Die Storage-Ecke auf der Discover 2017

HPE kooperiert enger mit innovativen Software-Playern

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Auf der an die HPE Discover angegliederten Ausstellung waren auch zahlreiche neue Storage-Partner mit innovativen Softwarelösungen vertreten, hier der Stand von Kooperationspartner Commvault.
Auf der an die HPE Discover angegliederten Ausstellung waren auch zahlreiche neue Storage-Partner mit innovativen Softwarelösungen vertreten, hier der Stand von Kooperationspartner Commvault. (Bild: Ariane Rüdiger)

Echte Storage-News gab es auf der diesjährigen Europa-Konferenz HPE Discover 2017 nur wenige. Einige interessante Einsichten ergaben sich aber auf der angeschlossenen Ausstellung.

Storage als das Zentrum der diesjährigen HPE Discover zu betrachten, wäre sicher eine Übertreibung. Im Mittelpunkt standen ganz eindeutig die Cloud- und Edge-Strategie des Herstellers. Dennoch scheint man auch auf dem Storage-Bereich eine klarere Ausrichtung gefunden zu haben, die sich vor allem bei einem Gang über die an den Kongress angeschlossene Ausstellung deutlich offenbarte.

Den ersten, schnellsten Storage-Tier scheint HPE ansonsten fest in eigenen Händen behalten zu wollen. Hier hat man inzwischen mit 3Par, Nimble, der Hyperkonvergenz-Plattform Simplivity und der frei konfigurierbaren („Composable“) Infrastruktur Synergy, für die HPE inzwischen mehr als 1000 Kunden reklamiert, ein zeitgemäßes Portfolio zusammengekauft.

Es zeigt deutlich: Auch HPE kann es nicht mehr allein. Bei den Servern ist im kommenden Jahr zu erwarten, dass HPE erste Varianten mit dem von Intel und Micron gemeinsam entwickelten nichtflüchtigen Technologie 3D XPoint auf den Markt bringen wird.

Frühe Plattformabsichten

Ansonsten verlautbarte HPE, man werde die Plattformen Simplivity und Synergy auf Dauer zusammenführen. Weiter ist geplant, Infosight, die intelligente Analysesoftware von Speicher-Aufkauf Nimble zunächst auf alle übrigen Speicherplattformen, als erstes auf 3Par, auszudehnen. Wann genau das passieren wird, sagte HPE allerdings nicht. Später soll dann die gesamte Infrastrukturpalette von HPE mit Infosight-Mechanismen überwacht werden. Mit ihnen ist es möglich, viele Fehler – angeblich 86 Prozent - und beispielsweise den Speicherbedarf von Applikationen vorherzusagen. Alain Andreoli, Präsident Hybrid IT: „Level-1- und Level-2-Fehler sind jetzt selbstheilend, erst auf Level 3 müssen Supportspezialisten an die Arbeit gehen.“

Zudem stellt HPE seinen Kunden die gesamte Online gesammelte Infosight-Knowledge-Base, die Daten aus dem Gerätebetrieb aller Nimble-Anwender umfasst, anonymisiert zur Verfügung, so dass sich Einzelfälle nicht identifizieren lassen. Damit können sie beispielsweise ihre Installation mit anderen ähnlich gelagerten vergleichen und Hinweise für die Optimierung erhalten.

Vom Memristor, HPEs Halbleiterplattform, gibt es auch weiterhin keinen Durchbruch zu melden. Der designierte Whitman-Nachfolger Antonio Neri verwies auf laufende Versuche, die Produktion zu optimieren, damit die neuartigen Speicherbausteine zu lohnenden Kosten hergestellt werden können. Ohnehin sei die neue Speichertechnologie erst dann so richtig sinnvoll, wenn die für das IoT-Zeitalter prognostizierten Datenmassen anrollen.

Filesystem für die Multi Cloud

Interessant ist, was sich auf der zweiten und nachgelagerten Speicherebenen tut, wo Daten zwar schnell, aber nicht sofort, wie etwa Transaktionsdaten, zur Verfügung stehen müssen. Hier scheint HPE inzwischen auf die Kooperation mit besonders innovativen Hard- und Softwarepartnern abzuheben. Von denen gab es in Madrid einige zu besichtigen.

So bietet HPE zusammen mit Commvault unter dem Label Greenlake Flex Capacity einen Backup-Service mit flexibler, nach Nutzung abgerechneter Speicherkapazität an.

Viele der neuen Partner verwenden als Hardware-Basis ihrer Softwarelösungen die Apollo-Systeme oder andere HPE-Server, vorzugsweise Gen10, die Software verkauft HPE bei Kundenbedarf als OEM-Leistung obendrauf.

