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Industrie 4.0 Internet der Dinge – Hype oder Zukunftsperspektive?

| Autor / Redakteur: Joachim Hüpper * / Rainer Graefen

Trotz des Hypes um den Begriff des "Internet der Dinge" zeigt dieser Beitrag, dass die realen Möglichkeiten von heute bereits ein enormes Potenzial für die Zukunft versprechen.

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Internet der Dinge: Für Embedded-Zulieferer sowie Dienstleistungs-Anbieter für Connectivity und Datenverwaltung verspricht dies ein zusätzliches Marktpotential im Wert von 300 Mrd. US-$.
Internet der Dinge: Für Embedded-Zulieferer sowie Dienstleistungs-Anbieter für Connectivity und Datenverwaltung verspricht dies ein zusätzliches Marktpotential im Wert von 300 Mrd. US-$.
(Bild: VBM-Archiv)

Das "Internet der Dinge" (IoT – Internet of Things) war 2014 eines der wichtigsten Schlagworte. Sind die damit verbundenen Technologien aber wirklich etwas Neues, oder eher eine Evolution und Ausweitung auf neue Bereiche von bestehenden Initiativen wie etwa Smart Metering oder Smart Grid, Heim- und Gebäudeautomatisierung, Industrie 4.0 oder intelligente Automotive-Systeme?

Wie aber entstanden die damit verbundenen Innovationen dieser früheren Programme? Wie haben diese Zugang auch zu anderen Marktsegmenten gewonnen? Welche Vorteile bieten sie und welche Herausforderungen mussten gemeistert werden?

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Wird der Begriff "IoT" im Lauf des Jahres 2015 nicht abgegriffen erscheinen und an Bedeutung verlieren? Wird die zunehmende Vernetzung der Embedded-Geräten weiter voranschreiten, und wie setzt man die greifbaren Geschäftsmöglichkeiten bestmöglich um?

Das Internet of Things verändert die Welt

Heute sind eine Milliarde Menschen mit dem Internet verbunden. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass 26 Mrd. Geräte bis zum Jahr 2020 online sein werden, was einer Steigerung um den Faktor 30 gegenüber 2009 entspricht . Für Embedded-Zulieferer sowie Dienstleistungs-Anbieter für Connectivity und Datenverwaltung verspricht dies ein zusätzliches Marktpotential im Wert von 300 Mrd. US-$. IoT-vernetzte Embedded-Geräte können in vielen Bereichen deutliche Vorteile bieten. Heute werden solche Geräte beispielsweise für folgende Anwendungsgebiete entwickelt und eingesetzt:

Gebäude

Aktuell laufen in Europa viele Initiativen zum Einsatz von Smart Metering. Dies geht auf eine Forderung der EU zurück, dass 80% aller Häuser in Europa bis zum Jahr 2020 mit intelligenten Elektrizitäts- und Gaszählern ausgestattet sein sollen. Die meisten dieser Programme unterstützen sowohl HAN (drahtloses Home Area Network) als auch WAN (Wide Area Network via Internet zurück zum Versorgungsunternehmen). Damit wird die Verbindung zwischen Zähler und intelligenten Thermostaten, Boilern oder Heizkörper-Ventilen Wirklichkeit. Der Energieversorger British Gas in Großbritannien hat bereits die App "HiVE" zur Heizungssteuerung über das Smartphone vorgestellt. Dabei werden Boiler und Thermostate über WiFi mit einem Router verbunden.

Für diesen Einsatz gibt es auch den schon oft kommentierten vernetzten und mitlernenden Thermostaten "Google Nest", der durch das Google-Programm "Works With Nest" erweitert wird. Mit diesem Konzept könnte man zum Beispiel ein Phillips Hue Beleuchtungssystem zum Blinken bringen, wenn der "Nest-protect"-Sensor Kohlenmonoxid erkennt.

In den kommenden Jahren könnten die Funktionen dieser ersten Produkte zum Standard werden und damit ein höheres Maß an Kontrolle und Energieeinsparungen ermöglichen - mit den entsprechenden Vorteilen für Konsumenten und Umwelt. In der Bürotechnik bieten Drucker schon seit Jahren eine Funktion, mit der sie Benutzer online auf die Notwendigkeiten eines Druckpatronen-Tausches hinweisen können. Haushaltsgeräte und AV-Systeme könnten dieses Konzept aufgreifen und Fehlercodes an den Hersteller oder Versorger melden, und damit Kundendienst-Besuche oder die Bestellung von Ersatz- oder Verschleißteilen initiieren. Damit würde sich die mühsame Suche nach einer Problembehebungsübersicht in der Bedienungsanleitung oder nach einem Ersatzteillieferanten erübrigen.

Fertigung

Vernetzte Fertigungsanlagen der nächsten Generation bilden den Kern der "Industrie 4.0", bei der intelligente Fertigungsstraßen, Maschinen und Produkte miteinander Daten austauschen und so gemeinsam den Fertigungsprozess steuern. Unternehmen wie etwa Siemens befinden sich bereits in fortgeschrittenen Phasen der Forschung und Entwicklung solcher Systeme. Ergänzt man diese zusätzlich mit Smart Tags, so werden selbst die für den Fertigungsprozess notwendigen Bestandteile vernetzt. Dies erleichtert die Anlagenverwaltung und die Verfolgung von Fertigungsmaterialien, verringert Fehlermöglichkeiten, erlaubt Verbesserungen bei Just-in-Time-Prozessen und senkt das Risiko von Diebstählen.

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