich auf geringe Latenzzeiten angewiesene große Mengen an unstrukturierten Daten verwalten und analysieren. Zwei davon haben wir in unserem Beitrag "Objektspeicher auf Open-Source-Basis" eingehender betrachtet.

Zum einen die softwarebasierte, hardwareagnostische Plattform OpenIO des gleichnamigen Anbieters, zu dessen Stärken eine hohe Skalierbarkeit, ein automatischer Lastausgleich in Echtzeit bei Erweiterungen und die Möglichkeit, Anwendungen direkt im Cluster auszuführen, zählen.

Zum anderen das Cloud Storage-Angebot von minio.io, das den Minio Server, den Minio Client und das Mino Client SDK umfasst. Die Lösungen sind für Anwendungsentwickler und DevOps-Teams gedacht, die skalierbaren Cloud Object Storage mit Amazon S3-ähnlichen Funktionen für die Speicherung unveränderbarer Daten aufbauen möchten.

Kassenschlager Scale-out NAS

Scale-out NAS-Lösungen stehen bei Startups weiterhin hoch im Kurs. "Innovative Ansätze hauchen Scale-out NAS neues Leben ein" zeigt, welche Wege sie dabei einschlagen.

Rozo Systems setzt auf das hauseigene softwaredefinierte Scale-out POSIX-Dateisystem RozoFS. Mit diesem lassen sich beliebig erweiterbare standortübergreifende Speicherlandschaften aufbauen. Daten werden mittels eines eigenentwickelten Erasure-Coding-Verfahrens verteilt und geschützt, daher kommt die Lösung ohne RAID- oder Replikationstechniken aus.

Mit der Software Qumulo Core von Qumulo lassen sich Scale-out-NAS-Installationen im Petabyte-Maßstab realisieren und Milliarden Datenobjekte speichern. Diese sollen mit einem breiten Spektrum an Workloads und Dateigrößen zurechtkommen und sich über eine interaktive REST-API programmieren lassen. Als Besonderheit gelten die bereits in das Qumulo Scalable File System integrierten Echtzeit-Analysefunktionen.

Dateisysteme, die den Unterschied machen

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt von Startups liegt auf Dateisystemen. Eines davon ist Quobyte, das "mit Erasure Codes in ausfallsichere Yottabyte-Dimensionen" strebt.

Mit der Quobyte-Software lassen sich Standardserver in fehlertolerante, hochautomatisierte und dadurch einfach zu verwaltende Storage-Systeme verwandeln. Die Basis stellt ein eigenentwickeltes paralleles, verteiltes Dateisystem, dass File-, Block- und Objektspeicher unterstützt und alle Workloads beherrscht. Höchste Skalierbarkeit wird dadurch erreicht, dass sich unbegrenzt viele Volumes einrichten lassen. Das implementierte direkte Erasure-Coding-Verfahren sorgt zudem für Daten- und Ausfallsicherheit.

"Ein schreiboptimiertes Filesystem für Flash-Racks" bietet Weka.io an. Dass sich große Mengen an unstrukturierten Daten durchaus mit Flash-basierten Lösungen bewältigen lassen, will das Unternehmen mit seinem auf SSD-Speicher ausgelegten virtuellen Dateisystem unter Beweis stellen. Dieses läuft in einer VM beziehungsweise in einem Container des Host-Servers, an den ein oder mehrere SSD-Module angebunden sind, und soll mit Milliarden unstrukturierten Dateien, hunderten Petabyte an Kapazität und Millionen IOPS umgehen können.

Virtualisierungstrends

Die "Virtualisierung greift jetzt auch nach den Daten". Dies spiegelt sich in den Lösungen von Marktneueinsteigern wie Formation Data Systems oder Primary Data wider.

Mit der FormationOne Dynamic Storage-Plattform lassen sich bestehende Flash- und Festplattenspeicher mit garantierten Service-Levels virtualisieren. Ihr Einsatz ermöglicht den Aufbau von Umgebungen, die öffentlichen Clouds in punkto Skalierbarkeit und Speicherkapazität in nichts nachstehen. Darüber bietet die Software alle Funktionen klassischer On-Premise-Systeme.

Die Open-Source-Software Datasphere von Primary Data virtualisiert Daten und legt sie im Anschluss gemäß ihrer Klassifizierung in einem globalen Datenraum automatisch auf dem jeweils passenden Storage-Tier ab. Die Orchestrierung übernimmt eine Metadaten-Engine. Sie trennt die Anwendungslogik vom physischen Speicherort, so dass die Daten unabhängig davon, ob sie auf einem Datei-, Objekt- oder Blockspeicher liegen, jederzeit zugänglich sind.