Qumulo etwa, gegründet 2012, hat mit dem Produkt File Fabric ein neues Scale-out Filesystem für Hybride Clouds entwickelt und ist damit seit Juni OEM von HPE. Die Software wird zusammen mit den Apollo-Systemen, ab 2018 auch mit Gen10, der aktuellen Servertechnologie von HPE, vertrieben. Am 1. Dezember eröffnete Qumulo ein deutsches Büro.

Das Startup arbeitet mit Erasure Coding, verteilt die codierten Daten also so, dass sie auch dann ohne separates Backup auf jeden Fall wieder hergestellt werden können, wenn Systeme ausfallen. Die Minimalversion eines Clusters, auf den Daten verteilt werden können, hat vier Knoten. Gespeichert wird auf SSDs und Festplatten. Üblicherweise kaufen Anwender mindestens 200 TByte nutzbare Kapazität, die in Blöcken zu je 10 TByte lizenziert wird. Außerdem gibt es die Software auch als Service bei AWS.

Metadaten weisen den Speicherort

Bekannt ist Qumulo besonders für seine analytischen Managementanwendungen, die genau feststellen, welche Filetypen am häufigsten abgefragt werden oder wo sich Verkehrsengpässe bilden. Zu den Kunden gehört der langjährige HPE-Kunde Dreamworks. „Wir haben viele Abnehmer aus Medienbranche und Entertainment“, sagt Jim Beggans, Director Alliances bei Qumulo. Für diese Branche ist der Umgang mit großen Files selbstverständlich.

Auch Hedvig ist seit 1. November HPE-OEM-Partner, und auch hier dient Apollo als Hardwareplattform. Das gleichnamige Filesystem trennt die Anwendungen, über die Nutzer auf gespeicherte Daten zugreifen, logisch von der Datenebene. Dadurch ignoriert die Software, um welche Plattform, welche Protokolle und welche Workloads es sich handelt. Die Anwender nutzen dieselben Schnittstellen wie bisher, greifen aber, ohne dies wahrzunehmen, lediglich auf Metadaten zu, die dann wiederum den Weg zu den gesuchten Daten finden.

Für die unterschiedlichen Datenformen braucht man deswegen weder getrennte Speichermedien noch getrennte Kompartimente auf einem Speichersystem. CEO Avinash Lakshman konnte bisher 50 Kunden vom Wert dieser Herangehensweise überzeugen, mit HPE bekommt das Unternehmen nun einen Hebel, der mit etwas Glück die Unternehmensentwicklung vorantreiben dürfte.

Partner auf dem Prüfstand

Schon seit 2014 mit von der HPE-OEM-Partie ist Scality, ein Anbieter software-definierter Storage-Lösungen. Die Hälfte des Scality-Umsatzes, dessen Spezialität der Umgang mit unstrukturierten Daten in Petabyte-Dimensionen ist, stammt von HPE. Außerdem hält das Unternehmen zehn Prozent an dem Storage-Newcomer. Eine typische Anwendung ist die Speicherung der Daten bildgebender medizinischer Verfahren. Bereits um die hundert Kunden hat der Ansatz überzeugt. In Zukunft sollen Software und HPE-Hardware enger verzahnt werden, um potenzielle Effizienz-Vorteile abzuholen.

Nicht immer geht es bei den Kooperationen mit Storage-Neulingen um Apollo: Beim Backup-Spezialisten Cohesity besteht die Hardwarebasis aus Proliant-DL-360-Maschinen, zukünftig der Gen10, die als Backup-Knoten konfiguriert werden. Die Minimalkonfiguration besteht aus drei Knoten, von denen jeder 30.000 Dollar kostet, nach oben sind die Grenzen offen. Inline-Deduplizierung und -Kompression, wobei beides auf den vorgeschalteten Systemen stattfindet, gehören zu den Leistungen der Lösung. Separate Speichergeräte und Backupsoftware entfallen, was den recht hoch erscheinenden Preis wieder relativiert.

Das erst zwei Jahre existierende Startup Cohesity hat außer HPE auch Cisco als Partner gewonnen und konkurriert zudem mit eigener Hardware um Kunden. Der virtuelle I/O-Spezialist Zerto, spezialisiert auf Disaster Recovery in der Cloud, gehört ebenfalls zur HPE-OEM-Riege. HPEs Beraterzweig Pointnext verwendet das Tool für Migrationen. In hybriden Infrastrukturen könnte Microsoft Azure als DR-Ziel fungieren. Schließlich ist HPE mit dem Cloud-Zweig von Microsoft eng verbandelt.

Die Beispiele zeigen: Offensichtlich sieht es HPE nicht als seine primäre Aufgabe, neue Softwarelösungen für Spezialaufgaben der Speichertechnik zu entwickeln und kooperiert dafür lieber mit anderen – möglicherweise aus der Überlegung heraus, dass man die eigenen Energien im Bereich der Storage-Softwareerstellung lieber auf Lösungen rund um den Memristor konzentriert, der in dem Zukunftsprojekt "The machine" den Kern einer neuen IT begründen soll.

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