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Neuer DACH-Chef Achim Deboeser im Interview Informatica stellt sich neuen Herausforderungen

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Informatica, das Power-Boot. Er selbst der Kapitän auf der Brücke. So sieht der neue Zentraleuropachef des Spezialisten für Datenintegration seine Position. Nach hundert Tagen im neuen Amt berichtet Achim Deboeser über die Herausforderungen des Marktes und wie er diesen begegnen will.

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Ordnung ins Datenchaos bringt Informatica. Neue Ordnung herrscht auch an der Spitze der DACH-Organisation. Mit Achim Deboeser waltet hier seit kurzem ein ausgesprochener Branchenkenner. (© carlos castilla - Fotolia.com)
Ordnung ins Datenchaos bringt Informatica. Neue Ordnung herrscht auch an der Spitze der DACH-Organisation. Mit Achim Deboeser waltet hier seit kurzem ein ausgesprochener Branchenkenner. (© carlos castilla - Fotolia.com)

CloudComputing-Insider.de: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre neue Aufgabe gesetzt?

Achim Deboeser: Bisher war Informatica in Deutschland und Österreich hauptsächlich im Bereich Finanzen, Banken und Versicherungen unterwegs. In diesem Markt verkaufen wir auch weltweit am erfolgreichsten. Nun wollen wir unser Geschäft sukzessive über andere vertikale Märkte erweitern. Das heißt wir adressieren über den Banken-Finanzen-Insurance-Markt hinaus künftig viel stärker als bisher in die Telekommunikations- und Medien-Bereich, die Automobil- und Zuliefererindustrie, die Transport- und Logistik-Branche sowie der Pharma- und Chemiebereich. Und angedacht ist – wenn vermutlich auch nicht mehr in diesem Jahr – ein stärkeres Engagement in der Handelsbranche.

Wie wollen Sie genau vorgehen?

Deboeser: Neben den vertikalen Märkten soll auch unsere geografische Vertriebs- und Pre-Sales-Organisation – unser sogenannter „territory sales“ – optimiert werden. Wir wollen die Vertriebsstruktur um einen Bereich ergänzen, den ich an dieser Stelle erst einmal allgemein „Channel“ nennen möchte. Wir brauchen eine Partner-Infrastruktur, um überhaupt in dem gewollten Maße in die Breite gehen zu können. Um die gewünschten Märkte bedienen zu können, wollen wir künftig mit etwa 20 bis 30 Enterprise Value Added Resellern bzw. Systemintegratoren zusammen arbeiten.

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Haben Sie hier schon besondere Vorkehrungen getroffen?

Deboeser: Bereits im zweiten Quartal dieses Jahres wollen wir starten. Wir nehmen hierzu einen eigenen Channel-Manager an Bord, der die richtigen Partner finden und entsprechend zertifizieren soll. Was die Größe unserer neuen Partner angeht, sind wir flexibel. Wir arbeiten zwar schon mit sehr großen Unternehmen wie T-Systems zusammen, die heute insbesondere unsere ganz großen Kunden betreuen. Interessant sind aber auch kleinere Firmen mit vielleicht zwanzig bis fünfzig Mitarbeitern, die aber einen ganz klaren Fokus haben: Entweder regional, bezüglich des Anwendungsbereichs, wie zum Beispiel die Cloud, oder in Hinsicht auf ein bestimmtes Marktsegment. Um sicherzustellen, dass sich nicht mehrere Informatica-Partner im Wettbewerb bei einem Kunden bewegen, wollen wir allerdings nur eine übersichtliche Matrix an Partnern mit bestimmten Schwerpunkten erstellen.

Wollen Sie die Kompetenzen beispielsweise auch durch Übernahmen erweitern?

Deboeser: Wie eben skizziert, wollen wir weiteres Wachstum aus der Breite ziehen. Im vergangenen Jahr ist unser Umsatz um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen; unsere Produktivität, als Endergebnis aus Ertrag und Gewinn, stieg sogar um 36 Prozent. Bei solch gesundem Wachstum sind wir so gut aufgestellt, dass Übernahmen oder Mergers durchaus nicht ausgeschlossen sind. Dass wir weiter wachsen werden, ist eigentlich zwingend: Da die Datenbestände in Zukunft noch gewaltiger wachsen werden, wird auch die Nachfrage und der Bedarf für Informatica-Lösungen immer größer. So sind wir bestens positioniert: Wir wachsen einfach mit.

Wie setzt sich die Kundenstruktur bei Informatica zusammen?

