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IT-Infrastruktur in Außenstellen Hyperkonvergente Systeme als Alternative zu MPLS-WANs

Autor / Redakteur: Pierre Langlois / Rainer Graefen

Die Versorgung von Außenstellen funktioniert oft über kostspielige WAN-Verbindungen auf Basis von Multi-Protocol Label Switching. Eine Alternative ist die Implementierung von Hyperconverged Appliances in den Niederlassungen, in Verbindung mit virtualisierten Software-defined WAN-Komponenten.

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Die Anbindung von den Satelliten eines Unterehmens, Filialen und Niederlassungen, kann teuer werden. Vielleicht empfiehlt sich eine hyperkonvergente Infrastruktur.
Die Anbindung von den Satelliten eines Unterehmens, Filialen und Niederlassungen, kann teuer werden. Vielleicht empfiehlt sich eine hyperkonvergente Infrastruktur.
(Bild: © twobee - Fotolia)

Die Situation in jeder Niederlassung eines Unternehmens ist eine andere. Das gilt auch für die Versorgung mit IT-Diensten und Ressourcen. Dazu zählen unter anderem Server und Storage-Kapazitäten, aber auch Applikationen, die zentral über ein Unternehmensrechenzentrum oder ein Cloud-Datacenter in der Filiale bereitgestellt werden. So benötigt Niederlassung A beispielsweise spezielle Anwendungen und höhere Speicherkapazitäten als Niederlassung B.

MPLS hat Schwachstellen

Allerdings gibt es neuralgische Punkte, die in dezentralen Unternehmen immer wieder zu finden sind. Zu den größten Herausforderungen zählt Multi-Protocol Label Switching (MPLS).

Diese Technik ist die Grundlage vieler unternehmensweiter Wide Area Networks (WANs), über die User in Außenstellen auf Anwendungen in Rechenzentren zugreifen.

Allerdings hat MPLS eine Reihe von Nachteilen:

  • Entsprechende WAN-Verbindungen sind teuer.
  • MPLS ist unflexibel. Das wirkt sich vor allem dann aus, wenn Außenstellen angebunden werden müssen oder IT-Ressourcen verlagert werden. Dies erfordert zu viel Zeit und kann den Geschäftsbetrieb empfindlich stören.
  • MPLS erfordert den Einsatz von Fachkräften, die vor Ort die entsprechenden Netzwerkkomponenten konfigurieren.
  • Mit MPLS ist es schwierig, Netzwerkservices automatisch bereitzustellen.

Als Alternative zu MPLS-WANs kommen Breitband-Internet-Verbindungen in Betracht. Allerdings zögerten bislang viele Unternehmen, diese einzusetzen. Der Grund: Bedenken, was die Zuverlässigkeit, Performance und Sicherheit solcher Verbindungen betrifft.

Die IT-Infrastruktur vor Ort

Doch nicht alleine die WAN-Anbindung mit MPLS stellt eine Herausforderung dar, wenn Niederlassungen in die IT-Infrastruktur eines Unternehmens integriert werden sollen. Hinzu kommen die Kosten der Server-, Storage- und Netzwerksysteme vor Ort und der Aufwand, den die spezifische Konfiguration erfordert.

Das gilt nicht zuletzt für IT-Systeme, die in Niederlassungen im Ausland implementiert werden. Denn die vorkonfigurierten Komponenten müssen zunächst zum Standort geschafft werden. Der Transport und die Zollformalitäten können zu erheblichen Zeitverzögerungen führen. Stehen am Standort keine IT-Fachleute zur Verfügung, muss ein Unternehmen außerdem mit erhöhten Management- und Wartungskosten rechnen.

Weiterhin kann es zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Compliance- und IT-Sicherheitsvorgaben kommen. Das Gleiche gilt für das Erstellen von Datensicherungen. Auch sie werden oft unsachgemäß oder gar nicht vorgenommen, weil es den Mitarbeitern in der Niederlassung an IT-Know-how mangelt.

Der Einsatz, die Anbindung und die Wartung propietärerer Hardware in den Außenstellen kann teuer werden.
Der Einsatz, die Anbindung und die Wartung propietärerer Hardware in den Außenstellen kann teuer werden.
(Bild: Audrey Armyagov/Fotolia.com)

Proprietäre Hardware-Appliances als Kostenfaktor

Um diese Klippen zu umschiffen, gehen Unternehmen verstärkt dazu über, IT-Infrastrukturfunktionen in Hardware-Appliances zu integrieren. Doch das hat seinen Preis, vor allem dann, wenn proprietäre Hardware mit speziellen Prozessoren und Controllern zum Einsatz kommt. Denn die Anbieter solcher Systeme legen die erhöhten Entwicklungskosten auf den Kunden um.

Bei einer proprietären Hardware Appliance muss der Nutzer daher mit etwa doppelt so hohen Kosten rechnen wie beim Einsatz von Standard-Server-Systemen. Sollen außerdem Hochverfügbarkeitsfunktionen (HA, High Availability) zur Verfügung stehen, liegen die Aufwendungen für eine Appliance etwa um den Faktor drei höher als bei Standard-Hardware.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Proprietäre Appliances sind in vielen Fällen schlichtweg unnötig. Denn in vielen zentralen Rechenzentren und Server-Räumen in Außenstellen steht eigentlich genügend Rechenleistung zur Verfügung. Zusätzliche Workloads, etwa für die Anbindung einer Außenstelle über Weitverkehrsleitungen an die Firmenzentrale, lassen sich als Virtual Machines (VM) auf vorhandenen Server implementieren.

