Storage Networking World USA in Dallas

Ein Branchentreffen der Storage-Schwergewichte

07.11.2007 | Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Nico Litzel

Die Storage Networking World (SNW) USA zählt zu den führenden Branchentreffen der Speicherindustrie.
Die Storage Networking World (SNW) USA zählt zu den führenden Branchentreffen der Speicherindustrie.

Die Storage Networking World USA gehört seit Jahren zu den führenden Branchentreffen der Speicherbranche in Nordamerika. Sie findet jährlich gleich zweimal statt – im Frühling an der West- und im Herbst an der Ostküste beziehungsweise dieses Jahr zum ersten Mal in Dallas. Beherrschende Themen auf der Herbsttagung waren Data Deduplication, Fibre Channel over Ethernet (FCoE), Green Storage und die Krise der Archivierung.

Unter der Moderation von Arun Taneja, Gründer und Consulting Analyst der Taneja Group, traten gleich vier Vertreter der noch jungen Spezies von Data-Deduplication-Anbietern zu einer Paneldiskussion an: Data Domain, Sepaton, Exagrid Systems und Diligent Technologies. Taneja betonte eingangs, dass zwar Anbieter wie Quantum, Falconstor oder Network Appliance ebenfalls Daten-Deduplizierung in ihrem Portfolio hätten, es aber gerade „the little guys“ seien, die nun die Spielregeln änderten.

Anschließend bekam jede der vier jungen Firmen mehrfach Gelegenheit, die Stärken der eigenen Lösung hervorzuheben und jene der Konkurrenz schlecht zu machen. Eine richtige Diskussion konnte sich so natürlich nicht entwickeln, was das Publikum jedoch nicht zu stören schien nach dem Motto „Hauptsache, es gibt kräftig Zunder“.

Die Ausstellungsstände der Panel-Teilnehmer waren während der ganzen Messe regelrecht belagert, besonders der von Data Domain. Der Anbieter reklamiert für sich eine breite Palette von Einsatzmöglichkeiten wie Online, Replikation und Kompatibilität zu allen Backup-Programmen und sieht sich bereits als Marktführer.

Fibre Channel over Ethernet

In Deutschland kaum zur Kenntnis genommen, wird FCoE (Fibre Channel over Ethernet) in den USA breit diskutiert, wie die SNW gleich mit mehreren Vorträgen und Tutorials dokumentierte. Die Besucher konnten sich so über die Grundlagen des in den T11-Gremien in Arbeit befindlichen neuen Protokollstandards informieren, bei dem Fibre-Channel-Frames in Ethernet-Frames gekapselt und übertragen werden.

Neben FCoE wird an „Enhanced Internet“ und „TRILL“ (Transparent Interconnection Lots of Links) gearbeitet, um ein Next Generation Network zu schaffen. Dieses soll die Vorteile von Ethernet, Fibre Channel und Infiniband in einem gemeinsamen Netzwerk zusammenführen. Selbst im Rechenzentrum hätte man dann statt drei verschiedener Netze nur noch eines. Die Realisierung von FCoE wird bei der Fibre Channel Organization (FCIA) als Motor dieser generellen Entwicklung angesehen. Erste Produkte sollen schon bald auf den Markt kommen, aber noch sei die Position von Herstellern wie Brocade unklar.

Green IT

Klima- und Umweltfragen haben nun auch die IT in den USA erreicht. Bei ganztägig laufenden Klimaanlagen, die die Durchschnittstemperatur auf menschenverachtende 17 Grad Celsius einfroren, wurde auf der SNW in Dallas darüber diskutiert, „how green is storage?“. Die Antwort lautete wie üblich: „Kommt darauf an.“ Denn je nach Standpunkt und Moral hat man schon viel erreicht, zum Beispiel durch neue Disk Arrays mit weniger Energie verbrauchenden Kühlanlagen, oder steht zumindest kurz vor dem großen Sprung.

Wie schon in der Alten Welt will sich auch in der Neuen niemand so richtig der Erkenntnis verschließen, dass Stromsparen geil sei – in dieser Reduktion auf die Kostenfrage kommt „Green Storage“ nun mal der Bilanz zugute. Dass „grün“ auch mehr bedeuten kann, demonstrierte IT-Manager Brian Cobb von der Finanzierungsgesellschaft für privaten Hausbesitz Fannie Mae in seiner Keynote: Sein Unternehmen baute drei Rechenzentren nach umweltfreundlichen Konzepten, die auch die verbauten Materialien, Energie- und Wasserquellen sowie die Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel für die Pendler unter den Angestellten berücksichtigte. Die SNIA hat in den USA mittlerweile eine Initiative für Green Storage gegründet, die vor allem auf die Energiefragen abzielt (siehe Link).

Dauerbrenner Archivierung

Viel Beachtung fand der Vortrag von Michael Peterson, President der Strategic Research Corporation, zum Thema „Solving The Coming Archive Crisis“. Peterson bezieht sich auf eine Reihe von Untersuchungen, nach denen die Unternehmen der Archivierung der digitalen Daten eine zu geringe Bedeutung zumessen. Trotz aller Schlagworte wie Compliance oder Longterm Retention verbinden sich mit Archivieren noch immer Vorstellungen wie „verstaubt“, „dunkle Keller“ oder einfach „überflüssig“.

