Nachgefragt bei den Herstellern

Ist WiFi Mesh besser als WLAN?

| Autor / Redakteur: Dr. Harald Karcher / Andreas Donner

Der Aufbau eines Mesh-Networks ähnelt – wie der Namen schon sagt – dem Aufbau eines geknüpften Netzes.
Der Aufbau eines Mesh-Networks ähnelt – wie der Namen schon sagt – dem Aufbau eines geknüpften Netzes. (Bild: Free-Photos - Pixabay - CC0 [gemeinfrei] / CC0)

Seit der CES 2017 schwappt ein Hype namens WiFi-Mesh aus Amerika herüber. Doch auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es wenig Konsens, was WiFi-Mesh genau bedeutet. Deshalb haben wir acht hiesige WLAN-Manager um Erklärungshilfe gebeten. Offenbar definiert jeder Hersteller Mesh am liebsten so, dass seine eigenen Produkte das perfekteste Mesh-System beschreiben.

Die beste Mesh-Definition liefert Lancom Systems, die überhaupt kein WiFi-Mesh-System im eigenen Portfolio haben. Laut deren Chef und Gründer Ralf Koenzen besteht ein WLAN-Mesh-System „aus einem (WLAN-) Router und mehreren Access Points, die anstelle von Netzwerkkabeln per WLAN-Backbone miteinander verbunden sind. Durch die nicht nötigen Netzwerkkabel soll der Installationsaufwand gegenüber herkömmlichen WLAN-Netzwerken gering gehalten werden, da für die Access Points nur eine Stromversorgung benötigt wird. Oftmals gibt es dabei eine dynamisch vermaschte Struktur zwischen den Access-Points, je nach Funkfeldsituation verändern sich also die Datenwege im WLAN-Backbone,“ erklärt Koenzen. Anders formuliert lauten diese zwei zentralen Mesh-Eigenschaften folgendermaßen:

  • 1. Beim neuen WiFi-Mesh sind mehrere WiFi-Access-Points ausschließlich über WLAN-Funk miteinander verkoppelt, anstatt wie bisher zumeist üblich über LAN-Kabel.
  • 2. Die Verbindungswege zwischen den vermaschten (oder ver-meshten) WiFi-Points können sich systemgesteuert vollautomatisch und dynamisch an wechselnde Funk-Umgebungsbedingungen anpassen – sprich selber optimieren.

Ralf Koenzen, Geschäftsführender Gesellschafter von Lancom Systems.
Ralf Koenzen, Geschäftsführender Gesellschafter von Lancom Systems. (Bild: Martin Rottenkolber / Lancom systems)

Reduziert Mesh Stabilität und Performance?

„Auf den ersten Blick scheinen die Vorteile auf der Hand zu liegen“, gibt Mesh-Kritiker Koenzen ganz offen zu: „Keine LAN Verkabelung, einfach Access-Points in die Steckdose stecken und fertig!“ Die Praxis zeige aber schnell, dass diese Vorteile mit erheblichen Einbußen an Stabilität und Performance erkauft werden und ein professioneller Betrieb damit nicht möglich sei. Durch die hohe Dynamik in der vermaschten Struktur sei auch eine Stabilisierung oder Optimierung des WLAN-Netzes sehr schwer. Ein einziger in der Nähe neu installierter Access-Point könne das mühsam optimierte WLAN-Mesh-Netzwerk erheblich stören und damit betriebliche Probleme auslösen.

Kein Platz für Mesh in überfüllten WLAN-Bereichen?

Lancom Systems sei deshalb „…der Überzeugung, dass Mesh bzw. WLAN-Backbone-Infrastrukturen nur in sehr speziellen Betriebsszenarien sinnvoll einsetzbar sind. Grund hierfür ist vor allem das begrenzte WLAN-Funkspektrum. Insbesondere ist das bereits vollkommen überbelegte 2,4-GHz-Frequenzband an vielen Orten oft kaum noch sinnvoll zu nutzen. Und das mit vielen Beschränkungen, wie relativ kurzer Reichweite oder DFS, versehene 5-GHz-Frequenzband wird durch die ständig wachsende Verbreitung von Gigabit-WLAN nach dem IEEE 802.11ac Wave-2-Standard auch immer weiter belegt.“

Lässt Mesh Bandbreiten dramatisch einbrechen?