Solche Virtual Appliances teilen sich die Hardware-Ressourcen mit anderen virtualisierten Komponenten. Praxiserfahrungen belegen, dass damit keine Performance-Einbußen im Vergleich zu Stand-alone-Appliances verbunden sind.

Der kritische Blick lohnt sich

Wer proprietäre Hardware einsetzt, muss auch im operativen Betrieb höhere Aufwendungen und Einschränkungen einkalkulieren. So sind Einsparungen bei der Hardware kaum machbar, etwa durch den Austausch gegen preisgünstigere Versionen.

Zudem gibt der Hersteller vor, welche Applikationen und IT-Dienste auf der Appliance laufen. Das schränkt die Wahlmöglichkeiten des Nutzers ein und kann im Extremfall dazu führen, dass er weitere Systeme implementieren muss, die spezielle Anwendungen unterstützen.

Wer eine herstellerspezifische Appliance einsetzen möchte, sollte außerdem im Vorfeld prüfen, welche Upgrade-Politik der Hersteller verfolgt. Es gibt Anbieter, die relativ kurze Produktzyklen bevorzugen und Nutzer älterer Systeme dazu nötigen, auf neue Versionen umzustellen. Wenn kein technischer Support für eine Appliance mehr verfügbar ist, bleibt dem Anwender in diesem Fall keine Wahl.

Auch wenn manche Appliances unter der Bezeichnung "Converged Systems" angeboten werden, ist es empfehlenswert, einen kritischen Blick auf die Systemkonfiguration zu werden. Denn etliche Appliances setzen die Installation separater Router oder Switches voraus. Das wirkt sich negativ auf die Kosten aus und erhöht den Komplexitätsgrad der IT-Infrastruktur in der Außenstelle.

Hypeconverged Systems, etwa von Nutanix, können neben Servern und Storage-Kapazitäten auch SD-WAN-Lösungen wie die von Silver Peak bereitstellen. Mitarbeiter in Außenstellen haben dadurch Zugriff auf IT-Ressourcen vor Ort und über Internet-Breitband-Weitverkehrsverbindungen auf IT-Dienste in externen Rechenzentren.
Hypeconverged Systems, etwa von Nutanix, können neben Servern und Storage-Kapazitäten auch SD-WAN-Lösungen wie die von Silver Peak bereitstellen. Mitarbeiter in Außenstellen haben dadurch Zugriff auf IT-Ressourcen vor Ort und über Internet-Breitband-Weitverkehrsverbindungen auf IT-Dienste in externen Rechenzentren.
(Bild: Silver Peak)

Die hyperkonvergenten Systeme punkten

Allerdings heißt das nicht, dass integrierte, „Converged“ Systeme obsolet sind. Vielmehr kommt es darauf an, wie das Konzept in der Praxis umgesetzt wird.

Eine Option für kleine Filialen und Niederlassungen sind so genannte hyperkonvergente Appliances. Diese bestehen aus Standard-Hardware, etwa auf Basis von x86-Servern, und einer Software-Ebene. Dieser Software-Layer arbeitet komplett unabhängig von der Hardware.

Auf einer solchen Appliance lassen sich in virtualisierter Form unterschiedliche Workloads implementieren. Eine Einschränkung auf bestimmte Anwendungen oder die Bindung an Produktzyklen eines Hardware-Herstellers sind somit nicht gegeben.

Eine hyperkonvergente Appliance stellt Rechenleistung und Storage-Ressourcen zur Verfügung. Außenstellen können ein solches Hyperconverged System außerdem für die Anbindung an ein zentrales Rechenzentrum oder eine Cloud nutzen.

Hersteller von hyperkonvergenten Systemen wie Nutanix unterstützen beispielsweise Software-defined WAN-Lösungen (SD-WAN). Entsprechende „Virtual Appliances“ lassen sich auf hyperconverged Plattformen installieren.

Ein SD-WAN stellt kostengünstige Internet-Breitbandverbindungen bereit. Darüber können Mitarbeiter auf Daten und Applikationen zugreifen, die in Rechenzentren an anderen Standorten vorgehalten werden.

Schnelle Bereitstellung von IT-Services

Eine virtualisierte SD-WAN-Lösung in einem hyperkonvergenten System lässt sich parallel zu MPLS-Verbindungen oder anstelle von diesen einsetzen. Unternehmen können dadurch auf preisgünstige und gleichzeitig sichere Breitband-WAN-Verbindungen zurückgreifen.

Zudem entfallen klassische Nachteile von MPLS, etwa lange Wartezeiten, bis eine Niederlassung in ein unternehmensweites WAN eingebunden ist. Eine hyperkonvergente Appliance reduziert außerdem den Aufwand bei der Installation und Konfiguration und zeichnet sich durch niedrigere Betriebskosten aus.

Eine hyperkonvergente Infrastruktur bietet somit das Beste aus zwei Welten: Niederlassungen verfügen über eine Art Mini-Rechenzentrum, das alle zentralen Elemente enthält: Rechenleistung, Speicherplatz und Netzwerkfunktionen.

Gleichzeitig können die Mitarbeiter über ein SD-WAN auf einfache und kostengünstige Weise Applikationen nutzen, die externe Datacenter anbieten, sei es das unternehmenseigene Rechenzentrum oder das eines Cloud Service Providers.

* Pierre Langlois ist Director EMEA Sales bei Silver Peak.

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