Viele Verantwortliche könnten nicht einmal definieren, ob unter „langfristig“ 15 oder 50 Jahre Aufbewahrung wichtiger Unterlagen zu verstehen sei. Peterson konstatiert, dass spätere Generationen nur auf einen Teilbestand oder gar keine archivierten Daten zurückgreifen könnten, wenn man sich nicht intensiv um Schwachstellen wie Disk und Tape kümmere – beide Medien verlieren im Lauf der Zeit mehr oder weniger schnell ihre Daten.

Außerdem sei die Frage der langfristigen Datenformate noch immer nicht gelöst. Es drohe der Verlust der kollektiven Erinnerung, wie er mit den bisherigen Verfahren und Materialien wie Papier, Bücher oder Film möglich war. Laut Peterson muss deshalb alles getan werden, um eine rechtzeitige physische und logische Migration der archivierten Daten zu sichern. Die SNIA und einige Hersteller arbeiteten bereits an automatischen Prozessen und Produkten, die die Langlebigkeit der gespeicherten Informationen garantieren sollen.

Business und Spiele

Veranstaltungen wie die SNW USA oder viele Anwendertreffen der großen Hersteller finden in den USA fast immer in riesigen, ruhig gelegenen Kongresszentren mit angeschlossenem Fünfsterne-Hotel statt. Man muss während der Kongresstage das Gelände kaum verlassen, und Golfplätze finden sich meist in unmittelbarer Nähe. Diese Abgeschiedenheit hat mehrere Vorteile: Organisatoren, Besucher und Aussteller beziehungsweise deren Mitarbeiter hocken tagelang auf einem Haufen zusammen, alles ist zu Fuß erreichbar, zwischen den Vorträgen kann man mal eben auf sein Zimmer verschwinden und seine Mails erledigen.

Lockere Atmosphäre

Für das Networking zwischen den Beteiligten sorgen mehrere Abendveranstaltungen und Galadinner. Es herrscht insgesamt eine lässige Atmosphäre – mit Sakko, Anzug oder gar Krawatte laufen allenfalls die CEOs der Aussteller und Sponsoren herum, ansonsten ist jeden Tag „Casual Friday“. Sogar beim Galadinner zieht jeder an, was ihm gefällt. Insgesamt eine angenehme Atmosphäre, verglichen mit dem zwanghaften „Business-Charakter“ deutscher Kongresse oder Messen.

Die großen Hotelburgen haben noch einen weiteren Vorteil. Sie bieten genügend komfortable Suiten, in denen sich eine nicht zu unterschätzende Ebene des SNIA-Events SNW USA abspielt: Hier treffen sich CEOs, Marketing und Business Development Manager aus der Storage-Branche, um Deals miteinander vorzubereiten oder abzuschließen. Letztes Jahr wurde hier zum Beispiel der Verkauf des Startups Avamar an EMC unterschriftsreif gemacht und anschließend mit einer spontanen Party für Insider gebührend gefeiert.

Bühne für Startups

Gerade Startups finden auf der SNW USA eine Bühne, um auf sich aufmerksam zu machen: Die Investition von etwa 5.000 Dollar für einen Ministand fällt kaum ins Gewicht, und wer (zukünftige) Größe dokumentieren will, findet zusätzliche Gelegenheiten vom Sponsoring des Pausenkaffees oder der Lunchpakete bis hin zur Buchung von Vorträgen. Man ist dabei und weiß, wie man sich dem Publikum zu präsentieren hat. Und wartet darauf, was sich in den Hinterzimmern ereignet.

Und Größe zählt doch

In Dallas hatten LSI und Microsoft neben EMC die größten Ausstellungsstände belegt – für Beobachter eine eindeutige Zurschaustellung des eigenen Anspruchs, in der Speicherbranche eine große Nummer zu sein. Einen Stand auf der SNW zu haben, richtet sich so gesehen nur in zweiter Linie an die IT-Mitarbeiter aus den Anwenderunternehmen. So verkauft LSI zu 100 Prozent indirekt, hat aber laut Phil Bullinger, Senior Vice President and General Manager Engenio Storage Group von LSI, auch kein Interesse daran, ähnlich wie Intel mit „LSI inside“ an die breite Öffentlichkeit zu gehen. Marketing betreibe man ausschließlich, so Bullinger im Gespräch mit Storage-Insider.de, um weitere Partner zu gewinnen.

Für Microsoft, bisher kaum im Storagegeschäft vertreten, gilt Ähnliches: Die massive Präsenz auf der SNW USA soll der Branche zeigen „Wir sind da und wir haben einiges vor.“ Manche Beobachter bezeichnen denn auch inzwischen die US-Ausgabe der SNW etwas abschätzig als „reinen Industry-Event“, auf dem die Anliegen der Anwender nur noch eine untergeordnete Rolle spielten.

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