In einem Umfeld, in dem „eine wachsende Anzahl von WLAN Clients immer mehr Bandbreite durch Multimedia- und Streaming-Anwendungen verbraucht“, sei es kaum möglich, „auch noch Bandbreiten zum Aufbau eines Mesh-Systems bereitzustellen.“ Bei einem solchen WiFi-Mesh-System werde nämlich jedes Daten-Paket „auch noch mehrfach durch die Luft übertragen, und insbesondere in belasteten Funknetzen brechen die tatsächlich erreichbaren Bandbreiten teils dramatisch ein,“ gibt der WLAN-Pionier der ersten Stunde, Ralf Koenzen, zu bedenken.

Vorsicht vor Mesh: Physik lässt sich nicht überlisten!

Stabiles WLAN-Meshing sei daher „weder im Sinne der ohnehin schon durch die verschiedenen Vorgaben begrenzten WLAN-Bandbreiten-Ressourcen zielführend noch für Unternehmenszwecke ausreichend stabil umsetzbar. Wir empfehlen Unternehmen dringend, hier keine Experimente zu machen – die Physik lässt sich leider nicht überlisten,“ mahnt Koenzen insbesondere Firmen-Kunden.

David Sosnik, Produktmanager WLAN, NAS bei Asus.
David Sosnik, Produktmanager WLAN, NAS bei Asus. (Bild: Asus)

Mesh-Single-SSID: Bei ASUS und allen Anderen

Hat jemand jetzt noch Lust auf WiFi-Mesh? Dann machen wir doch gerne mit A wie Asus weiter. Deren Produktmanager für NAS und WLAN, David Sosnik, definiert:

„Ein typisches Mesh-System unterstützt unserer Meinung nach unterbrechungsfreies Roaming mit nur einem Netzwerknamen (SSID) für den Client, der sich von A nach B bewegt – was eine Kommunikation der Accesspoints über den Client-Status per WLAN erfordert, wobei immer der aktuell stärkste Accesspoint die Verbindung zum Client stellt. Des Weiteren besteht ein Mesh-System aus mindestens zwei dezentralen Einheiten und die Erweiterbarkeit sollte gegeben sein.“

Dieser einzige Netzwerkname, die so genannte Single-SSID, gilt bei allen WiFi-Mesh-System-Anbietern als Haupt-Merkmal. Das heißt, der WLAN-User sieht nur einen einzigen Netzwerknamen, egal mit welchem nächstgelegenen WiFi-Router, WLAN-AP, Repeater oder Mesh-Point sich sein WLAN-Laptop oder Smartphone gerade verbindet. Das empfinden viele User als komfortabel, deshalb nennt etwa AVM dieses Feature nicht Mesh, sondern Mesh-Komfort.

Asus Router & Repeater zeigen, wie Reichweite geht

Anstatt nun weiterhin die Segnungen der reinen Mesh-Systeme zu loben, legt Sosnik eine geschickte Werbenummer für sein jüngstes Router & Repeater Line-Up namens Lyra ein: Mit aktueller Firmware unterstütze diese Architektur nämlich „bereits fünf Accesspoints, eine weitere Erhöhung wird aktuell getestet“. Falls für Router & Repeater eine identische Kombination aus SSID und WLAN-Passwort gesetzt wurde, könne vom WLAN-Anwender konfiguriert werden, ab welcher Funkstärke die Verbindung getrennt werden soll. Der Client verbinde sich dann jeweils neu mit der stärkeren WLAN-Zelle. Da es hier allerdings „unter anderem zu einer Unterbrechung kommt, bezeichnet Asus dieses System nicht als Mesh-System“, sagt Sosnik.

Wie nun? Beherrscht die von den meisten Mesh-Anbietern madig gemachte Router & Repeater Topologie jetzt auch das vermeintlich exklusive Mesh-Feature namens Single-SSID? Und das im Falle von Asus sogar schon über fünf (!) WiFi-Points hinweg? Da könnte sich ja sogar Mesh noch einiges in Sachen Reichweite abschauen: Das teure Netgear Mesh-System Orbi etwa kam Anfang 2017 nur als 2er-Pack auf den deutschen Markt. Ein dritter WiFi-Mesh-Orbi-Point ist als Erweiterungs-Pack zwar seit Monaten angekündigt, war aber per August 2017 immer noch nicht zum redaktionellen Test freigegeben. Offenbar sind Mesh-Multi-Hop-Systeme doch schwerer zu bauen, als ursprünglich gedacht.

