Interview mit Eran Brown, CTO EMEA bei Infinidat

Digitalisierung, DSGVO, DevOps – Storage ist immer ein Thema

| Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Tina Billo

Eran Brown ist CTO EMEA bei Infinidat. Um den spezifischen regulatorischen, geografischen und politischen Herausforderungen in der Region zu begegnen, agiert er als "Sprachrohr" für die Kunden des Unternehmens.
Eran Brown ist CTO EMEA bei Infinidat. Um den spezifischen regulatorischen, geografischen und politischen Herausforderungen in der Region zu begegnen, agiert er als "Sprachrohr" für die Kunden des Unternehmens. (Bild: Infinidat)

Auf die neuen Herausforderungen an Storage-Arrays antworten viele Hersteller mit All-Flash. Infinidat geht einen anderen Weg und bietet – nach eigenen Angaben – mit dem InfiniBox Enterprise-Storage-Array eine "Faster-Than-All-Flash"-Perfomance. Storage-Insider fragte nach.

Storage-Insider: Digitalisierung führt zu Big Data, was wiederum eine enorme Herausforderung für Storage-Kapazität und -Kosten bedeutet. Wie können Unternehmen diese stemmen?

Eran Brown: Seit Jahren klagen IT-Abteilungen über die gleiche Krux: Die Speicherkapazität muss stetig und mit zunehmender Geschwindigkeit erhöht werden, doch die Kosten für die Datenspeicherung sind schon im Status Quo bereits zu hoch. Aus der Not heraus konsolidieren Unternehmen auf weniger aber größere Storage-Arrays. Deshalb benötigen sie eine wesentlich höhere Zuverlässigkeit. Die Antwort vieler Hersteller auf diesen Zustand war und ist: "All-Flash".

Doch All-Flash-Lösungen beheben nur ein Problem – das der Performance. Das andere Problem wird durch All-Flash verschärft: Die Kosten pro TB erhöhen sich und es werden mehr TB hinter die gleiche Zwei-Controller-Architektur gestellt. Gleichzeitig lösen Hyperscale-Cloud-Anbieter dieselbe Situation mit intelligenter Software, indem sie den Bedarf an mediendefinierter Speicherung vermeiden und die Kosten so drastisch senken. Mit Infinidat kommen genau diese Einsparungen im eigenen Rechenzentrum unserer Kunden an.

Das Gegenargument vieler Flash-Anbieter ist, dass Flash immer kostengünstiger wird. Das stimmt, doch das gilt auch für Festplatten – magnetische Speichermedien werden dichter und günstiger. Tatsächlich kommt Flash preislich immer noch nicht an die Festplatte heran. Western Digital beispielsweise sieht bis 2028 eine gleich schnelle Kostenentwicklung von Flash und HDDs nach unten. Damit bleibt Flash noch rund ein ganzes Jahrzehnt bis zu zehnmal teurer als Festplatten.

Abgesehen davon ist Flash ein Medientyp und neue Medientypen werden weiterhin alle paar Jahre erscheinen. Am Ende des Tages kommt es nicht auf das Medium an, sondern auf die Kosten und die Performance. Heute sehen wir in Benchmarks, dass die InfiniBox in beiden Punkten vorne liegt.

Doch was ist, wenn die Kosten für Flash in Zukunft kein Argument mehr sind?

Eran Brown: Selbst wenn alle Analysten und Anbieter falsch liegen und die Flash-Preise eines Tages auf magische Weise erheblich sinken würden, entspricht die weltweite Produktion von Flash bei weitem nicht der des globalen Datenwachstums. Tatsächlich wird derzeit nur so viel Flash hergestellt, dass es etwa 15 Prozent der weltweiten Daten fasst.

Da der Bau von Flash-Fertigungsanlagen Jahre und Milliarden an Budget in Anspruch nimmt und durch die Kostensenkung der Anreiz, neue Anlagen zu eröffnen, wegfällt, kann man auf die Frage nach All-Flash letztendlich nur eine hypothetische Antwort geben.

Wie überzeugt Infinidat seine Kunden dann von der eigenen Lösung?

Eran Brown: Wir überzeugen unsere Kunden einfach mit Testszenarien. Dabei können wir nicht nur unsere Verfügbarkeit von 99,99999 Prozent (unsere "sieben Neunen") unter Beweis stellen, sondern vor allem auch die Geschwindigkeit unserer Lösung.

