Zwei neue z14-Modelle, die Docker-Boliden von IBM

IBM adressiert mit schlankeren Mainframes neue Kundenkreise

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Ulrike Ostler

IBM nimmt zwei neue „z14“-Modelle in das Mainframe-Portfolio auf: „ZR1“ und „Linux One Rockhopper II“. Augenfällig: die Anpassung auf 19 Zoll.
IBM nimmt zwei neue „z14“-Modelle in das Mainframe-Portfolio auf: „ZR1“ und „Linux One Rockhopper II“. Augenfällig: die Anpassung auf 19 Zoll. (Bild: IBM)

IBM hat zwei neue Modelle seines Großrechners „z14“ sowie ein entsprechendes Storage-Modul angekündigt. Damit können Nutzer einen Mainframe in ein 19-Zoll-Industrie-Rack packen, auf dem gleich dimensionierten Linux-only-Großrechner „Linux One Rockhopper II“ lassen sich bis zu 330.000 Docker-Container ausführen.

40 Prozent Platzersparnis soll die Verschlankung von 24 Zoll Breite auf 19 Zoll bringen. Außerdem wurden dem Mainframe weitere Eigenheiten ausgetrieben, so etwa die eigentümliche Stromversorgung, die nun auf Strom für Normalsterbliche umgestellt wurde. Der erweiterte Kundenkreis spiegelt sich auch im relativ niedrigen sechsstelligen Einstiegspreis wider, den IBM für das jeweilige Einstiegsmodell verlangt. Der Preis für eine z14 der Enterprise Class bewegt sich im sieben- bis achtstelligen Bereich.

Abbildung 1: Die Mainframe-Nesthäkchen von IBM: "ZR1" und "Rockhopper II".
Abbildung 1: Die Mainframe-Nesthäkchen von IBM: "ZR1" und "Rockhopper II". (Bild: IBM)

Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager IBM Z & Linux One für die DACH-Region, sagt: „Die Modelle eignen sich nun auch für Cloud-Provider und kleinere Unternehmen, die hohen Bedarf an sicheren Transaktionen haben. Als ersten deutschen Kunden konnte Thomasch bereits das Kirchliche Rechenzentrum KRZ für Südwestdeutschland nennen.

IBM habe deutlich gemacht, dass die neuen Mainframes nicht nur die traditionellen Kunden adressierten, sondern auch kleinere Firmen, die bislang keine Großrechner kauften, fügt der Analyst Roger Kay von Endpoint Technologies Associates hinzu. „Der Vertrieb erwartet neue Kunden, von denen die meisten mittelständisch sind, aber wegen des 19-Zoll-Formfaktors gehören auch Cloud Service Provider (CSPs) zur Kernzielgruppe."

Analysten bewerten den Mainframe-Zuwachs positiv

Diese Erwartung wird auch vom Analysten Ian Murphy bestätigt: „In den vergangenen drei Jahren kauften über 20 Unternehmen IBM-Mainframes und nahmen sie in ihren eigenen Cloud-Umgebungen in Betrieb, um eigene Services anzubieten", und weiter: „Diese zwei Maschinen werden sich nahtlos in deren IT-Umgebungen einfügen, ohne spezielle Anpassungen oder Änderungen zu erfordern."

Abbildung 2: Auf dem Mainframe-Modell "ZR1" lässt sich je eines von fünf Betriebssystemen ausführen, etwa Linux on Z.
Abbildung 2: Auf dem Mainframe-Modell "ZR1" lässt sich je eines von fünf Betriebssystemen ausführen, etwa Linux on Z. (Bild: IBM)

Die Unterschiede zwischen der Maschine „ZR1“ und dem Linux One Rockhopper II muss man jedoch suchen – mit Ausnahme der speziellen Ausrichtung beim Rockhopper für Linux. Beide sind Cloud-fähig und sollen eine einfache Integration in Cloud-Rechenzentren und Private Cloud-Umgebungen ermöglichen. Auch hinsichtlich Kapazität, Leistung, Speicher und Cache, die in nahezu allen Bereichen des Systems erweitert wurden, gleichen sie einander.