Deboeser: Bislang richtet sich Informatica auf große bzw. sehr große Kunden – Global oder sogenannte Enterprise Accounts – aus. Mit der eben angesprochenen Territory- bzw. Partner-Initiative wollen und werden wir auch hinsichtlich der Kundenstruktur definitiv in die Breite gehen. Zur Zeit adressieren wir Kunden, vom gehobenen Mittelstand aufwärts bis hin zu multinationalen Konzernen. Wir denken aber nun darüber nach, uns speziell mit den Cloud- und Saas-Produkten, unter Umständen auch speziellen Service-Angeboten, auch darunter zu positionieren. Doch das ist eher noch Zukunftsmusik.

Sind neue Produkte in Planung oder stehen signifikante Veränderungen an?

Deboeser: Unser Brot- und Butter-Geschäft und auch die Bereiche, die nach wie vor am stärksten wachsen, sind die Themen Datenintegration und Datenqualität. Viele Unternehmen arbeiten heute mit Data Warehouses, um Daten aus verschiedenen unternehmenskritischen Anwendungen zusammen zu führen. Doch nicht alles, was im Data Warehouse liegt, hat die gleiche Datenstruktur oder die gleiche Datenqualität. Ich denke da nur an Adressdatenbänke mit unterschiedlichen Schreibweisen der gleichen Adresse oder ihren zahlreichen Dubletten.

Was ist dann bei Informatica anders?

Deboeser: Unser Ansatz ist: Alle vorhandenen Daten sollen in einem gemeinsamen Format vorliegen. Sie werden über Extract Transform Load (ETL) in das neue Format gesetzt. Hier sprechen wir also von Datenintegration. Mit Hilfe von Automatismen werden diese Daten dann verifiziert. So erzeugen wir aus dem Datenwildwuchs die entsprechende Datenqualität. Mit dem Ergebnis, dass Unternehmen mit ihren Daten auch wirklich etwas anfangen können. Hier haben wir meines Erachtens den Übergang von Daten zur Information. Nur Informationen tragen dazu bei, produktiv zu arbeiten und entsprechende Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Welche weiteren Bereiche adressiert Informatica?

Deboeser: Zwei weitere Standbeine sind die Bereiche Master Data Management (MDM) und Information Lifecycle Management (ILM). Mit MDM erhöhen wir die Möglichkeiten, dass Unternehmen die komplette und gleichzeitige Sicht auf alle Kunden, alle Produkte, alle Lieferanten oder alle Services haben. Master Data Management – bei Informatica verwenden wir auch den Begriff Multi-Domain Master Data Management – ist ein überproportional wachsender Bereich.

Und wie sieht es im Bereich Information Lifecycle Management aus?

Deboeser: Nicht anders. Das dynamische Wachstum der Unternehmensanwendungen, aber auch der Wechsel von alten Anwendungen oder Plattformen zu moderneren anderer Anbieter, bedeutet letztendlich, dass auch die Daten mitgezogen werden müssen. Hier beantwortet ILM die Fragen: Wie bringe ich Daten von alten Systemen auf neue oder neue Releases und wie setze ich mein ganzes Test-Daten-Management auf? Es gibt Unternehmen, die halten den vier- bis achtfachen Datenbestand ihrer Produktionsdaten für die Testumgebung vor. Sie duplizieren ihre komplette Life-Umgebung und fahren damit Tests, um für nächste Releases vorbereitet zu sein. Abhilfe schafft hier sogenanntes Data Subsetting, wo mit Hilfe intelligenter Werkzeuge nur eine kleine Datenmenge für Tests selektiert wird, und Data Masking, das persönliche Daten in einer für den Test ausreichenden Form verändert. Mit ILM sind Tests schneller, da der Datenbestand vor allem im Test-Management-Bereich erheblich reduziert wird. So lassen sich auch Kosten für Server-Farmen oder Storage-Bereiche sparen. Der Return-on-Investment ist immens.

Mit wem sehen Sie sich in Konkurrenz?

Deboeser: Unser größter Mitbewerber ist nicht irgendein anderes Unternehmen am Markt, sondern wir stehen im direkten Wettbewerb zum sogenannten „hand-coding“. Das heißt: Unternehmen beschäftigen eigene Mitarbeiter, die zum Teil jahrelang Datenbestände manuell bereinigen. Dabei werden sie allerdings nie fertig, weil die Datenbestände schneller wachsen, als sie das überhaupt abarbeiten können. Unsere Lösungen tragen dazu bei, die Produktivität solcher Abteilungen um Faktoren von zwanzig, fünfzig oder sogar hundert Prozent zu erhöhen.

Wie wichtig ist für Informatica Cloud Computing?

