Die Rezession ist da!

Gesamtmarkt für IT-Sourcing schrumpft

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Nach zehn Jahren mit stetig steigenden Umsätzen der Managed-Service-Anbieter macht sich nun in Europa die lang erwartete Rezession bemerkbar.
Nach zehn Jahren mit stetig steigenden Umsätzen der Managed-Service-Anbieter macht sich nun in Europa die lang erwartete Rezession bemerkbar. (Bild: gemeinfrei, MichaelGaida / Pixabay)

So musste es ja kommen. Nach gut zehn Jahren mit stetig steigenden Umsätzen der Cloud Provider und Managed-Service-Anbieter macht sich nun in Europa und insbesondere in der DACH-Region die lang erwartete Rezession bemerkbar: Der Markt für Cloud-Services ist laut dem EMEA ISG Index der Information Services Group deutlich geschrumpft.

Der Index des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens ISG (Information Services Group) erfasst Outsourcing-Abschlüsse der Privatwirtschaft mit einem jährlichen Vertragsvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens 4,5 Millionen Euro. Er zeigt, dass das ACV von Managed-Services-Verträgen im dritten Quartal um 31 Prozent schrumpfte. Im Vergleich zum Quartal davor bedeutet dies einen Rückgang um 910 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro. Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres sank das Managed-Services-Vertragsvolumen um 17 Prozent.

ABER: Zugleich stieg die Nachfrage nach Cloud-basierten As-a-Service-Lösungen im Jahresvergleich um zehn Prozent auf einen Rekordwert von 1,6 Milliarden Euro. Doch dieser Anstieg war nicht stark genug, um das Minus bei den Managed-Services-Ausgaben auszugleichen. So gab der Gesamtmarkt in EMEA um sieben Prozent auf 3,7 Milliarden Euro nach.

Weltweite Entwicklung

Weltweit gesehen, verzeichnete der ISG Index einen Anstieg der Ausgaben für Technologie- und Business-Services. Das Vertragsvolumen des gesamten Marktes legte im dritten Quartal um 13 Prozent zu, beflügelt durch eine Rekordnachfrage nach As-a-Service-Lösungen, insbesondere Infrastructure-as-a-Service.

Währenddessen zeigten sich die europäischen Unternehmen bei ihren Ausgaben wegen der Rezessions-, Brexit- und Handelskrieg-Sorgen extrem zurückhaltend. Das Vertragsvolumen schrumpfte im dritten Quartal und im Jahresvergleich in den drei größten Märkten der Region – Großbritannien, DACH und Frankreich – im zweistelligen Prozentbereich. Auch die Anzahl der Neuverträge in EMEA sank während des Quartals um elf Prozent auf das niedrigste Niveau in über zwei Jahren.

Zugleich investieren Unternehmen weiterhin in Cloud-basierte Services und in Projekte der digitalen Transformation. Dies trifft besonders auf den Handel zu, bei dem 62 Prozent der Gesamtausgaben in As-a-Service-Lösungen fließen. Im nun sechsten Quartal in Folge überschritt das ACV der As-a-Service-Verträge in EMEA 1,3 Milliarden Euro. In den vergangenen zwölf Monaten entfielen 39 Prozent des Gesamtmarkt-ACV auf As-a-Service, während es vor drei Jahren erst 20 Prozent waren. Aber mit einem Plus von zehn Prozent in diesem Quartal hinkt das Wachstum dem in Amerika und Asien/Ozeanien weiter hinterher, wo As-a-Service im dritten Quartal um 26 beziehungsweise 14 Prozent zulegte.