Die Ausstattung des Systems liegt unterhalb der Einstiegskonfiguration eines Modells „z14 M01“: Während dieses mit 33 CPUs und maximal 8 Terabyte (TB) aufwartet, starten ZR1 und der Rockhopper II mit vier CPUs und zwei Terabyte. In der höchsten Ausbaustufe mit 30 PUs (Processing Units) und ebenfalls 8 TB, rückt er allerdings nahe an den 24-Zoll-Bruder heran. „Man könnte hier von einem Migrationspfad sprechen", so Analyst Kay. Wo die Einstiegsmodelle enden, beginnt die Enterprise-Klasse.

Abbildung 3: Auf einem Prozessor-Chip lassen sich bis zu zehn PUs (Processing Units) unterbringen.
Abbildung 3: Auf einem Prozessor-Chip lassen sich bis zu zehn PUs (Processing Units) unterbringen. (Bild: IBM)

Die Mainframe-Variante eines Datacenter in a Box

Der Rechner ZR1 schafft nach Thomaschs Worten ein „Datacenter in einer Box", da es die nötige Infrastruktur in einem System integriert. Es bietet demnach 10 Prozent mehr Kapazität als der Vorgänger „z13s“ und mit 8 TB doppelt so viel Speicher wie dieser. Da das z/OS-Betriebssystem auf Transaktionen ausgelegt ist, dürfte interessant sein, dass die ZR1 mehr als 850 Millionen vollständig verschlüsselte Transaktionen pro Tag auf einem einzigen System bewältigt, also annähernd 10.000 pro Sekunde.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist einer der wichtigsten Leistungsmerkmale der z14-Familie, denn dadurch braucht der Kunde weder zusätzliche Hard- noch Software mehr und kann sich bei der App-Entwicklung auf die Features konzentrieren. Die durchgehende Verschlüsselung haben die beiden Modelle von den Enterprise-Modellen M01-M05 ebenso übernommen wie die Abschottung von Apps und Betriebssystem mithilfe des Secure Service Containers (SSC). „Die durchgehende Verschlüsselung ist sowohl effektiv als auch kostengünstig", erläutert Kay.

Linux One Rockhopper II

Trotz der Schlankheitskur mit dem neuen 19-Zoll-Standard-Formfaktor bietet der „Felsenhüpfer" 50 Prozent mehr Kapazität und mit 8 TB doppelt so viel RAM-Speicher wie die vorherige Version. Linux auf „System Z“ erlaubt den Betrieb von Linux-basierten Applikationen und kann sich auch das Management von VMware-Umgebungen integrieren. Statt eines Zoos aus virtuellen Maschinen zu bändigen, gehen aber immer mehr Nutzer dazu über, Container-basierte Umgebungen aufzubauen, die sich mit quelloffenen Tools wie „Puppet“ oder „Chef“ leicht und kostengünstig verwalten lassen.

Der Rockhopper II unterstützt laut Thomasch eine Docker-zertifizierte Infrastruktur für „Docker EE“ mit integriertem Management. Die getestete Skalierung reicht für bis zu 330.000 Docker-Container.

Sie ermöglicht Entwicklern damit das Erstellen von Hochleistungsanwendungen und integriert eine Microservices-Architektur ohne Latenz- oder Skalierungsbeschränkungen. Das hören insbesondere Anbieter von Cloud Services und -Apps gerne, ganz gleich, ob sie eine Public-, Private- oder Hybrid-Cloud betreiben, beispielsweise das bereits genannte KRZ. Hauptvorteil auf der z14: Die jeweilige Cloud-Infrastruktur ist von A bis Z verschlüsselt und gegen Malware geschützt.