Mit dem Infinibox Enterprise-Storage-Array bietet Infinidat ein hybrides Speichersystem an, dass laut Hersteller schnellere Performance-Werte liefert als All-Flash-Lösungen.
Mit dem Infinibox Enterprise-Storage-Array bietet Infinidat ein hybrides Speichersystem an, dass laut Hersteller schnellere Performance-Werte liefert als All-Flash-Lösungen. (Bild: Infinidat)

Wir wissen zum Beispiel, dass wir mit unserer Hyperscale-Lösung bei jeder realen Auslastung besser abschneiden als All-Flash-Lösungen von jedem beliebigen Anbieter. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass wir Flash nicht grundsätzlich ablehnen. Wir setzen Flash selbst in unseren Produkten als Teil von Neural Cache ein, dem Lernalgorithmus, der unsere Leistung beschleunigt.

Aber das Speichern aller Daten auf Flash ist kostenintensiv und bietet keinerlei Flexibilität. Selbst nach der Datenreduktion sehen wir für All-Flash einen Aufpreis zwischen 100 und 250 Prozent im Vergleich zu unserer Storage-Lösung.

Wie haben sich die Anforderungen an eine sichere Storage-Infrastruktur mit der EU-DSGVO geändert?

Eran Brown: Mit den neuen regulatorischen Anforderungen durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird die Verschlüsselung von Daten für Unternehmen zur Commodity – sonst drohen hohe Bußgelder. Sicherheit steht deshalb für viele IT-Abteilungen an oberster Stelle der Prioritätenliste, doch nicht alle betrachten das Problem ganzheitlich.

Die meisten konzentrieren sich zu sehr auf die Verschlüsselung von Daten "in rest", sprich innerhalb der Storage-Umgebung. Beispiele von Datenverstößen in der Vergangenheit zeigen aber, dass diese Strategie nicht ausreicht – und das sieht auch die Gesetzgebung so. Alle Sicherheitsvorschriften müssen sowohl für Daten "in rest" als auch "in flight" gelten – also dann, wenn sich diese im Netzwerk von A nach B bewegen.

Einer der am meisten propagierten Vorteile von Flash, die hohe Kompressionsrate, geht damit verloren. Denn einmal verschlüsselte Daten – und mit der DSGVO sind das alle personenbezogenen Daten – können nicht mehr komprimiert werden. Der Preisvorteil durch von Flash komprimierte Daten ist so nicht mehr gegeben.

Eine weitere große Herausforderung ist das mit der DGSVO eintretende "Recht auf Vergessenwerden", also die unverzügliche Löschung aller personenbezogenen Daten: Eine Person aus einem historischen Backup zu entfernen ist keine leichte Aufgabe. Storage-Anbieter müssen daher neue Lösungen entwickeln, um die wichtigsten Hürden des Datenmanagements zu bewältigen.

DevOps versteht sich als Rezept für agile Prozesse. Wie muss sich die Storage-Architektur anpassen, um DevOps zu ermöglichen?

Eran Brown: Wer DevOps wirklich lebt und sich nicht nur als Motto vorschreibt, für den wird vieles einfacher. Das Schwierige ist der Weg dorthin: Das Umwandeln von veralteten manuellen Prozessen in automatisierte. Um diesen Übergang zu ermöglichen, bietet Infinidat seinen Kunden "Bausteine" für die Automatisierung an. Diese ermöglichen es den Teams, direkt mit der Automatisierung zu starten, ohne zusätzlich noch Entwickler einstellen zu müssen.

So unterstützt Infinidat beispielsweise die Automatisierung aller Storage-Bereitstellungs- und Zuweisungsaufgaben unter Verwendung einer identischen CLI über mehrere Betriebssysteme hinweg oder die Freigabe des Python-SDKs. Infinidat setzt dies intern für die Automatisierung ein, so dass Kunden ihre eigenen Automatisierungsabläufe einfach selbst erstellen können. Darüber hinaus bieten wir kompletten Kubernetes-Support sowie eine Code-Sharing-Plattform für unsere Kunden-Community zum Austausch von Wissen und Tools.

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