Alternative Cloud-Anbieter (Teil 7) Drei deutsche Cloud-Alternativen mit gestandener Historie

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

In unserer Reihe mit Alternativen zu den Hyperscalern Google, Microsoft und AWS stellen wir hier drei Firmen aus deutschen Landen vor, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat, die aber auf viele Jahre Erfahrung zurückblicken: Noris Network, Grass-Merkur und Syntax.

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In unserer Reihe mit Alternativen zu den Hyperscalern Google, Microsoft und AWS stellen wir hier wieder drei Firmen aus deutschen Landen vor.
In unserer Reihe mit Alternativen zu den Hyperscalern Google, Microsoft und AWS stellen wir hier wieder drei Firmen aus deutschen Landen vor.
(Bild: gemeinfrei© ArtTower / Pixabay )

Analysten haben „alternative Cloud-Anbieter“ als legitimes und schnell wachsendes Segment des Cloud-Services-Marktes ausgemacht, das sich deutlich von den großen drei hyperskalierenden Public-Cloud-Anbietern Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) unterscheidet. In unserer Reihe stellen wir einige davon vor, an dieser Stelle deutsche Vertreter mit einer vergleichsweise langen Geschichte.

Noris Network war der erste ISP Nürnbergs

Die Noris Network AG ist seit 1993 inhabergeführt als RZ-Betreiber unterwegs, war nach eigenen Angaben der erste ISP der Metropolregion Nürnberg und bezeichnet sich heute als Spezialist für hybride Cloud-Konzepte. Sie unterstützt ihre Kunden auf ihrem Weg in die Cloud durch den Support von Legacy-Systemen, Private Clouds auf shared und dedizierten Infrastrukturen sowie die Interkonnektivität mit den „großen“ Cloud-Providern.

Bei der Noris Cloud (Public Cloud), dem vDatacenter und den Private-Cloud-Systemen befinden sich alle Komponenten in den fünf deutschen Rechenzentren des Unternehmens. Das und entsprechende Zertifizierungen machten das Angebot nicht zuletzt für Kunden aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Automotive und Recht interessant. Auch für E-Commerce, Social Media, Personalmanagement und Recruiting habe man entsprechende Cloud-Services vorrätig.

Das Angebot ist breit gefächert: Noris Network betreibt für seine Kunden beispielsweise OpenShift- oder Kubernetes-Cluster. Dabei werde nicht nur das Monitoring und Incident-Management übernommen, sondern auch das Einspielen von Release- und Funktions-Updates. Je nach Anforderung wird auch das Sizing der Cluster-Nodes abgestimmt. Aber auch klassisches Datenbank-Hosting von MySQL über MongoDB, PostgreSQL bis SQL von Microsoft oder Oracle befindet sich im Portfolio – gerne auch in Verbindung mit der Cloud-Infrastruktur des Kunden.

Julian Fay, Team Lead Presales Consulting bei Noris Network AG.
Julian Fay, Team Lead Presales Consulting bei Noris Network AG.
(Bild: Noris Network AG)

Eine Besonderheit ist die Abrechnung über ein „Cloud-Punkte-System“. „Der große Vorteil von Cloud Computing und IaaS liegt in der Flexibilität und beliebigen Skalierbarkeit. Damit das kundenintern nicht bei kaufmännischen Angebots- und Genehmigungsprozessen endet, haben wir die Noris-Network-Cloud-Punkte eingeführt. Kunden buchen ein Servicekontingent und können innerhalb dieses Rahmens dann ohne weitere Rücksprache über die Managementkonsole Ressourcen bedarfsabhängig zuweisen. So bleibt die IT in ihren Budgetgrenzen und ist dennoch flexibel“, erläutert Julian Fay, Team Lead Presales Consulting bei Noris Network AG.

Grass-Merkur existiert seit 1971

Grass-Merkur mit Sitz in Hannover ist ein mittelständischer RZ-Betreiber und Cloud-Service-Provider mit einem breiten Portfolio, das von „Lift-and-shift“ über Housing, Colocation und Managed-Services bis zu Cloud-Services reicht. „Wir können damit eine echte Alternative zu den klassischen Hyperscalern bieten“, so Markus Dietz, bei Grass-Merkur zuständig für das Business Development.

Dabei blickt das Unternehmen auf eine lange Vergangenheit zurück: Das Unternehmen wurde nämlich bereits 1971 (!) als Rechenzentrum eines Logistikverbunds gegründet, damals noch mit Mainframes, Lochkarten und Nadeldruckern. Heute ist der Dreh- und Angelpunkt des Unternehmens, das Sicherheitsrechenzentrum in Hannover, nach ISO 27001 zertifiziert und bietet auf über 3.500 Quadratmetern IT-Fläche für Kunden-Racks. Errichtet wurde es Anfang der ’90er-Jahre von einer deutschen Großbank, seit Mitte der ’90er-Jahre ist es das Hauptrechenzentrum von Grass-Merkur.