Ergebnisse nach Ländern

In den vergangenen zwölf Monaten sank das Vertragsvolumen von Managed Services in Großbritannien und Irland um vier Prozent, von 2,2 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro. Dies ist ein mäßiger Verlust, da sich die Unternehmen von der anhaltenden Unsicherheit rund um den Brexit offensichtlich nicht übermäßig verunsichern ließen. Da die Brexit-Deadline nun bald abläuft, schlägt das Thema jedoch verstärkt durch. Das Vertragsvolumen im dritten Quartal sank im Jahresvergleich um elf Prozent und im Vergleich zum zweiten Quartal dieses Jahres sogar um 27 Prozent. Den größten Einfluss auf den britischen Outsourcing-Markt hatte die dem Brexit geschuldete Unsicherheit darüber, wie sich der Kurs des britischen Pfunds entwickelt. Deshalb zögern britische Unternehmen strategische Entscheidungen häufig so lange hinaus, bis sich der Markt wieder beruhigt hat.

DACH schwächelt

Die größten Einbußen verzeichnete der Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). In den vergangenen zwölf Monaten ging dort das Vertragsvolumen im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 24,5 Prozent zurück, von 2,5 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro. Das Vertragsvolumen des dritten Quartals fiel um 36 Prozent niedriger aus als im gleichen Quartal des Vorjahres, obwohl es im Vergleich zum Vorquartal um 31 Prozent zulegte. Die Wachstumsschwäche ist vor allem auf die Fertigungsindustrie zurückzuführen. Sie wurde unter anderem von Geldbußen und Gerichtsprozessen rund um den VW-Abgasskandal beeinträchtigt. Zugleich schmälerten Handelskriege den deutschen Export, was zudem das gesamte Bruttosozialprodukt beeinträchtigt.

Doch zugleich betont der ISG Index, dass der DACH-Markt großes Potenzial bietet, da die deutschen transnationalen Konzerne nun voll, wenn auch verspätet, auf die Cloud setzen. Deutschland hinkt hier wegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken anderen Märkten hinterher, setzt nun aber ebenfalls in großem Maßstab auf As-a-Service-Lösungen.

Frankreich verzeichnete im dritten Quartal ein Minus von 23 Prozent im Jahresvergleich. In den vergangenen zwölf Monaten stieg das Vertragsvolumen im Vergleich zu den zwölf Monaten zuvor jedoch um 29,3 Prozent, von 540 Millionen auf 698 Millionen Euro.

„Politik- und Handelsfragen führen derzeit zu einer uneinheitlichen Lage bei den Technologieausgaben“, sagt Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. „Die Unternehmen unterteilen sich mit Blick auf 2020 deutlich in jene, die in zusätzliches Wachstum investieren, und in jene, welche Technologie vor allem für Kostensenkungen einsetzen. Viele Technologieanbieter zeigen sich mit Blick auf ihren Auftragsbestand und die erwartete Nachfrage weiter vorsichtig optimistisch. Mit Blick auf die nähere Zukunft beobachten sie jedoch auch externe Faktoren sehr aufmerksam und inwiefern diese die Ausgabenentscheidungen der Unternehmen beeinflussen könnten.“

Ausblick weltweit

ISG sagt für das gesamte Jahr 2019 ein 22-Prozent-Wachstum des As-a-Service-Marktes voraus. „Wir beobachten vor allem die weitergehenden Handelsgespräche zwischen den USA und China und wie Technologiefirmen mit Blick auf die Nachfrageseite damit umgehen, wenn China US-Unternehmen weitere Restriktionen auferlegen sollte“, sagt Löer. „Den gesamten IT- und Business-Services-Markt betrachten wir nun zurückhaltender und senken unsere Vorhersage um mehr als 50 Basispunkte auf 2,6 Prozent Wachstum für das Gesamtjahr 2019. Wir berücksichtigen dabei den Gegenwind wegen des starken Dollars und möglicher Umsatzschwächen bei einigen der größten Anbieter der Branche.“

Über den Index

ISG gibt seinen Index alle Vierteljahre heraus. Er liefert aktuelle Daten und Trends der Sourcing-Industrie, seit 2016 auch zum schnell wachsenden As-a-Service-Markt, und misst den Einfluss von Cloud-basierten Services auf die digitale Transformation.

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