Flash-Markt: Innovationsstärke trifft auf Finanzkraft

Flash-Start-ups stürmen die etablierten Speicher-Bastionen

| Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Rainer Graefen

Anbieter von Flash-Lösungen versprechen sich von der Integration weiterer Features und Software-Tools in ihre Produkte den klassischen Festplatten zu Gute kommenden Preisvorteil aufzuweichen und dadurch den Markt anzukurbeln.
Anbieter von Flash-Lösungen versprechen sich von der Integration weiterer Features und Software-Tools in ihre Produkte den klassischen Festplatten zu Gute kommenden Preisvorteil aufzuweichen und dadurch den Markt anzukurbeln. (Bild: Apple)

Dass die Kleinen nachmachen, was die Großen vormachen, verhält sich in der IT-Branche umgekehrt. Hier bringen Start-ups den Markt in Bewegung und zwingen die Technologieriesen, schnell nachzuziehen. Dies gilt auch für das Flash-Segment. Fallende Preise und ein immer breiterer Funktionsumfang sorgen für Aufwind - der Kampf David gegen Goliath hat bereits begonnen.

Trotz nicht überragender Umsatzzahlen wird in der Storage-Industrie nach wie vor bestens verdient: Bestehende Kunden müssen mit Refreshs, neuen Releases und ganz vielen Wartungs- und Service-Aktivitäten versorgt werden.

Hinzu kommt, dass die in den diversen Arrays und Appliances verbauten Disks aufgrund einiger kleinerer Software-Implantate unvergleichlich viel mehr kosten, als die nackten Platten.

„Business as usual“ lautete somit lange Jahre die Parole. Es gab kaum noch revolutionäre Neuerungen – seit der Einführung von Thin Provisioning oder Deduplizierung herrschte Stillstand.

Flash ist noch auf dem Weg zur etablierten Technik

Eine Reihe von Start-ups, oft aus dem Silicon Valley, hat die Chance genutzt und mit „disruptiven“ Produkten auf sich aufmerksam gemacht. Basis dieses Technologie-Schubs war die Durchsetzung der Virtualisierung, die neben den Servern und ihren Virtual Machines (VMs) jetzt auch Speicher, Netzwerke und komplette Rechenzentren „Software-definiert“ verändert.

Ebenfalls sehr disruptiv ist die Flash-Technologie, auch deshalb, weil sie sehr stark Start-up-getrieben ist. Und zwar so massiv, dass gestandene Hersteller wie EMC (mit XtremIO), IBM (mit Texas Memory Systems) und SanDisk (mit FusionIO) sehr schnell mit Akquisitionen auf diesem Felde reagieren mussten.

Umsatzerwartungen entscheiden über neue Technologien

Gegenüber den Storage-Dinosauriern weisen die Start-ups einige Vorteile auf: Sie bestehen in der Regel aus kleinen Kernmannschaften, die aus ihren früheren Jobs bei den Branchengrößen einige Insider-Kenntnisse – vornehmlich über deren Schwachpunkte – mitbringen.

Aktuell verfügen sie über relativ viel Risikokapital (Summen jenseits der 100 Millionen Dollar sind keine Seltenheit) und können sich eine Zeitlang im (unsichtbaren) „Stealth-Modus“ der Entwicklung einer eigenen Nischen-Technologie widmen.

Die Venture-Capital-Firmen, deren Inhaber und führende Köpfe oft über eigene Expertise in Sachen IT-Know-how verfügen, sitzen in der Regel mit am Tisch und kontrollieren den Lauf der Dinge. Ein Austausch des Start-up-Managements wird des Öfteren vorgenommen, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Entgegen den landläufigen Vorstellungen handelt es sich bei den vielen ernsthaften Neugründungen weniger um die Durchsetzung von Genies, sondern um Investitionen einer gut organisierten und erfahrenen Community von finanzkräftigen Geldgebern auf der Suche nach Vermehrung ihres Reichtums. Eventuelle Verluste bei dem einen oder anderen Projekt sind einkalkuliert.

Start-ups müssen nachlegen

Die Gründer von Tegile kamen zum Beispiel von Lefthand, NetApp oder VMware, während sich bei den Geldgebern SanDisk und HGST finden. Gegründet 2010 und an den Markt gegangen 2012, spezialisierte man sich zunächst auf Flash-accelerated Storage für den Einsatz in mittelgroßen Unternehmen und konnte mit Hybrid- und All-Flash-Arrays bereits über 500 Kunden gewinnen.

In diesem Bereich sieht man große Wachstumschancen, auch wenn das Marktsegment der ganz großen Kunden derzeit nach wie vor von EMC und NetApp besetzt ist. Um den Kunden eine verbesserte Kapazitätsnutzung anzubieten, ist die Flash-Technologie zudem um Datenreduktions-Technologien ergänzt worden.

Über Standard-Hardware legt Tegile einen Capacity- und einen Performance-Layer, die um ein eigenes Betriebssystem ergänzt werden – „IntelliFlash Operating Environment“ genannt. So will man den Anwendern einen Mehrwert mit Metadata- und Management-Services zur Verfügung stellen, die schrittweise ausgebaut werden. Laut Tegile sparen sich die Anwender so zusätzliche Software-Ausgaben, zum Beispiel für Thin Provisioning oder Multi-Protocol-Integration.