Das Unternehmen begleitet seine Kunden – darunter namhafte Unternehmen unter anderem aus den Branchen Versicherungen, Finanzdienstleister, Energieversorger, Automotive und Krankenkassen – sowohl als Colocation-Dienstleister für hochverfügbare, sichere RZ-Flächen, aber auch auf ihrem Weg „in die Cloud“. Die Cloud-Services sind nach ISO 27017 und ISO 27018 zertifiziert.

 

Eine Cloud-Performance-Analyse der kundeneigenen IT-Umgebung bestimmt zu Beginn eines Cloud-Projektes, welche Services und Leistungen zum Einsatz kommen und gegebenenfalls modular erweitert werden können. So lässt sich zum Beispiel das Angebot von Colocation-Services mit Cloud-Services ergänzen. Konkret umfasst das Cloud-Angebot Compute & Storage (Virtuelle Maschinen und Ceph-Storage / S3) und wird ergänzt um Projektunterstützung bei der Migration in die Cloud.

Jens Ahlbrand, geschäftsführender Gesellschafter der Grass-Merkur.
Jens Ahlbrand, geschäftsführender Gesellschafter der Grass-Merkur.
(Bild: Grass-Merkur)

Technologisch setzt Grass-Merkur dabei auf Standards wie OpenStack, Hyper-Converged Infrastructure (Nutanix mit AHV), Ceph Storage / S3 und Backup-Technologien (zum Beispiel Veeam, Networker). So bietet das Portfolio zahlreiche Lösungen für individuelle Kundenanforderungen mit Colocation, Cloud-Services und auch Managed Services, etwa rund um das Thema „Backup und Recovery“. „Als Kunde der Grass-Merkur müssen Sie keine ,Entweder-oder-Entscheidung‘ treffen, sondern profitieren von besonderen Mehrwerten, die kaum ein anderer Cloud-Provider bietet: Wir nennen es das All-in-one-Konzept“, so Jens Ahlbrand, geschäftsführender Gesellschafter der Grass-Merkur.

Syntax folgt auf Freudenberg IT

Syntax ist ein global agierender IT-Service- und Cloud-Provider mit gestandener Historie; als Freudenberg IT war man schon in den ’90er-Jahren als SAP-Spezialist unterwegs. Heute offeriert Syntax Multi-Cloud-Modelle als Kombination aus Private Cloud für Kunden im eigenen Rechenzentrum in Weinheim und Public Clouds, namentlich Microsoft Azure und AWS. Zum Kundenkreis zählen insbesondere Unternehmen aus dem industriellen Mittelstand.

Neben Cloud Computing, Application Management Services, Digital Manufacturing und Modern Workplace liegt ein Schwerpunkt nach wie vor auf vielfältigen Services rund um SAP: Von der Beratung und Planung über die Implementierung bis hin zum Betrieb regionaler und global verteilter hybrider SAP-Landschaften bietet Syntax ein umfassendes Dienstleistungsspektrum. So weist Syntax seinen Kunden den Weg hin zu S/4HANA, hilft ihnen bei der digitalen Transformation durch SAP im Industrial IoT und liefert Beratung zum Betrieb von SAP in der Cloud – egal, ob Private, Public oder Hybrid.

„Jedes Unternehmen, jedes Einsatzszenario hat eigene Parameter, die darüber entscheiden, welches Betriebsmodell das jeweils beste ist. Deshalb glauben wir bei Syntax fest an den Wert von Optionen für unsere Kunden und an die Zukunft hybrider Infrastrukturen“, so Ralf Sürken, CEO Europe, Syntax. „Daher investieren wir weiter in unsere eigenen globalen Rechenzentren und in unsere Syntax Enterprise Cloud. Sie ist eine gute Alternative für alle Kunden oder auch nur bestimmte Workloads, die heute noch nicht ‚Public-Cloud-ready‘ sind.“

Ralf Sürken, CEO Europe, Syntax Systems.
Ralf Sürken, CEO Europe, Syntax Systems.
(Bild: Syntax Systems)

Die Syntax Enterprise Cloud sei eine gute Alternative für alle, welche die Vorzüge der Hyperscaler nicht brauchten, die Kosten im Griff behalten wollten und dabei noch ein transparentes Betriebsmodell mit eindeutiger Verantwortung bei einem Dienstleister und rein deutsches oder rein europäisches Hosting wünschten. „Natürlich beraten wir unsere Kunden auch bei der Umsetzung von hybriden Multi-Cloud-Strategien und der optimalen Gestaltung der Gesamtinfrastruktur“, so Sürken.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist