Die Rolle der Software in der Enterprise Cloud

Gibt es überhaupt noch Hardwareanbieter?

| Autor / Redakteur: Dr. Markus Pleier / Florian Karlstetter

Hardware wird immer mehr zur Commodity, ist also beliebig austauschbar. Die Konsequenz: der Software gehört die Zukunft.
Hardware wird immer mehr zur Commodity, ist also beliebig austauschbar. Die Konsequenz: der Software gehört die Zukunft. (Bild: gemeinfrei - geralt / Pixabay / CC0)

Längst vorbei sind die Zeiten, als sich die Hersteller mit Angaben zu Speicher und Rechenleistung überboten und alle ungeduldig auf die neuesten Hardwarenachrichten warteten. Woran Endverbraucher schon seit längerem gewöhnt sind, gilt zunehmend auch für Rechenzentren.

Dieser Befund erscheint vielleicht etwas unerwartet. Wer schon einmal ein Rechenzentrum von einem großen Unternehmen oder Provider besucht hat, ist beeindruckt von vollgepackten Serverschränken, dem allgegenwärtigen Kabelsalat und den hochleistungsfähigen Netzwerkkomponenten. Gedämmtes Licht, wirres Blinken, reduzierte Sauerstoffzufuhr und Kühlung tun ihr Übriges. Ja, ohne Ausrüstung und aufwändige Gebäudetechnik geht gar nichts.

Und doch tritt die Bedeutung von Hardware schon seit einigen Jahren in den Hintergrund. Smartphones und die Cloud sind stellvertretend für diese Entwicklung. Die Kunden kaufen Smartphones zwar auch wegen des Designs, aber viel mehr noch und von Anfang an wegen der Apps, die alle auf ein und derselben Softwareplattform laufen.

Kern ist das Betriebssystem, in dem das Herz jedes dieser schicken Geräte schlägt. Und Endverbraucher wie Unternehmen sind froh, dass sie ihren Bedarf an Diensten und Funktionalitäten einfach aus der Steckdose oder über den Äther decken können, ohne sich um die darunter liegende Hardware in den Cloud-Rechenzentren kümmern zu müssen.

Rückläufiges Verständnis

Apropos "kümmern": Es ist in der Tat harte Arbeit, Software und Hardware im eigenen Rechenzentrum aufeinander abzustimmen, vor allem auch die verschiedenen Hardwarekomponenten untereinander. Dafür braucht es viel Zeit und Know-how. Notfalleinsätze, wenn Komponenten ausfallen, und zahlreiche Nacht- und Wochenendschichten, etwa wenn Teile der Infrastruktur ausgetauscht werden oder Updates und Upgrades eingespielt werden müssen, sind deshalb die Regel, nicht die Ausnahme.

Die Unternehmens-IT hat sich daran gewöhnt, ob sie will oder nicht. Doch die Fachanwender haben dafür immer weniger Verständnis. Sie fragen sich, warum das nicht alles so einfach wie auf dem Smartphone oder in der Cloud funktioniert, und schütteln verständnislos den Kopf, wenn benötigte Funktionalitäten lange auf sich warten lassen oder gar nicht zur Verfügung gestellt werden können.

Qualität trotz Massenproduktion

Wenngleich für die IT-Experten ärgerlich, stellen diese geänderten Erwartungen nun einmal den natürlichen Lauf der Dinge dar, wie bei jeder anderen Weiterentwicklung der Technik auch. Was einst der letzte Schrei und heiß begehrt war, wird irgendwann zur Massenware. Das geht indes nicht zu Lasten der Qualität, sondern nur des Preises. Aus der Sicht der Kunden und Fachanwender ist das höchst erfreulich. Smartphones können und leisten immer mehr. Teurer werden sie deshalb nicht. Für die Hardware gilt dasselbe. Storage zum Beispiel stellt keinen Flaschenhals mehr dar und ist dennoch so preiswert wie nie zuvor.

Der Grund für diese positive Entwicklung heißt Software. Die großen Cloud-Provider sind nur deshalb in der Lage, ihre Dienste hoch verfügbar und gleichzeitig preisgünstig anzubieten, weil sie ihre Rechenzentren von Anfang an mit Hardware von der Stange ausgestattet haben. Dies ging nur durch eine konsequente Entkopplung der Hardware von der Software, in der allein der Mehrwert liegt.

Die Cloud kommt ins Haus

Diese Software ist weniger mit einem speziellen Dienst oder einer App vergleichbar, sondern mit einer Plattform oder einem Betriebssystem à la Smartphone. Damit wird es möglich, die Cloud nicht mehr nur von außen zu beziehen, sondern zu sich ins Haus zu holen. Dieses Betriebssystem sorgt dafür, dass Software und Hardware vollständig voneinander entkoppelt werden. So entscheidet das Cloud OS, auf welchen Hardwarekomponenten der jeweilige Dienst angesichts des aktuellen Bedarfs am besten läuft und die dafür nötigen Daten abgelegt werden.

Eine verteilte Architektur und eingebaute Redundanzen verhindern, dass es zu Engpässen bei steigenden User-Zahlen kommt oder Ausfälle zu beklagen sind, wenn zum Beispiel eine Festplatte ihren Geist aufgibt. Updates oder Upgrades lassen sich voll automatisiert auf Knopfdruck und in Minuten oder Stunden statt Tagen oder Wochen implementieren, weil auf keinerlei Hardwareabhängigkeiten Rücksicht genommen werden muss.

Software spielt die erste Geige

Dr. Markus Pleier ist CTO und SE Director Central Europe bei Nutanix.
Dr. Markus Pleier ist CTO und SE Director Central Europe bei Nutanix. (Bild: Nutanix)

Wie ein echtes Betriebssystem lässt sich ein Cloud OS zentral verwalten. Außerdem lässt es sich auch auf die bei öffentlichen Cloud genutzten Ressourcen anwenden, so dass sich diese im Idealfall zwischen dem eigenen Rechenzentrum und denen der externen Anbieter hin und herbewegen lassen, ohne dass die IT auf die jeweils darunter liegende Hardware achten muss.

Gibt es also Hardwareanbieter überhaupt noch? Die Antwort lautet natürlich Ja und das wird auch so bleiben. Diese sind aber auf die Massenproduktion spezialisiert und kümmern sich um die damit zusammenhängenden Herausforderungen an die Qualität. Im klassischen Rechenzentrum hatte die Hardwareausstattung die Hauptrolle. In der Enterprise Cloud von heute spielt hingegen die Software die erste Geige.

Der Autor: Dr. Markus Pleier ist CTO und SE Director Central Europe bei Nutanix

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal CloudComputing-Insider übernommen.

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