Hat Mesh noch weitere Nachteile für End-User? Auch dazu lässt sich Sosnik einen Satz entlocken: „Der Endanwender hat den Nachteil, dass die in Deutschland beliebten All-in-One Geräte (Modem, Router, VoIP, DECT, etc.) keine Mesh-Systeme sind und deshalb das Mesh-System immer zusätzlich zu den Geräten betrieben werden muss.“

Meint Sosnik mit diesen „in Deutschland beliebten All-in-One Geräten“ am Ende etwa die Fritzboxen der Berliner Firma AVM? Das dürfte er, wie jeder Angestellte eines globalen Konzerns, aus Firmen-politischen Gründen niemals direkt öffentlich sagen. Just dieser Punkt ist aber zu wichtig, um ihn politisch totzuschweigen: Deshalb müssen wir es eben selber sagen:

Die meisten neuen Mesh-Systeme haben kein (!) eingebautes Internet-Modem und schon gar kein DECT. Wer das alles braucht, der müsste ein gesondertes Mesh-System zusätzlich zu seiner All-In-One-Internet-WLAN-Box kaufen. Damit wird Mesh ein richtig teures Add-On. Dann kann man auch gleich ein, zwei gute Repeater mit Mesh-Komfort-Funktionen in Erwägung ziehen. Diese Lösung kostet in der Regel weitaus weniger. Das Problem ist nur, dass viele Anwender nicht daran denken, dass sie mit einem guten Repeater die Reichweite ihres WLAN-Router ja ebenfalls verbessern könnten. Das kostet in der Regel einen Bruchteil eines Mesh-Systems.

Sosnik ist in der komfortablen Situation, dass er bei ASUS sowohl brandneue Mesh-Systeme als auch aufgepeppte Router-und-Repeater im Portfolio hat. Aber dennoch hat man den Eindruck, dass er über sein Repeater-Line-Up namens Lyra derzeit doch noch etwas lieber spricht als über Mesh.

Dr. Gerd Thiedemann, Leiter Produktmanagement bei der Berliner AVM GmbH.
Dr. Gerd Thiedemann, Leiter Produktmanagement bei der Berliner AVM GmbH. (Bild: AVM)

AVM Router & Repeater zeigen, wie Mesh-Komfort geht

AVM hat unseres Wissens noch nie behauptet, dass man originäre Mesh-Systeme im Portfolio hätte. Stattdessen weisen die Berliner Fritzbox-Macher darauf hin, dass sie den typischen Mesh-Komfort bereits in ihren Produkten hatten, bevor die meisten Mesh-Anbieter ihre ersten Mesh-Systeme in Deutschland überhaupt liefern konnten. Dr. Gerd Thiedemann, Leiter Produktmanagement bei der Berliner AVM GmbH, gibt aber erst mal eine technische Mesh-Definition:

„Ein WLAN-Mesh-System besteht aus einer Vermaschung mehrerer Access Points (AP) zu einem Verbund, mit dem Ziel, aus Anwendersicht ein performantes, einheitliches WLAN-Zugangsnetz zu bilden. Konfigurationen des WLAN (z.B. SSID, Passphrase, Gastnetz, Nachtschaltung etc.) gelten im Mesh für alle Bänder und alle AP simultan. Die Wege-Wahl der APs für den Uplink optimiert sich dynamisch.“

Dualband-Repeater kosten weniger als Mesh-Points

„Es gibt viele Lösungen, die alle das gleiche Bedürfnis adressieren: Daten drahtlos und einfach auf die steigende Anzahl von mobilen Geräten zu bringen“, betont der AVM-Produkt-Stratege: „Ein System aus gutem Dualband-Router und modernen Dualband-Repeatern bietet schon lange diesen Mesh-Komfort und spart dank modularem Aufbau Geld. Mit modernen Dualband-Repeatern nimmt die Datenrate nicht ab, sondern wird intelligent über alle Komponenten verteilt. Weiterhin stehen mit Powerline-WLAN-Kombinationen ebenfalls sehr leistungsfähige Vernetzungs-Alternativen mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis in Gigabit-Technologie bereit. Mit der Fritzbox sind WLAN-Repeater flexibel einsetzbar, leistungsstark und perfekt auf ihr Zusammenspiel abgestimmt.“

