Umfrage zu künftigen Speicherarchitekturen, Teil 3

Entwickelt sich softwaredefinierter Speicher zur Basisarchitektur?

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Tina Billo

Heiko Henkes, Director und Research Lead Digital Transformation beim Marktforschungsinstitut isg, ist der Ansicht, dass SDS in vielen Fällen als Erweiterung des bestehenden SAN genutzt werden wird.
Heiko Henkes, Director und Research Lead Digital Transformation beim Marktforschungsinstitut isg, ist der Ansicht, dass SDS in vielen Fällen als Erweiterung des bestehenden SAN genutzt werden wird. (Bild: Information Services Group Germany)

Softwaredefinierte Speicherkonzepte gewinnen im Storage-Markt zunehmend an Bedeutung. Daher haben wir uns bei Herstellern und Analysten umgehört, inwieweit es sich bei SDS aus ihrer Sicht um einen zukunftsträchtigen Ansatz handelt, was genau die Vorteile sind und für wen. Schlussendlich nachgefragt, mit welcher Architektur sich die weiter wachsenden Datenberge und steigenden Transaktionen künftig am besten beherrschen lassen.

"Software-defined Storage wird die bekannten SAN/NAS-Architekturen ablösen", glaubt Rubrik-Manager Rosenau. Als Vorzüge hat er die völlige Unabhängigkeit von bestimmten Herstellern, das Prinzip "Pay as you grow" und der mögliche Mix von Hardware-Komponenten verschiedener Anbieter ausgemacht, die sich gegen dieses Konzept auf Dauer nicht werden sperren können.

Für Ralf Colbus von IBM stehen wir gerade erst am Beginn der Entwicklung von Software-defined Storage (SDS). Neue Workload-Profile wie Analytics, Hadoop, Spark und andere skalieren auf alten, monolithischen Strukturen nicht ausreichend oder sind dort zu teuer. "Darüber hinaus kann mit einem SDS-Ansatz die gleiche Funktion im Rechenzentrum wie auch in der Cloud laufen", nennt Colbus als Vorteil. IBM nutzt SDS als Mittel, um bestehende klassische Datacenter zu optimieren und die Brücke in die neuen Workloads zu bauen.

SDS erfordert ein Umdenken

HPE-Manager Stimberg nennt neben den Vorzügen Kosten und Flexibilität auch die Fallen der neuen Architektur, die "im Gegenzug mehr Verantwortung und Expertise auf der Integrations- und Administrationsseite erfordert".

Christian Winterfeldt von Dell EMC weist darauf hin, dass mit SDS für die IT-Abteilungen ein neues Aufgabenfeld hinzukommt: "Das erfordert ein Umdenken bei den Bereitstellungsprozessen. Die Mitarbeiter der IT-Abteilungen werden dann Workloads sowie User Policies festlegen und damit mehr konzeptionelle Tätigkeiten übernehmen."

SDS muss richtig umgesetzt werden

Wenn Software-defined so umgesetzt wird, dass alle Funktionen via (Software-)APIs gesteuert werden, dann hat das Konzept eine Zukunft, sagt Pure Storage-Manager Grau. Allerdings würde der Hauptgedanke von SDS – Einsparungen durch den Einsatz beliebiger Hardware – oft durch mangelnde Wartungskonzepte oder nicht optimierte Lösungen widerlegt. Bei richtiger Umsetzung des Konzepts ergeben sich Vorteile wie eine reduzierte Komplexität sowie ein höheres Maß an Reaktionsfähigkeit und Agilität.

Ein weiterer Vorteil: "Wenn zudem neue Speichertechniken eingeführt werden, wie aktuell NVMe, können diese problemlos in eine vorhandene SDS-Lösung integriert werden", erkennt Grau an. Für ihn ist klar, "dass Software die Zukunft von Infrastrukturkomponenten bestimmen wird, auch was Orchestrierung und Automatisierung betrifft".

Wie schätzen Marktforscher SDS ein?

Archana Venkatraman, Research Manager für IDC’s European Datacenter Research, sieht insbesondere Vorteile hinsichtlich Scale-out-Fähigkeiten, Cloud-Freundlichkeit, Agilität und der Tatsache, dass SDS API-getrieben ist. "Tatsächlich sehen wir Software-defined Storage als das am stärksten wachsende Speichersoftware-Segment in EMEA an".

