Milliardendeal

IBM schnappt sich Red Hat

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Ginni Rometty, Chairman, President und CEO von IBM und James M. Whitehurst, CEO von Red Hat.
Ginni Rometty, Chairman, President und CEO von IBM und James M. Whitehurst, CEO von Red Hat. (Bild: IBM)

Es könnte die drittgrößte Übernahme in der Geschichte der amerikanischen IT-Industrie werden: Für gut 34 Milliarden US-Dollar will IBM den Open-Source- und Linux-Spezialisten Red Hat schlucken.

Nur wenige Stunden nachdem die US-Nachrichtenagentur Bloomberg gestern mitteilte, dass sich vermutlich eine Großübernahme in der IT-Industrie anbahne, war die Katze offiziell aus dem Sack: IBM kündigte den Kauf von Red Hat an. 190 US-Dollar pro Aktie in bar lautete das Angebot - damit taxiert Big Blue den Geschäftswert des Open-Source-Spezialisten auf 34 Milliarden US-Dollar.

Für IBM ist die Akquisition der Softwarefirma, die auf Basis des freien Betriebssystems Linux kommerzielle Dienstleistungen anbietet, in der Konzerngeschichte die bisher größte. Der Deal muss allerdings noch von den Red Hat-Aktionären abgenickt und von den Kartellbehörden genehmigt werden. Sollte der Abschluss gelingen, wäre IBM nach eigener Aussage der weltweit größte und einzige Hybrid-Cloud-Anbieter mit einer Open-Source-Lösung.

Kampf um das lukrative Cloud-Geschäft

Die Übernahme besäße das Potenzial, die Landschaft im Cloud-Geschäft zu verändern, davon ist die IBM-Chefin Ginni Rometty überzeugt. Vor allem soll sie dazu beitragen, die Stellung des Schwergewichts im Cloud-Geschäft gegenüber Mitbewerbern wie Microsoft, Google oder Amazon, auf einen Schlag zu verbessern.

Damit setzt Rometty den Umbau des Unternehmens weiter fort. Sie arbeitet schon seit geraumer Zeit daran, den IT-Dino zukunftssicher zu machen - unter anderem, indem sie weniger profitable alte Geschäftsbereiche schrittweise abbaut und dafür stärker auf künstliche Intelligenz und eben Cloud-Dienste setzt. Sechs Jahre lang ließ die Umstrukturierung den Umsatz sinken, dann schien Romettys Sanierungskurs Früchte zu tragen: IBM schaffte drei Quartale in Folge mit Wachstum. Doch zuletzt gab es wieder ein Vierteljahr mit sinkenden Erlösen, das setzte auch die Aktie unter Druck. Insofern scheint der Aufkauf ein folgerichtiger Schritt, um Cloud-Erlöse zu beschleunigen.

IBM plane alle 12.600 Mitarbeiter von Red Hat zu übernehmen, so Rometty. Der Hersteller solle als eigenständige Einheit unter dem Dach von IBMs Hybrid-Cloud-Sparte agieren und weiterhin von Jim Whitehurst, dem derzeitigen CEO gelenkt werden. Zudem zähle er künftig zum IBM-Führungsstab.

IBM greift tief in die Tasche

In der Geschichte der US-amerikanischen IT-Industrie waren nur zwei Deals noch größer als die nun angekündigte Übernahme von Red Hat: 2016 fusionierten für 67 Milliarden Dollar der Computerhersteller Dell und der Speicherspezialist EMC. Im Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, schluckte das Netzwerkunternehmen JDS Uniphase für 41 Milliarden Dollar den Spezialisten für optische Bauteile SDL.

Mit 190 Dollar je Aktie bietet IBM einen satten Aufschlag von gut 60 Prozent auf den Schlusskurs von Red Hat von Freitag. Der Preis von 34 Milliarden Dollar schließt auch Schulden von Red Hat ein, IBM will dafür neben seinen Geldreserven auch auf Kredite zurückgreifen. Mit dem Abschluss des Deals rechnen die Unternehmen im zweiten Halbjahr 2019.

Top-Player im Open-Source-Markt

Red Hat startet vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux, das vor allem auf Servercomputern zum Einsatz kommt. Heute erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit seinem Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie anderen häufig in Rechenzentren eingesetzten Technologien.

Das Unternehmen, das 1999 auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms an die Börse ging, verdiente im letzten Geschäftsjahr 259 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 2,92 Milliarden US-Dollar. Letzterer wuchs zwischen den Geschäftsjahren 2017 und 2018 um 21 Prozent. Mit dem Börsengang von Red Hat 1999 wurde auch Linux-Erfinder Linus Torvalds zum Millionär, da ihm Red Hat-Gründer Marc Ewing aus Dankbarkeit Aktienoptionen zugesprochen hatte.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronikpraxis übernommen.

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