Sosnik von Asus bricht eine Lanze für sein jüngstes Lyra-Router-und-Repeater-Line-Up, siehe weiter vorne. Dr. Thiedemann von AVM plädiert für Dualband-Repeater mit Mesh-Komfort. Insgesamt zählt der Berliner Fritzbox-Architekt sieben typische Mesh-Eigenschaften auf:

  • Ausgezeichnete WLAN-Abdeckung und Geschwindigkeit – auch weit entfernt vom WLAN-Router
  • Einheitliche Einstellung für die WLAN-Konfiguration (SSID, Passphrase)
  • Zentrale Konfiguration des gesamten WLANs in einem Produkt (Router) und über eine intuitive Benutzeroberfläche
  • Erweiterbar um weitere WLAN-Access Points (Geräte)
  • Unabhängigkeit vom Transportmedium (WLAN, Powerline, LAN, DECT)
  • Selbstorganisierend, selbstoptimierend
  • Nahtloser Handover zwischen Bändern und APs

Robert Rudolph, Senior Product Marketing Manager Business Wireless & Video Surveillance, D-Link Deutschland GmbH.
Robert Rudolph, Senior Product Marketing Manager Business Wireless & Video Surveillance, D-Link Deutschland GmbH. (Bild: Stefan Palenkov / D-Link)

Ob alle Mesh-Anbieter genau mit diesen sieben Mesh-Top-Features übereinstimmen, haben wir nicht systematisch abgefragt. Beste Reichweite, hohe Geschwindigkeit und Single-SSID-Komfort stehen aber bei allen Mesh-Systemen auf den vordersten Plätzen der technischen und vertrieblichen Argumentation.

D-Link warnt vor mangelnder Cross-Compatibility bei Mesh

Genau wie andere Mesh-Systemanbieter, so rühmt auch Robert Rudolph, Senior Product Marketing Manager Business Wireless & Video Surveillance bei der D-Link (Deutschland) GmbH, einen ganz großen Vorteil bei den neuen Mesh-Systemen: „Im Gegensatz zu klassischen WLAN-Repeatern nimmt die Geschwindigkeit durch die Erweiterung mit einem neuen Gerät nicht ab“.

Um dieses Mesh-Versprechen zu verifizieren, hat der Autor schon im Frühling 2017 die allererste Generation der WiFi-Mesh-Systeme gegen eine gute WLAN-Router-und-Repeater-Lösung getestet. Due begutachteten Systeme waren:

  • Eero Home WiFi System: 2er-Pack
  • Google WiFi: 2er-Pack
  • Luma Surround WiFi System: 2er-Pack
  • Netgear Orbi: 2er-Pack
  • AVM 7580-Router & AVM 1750E-Repeater

Das frustrierende Ergebnis: Bei allen fünf Systemen ist der WLAN-Speed an der zweiten WiFi-Station ganz erheblich eingebrochen, egal ob sie sich nun Repeater oder Mesh-Point nennen.

Die allererste Generation der WiFi-Mesh-Systeme konnte das zentrale Versprechen des angeblich nicht vorhandenen Speed-Einbruches in unserem Test nicht erfüllen: Sie hat es sogar krass verfehlt. Man fragt sich, ob die Mesh-Marketing-Manager ihre eigenen Mesh-Produkte am Ende vielleicht gar nicht selber testen, bevor sie frohe Marketing-Botschaften kommunizieren.

Außerdem ist nur schwer verständlich, warum WLAN-Hersteller wie D-Link, Linksys oder Netgear jetzt plötzlich ihre eigenen WLAN-Repeater madig reden, und ihre neuen Mesh-Systeme oft schon loben, bevor sie überhaupt lieferbar werden? Okay: WLAN-Repeater sind relativ billig, so um die 10 bis 70 Euro pro Stück. Mesh-Points sind relativ teuer, weit über 100 Euro pro Stück. Ob eine viel größere Verdienst-Spanne am Ende der Grund für den Mesh-Jubel sein kann?

