HP Strategie-Update – HP besetigt die Verwirrungen am Markt

Erfolgreiche Transition im Service-Bereich setzt Kräfte für HPs Aufholjagd frei

14.09.2011 | Autor / Redakteur: Jürgen Brettel und Andreas Zilch / Rainer Graefen

Andreas Zilch, Member of the Board und Lead Advisor der Experton Group
Andreas Zilch, Member of the Board und Lead Advisor der Experton Group

Bei HP ist noch mit einigen Rochaden zu rechnen. Andreas Zilch und Jürgen Brettel versuchen in diesem Beitrag die strategischen Optionen des größten IT-Unternehmens der Welt einzukreisen.

HP sieht die geplanten Aktivitäten als Baustein der Gesamtstrategie des Unternehmens, sich mehr auf das Firmenkundengeschäft (Enterprise Business) auszurichten. Nicht zuletzt durch entsprechende Software Akquisitionen (Mercury, …) und die Ausweitung des Service-Geschäftes (u.a. durch EDS) verfolgt HP diese Linie schon seit mehreren Jahren durchaus erfolgreich.

Nun ist man offensichtlich zu der Erkenntnis gekommen, dass das PC-Geschäft nicht mehr zu dieser Strategie passt. Die präferierte Zielrichtung zur „Neuausrichtung“ der PSG (mit einem Gesamtvolumen von ca. 41 Mrd. US $ Umsatz p.a.) ist ganz klar eine Ausgliederung mittels eines Börsenganges.

PSG ausgründen und allein auf den Markt schicken

Damit würde ein neues, unabhängiges, aber immer noch sehr großes Unternehmen entstehen, das durchaus am Markt gute Chancen hätte. Die erste aktuelle Frage ist – nach der offiziellen Ankündigung – die Umsetzungsgeschwindigkeit?

Der Druck ist immens, da Kunden und Partner stark verunsichert sind, die Vorbereitung eines Börsenganges braucht aber eine gewisse Zeit. Die zweite Frage ist, ob der Börsengang erfolgreich verläuft, d.h. ob alle angebotenen Aktien vom Markt angenommen werden und insbesondere zu welchem Preis?

Für die Software-Akquisition Autonomy ist HP bereit, das 10-fache des Jahresumsatzes zu zahlen, der Multiplikator für die PSG wird deutlich darunter liegen. Da die Experton Group kein Finanzanalystenhaus ist, wollen wir an dieser Stelle nur eine relativ grobe Abschätzung geben.

Kasse machen ...

Der Börsenwert der PSG dürfte aus heutiger Sicht zwischen dem 0,4 bis 0,8-fachen des Jahresumsatzes liegen (Vergleich mit Dell: Umsatz 61,5 Mrd. US-Dollar, Marktkapitalisierung 27,1 Mrd US-Dollar, Revenue Multiple: 0,44).

Dies würde für HP Einnahmen in Höhe von 16 Mrd.US-Dollar bis höchstens 32 Mrd. US-Dollar bedeuten und die Cash-Positionen entsprechend stärken. Immer vorausgesetzt, dass ein 100 Prozentiger Börsengang geplant ist und alle angebotenen Aktien platziert werden können.

Daran schließt sich sofort die Frage an, was HP mit diesem Geld unternehmen möchte? Eine mit der aktuellen PSG Marge (ca. 2 Mrd. Operating Profit der PSG würden bei einem Ertrag aus dem Börsengang von 20 Mrd. US-Dollar eine Verzinsung von 10 Prozent bedeuten) vergleichbare Verzinsung ist am Kapitalmarkt nur schwer zu erzielen.

... und Firmen einkaufen gehen

Also wird HP wohl vorhaben, dieses Geld in Akquisitionen anzulegen, die eine höhere Marge erzielen. Nach der aktuell vorherrschenden Doktrin dürften dies wohl Software-Unternehmen sein. Dass HP dabei – wie immer wieder gerüchteweise kolportiert wird, SAP (Marktkapitalisierung ca. 61 Mrd US-Dollar) im Ziel hat, halten wir dabei nicht für unmöglich, aber immerhin für außerordentlich unwahrscheinlich.

HP möchte mit den Software-Akquisitionen „den Stack nach oben erweitern“. Der Abstand zwischen dem heutigen, zumeist Infrastruktur-nahen Portfolio und ERP erscheint aber etwas groß. Naheliegender sind dann doch z.B. DB- und Middleware-Anbieter.

weiter mit: IBM ist 200 Akquisitionen voraus

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