Mit verstärkter Softwareorientierung sollen Speicherlücken vermieden werden

EMC will jedes Speicherbedürfnis mit seinem Portfolio abdecken

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Am liebsten wäre EMC auch gleich die Second Source. Mit Hilfe der Open Source Community möchte der Hersteller die Lücken im Portfolio aufdecken und beseitigen.
Am liebsten wäre EMC auch gleich die Second Source. Mit Hilfe der Open Source Community möchte der Hersteller die Lücken im Portfolio aufdecken und beseitigen. (Foto: Ariane Rüdiger)

Auf der diesjährigen EMC World in Las Vegas gab es zahlreiche Neuerungen. Das Management wurde außerdem nicht müde, immer wieder die disruptive Natur der derzeitigen Veränderungen zu betonen. Das soll wohl so interpretiert werden: Nur EMC kann die derzeitige technische Sprunghaftigkeit bewältigen!

Mit Speicher-Hardware allein ist jedenfalls dann heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen, wenn ein Unternehmen wie EMC weiterhin zu den Großen gehören möchte.

Der Umstieg auf die nächste Infrastrukturgeneration macht ein komplettes Umdenken nötig, was sich bei der EMC World in Las Vegas im Motto „Redefine.Next“ widerspiegelte.

Hardware ist für den desolaten Speichermarkt nicht flexibel genug

Neben einem kompletten Infrastrukturangebot müsse man, so gebetsmühlenartig das gesamte Management, die IT an den Ansprüchen der „Information Generation“ ausrichten. Dazu gehöre auch und vor allem Software, denn niemand bestreite mehr ernstlich, dass die IT-Welt der Zukunft stärker als heute durch die weiche Ware geprägt werde. Deshalb seien auch nur noch fünf Prozent der EMC-Entwickler mit Hardware beschäftigt.

Dass Software EMC derzeit extrem wichtig ist, zeigte eine der Kernbotschaften an die rund 14000 Besucher der Veranstaltung: EMC goes Open Source. Der Hersteller werde Schritt für Schritt den Quellcode zahlreicher seiner Anwendungen an die Open-Source-Community übergeben. Den Anfang macht der Storage-Controller ViPR.

„So helfen uns die Kunden, bessere Software zu entwickeln“, erklärte CJ Desaj, Präsident Emerging Technologies bei EMC. Die Softwareentwicklung ließe sich durch Open Source beschleunigen und im Kern vereinheitlichen, weil mehr Programmierer und Hersteller dazu beitrügen. Mit Randy Bias, Mitbegründer von OpenStack und des Zukaufs CloudScaling, heute Vice President Emerging Technologies bei EMC, hat sich das Unternehmen von außen einen glaubwürdigen Vertreter der Open-Richtung ins Management geholt.

Die Open Source Community soll mithelfen

Tatsächlich ist der Vorstoß wohl eher der Not geschuldet denn der Tugend, denn, so war zu hören, obwohl beide Produkte auf großes Interesse gestoßen seien, sei die Zahl auch der testweisen Nutzungen wegen des komplizierten Bezugsverfahrens doch weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Das, so hofft man, werde sich jetzt ändern. Wer allerdings nicht nur testet, sondern produktiv wird, soll weiterhin bezahlen. So wird ViPR als Open-Source-Produkt unter der Bezeichnung CoprHD frei downloadbar sein. ViPR aber als kommerzielle Lösung weiterhin angeboten.

Auch ScaleIO, eine Software, die serverseitige Speicherressourcen so vernetzt, dass sie allgemein nutzbar werden, gibt es in einer freien Version für Test und gemeinnützige Verwendung. Außerdem entsteht für die Lösung eine spezielle Online-Community. ScaleIO läuft auf dem neuen hyperkonvergenten System VxRack.

Zweitens wird EMC seinem neuen Anspruch, sich auf Software zu fokussieren, dadurch gerecht, dass der Hersteller die Bindung zwischen Softwarediensten und ihrer Heimathardware auflöst und sie als eigenständiges Produkt verfügbar macht.

Unbundeling bei vielen Produkten

Dies betrifft aktuell zunächst die Dienste der Vmax3, insbesondere den neuen Service Fast.X für das Tiering von Vmax3 und daran angeschlossenen Systemen. Zu ihnen kann später im Jahr über CloudArray auch Cloud- oder Objekt-Storage gehören. Derzeit funktioniert das Ganze nur mit dem All-Flash-System XtremIO.

Eine metrofähige, synchrone Spiegelungsvariante von SRDF mit 100 km Reichweite folgt im Sommer. Auch die Software der Data-Domain-Plattform („Project Falcon“) wird auf Dauer selbständig erhältlich sein. Zu den Neuerungen im Bereich Datenschutz gehören weiter Services wie das direkte Backup von Primärstorage, etwa einer Vmax3, und den Datenbanken Oracle, SAP and IBM DB2 mit Recoverpoint.

