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Western Digital übernimmt SanDisk: Die Hintergründe Ein Storage-Gigant entsteht

| Autor: Klaus Länger

Western Digital will für 19 Milliarden US-Dollar den SSD-Hersteller SanDisk übernehmen. Damit entsteht ein Storage-Gigant, der alle Bereiche von der Speicherkarte bis hin zu Enterprise-Systemen abdeckt und insgesamt klarer Marktführer wäre. Allerdings gibt es bei Enterprise-SSDs auch Überschneidungen zwischen SanDisk und der WD-Tochter HGST.

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Die Zentrale von Western Digital in Irvine, Kalifornien.
Die Zentrale von Western Digital in Irvine, Kalifornien.
(Bild: WD)

Mit der Übernahme von SanDisk für etwa 19 Milliarden US-Dollar entsteht der größte Storage-Hersteller der Welt, wenn der Deal über die Bühne gegangen ist. Laut Western Digital würde sich die kombinierte Firma mit einem Jahresumsatz von etwa 19 Milliarden US-Dollar klar vor die gerade von Dell übernommene EMC setzen. Die bisherige Nummer eins konnte laut Western Digital 16,6 Milliarden US-Dollar Umsatz verzeichnen.

Durch die Übernahme von SanDisk wird Western Digital vor allem zu einem wichtigen Hersteller von Flash-Speichern und SSDs. Hier war der Festplattenhersteller bisher schwach auf der Brust. Die Enterprise-SSDs der WD-Tochter HGST machen nur etwa sechs Prozent des Jahresumsatzes in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar aus. Nach der Übernahme würde dieser Anteil der SSDs auf etwa 32 Prozent am geplanten höheren Gesamtumsatz steigen.

SanDisk und Toshiba

SanDisk hat 1988 mit der Weiterentwicklung des Floating Gate EEPROMs die Grundlage für NAND-Flash-Chips gelegt und verfügt über mehr als 6.500 Patente in diesem Bereich. Für die Fertigung arbeitet SanDisk aber seit 15 Jahren mit Toshiba zusammen. Am 20 Oktober haben beide Firmen bekannt gegeben, dass mit der Installation der Fertigungsanlagen in der neuen Fab 2 im japanischen Yokkaichi begonnen würde. In der als Joint-Venture betriebenen Fabrik sollen ab dem ersten Quartal 2015 3D-Flash-Chips gefertigt werden. Laut Western Digital soll die Zusammenarbeit mit Toshiba auch nach der SanDisk-Übernahme in der bisherigen Form fortgesetzt werden.

Mit HP kooperiert SanDisk bei der Entwicklung einer neuen Technologie mit dem Namen Storage Class Memory (SCM). Sie kombiniert die bei HP entwickelte Memristor-Technologie mit der ReRAM-Forschung von SanDisk und ist einer der möglichen Nachfolger für NAND-Flash.

Bei Western Digital ist vor allem deren Tochter HGST für die Entwicklung neuer Technologien im HDD-Bereich zuständig. HGST hat die Kapazität herkömmlicher Festplatten durch Helium-Füllung und Shingled Magnetic Recording (SMR) als Aufzeichnungsverfahren bis auf zehn Terabyte hoch getrieben.

Das Portfolio

Die Produktportfolios von Western Digital und SanDisk ergänzen sich weitestgehend. SanDisk steuert Speicherkarten und interne sowie externe SSDs bei, WD herkömmliche interne Festplatten für Consumer und mit HGST für Enterprise sowie externe Festplatten und NAS-Systeme unter WD-Label. Eine Überschneidung gibt es bei Enterprise-SSDs mit SAS- oder PCI-Express-Interface. Denn die bieten sowohl SanDisk als auch HGST an. Hier ist derzeit offen, ob Western Digital beide Linien weiterführt oder nicht.

Unter einem Dach

SanDisk soll vollständig in Western Digital integriert werden, mit dem bisherigen WD-CEO als Chef der kombinierten Firma. Der bisherige SanDisk-CEO Sanjay Mehrotra, einer der Gründer der Flash-Firma, soll in das Board of Directors einziehen. Auch die bisher eigenständig agierende WD-Tochter HGST wird weiter in Western Digital integriert. Am 19. Oktober hat das chinesische Handelsministerium dafür grünes Licht gegeben. Beim Kauf von HGST, vormals Hitachi Global Storage Technologies, musste Western Digital einer „hold separate”Auflage zustimmen. Sie regelte, dass HGST als Marke und mit eigener Firmenstruktur noch für zwei Jahre erhalten bleiben müsse. Diese Auflage ist nun gefallen, und Western Digital hat angekündigt, HGST binnen zwei Jahren mit Western Digital zu integrieren. Mike Cordano, der bisherige HGST-President soll COO von WDC werden. Mit SanDisk nun gleich noch ein weiteres Unternehmen zusammen mit Western Digital und HGST unter einen Hut zu bekommen, wird sicherlich keine leichte Aufgabe. Auch wie sich das auf den Channel auswirken wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.


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(Bild: VBM-Archiv)

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