Ein wertvoller Beitrag zur Mesh-Erleuchtung stammt aber ebenfalls von D-Links Robert Rudolph: „Wirkliche Nachteile gibt es kaum. Der einzige mögliche Nachteil aus Kundensicht ist, dass er sich bei einer Mesh-Lösung auf einen Hersteller festlegen muss. Ein nachträgliches Mischen von Mesh-Produkten verschiedener Hersteller ist bisher nicht möglich.“

Falls das stimmt, dann verspielen die aktuellen Mesh-Systeme jedoch eine der größten WLAN-Stärken aller Zeiten: Dass nämlich WLAN-Geräte verschiedenster Hersteller weltweit untereinander kompatibel sind, dank der Arbeit von IEEE-11a/b/g/n/ac-Normierungs-Gremien, und dank strenger WiFi-Alliance-Cross-Compatibility-Tests. Just diese weltweite Kompatibilität war doch seit der Jahrtausend-Wende der Grund für den weltweiten WLAN-Siegeszug. Soll man WiFi-Stationen dank Mesh bald nicht mehr frei mischen können? Das darf doch hoffentlich nicht so bleiben?

Martin Topf, Senior Key Account Manager DACH, Linksys Home Networking.
Martin Topf, Senior Key Account Manager DACH, Linksys Home Networking. (Bild: Harald Karcher)

Linksys-Mesh-Konfig per Smartphone-App

Linksys hat, neben Netgear, eines der teuersten Tri-Band WiFi-Mesh-Systeme auf den Markt gebracht. Dazu Martin Topf, Senior Key Account Manager DACH bei Linksys Home Networking:

„Mesh Systeme sind unkomplizierte und zuverlässige Lösungen, um ein möglichst flächendeckendes sowie leistungsstarkes WLAN für ein Objekt zur Verfügung zu stellen. Sie verwenden mehrere Bänder, damit den Clients (Handy, Laptop etc.) eigene Bänder zur Verfügung stehen. Dadurch erleiden die Clients theoretisch keinen Leistungsabfall, egal mit welchem Knotenpunkt Sie gerade verbunden sind.“ Man bemerke das Wort „theoretisch“. Wir vermuten, der Netzwerk-Experte Topf hat sein Mesh-System auch selber getestet.

„Der wahrscheinlich größte Nutzen für Heimanwendungen ist die App-basierte Konfiguration, die die Installation zum Kinderspiel macht und das Netzwerk plötzlich ganz einfach aussehen lässt.“ So Martin Topf.

Web-Browser-Konfig für Netzwerk-affine User

Als gestandener Netzwerk-Mann kennt er aber auch die Vorteile einer umfassenden Web-Browser-basierten Konfiguration am großen PC-Monitor, im Gegensatz zur App am winzigen Handy-Display: Er nutzt unsere obligatorische Frage nach potenziellen Mesh-Nachteilen zu einer erfreulichen Ankündigung: „Wenn wir von einem Nachteil sprechen können, dann wohl am ehesten hinsichtlich der unflexibleren und etwas eingeschränkten Konfiguration, die an dieser Stelle allerdings auch gewollt ist. Linksys wird aus diesem Grund in Kürze ein Update einer Webkonfiguration releasen.“ Gut so: Nicht alles, was bei WLAN seit Jahrzehnten okay war, muss dank Mesh nun plötzlich schlecht sein.

Mesh mit Tri-Band-Technologie

Besonders wichtig ist es Martin Topf, dass seine potenziellen Kunden „darauf achten, ein Mesh mit Tri-Band-Technologie zu verwenden. Dies ist zwar aktuell nur bei den wenigsten Herstellern der Fall, aber Linksys hat von Beginn an auf diese Technologie gesetzt.“ Sehr schön, die Tri-Band-Mesh-Vorteile lassen wir uns gleich vom Linksys-Konkurrenten Netgear erläutern.

