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IBM-Chef-Techniker Gunter Dueck: Die Cloud ist, kann und wird... IBM-CTO: „Die Cloud wächst schneller als manchem Anbieter lieb ist“

| Redakteur: Ulrike Ostler

Vielleicht baut IBM einmal eine öffentliche Cloud. – „Jedenfalls gibt es große Kunden, die ernsthaft danach fragen“, sagt IBM Chief Technologist Gunter Dueck. Der Professor und Autor zahlreicher Bücher arbeitet als Distinguished Engineer „Wild Duck“ bei IBM und verantwortet derzeit in Deutschland den Bereich Dynamic Infrastructure. Im Interview erläutert er, was die Cloud im Unternehmenskontext sein kann, ist und behindert.

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CTO IBM Deutschland Gunter Dueck: „Das Fehlen eines vernünftigen Netzes stoppt die technische und gesellschaftliche Entwicklung nur sinnlos.“
CTO IBM Deutschland Gunter Dueck: „Das Fehlen eines vernünftigen Netzes stoppt die technische und gesellschaftliche Entwicklung nur sinnlos.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Kommt die Cloud oder verschwindet aller Hype im Nebel des Vergessens?

Gunter Dueck: Die Cloud ist wie ein Zug, der wenn er auch nur eine Sekunde anrollt, nicht mehr zu stoppen ist. In dieser Phase sind wir jetzt. Die ersten Cloud-Angebote sind ein solch überwältigender Erfolg, dass bald das umgekehrte Problem entstehen wird: Die Kundenbegeisterung ist größer als die Möglichkeit, so schnell so viele Clouds zu bauen.

Zum Beispiel brauchen Entwickler und Tester immer einmal wieder große Rechenkapazitäten. Das Unternehmen kann diese nur schwer bereitstellen und Vorbehalte sowie langwierige Genehmigungsprozesse verhindern das kurzfristige Anmieten von Rechenleistung. Doch insbesondere Rechenleistung, die nur kurz zur Verfügung stehen muss, ist günstig.

Das verführt so manchen Entwickler dazu, die Rechenleistung einfach privat einzukaufen, nach dem Motto: „kostet ja nicht viel“, und damit die Unternehmenspolitik zu unterlaufen. Diese Sünder, die grassierende Anarchie, der Wildwuchs auf der einen Seite, die Kosten für die Neuanschaffung von Hardware und Lizenzen und die geringe Auslastung von Rechnern auf der anderen sorgen für einen Druck der Straße.

Die Cloud-Kulturrevolution hat längst begonnen. Wie eben bei dem Zug, der wenn er auch nur eine Sekunde angefahren ist, nicht mehr gestoppt werden kann.

Zugleich wirkt so manche Diskussion wie die um die erste Waschmaschine – die wäscht nicht so weiß, die Wäsche geht früher kaputt, bügeln muss ich trotzdem und es gibt nichts, das ich nicht auch mit der Hand waschen könnte – oder die um den Sinn eines Trockenrasierers, als Braun den ersten auf den Markt brachte.

Die Fragen, die sich eher stellen sollten, lauten: „Wo bekomme ich die Dienstleistung her? Wem kann ich vertrauen?“ Die Antworten: „Über die Cloud! Na, im Zweifelsfall doch wohl einer Marke.“

IBM ist eine solche Marke für das Cloud-Computing?

Gunter Dueck: IBM bietet eine Entwicklungsumgebung für Tester und Entwickler in der Cloud an. Da sind derzeit 1.000 IBM-Menschen und einige ausgesuchte IBM-Kunden darauf. Die Cloud ist also ready to go.

Die Cloud funktioniert auch deshalb so gut, weil in dieser speziellen Cloud immer nur für einen recht begrenzten Zeitraum Dienste beziehungsweise Rechenleistung angefordert wird. In solchen Szenarien zahlen die Kunden etwa pro Stunde oder pro Tag.

Größere Schwierigkeiten verursacht die Nachfrage nach dauerhaften Diensten. Wie soll man das abrechnen? Etwas nach SAP-Einheiten?

So müssen sich die Software-Anbieter erst noch Abrechnungsmodelle für ihre Produkte überlegen. Mit Lizenzen kommt man hier nicht weiter. Als Beispiel sei eine SQL-Auswertung vom Kunden benötigt. Nutzt er dafür, wie herkömmlich eine dedizierte Datenbank, kostet eine Abfrage vielleicht den Bruchteil eines Cents. Doch wie soll die Abrechnung erfolgen, wenn die Abfrage sich über viele Datenbanken erstreckt, deren Leistung von vielen verschiedenen Anbietern zur Verfügung gestellt wird? Summieren sich die Cent-Bruchteile bei einer SQL-Recherche dann auf viele Tausend Bruchteile?

Eigentlich müsste noch Zeit und Raum sein, Clouds auzuprobieren. Denn eine Lernkurve wird es ganz sicher geben.

Für die Anbieter?

Gunter Dueck: Ja. Aber auch für die Kunden. So kann eine sekundengenaue Abrechnung für den einen Kunden sinnvoll sein, für andere nicht. Da böte sich besser eine Flatrate an. Doch welches Modell das bessere ist, können die Finanzverantwortlichen zum Teil gar nicht erkennen.

So hat etwa ein Kämmerer verloren, der für den Energieeinkauf auf ein verbrauchsabhängiges Modell setzt, wenn die Energiekosten deutlich steigen. Das kann den wirtschaftlichen Ruin bedeuten, vor dem eine Flatrate bewahrt hätte.

Das Traurige ist allerdings, dass alle Anbieter erst exakt abrechnende Billing-Systeme bauen und implementieren werden, ehe die Unternehmen dann doch lieber die Volatilität senken wollen und zu Pauschalen greifen.

Weiter mit: So ist Cloud-Computing nicht per Definition billiger als die IT vor Ort?

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