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Zweigleisigkeit schafft neue Gräben Gartners Modell der "bimodalen IT" greift zu kurz

| Autor / Redakteur: Michael Kienle* / Rainer Graefen

An dem von Gartner propagierten Modell der "bimodalen IT" scheiden sich die Geister. Die einen sehen das Konzept als Königsweg an, um im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen. Die anderen befürchten, dass dadurch zwei IT-Parallelwelten entstehen, die nicht am gleichen Strang ziehen. Dies steht dem Ziel entgegen, das Unternehmen gemeinsam in die digitale Zukunft zu führen.

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"IT in zwei Bereiche trennen zu wollen, mutet schon fast seltsam an", findet Michael Kienle, Geschäftsführer der IT-Novum GmbH.
"IT in zwei Bereiche trennen zu wollen, mutet schon fast seltsam an", findet Michael Kienle, Geschäftsführer der IT-Novum GmbH.
(Bild: IT-Novum GmbH)

Der Digitalisierung kann sich auf Dauer kein Unternehmen entziehen. Dabei geht es nicht alleine darum, bestehende Prozesse zu digitalisieren. Vielmehr müssen genau hierauf ausgelegte durchgängige Geschäftsmodelle entworfen und umgesetzt werden. Von der IT wird dabei erwartet, dass sie innovativ, schnell und flexibel die dafür notwendigen Projekte realisiert.

Gleichzeitig müssen aber die bestehenden IT-Strukturen und -Abläufe in bewährter Manier aufrechterhalten werden. Es entstehen also zwei völlig unterschiedliche IT-Welten. Gartner hat dafür den Begriff bimodale IT geprägt. Dabei sorgt die eine IT-Welt, die klassische IT, für Servicekontinuität, Effizienz und Kostenoptimierung. Die andere, genannt agile IT, ist für Innovation, Flexibilität und schnelles Time-to-Market zuständig.

Auch wenn das Modell der bimodalen IT seit seiner Entstehung sehr populär geworden ist, greift es zu kurz. Denn die zwei IT-Welten sollen nicht unabhängig nebeneinander und auch nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander und mit einem gemeinsamen Ziel: das Unternehmen in der digitalisierten Geschäftswelt zum Erfolg führen.

Starre Organisationsmodelle bremsen aus

Klar ist, dass die Umwälzungen, die mit der Digitalisierung der Geschäftswelt einhergehen, auch um die IT-Abteilung keinen Bogen machen. Allerdings gibt es kein Standardrezept für die notwendigen Veränderungen. Jedes Unternehmen wird den für sich besten Weg und die sinnvollste Veränderungsgeschwindigkeit wählen. Dabei auch Strategien zu berücksichtigen, die als Bindeglieder zwischen den verschiedenen IT-Welten fungieren können, ist vorteilhafter, als starr dem Konzept der Bimodalität zu folgen.

Auf den Punkt gebracht hat es Jonathan Bryce, Präsident der OpenStack Foundation: "IT-Umgebungen werden diverser, nicht einheitlicher. Strategien wie OpenStack ermöglichen, die Vorteile aus der Diversität zu ziehen."

Und genau darum geht es: Nicht um die sture Durchsetzung und Einzementierung des einen oder anderen Organisationsmodells. Sondern die richtigen Strategien und Mittel dafür einzusetzen, dass auch die IT erfolgreich im digitalen Zeitalter ankommt. Dabei einen Blick auf das auch von OpenStack verfolgte Open-Source-Denkmodell zu werfen und zu überlegen, ob es nicht als Brücke zwischen den beiden IT-Welten fungieren kann, ist mit Sicherheit kein Fehler.

Open Source kann die IT-Welten zusammenführen

Im klassischen Teil der IT sind Open-Source-Lösungen bei den meisten Unternehmen längst nahtlos in die Systemlandschaft integrierte Bestandteile. Ihre Vorteile - darunter Flexibilität und Skalierbarkeit, niedrigere Kosten, Herstellerunabhängigkeit dank offener Standards sowie eine hohe Qualität - tragen maßgeblich zur Zielerreichung bei. Genau diese Pluspunkte könnte sich auch der agile Teil der IT zunutze machen.

Open-Source-Lösungen sind auch in einem schnellen, innovativen Umfeld performant. Die Open-Source-Welt bietet viele Technologieteile beziehungsweise -module, die flexibel kombinierbar sind und daher ideal unter sich rasch verändernden Voraussetzungen eingesetzt werden können. Die Open-Source-Community selbst ist höchst innovativ und entwickelt in schnellem Takt neue Lösungen. Open Source ist also das ideale Brückenglied zwischen den beiden IT-Modi.

Kombination ist besser als Trennung

Erinnern wir uns: Open Source war auch einmal ein revolutionärer Ansatz. Das ist längst passé, auch wenn selbst heute kaum ein Unternehmen rein auf Open-Source-Lösungen setzt. Die meisten Organisationen haben die alte und neue Welt verknüpft – und damit auch ohne Gartner-Konzept erkannt, worauf es ankommt.

Die IT in zwei Bereiche trennen zu wollen, mutet vor diesem Hintergrund schon fast seltsam an. Bei der Bewältigung der digitalen Transformation werden diejenigen IT-Verantwortlichen die besten Aussichten auf Erfolg haben, denen es gelingt, die für ihr Unternehmen passenden Modelle und Module aus allen Welten zu kombinieren. Open-Source-Lösungen sind ein erfolgversprechender Hebel für diese Kombination.

* Michael Kienle ist Geschäftsführer der IT-Novum GmbH.

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