Auch andere moderne Technologien wie etwa Hyperconverged-Infrastrukturen sind fest verankert in Software-defined Prinzipien und unterstützen Unternehmen auf ihrem Transformationskurs. Neben Kostenreduzierungen (Hardware Capex) und beschleunigter Infrastruktur-Provisionierung nennt sie die Automatisierung als Vorteil von SDS. Warum sich trotzdem nicht alle Unternehmen darauf einlassen liegt für sie in der Komplexität: "Viele Firmen sind nicht in der Lage, in vollem Umfang die APIs zum Aufbau einer Cloud-ähnlichen Infrastruktur zu nutzen".

Heiko Henkes von isg gibt sich offen: "Jegliches Konzept mit SD im IT- und Datacenter-Umfeld hat eine Zukunft, wobei SDS in vielen Fällen als Erweiterung des bestehenden SAN genutzt wird". Er sieht eigentlich fast nur Vorteile, etwa höhere Flexibilität und geringere Migrationskosten, bessere Ausfallsicherheit sowie stärkere Kompatibilität zu Drittanbietern und digitalen Ökoystemen, gepaart mit optimierter Hardware-Auslastung und Innovationen im Speichermanagement. Sein Fazit: "SDS gibt IT-Verantwortlichen die Möglichkeit, die Speicherinfrastruktur von Grund auf neu zu gestalten und das Management so zu professionalisieren, um damit auch in neue Geschäftsmodelle im Datenverkauf einsteigen zu können."

Wird es eine Universallösung geben?

Zum Abschluss stellten wir Herstellern und Analysten noch die Gretchenfrage: Welches Speicherkonzept kann ihrer Meinung nach am besten/einfachsten die enormen Datenzuwächse und Transaktionen der Zukunft bewältigen?

Die Einschätzungen der Befragten über das erfolgreichste Speicherkonzept der Zukunft ergaben einige Gemeinsamkeiten. Markus Grau von Pure Storage, Christian Winterfeldt von Dell EMC und Till Stimberg von HPE sehen mehr als eine Lösung als zukunftsträchtig an.

Christian Winterfeldt bringt es auf diesen Nenner: "Keine derzeit auf dem Markt erhältliche Plattform oder ein alleinstehendes Speichersystem kann die unterschiedlichen Datenanforderungen allein und vor allem kosteneffizient erfüllen, darum ist ein hybrider Ansatz sicherlich die beste Lösung." Till Stimberg rät den Unternehmen, sich weniger Gedanken über die einzelnen Features der Speicherlösung zu machen als vielmehr darüber "wie sie sich in ein Gesamt-IT-Konzept integrieren und als Gesamtlösung managen lassen".

SDS könnte das Rennen machen

Zur Gruppe der SDS-Befürworter zählen Rubrik-Manager Rosenau und IBMs Ralf Colbus. Für IBM bedeutet SDS die Basis-Architektur, die alle Storage-Disziplinen abdecken kann und überdies die Grundlage für darüber liegende AI-Systeme bildet. Rosenau stellt zudem die Herstellerneutralität bei SDS als Vorteil heraus.

Auch Analyst Heiko Henkes erwartet, dass SDS, vor allem auf Open-Source Basis, das Rennen machen wird. Er geht davon aus, dass sich zunehmend "direkter Hauptspeicher-Datenaustausch über Netzwerkzugriff beziehungsweise Remote Direct Memory Access (RDMA) innerhalb von Unternehmens-LAN/WAN-Strukturen etablieren wird, um noch schnelleren Datenaustausch moderner In-Memory-Applikationen am "Edge" zu gewährleisten".

Der Anwendungsfall entscheidet

IDC-Analystin Venkatraman setzt für die Zukunft auf Scale-out-Storage, Objekt-Speicher mit File-Integration, mit denen die großen Volumina der verschiedenen Datenformate (Archivdaten, Rich Media, IoT-Sensordaten etc.) effizient und kostengünstig zu handhaben sind. Ansonsten gilt: Es kommt auch auf die Art der Anwendung an. Eines aber gilt in jedem Fall: "Was immer auch der Anwendungsfall sein mag, die Speicherlandschaft ist einem enormen Wandel unterworfen."

* Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

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