Aus dem Aufkauf von Maginatics ist der Service CloudBoost geworden, der bestehende Datenschutzlösungen von EMC an ECS-Storage, etwa bei AWS, anbindet. Der Aufkauf CloudSpanning hat ebenfalls bereits Resultate gezeitigt: Unter diesem Namen läuft jetzt ein Data-Protection-Service, der native Cloud-Applikationen in die Backup-Struktur von Unternehmen einbindet. Derzeit unterstützt die Lösung vor allem Office 365.

Aufrüstung bei der Hardware

Auf der Hardwareseite gab es einige interessante Lösungen. So stellte EMC X-Blocks mit verdoppelter Kapazität für das Flash-Only-Array XtremIO („The Beast“) vor. Acht der X-Blocks passen in ein Gerät, das damit 320 TByte Rohkapazität speichert.

Da zum X-Block auch Defragmentierungs- und Kompressionsalgorithmen gehören, steigt laut EMC die Kapazität auf bis zu 1 PByte. Die Betriebssystemsoftware kommt in Version 4.0 und erhöht die Leistung des Geräts gegenüber der Vorgängerversion laut EMC um ein Drittel. Mit Fast.X lässt sich das Array auch direkt an eine Vmax3 anschließen, beispielsweise als Ergänzung des Vmax3-internen Flash-Caches als Tier 2.

Weiter ersetzt EMC sein bisheriges Deduplizierungs-Flaggschiff durch das neue Modell DD9500. Es sichert 58,7 TByte/Stunde und speichert 1.728 TByte Daten. Die neue Softwareversion DDos 5.6 unterstützt die Big-Data-Anwendungen Pivotal HD Enterprise Business Data Lake, Cloudera Enterprise Data Hub und Hortonworks Modern Data Architecture.

Sorge um Lücken im Portfolio

Zudem präsentierte EMC/VCE das hochskalierende System VxRack, das Storage-Insider schon in der letzten Woche genauer beschrieben hat. Vorgestellt wurden schließlich noch weitere Prototypen und Projekte:

  • Projekt Horizon basiert auf Pivotal CF und soll in Unternehmen das Contentmanagement revolutionieren. Bisher ist vorgesehen, Content zu definierten Inhaltsbereiche über Kacheln zugänglich zu machen. Sie sollen beliebig verknüpft werden können.
  • Schon etwas weiter gediehen ist die Hardware des Aufkaufs DSSD, die Anwendungen unterstützen wird, bei denen große Mengen an Daten schnell und deshalb möglichst parallel durchsucht und analysiert werden sollen. Die DSSD-Box verknüpft 36 proprietäre, sehr lange und flache SSD-Module mit jeweils zwei fest eingebauten PCIe-Schnittstellen mit einer ins Gerät integrierten PCIe-Matrix aus zahlreichen PCIe-Switches. Dieses Design stellt sicher, dass mehrere Server, die parallel jeweils auf mehrere SSD-Platten zugreifen, nicht durch PCIe-Engpässe gebremst werden.
  • Zu sehen gab es auch einen Prototypen der Softwarelösung Caspian, die auf OpenStack basiert, und es ermöglicht, im Handumdrehen verfügbare Storage- und Serverressourcen Anwendungen zuzuweisen. Besonders geeignet sei die Lösung, um Applikationen mit Tausenden von Datenströmen schnell Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Ansonsten betonte EMC immer wieder die Bedeutung des Federation-Ansatzes: Das Firmenkonglomerat um EMC, bestehend aus EMC („EMC II“), Vmwre, Pivotal, RSA und dem jüngsten Spross des Imperiums, VCE, müsse synergetisch zusammenwirken, um am Markt und bei den Kunden optimale Erfolge zu erzielen. Die sind auch nötig, denn im vergangenen Geschäftsquartal wuchs EMC nur im kleinen einstelligen Bereich.

Am zweiten Tag erhielten Pat Gelsinger (CEO Vmware) und Paul Maritz (CEO Pivotal) denn auch ausführlich Gelegenheit, ihre Produkte vorzustellen. Auch vertrieblich sollen die einzelnen Unternehmen in Zukunft besser zusammenwirken als bisher.

Ziel ist es letztlich, den Anwendern so viele Produkte des Firmenkonglomerats zu verkaufen wie möglich. Das wichtigste, so Jeremy Burton, CEO EMC Infrastructure, sei, keine Lücken im Portfolio zu haben. Dieses Ziel werde man weiter auch durch Zukäufe und Venture-Investments verfolgen.

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