Das Start-up Nimble Storage hat seine Produktpalette inzwischen ebenfalls breiter aufgestellt. Gestartet mit iSCSI-Hybrid-Flash-Arrays, die gleichermaßen Kundenanforderungen an Kapazität und Performance in einem Tiering-Umfeld zufriedenstellen sollten, brachte man 2014 auch Fibre-Channel-Arrays für große Unternehmen heraus.

So lassen sich mit den CS300-Systemen hunderte von virtuellen Maschinen mit Primärspeicher versorgen, wodurch die Lösungen des Hersteller konkurrenzfähig mit den VNX-Arrays von EMC sind. Der Hersteller bietet jetzt auch differenzierte Bezahlmöglichkeiten auf Basis von OpenStack-Cloudmodellen an.

Preis per Gesamt-Performance statt Preis per Disk-Kapazität

PureStorage ist von Gartner Research als einer der Hauptplayer auf der „Reise zum All-Flash-Data-Center“ bezeichnet worden. Laut dem Analystenhaus hat es das seit 2011 am Markt agierende Start-up geschafft, mit All-Flash-Storage zum Preis von klassischen Festplatten selbst für geschäftskritische Anwendungen zu einer ernsthaften Alternative zu werden.

Besonders wichtig für Administratoren sei die Möglichkeit, eine risikoreiche Striping-Konfiguration für Festplatten zugunsten von SSD-Systemen aufzugeben Das könne sogar Kosten sparen. Die All-Flash-Arrays von Pure Storage sind mittlerweile mit einem Purity Operating Environment zur Datendeduplizierung ausgerüstet worden, um die Menge der abzuspeichernden Informationen zu verringern.

Um die gesteigerte Performance zu nutzen und gleichzeitig die Kosten pro Gigabyte von Flash-Technologien wirklich auszunutzen und im Vergleich mit Festplatten sogar besser abzuschneiden, werden All-Flash- und Hybrid-Speichersysteme mit Formen von eingebauter Intelligenz – sprich diversen Software-Tools – hochgerüstet. Neben Pure Storage gilt dies auch für NimbleStorage, Tintri oder Tegile.

Damit unterscheiden sich die Produkte deutlich von den Flash-Systemen der ersten Generation. Die Anzahl der angebotenen Speicher-Protokolle verändert sich, Performance-Defizite werden ausgeglichen, Support und Service ausgebaut. Oder man schmückt sich mit Attributen in Richtung „Convergence“, „Hyper Convergence“ oder „Software-defined Storage“. Mit neuen Finanzierungsrunden bezahlt man die Expansion nach Europa und Asien. Zugleich werden sich die neuen Anbieter immer ähnlicher.

Alleinstellungsmerkmale sind unverzichtbar

Bei Gartner Research unterscheidet man vier Phasen in der Entwicklung der alternativen Flash-Systeme:

  • 1. Zunächst ging es vornehmlich um Performance, um sich einen Platz in den Tiering-Architekturen zu verschaffen.
  • 2. Darauf folgten Systeme mit hoher Verfügbarkeit, redundanter Energieversorgung und weiteren Detailverbesserungen.
  • 3. Schließlich kam es zur Weiterentwicklung der Management-Software.
  • 4. Aktuell geht es mehr und mehr um die Integration von Betriebssystemen und Hypervisoren.

Ähnliche Resultate findet man in einem Vergleich, den Parallel Technologies zwischen den Hybrid-Systemen von Nimble Storage, Tegile und Tintri angestellt hat. Besonders hervorgehoben wird Tegile, da man hier rechtzeitig die Beschränkungen konkurrierender Systeme erkannt und ausgeglichen habe.

Kunden sollten darauf achten, welche Angebote den eigenen Unternehmensanforderungen am besten entsprechen. Die Matrix von Parallel Technologies ist hierbei durchaus behilflich.

Wer sich für Start-up-Produkte interessiert, sollte sich ein genaues Bild der Gesamtsituation des Herstellers verschaffen. Positiv verlaufene Finanzierungsrunden sind nur die eine Seite der Medaille. Zu berücksichtigen sind auch die Investoren und ihre Kalkulationen.

Nur eine weitere Blase?

Gerade aktuell ist sehr viel Anlagekapital unterwegs, und die schiere Masse der miteinander konkurrierenden Firmen wird kaum in toto überleben können. Kritische Marktbeobachter prognostizieren bereits eine neue Silicon-Blase, die kurz vor dem Zerplatzen stehe.

Es sind auch keineswegs nur Genies mit supergroßen Ideen unterwegs (siehe "Ergänzendes zum Thema"), sondern die neuen Lösungen sind lediglich eine Variable übergeordneter Finanzinteressen.

Für die Kunden besteht zwar kaum die Gefahr eines Vendor-Lock-ins wie im Falle von EMC, IBM oder anderen Großen der Branche. Aber was ist, wenn der alternative Anbieter über Nacht verschwunden ist?

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