Deboeser: Cloud ist schon sehr lange ein wichtiges Thema. Wir haben heute überwiegend – ich schätze 80 bis 90 Prozent – unserer Produkte cloud-fähig. Es ist unwichtig für uns, ob Daten on-premise, also im eigenen Datacenter oder im eigenen Netzwerk gehalten werden, oder ob ein Kunde seine Daten im Internet selbst oder über einen Service-Provider oder SaaS-Anbieter verwaltet. Für die Vorgehensweise mit unseren Produkten ist das unerheblich. Die Methoden sind völlig identisch, nur die Wege können variieren.

Wie schätzen Sie die künftige Cloud-Entwicklung ein?

Deboeser: Ich glaube, es wird immer eine gute Balance geben zwischen den beiden Welten On-Premise und Cloud. Aber wir haben auch noch lange nicht das Wachstumspotenzial erreicht, was von der Cloud zu erwarten ist. Mit anderen Worten: Cloud Computing wird auf jeden Fall noch weiter wachsen. Jedes Unternehmen, ob klein, mittel oder groß, wird irgendwann einmal entscheiden: Das sind unternehmenskritische Anwendungen, die weiter im eigenen Datacenter verwaltet werden, während andere Themen, wie zum Beispiel die Fuhrparkverwaltung oder das CRM, ebenso sicher und performant über Service Provider von außen betrieben werden können.

Wie offen sind Unternehmen für die Themen Datenintegration und Datenqualität?

Deboeser: Über unseren Ansatz, Dinge zu automatisieren, stehen wir auch im Ruf, Arbeitsplätze zu gefährden. Gerade im Mitbewerb zum Hand-Coding heißt es im Prinzip: Handarbeit gegen Automatisierung. Die technischen Architekten haben den Nutzen für ihr Unternehmen, der sich durch den Einsatz unserer Produkte erzielen lässt, bereits erkannt. Unter Hinweis auf den zu erwartenden hohen Return-of-Investment, finden wir auch auf Entscheiderebene immer mehr Gehör. Unser Stichwort heißt hier: „Maximize return on data“. Einerseits, indem wir den Wert der Daten erheblich erhöhen, indem sie im richtigen Format und in der richtigen Qualität vorliegen. Auf der anderen Seite durch das Reduzieren der Kosten.

Was ist die Herausforderung der Zukunft?

Deboeser: Das ist sicher der Bereich „Interaction Data“ aus neuen Diensten wie Twitter, Facebook oder LinkedIn. Die Nutzung dieser Daten wird aber für Unternehmen immer signifikanter. Dass sie hier mit Hilfe intelligenter Methoden Rückschlüsse ziehen können, um ihre Services und Produkte zu verbessern. Das Datenaufkommen sozialer Medien ist heute bereits größer, als die der Business-Datenverwaltung mit ihren klassischen Transaktionsdaten. Und im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal mehr mobile User, die mit PDAs, Smartphones oder ähnlichen Geräten gearbeitet haben, als mit klassischen Arbeitsplatzgeräten wie Laptops und PCs. Auch hier kommt datenmäßig etwas ganz Großes auf uns zu. Deshalb heißt dieser Trend auch „Big Data“.

Können Sie das noch näher ausführen?

Deboeser: Visionäre sehen in Big Data einen Trend, über den heute schon sehr ernsthaft nachgedacht werden muss. Big Data umfasst drei Bereiche: Zum einen die Welt der Transaktionsdaten (big transaction data). Der transaktionsorientierte Bereich wird auf jeden Fall stärker ansteigen, als die meisten Unternehmen es handhaben können. Noch größeres Datenaufkommen wird der zweite Bereich bringen, die „big interaction data“, der Daten aus sozialen Netzwerken umfasst und von einigen noch gewaltig unterschätzt wird. Und zum dritten die daraus resultierende „big data processing“, die Prozessebene. Hier hat es bereits eine Revolution am Markt gegeben, was dafür geeignete File-Systeme – Umgebungen – angeht, mit der die IT-Welt arbeiten kann. Hier kommt auch der Begriff „Hadoop“ ins Spiel. Dabei handelt es sich um ein offenes File-System, das auf die Vielzahl der unterschiedlichen Formate und Quellen optimiert ist.

Welchen Rat geben Sie Unternehmen auf den Weg, wenn diese vor der Entscheidung stehen?

Deboeser: Ich warne grundsätzlich vor sogenanntem Vendor-Login. Das One-Stop-Shopping großer Anbieter bringt nicht immer nur Vorteile. Hinsichtlich Performanz, über das Preis-Leistungs-Verhältnis bis hin zum Nutzen, sind sie dabei aber nicht immer auf der richtigen Seite. Mit anderen Worten, und hier sind sich auch viele Analysten einig: Informatica bringt erheblich mehr Nutzenpotenzial bei deutlich geringerem Aufwand.

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