Speicher-Container sind heiß

"Portworx bringt Storage und Container zusammen". Mit diesem Ansatz bewegt sich das Startup noch auf einer grünen Wiese, denn die Zahl der in diesem Feld aktiven Unternehmen, lässt sich bislang an wenigen Fingern abzählen.

Auf Container zugeschnittenen persistenten Speicher anzubieten ist die Idee. Die Lösungen lassen sich auf gängigen x86-Servern einsetzen oder in virtuellen Maschinen ausführen. Sie bilden die Datenschicht für Container und ermöglichen in diesen vorgehaltene Anwendungsdaten über mehrere Server und Knoten hinweg zu speichern. Neben der kostenfreie PX-Developer-Software umfasst das Angebot drei verschiedene Editionen der kommerziellen Variante PX-Enterprise.

Ideen für die vierte industrielle Revolution

Daten sind der Grundstoff, auf den auch die Industrie im Zeitalter der Digitalisierung baut. Sei es, um Produktionsprozesse zu optimieren, neue Anwendungen zu entwickeln, Mehrwertdienste anbieten oder flexibler auf Veränderungen reagieren zu können.

Markus Schmeding, CPO des Industrie 4.0-Startups Cybus, erläutert in dem mit ihm geführten Interview "Datenhoheit in Cloud-Zeiten", welchen Beitrag die von ihnen entwickelte Lösung dabei leisten kann.

Ziel des jungen Unternehmens ist, die Industrie in das Internet der Dinge bringen. Die Software Cybus Connectware soll dabei als zentrale und Datendrehscheibe dienen, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt und dafür sorgt, dass die Datenhoheit bei den Unternehmen liegt. Die Lösung ermöglicht Daten aus jedem industriellen Gerät zu sammeln und diese über eine gemeinsame Schnittstelle für den Zugriff zur Verfügung zu stellen.

Computional-defined Storage

"Symbolic IO stellt Serverplattformen für Computational-defined Storage vor", die Daten im RAM verarbeiten und damit zehmal schneller arbeiten sollen, als mit Intels 3D Xpoint ausgestattete Systeme und zehntausend Mal schneller als NAND-Flash-basierte Rechner.

Den unter dem Familiennamen IRIS angebotenen Produkten spricht Symbolic IO das Potenzial zu, die für Speichersysteme geltenden Regeln neu zu schreiben. Hierfür hat der Hersteller mit dem Begriff "Computional-defined Storage" auch gleich ein neues Schlagwort im Gepäck. Zum Angebot gehören IRIS Compute, Vault und Storage, für deren Steuerung das proprietäre Betriebssystem SymCE zuständig ist.

Einfachheit zählt

"Wir brauchen mehr Speicher- und Datenmanagement-Ideen" und natürlich auf diesen aufbauende Lösungen.

So bietet iguazio per Software-Lizenzierung oder als Appliance eine Enterprise-Data-Cloud-Plattform an, die Objekt-, Datei- oder Streamdaten in einem einheitlichen Format speichert und sie gemeinsam zugänglich macht. Große Datenmengen, wie sie bei Echtzeitanalysen, Cloud- oder IoT-Anwendungen anfallen, sollen sich schneller verarbeiten und auswerten lassen.

Noobaa verspricht, dass seine Software-Lösung das Ende von jeglicher Hardware-Abhängigkeit einläutet. Alle in heterogen aufgebauten Infrastrukturen vorhandenen und über einen Host ansprechbaren Speicherressourcen werden in einem einzigen virtualisierten System zusammengeführt und die Daten in einem Namensraum abgelegt. Dank der getrennten Verwaltung von den Metadaten soll die Verteilung und Migration von Daten schneller, sicherer und weniger aufwändig durchführbar sein.

Fazit

Obwohl viel Bewegung im Markt ist - und dies nicht zuletzt, da sich Startups der Lücken annehmen, die klassische Produkte nicht füllen können - fällt es oftmals schwer, den Mehrwert ihrer Lösungen zu erkennen. Das ist jedoch auch ihnen selbst zuzuschreiben, da sich ihre für die Vermarktung genutzten Argumente oftmals kaum von denen der alteingesessenen Branchengrößen unterscheiden.

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