Bitkom-Studie

DSGVO spaltet die Unternehmensgemüter

| Autor / Redakteur: Sarah Nollau / Rainer Graefen

58 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit mehr Aufwand nach der Umsetzung der DSGVO-Konformität.
58 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit mehr Aufwand nach der Umsetzung der DSGVO-Konformität. (Bild: Pixabay / CC0)

Seit dem 25. Mai ist die zweijährigen Übergangsfrist für die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung abgelaufen. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie ist allerdings erst knapp ein Viertel vollständig konform mit den neuen Regeln. Vier Prozent der Unternehmen werden nach wie vor am Anfang stehen.

Bis zum 25. Mai sind es nur noch wenige Tage. Die zweijährige Übergangsfrist für die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist an diesem Stichtag abgelaufen. Und dennoch schätzt nur knapp ein Viertel (24 Prozent) der deutschen Unternehmen aus eigener Perspektive ein, vollständig konform mit den neuen Regeln zu arbeiten. 32 Prozent der Unternehmen wird die DSGVO-Konformität größtenteils umgesetzt haben.

Weitere 33 Prozent werden ihre Vorbereitungen zumindest teilweise abgeschlossen haben. Am Stichtag werden vier Prozent der Unternehmen nach wie vor am Anfang stehen. Zwei Prozent haben bis dahin noch nicht einmal die ersten Schritte in die Wege geleitet. Diese Werte stammen aus einer aktuellen Bitkom-Befragung, bei der 500 Unternehmen aus Deutschland teilgenommen haben.

„Viele Unternehmen haben sich in der Vergangenheit zu wenig um den Datenschutz gekümmert und haben deshalb Nachholbedarf“, erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg. Allerdings räumt er ein, dass es bis heute von offizieller Seite an praktischen Hilfestellungen fehlt, was die Auslegung der DSGVO betrifft.

Kulanz erwünscht

Aus der Wirtschaft wird der Wunsch nach kulantem Verhalten der Behörden laut. Vier von zehn Unternehmen (41 Prozent) würden sich eine verlängerte Schonfrist über den Stichtag hinaus wünschen. Mögliche Sanktionen sollten noch immer ausgesetzt werden. Für knapp die Hälfte (49 Prozent) wäre zunächst eine Aufforderung zu Nachbesserung bei Verstößen wünschenswert.

Nur jedes hundertste Unternehmen ist davon überzeugt, dass die vorgeschriebenen Sanktionen auch ausgeschöpft werden sollten. „Auch für die Behörden muss das Motto zunächst einmal lauten: helfen statt bestrafen“, so Berg. Zum Teil seien Formulierungen der Verordnung so vage formuliert, dass dies den Unternehmen nicht zum Nachteil ausgelegt werden dürfe.

Die Umsetzung der DSGVO-Konformität stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Für zwei von drei Befragten (66 Prozent) ist die größte Hürde den schwer abschätzbaren Aufwand. Im Vorjahr waren es noch 54 Prozent. Die zweite Hürde ist die Rechtsunsicherheit, die 56 Prozent beklagen (Vorjahr: 42 Prozent). Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern erschwert die Umsetzung für 24 Prozent (Vorjahr: 17 Prozent).

Mehraufwand für Datenschutz

Auch nach der Umsetzung rechnen sechs von zehn Unternehmen unterm Strich mit mehr Aufwand für den Datenschutz (58 Prozent). Sogar mit deutlich mehr Aufwand rechnet ein Drittel (32 Prozent). Mit einem ähnlichen Pensum wie zuvor rechnen 34 Prozent. Im Vorjahr war es noch knapp die Hälfte (45 Prozent). Kein einziges Unternehmen erwartet weniger Arbeit durch die neuen Datenschutzregeln. „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird die DSGVO langfristig zu deutlichen Belastungen führen“, so Berg.

Grundsätzlich spaltet die DSGVO die Unternehmens-Gemüter. Sieben von zehn Unternehmen erwarten einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in der EU. 51 Prozent glauben an einen Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen. Vorteile für das eigene Unternehmen sehen 43 Prozent. Für die Hälfte steht fest, dass die DSGVO Geschäftsprozesse verkomplizieren wird. Jeder dritte Befragte (38 Prozent) rechnet damit, dass die Verordnung die Digitalisierung in Europa bremst. 34 Prozent glauben, dass die DSGVO Wettbewerbsnachteile für EU-Unternehmen mit sich bringt. Neun Prozent rechnet sogar mit einer Gefährdung für die eigene Geschäftstätigkeit.

Über die Studie

Für die Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat, wurden 505 für den Datenschutz verantwortliche Personen, darunter betriebliche Datenschutzbeauftragte, Geschäftsführer und IT-Leiter, von Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland befragt.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal IT-Business übernommen.

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