Festplatten zurückgeben

„Hardware-Messies“ als Kostenfaktor

| Autor: Dr. Stefan Riedl

„Hardware-Messies“ kosten Unternehmen viel Geld und bergen Datenschutzrisiken.
„Hardware-Messies“ kosten Unternehmen viel Geld und bergen Datenschutzrisiken. (Bild: © Petrovich12 - stock.adobe.com)

Zeitaufwendige Rückgabeverfahren für alte Hardware und Datensicherheitsbedenken ­verursachen gemäß einer aktuellen Umfrage in deutschen Unternehmen indirekt hohe ­Kosten und Sicherheitsprobleme, weil gehortet oder schlecht gelöscht wird.

Datenlöschspezialist Blancco Technology Group will in einer Studie große Probleme in Hinblick auf die Aufbewahrung nicht mehr benötigter Hardware herausgefunden haben. Eine der Kernthesen: „In deutschen Rechenzentren fehlt es an Zeit und Ressourcen zur Umsetzung ganzheitlicher Datenschutzkonzepte.“ Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb 60 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, die eigene Rechenzentren betreiben und alle Daten vor Ort speichern, ihre IT-Assets auch über deren Nutzungsdauer hinaus aufbewahren. Die Konsequenzen können aber ins Geld gehen.

So geben mehr als ein Viertel (26 %) der befragten Unternehmen an, jedes Jahr mehr als 100.000 Euro für die Aufbewahrung nutzloser Hardware auszugeben. Dieses Horten von Hardware kann darüber hinaus ein Risiko für die Datensicherheit und den Datenschutz sein. Überraschend ist, dass die Aufsichtsbehörden bei mehr als der Hälfte dieser Unternehmen ​(59 %) mindestens einmal einen Verstoß gegen internationale Datenschutzgesetze festgestellt haben. Dies ist der höchste Wert aller Länder, die in die Studie einbezogen wurden.

Unsicherheiten

„Deutsche Unternehmen verschwenden unnötig hohe Summen aufgrund von Mängeln bei der Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften und durch Aufbewahrungskosten“, sagt Fredrik Forslund, Vice President, Enterprise and Cloud Erasure Solutions bei Blancco. Nicht ohne Eigennutz und in Hinblick auf das eigene Angebot fügt er hinzu: „Diese Kosten könnten problemlos minimiert werden.“ Für Forslund deuten die Ergebnisse auf ein „hohes Maß an Unkenntnis innerhalb der Branche hin“, was mit Unsicherheiten beim Umgang mit defekter oder veralteter Hardware zu tun habe. „Deutsche Unternehmen horten Hardware aus Angst vor Datenschutzverletzungen. Die Folge sind Effizienzverluste, steigende Kapitalkosten, mögliche ­Verstöße gegen geltende Datenschutzbestimmungen und potenzielle Sicherheitsrisiken“, so der Manager.

Online-Tools

Festplattenhortung scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein: Eine große Mehrheit von 80 Prozent der Befragten aus Unternehmen hierzulande gab an, dass mindestens 26 Prozent aller RMA-Festplatten (Return Material Authorization), die im Unternehmen aufbewahrt werden, nur deshalb dort sind, weil die Unternehmen nicht bereit sind, diese an den Hersteller zurückzugeben. Als wichtige Gründe für dieses Verhalten wurden zeitaufwendige Rückgabeverfahren und „interne Sicherheits- oder Datenschutzbedenken“ genannt. Forslund überrascht es nicht, dass mehr als die Hälfte der Befragten (60 %) das RMA-Rückgabeverfahren als „sehr“ oder „extrem schwierig“ bewertet hat. „Die derzeit eingesetzten Verfahren sind veraltet und ineffizient und müssen dringend automatisiert werden. In einigen Fällen fühlen sich Unternehmen gezwungen, noch mehr Ressourcen zu verschwenden, indem sie jede Festplatte einzeln löschen“, so Forslund. 64 Prozent der Befragten gaben an, auch kostenlose Online-Tools zur Datenlöschung zu nutzen, während 58 Prozent auch auf physische Vernichtungsverfahren setzen.

Zur Umfrage

Durchgeführt wurde die Erhebung von den Marktforschern von Coleman Parkes im Auftrag von Blancco. Die Stichprobe umfasste insgesamt 600 Experten für Rechenzentren aus 600 Unternehmen (jeweils 100) in Großbritannien, den Deutschland, USA, Kanada, Japan und China aus sechs vertikalen Märkten, darunter das Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Pharmaindustrie, Finanzwesen, Einzelhandel und Telekommunikation. Die Diagramme in der Bildergalerie beziehen sich auf den deutschen Markt.

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