Mainframes in der IBM Cloud

Thomasch bestätigte, dass IBM die Sicherheitsdienste der z14-Familie in seiner Public Cloud anbieten wird, die die Bezeichnung „IBM Cloud" trägt. „Blockchain as a Service" wird seit 2017 aus der IBM Cloud angeboten. Drei zusätzliche Services, die der Hyper-Protect-Familie entstammen, befinden sich laut Thomasch in der Beta-Phase und verschlüsseln auf der z/Linux-One-Hard- und Software ruhende wie auch bewegte Daten.

Die „Crypto Services" versorgen Kunden-Apps mit Verschlüsselung und Schlüsselverwaltung. Der „Containers"-Service stellt Kubernetes-Workloads in vertraulichen Bereichen bereit. Der Dienst "Database as a Service" (DBaaS) verschlüsselt Daten in einer Client-Datenbank, wodurch sich Spezialkenntnisse erübrigen. Entwickler und andere Nutzer können sie über den IBM Cloud Katalog auswählen.

Das neue Storage-Modul

Beide neuen Modelle weisen freien Rack-Platz (16 U) auf, in den zum Beispiel eine Speicherlösung passt. Als darauf abgestimmteIBM-Speicherlösung hat Big Blue das neue High-End-Speichersystem „DS8880“, Release 8.3.3 vorgestellt. Es biete, laut IBM, neue Funktionen, die speziell für die Nutzung der besonderen Merkmale des System Z entwickelt worden seien.

Abbildung 4: Die "zHyperLinks"-Technologie mit PCIe-3.0 Bus verbindet einen entfernten Server mit einer Latenzzeit von 20-30 Mikrosekunden statt mit 145-170 Mikrosekunden, die die bisherige Technologie erlaubte.
Abbildung 4: Die "zHyperLinks"-Technologie mit PCIe-3.0 Bus verbindet einen entfernten Server mit einer Latenzzeit von 20-30 Mikrosekunden statt mit 145-170 Mikrosekunden, die die bisherige Technologie erlaubte. (Bild: IBM)

Dazu gehört für die „DS8880F“-Familie die „zHyperLink“-Konnektivität mit extrem kurzer Latenzzeit über alle Modelle hinweg. Die Technologie erlaube, so IBM, Anwendungen eine Reaktionszeit von weniger als 20 Mikrosekunden (20 Millionstel Sekunden). Dies entspreche einer 10-fachen Latenzverringerung im Vergleich zu High-Performance FICON und repräsentiere die kürzeste derzeit mögliche Reaktionszeit für Anwendungen auf der IBM -Z-Plattform.

"zHyperLinks" erlaubt dem Speicher einen höheren I/O um den Faktor 10 und eine fünf Mal schnellere Speichergeschwindigkeit für Transaktionen in der "DB2"-Datenbank.
"zHyperLinks" erlaubt dem Speicher einen höheren I/O um den Faktor 10 und eine fünf Mal schnellere Speichergeschwindigkeit für Transaktionen in der "DB2"-Datenbank. (Bild: IBM)

Abschließend resümiert Joe Clabby von Clabby Analytics die Vorteile der beiden neu vorgestellten Systeme: „Beide Architekturen sind im Design sehr flexibel, denn sie bieten Kunden 16 Units à 1,75 Inch an Platz, um Individualbauweisen zu realisieren. Beide bieten erheblichen RAM-Speicher, um die Verarbeitung von Transaktionen, Batch- und Datenverarbeitung zu beschleunigen. Flash Memory in SSD-Form wurde erweitert, Busgeschwindigkeiten erheblich erhöht und die IO-Latenzzeit zwischen Storage- und Rechen-Knoten stark gesenkt."

Die neuen z14-Systeme sollen zusammen mit dem neuen DS8880-Gerät noch im zweiten Quartal 2018 verfügbar werden und zum Teil auch über den Channel vertrieben werden.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal IT-Business übernommen.

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