Interessantes aus aller Welt - die elektronische Vermessung des Menschen

Individuelle Performance-Optimierung dank tragbarer Armbänder

| Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

Die Vermessung des Menschen
Die Vermessung des Menschen (Quelle: Luc Viatour / www.Lucnix.be)

Die erste Generation von Wearables ist weitgehend spurlos an uns Deutschen vorbeigegangen. Doch die nächste Welle rollt schon auf uns zu. Die kleinen Funktionsarmbänder haben das Zeug gesellschaftliche Institutionen umzuwälzen.

In Amerika sind Industrie wie Käufer schon ein ganzes Stück weiter. Da rufen sich befreundete Prominente gegenseitig an und erzählen sich wie fit man ist. Obwohl man den ganzen Tag keinen Lift benutzt habe, seien beim Treppensteigen überhaupt keine Extrasystolen aufgetreten. Und man bereite sich jetzt auf den nächsten Halbmarathon vor.

Am Handgelenk trag ich nur wearables (Update vom 8.9.2014: Samsung Gear S)

"Quantify yourself" war gestern

Doch das ist nur das erste Geplänkel, um die tragbaren elektronischen Schrittzähler und Schlafbewacher mit ihrer direkten Connection zu Internet-Datenbanken. Branchenkenner wie IM Research gehen von einem sechs Milliarden US-Dollar-Markt aus. Bei IDC sieht man die weltweiten Auslieferungen "Wearable Computing Market" innerhalb der nächsten vier Jahre von 19,2 Millionen auf 112 Millionen Einheiten steigen. Und so ist die Aufrüstung der schmucken Zierreifen mit immer weiteren Funktionen im vollen Gange.

Ein gewisser Unsicherheitsfaktor ist Apple. Keiner weiß genau, was die Nerd-Firma bei Wearables im Schilde führt. Der lang erwartete große Auftritt steht wahrscheinlich kurz bevor und wird, so vermuten alle, die Messlatte ziemlich hoch legen. Ziemlich klar ist, dass Apple die Vernetzung in, mit und über seine Cloud-Instanzen forcieren wird. Wearables werden die Eintrittskarte zu vielen Gesellschaftsspielen sein.

Nur mit viel eigenem Willen und einer gehörigen Portion IT-Sachverstand werden Apple-Gadget-User verhindern können, dass Apple die ganze Welt vom eigenen Leistungsvermögen in Kenntnis setzt. Und um die eigene Leistung durch nützliche Zusatz-Tools optimieren zu können, werden sicherlich dutzendweise Datenbanken strategischer Partner mit von der Partie sein.

Krankenkassenkonkurrenz

Es ist absehbar, dass Krankenkassen, die früher mit der Jugendlichkeit ihrer Mitglieder für sich warben, sich umstellen werden. Der Alterungsprozess der Gesellschaft stellt eine neue Herausforderung für den Beitrag und damit die Anzahl der Mitglieder dar.

Doch wie für andere Dienstleister finden sich auch für Krankenkassen im großen Datenhaufen Internet moderne Werbemöglichkeiten. Mit entsprechenden Big Data Tools ausgestattet, sollte es jeder Gesundheitskasse gelingen, die freiwillig im Internet gespeicherten Messdaten der Wearables zahlloser Menschen mit dem eigenen Adressbestand abzugleichen.

Das wird im ersten Schritt dazu führen, dass man Mitglieder identifiziert, die bei einem Pulsschlag von 40 die Eiger Nordwand oder noch höhere Berge hinaufgekraxelt sind. Mit solchen Leistungsträgern lässt sich werben.

Statistische Aufbereitung

Im nächsten Schritt geht es dann um Größeres. Die Überalterung der Gesellschaft macht auch vor den Gesundheitskassen nicht halt und erfordert die rechtzeitige Diagnose und Behandlung. Wearables machen es möglich. Kontaktlinsen messen den Zuckergehalt, der Sauerstoffgehalt von Säuglingen lässt sich permanent kontrollieren und die Kalorienzufuhr und den Kalorienverbrauch zu messen, ist sicherlich auch kein großes Hindernis mehr.

Mittels Big Data werden dann alle Daten zusammengetragen und nach bekannten Prinzipien ausgewertet: Persönliches und biologisches Alter werden korreliert und ermöglichen dann, wie bei der KFZ-Versicherung gerade vorgelebt, eine neuartige Prämienberechnung.

Selbstdisziplinierung

Für diejenigen, die den Implikationen des Armreifs nicht aus eigener Kraft nachkommen können, gibt es unter dem Namen „Pavlok“ eine "schöne" Idee: "Change habits by force", das Selbstbestrafungsarmband. Maneesh Sethi, Weltenbummler und Erfinder, sammelt derzeit per Crowdfunding Geld. Noch ist unklar, ob sich der Erfinder einen Scherz erlaubt.

Doch wearables, und der Gedanke scheint für viele Menschen nicht mehr undenkbar, müssen ja nicht außen am Körper getragen werden, man könnte sie doch direkt unter die Haut injizieren, wie das inzwischen bei vielen Haus- und Wildtieren passiert. Ein kleiner GPS-Sender im eigenen Kind, scheint für viele Eltern nicht mehr undenkbar, wenn sie sich an sorgenvolle Stunden zurückdenken, wo sich ihr Zögling nicht wie vereinbart gemeldet hatte.

Schon vor vielen Jahren als Wearables noch kein Thema waren wurden unter Zukunftsforschern schon die Fähigkeiten von Nanorobotern erörtert, die Schäden an Lunge und Arterie durch Teer und Cholesterin bereits im Frühstadium reparieren. Dass hier beizeiten noch viel Potenzial für die individuelle Leistungssteigerung liegt, ist nur schwer von der Hand zu weisen, bei all den blühenden Spekulationen über die Leistungsfähigkeit der nächsten Wunderbändersensorengeneration.

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