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Chipriese zahlt noch mal 1,25 Milliarden US-Dollar, dann ist Ruhe Intel und AMD einigen sich im Patent- und Wettbewerbsstreit

Redakteur: Harry Jacob

Überraschend haben sich die beiden Chip-Hersteller Intel und AMD am Verhandlungstisch geeinigt. Statt sich weiterhin auf allen Kontinenten gegenseitig vor Gericht zu zerren, haben die Kontrahenten nun Verträge unterzeichnet, die sämtliche Klagen überflüssig machen. Und AMD bekommt noch einen Batzen Geld obendrauf.

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In Intels Konzernzentrale hat man sich besonnen: Fairer Wettbewerb durch innovative Produkte, so lautet die erklärte Strategie gegenüber Wettbewerber AMD.
In Intels Konzernzentrale hat man sich besonnen: Fairer Wettbewerb durch innovative Produkte, so lautet die erklärte Strategie gegenüber Wettbewerber AMD.
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Sommer musste Intel schon einmal löhnen: 1,06 Milliarden Euro flossen nach Brüssel – so hoch war die Kartellstrafe der EU-Kommission, die sich sicher ist, dass Intel seine Marktmacht missbraucht hat, um den Wettbewerber AMD zu schädigen. Der Chipriese zahlte zwar, klagte aber gleichzeitig gegen den Beschluss. Doch AMD legte nach dem Erfolg bei den Brüsseler Kartellwächtern nach und reichte auch in den USA eine gleichlautende Beschwerde ein. Dadurch startete ein Wettbewerbsverfahren auch in den USA. Ein weiteres war in Japan anhängig.

Das Ende der juristischen Schlammschlacht

Doch das wird nicht mehr zur Verhandlung kommen. Denn Intel lenkte überraschend ein und einigte sich mit AMD außergerichtlich. Für den ewigen Zweiten im Chipmarkt, der bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder um frisches Kapital kämpfen musste, mit einem goldenen Handschlag. Denn zusätzlich zu den Vereinbarungen, bestimmte Geschäftspraktiken in Zukunft nicht mehr anzuwenden, hat Intel auch der Zahlung einer Entschädigung von 1,25 Milliarden US-Dollar zugestimmt.

Das dürfte wohl als Eingeständnis genügen, dass die wettbewerbsrechtlichen Vorwürfe doch zutreffend waren, was Intel lange Zeit bestritten hatte. Doch nach Durchsuchungen bei Media-Markt & Co, hatte die EU erklärt, sie könne nun beweisen, dass Intel höhere Marketing-Zuschüsse an jene PC-Hersteller und -Verkäufer gezahlt hatte, die exklusiv oder zum weitaus größten Teil auf CPUs der Marke Intel gesetzt hatten und AMD-Produkte links liegen ließen.

Patente für fünf weitere Jahre geregelt

Neben den wettbewerbsrechtlichen Streitigkeiten haben die beiden Kotrahenten auch auf Seiten der Patentrechte ihre Zwistigkeiten erledigt. Im Zuge der Aufspaltung von AMD in einen Vertriebsteil (AMD) und eine eigene Produktionsgesellschaft („Globalfoundry“) hatte Intel einen Verstoß gegen bestehende Lizenzabkommen reklamiert. Angesichts dessen waren von Marktexperten bereits Befürchtungen laut geworden, dass es für AMD schwierig werden könnte, von Intel eine Lizenz für die neue Befehlssatzerweiterung AVX (Advanced Vector Extensions), die mit 256 Bit breiten Registern arbeiten kann, zu erhalten. Erst im Mai 2009 hatte AMD bekannt gegeben, auf die eigene Entwicklung SSE5 zugunsten von Intels Technologie verzichten zu wollen. SSE5 hätte Programmierern zusätzlichen Aufwand beschert, da diese dann auf die jeweiligen Eigenheiten der AMD- und Intel-CPUs hätten eingehen müssen.

Im Zuge der jetzt gefundenen Einigung haben die beiden Chipriesen ihre gegenseitigen Lizenzabkommen erneuert. Diese gelten nun für weitere fünf Jahre. Ursprünglich sollten sie 2011 auslaufen und dann neu verhandelt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung gaben Intel und AMD die Ergebnisse der vertraglichen Vereinbarungen bekannt. Man habe alle Rechtsstreitigkeiten fallen lassen und könne nun die Kräfte wieder voll darauf richten, innovative Produkte zu entwickeln. Sollte es erneut zu Meinungsverschiedenheiten kommen, gebe es Prozeduren, diese zu lösen, ohne an die Öffentlichkeit zu gehen wie in der Vergangenheit.

Gespannt sein darf man auf zwei Dinge: ob der Wettbewerb der Produkte zu einer neuen Preisschlacht wie zu Beginn dieses Jahres führen wird, und wann der erste PC mit AMD-CPU beim Media-Markt zum Verkauf steht.

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