Beate Winzer-Hierlmeier, Marketing Manager SMB Central Europe bei Netgear.
Beate Winzer-Hierlmeier, Marketing Manager SMB Central Europe bei Netgear. (Bild: Netgear)

Netgear erklärt Tri-Band-Mesh

Beate Winzer-Hierlmeier, Marketing Managerin SMB Central Europe bei Netgear, definiert Mesh anhand konkret lieferbarer Mesh-Systeme:

„Im Vergleich zu anderen Systemen nutzt Orbi RBK50 einen dezidierten Backhaul zwischen Router und Satellit mit 4x4 1,7 Gbps. Damit sind hohe Reserven vorhanden und ein Ausbremsen der Endgeräte wird, im Vergleich zu Systemen mit 2x2 Backhaul, wo der Durchsatz am Endpunkt geringer sein kann, vermieden. Wettbewerber müssen mit Software versuchen, ein Loadbalancing zu erreichen. Die Performance ist aber unterm Strich schlechter und eher mit einer Router-Extender-Lösung vergleichbar als mit einem 4x4-System wie dem RBK50. Unabhängige Vergleichstests zeigen die Vorteile und Durchsatzraten dieser Architektur.“

Netgear legt also ein drittes Band im oberen 5-GHz-Bereich quasi als LAN-Kabel-Ersatz über die beiden für End-User wirklich nutzbaren Funkbänder, ganz ähnlich wie auch Linksys mit dem Velop-Mesh-System.

Tri-Band-Mesh-Architektur klingt überzeugend

Theoretisch klingt die Architektur des Orbi-Mesh-Produktes überzeugend, aber in unserem (sehr frühen) Praxistest hat Orbi nur einen Bruchteil des oben genannten 4x4 1,7 Gbps Speeds bei den WLAN-Endgeräten abgeliefert. Außerdem war die Konfiguration von Orbi im März 2017 noch ziemlich unzumutbar, was aber durch Firmware-Updates derweil wesentlich verbessert wurde.

Orbi Mesh kommt teuer als normale Router

Auch bei der Frage nach den Mesh-Nachteilen weicht Beate Winzer-Hierlmeier von Netgear nicht ganz aus: „Auf den ersten Blick schreckt der Preis viele Interessenten ab. Ein Mesh-System ist in der Regel teurer als ein gängiger Router. Hier gilt es aber zu bedenken, dass es sich de facto bei Orbi um zwei Hochleistungs-WLAN-Router der neuesten Generation handelt. Wenn man zu einem gängigen Router die vielen Optimierungsversuche (Range Extender, Access Point, evtl. Powerline) hinzuaddiert, relativiert sich der Anschaffungspreis. Darüber hinaus zeigen bisherige Kundenerfahrungen, dass Endkunden gern bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen, wenn dann auch das WLAN-Problem zufriedenstellend gelöst wird. Das ist mit den eben genannten Kombinationen aber nicht möglich, auch wenn diverse Hersteller das Gegenteil behaupten.“

Jeremy Barber, Pre-Sales Consultant, TP-Link Deutschland.
Jeremy Barber, Pre-Sales Consultant, TP-Link Deutschland. (Bild: TP-Link)

WiFi Mesh von TP-Link repariert sich selber

Auch Jeremy Barber, zum Interview-Zeitpunkt noch Pre-Sales Consultant bei TP-Link Deutschland (derweil ist Jeremy Barber Business Development Manager bei D-Link), sieht große Vorteile bei Mesh-Systemen: So trete „im Gegensatz zu Repeatern auch kein Geschwindigkeitsverlust auf.“ Alle Geräte innerhalb des Mesh-Netzwerks kommunizieren laut Barber ständig miteinander und können sogar selbstständig den Ausfall einzelner Geräte kompensieren. In diesem Falle repariere sich das Mesh-Netz sogar selbst und stelle im fliegenden Wechsel sicher, dass alle Geräte auch weiterhin mit dem signalstärksten Netzwerkknoten verbunden sind. Dieser unkomplizierte Wechsel zwischen Knotenpunkten sei möglich, da der gesamte Mesh-Verbund unter einem gemeinsamen Netzwerknamen operiere.

Patrick Hirscher, Pre Sales Engineer & Trainer bei Zyxel Deutschland.
Patrick Hirscher, Pre Sales Engineer & Trainer bei Zyxel Deutschland. (Bild: Zyxel)

Als Nachteil der Mesh-Systeme sieht Barber, ähnlich wie Netgear, den hohen Preis: „Klassische Router und Repeater werden auch weiterhin den Preisvorteil auf ihrer Seite haben und sind für den Einsatz in kleineren Räumen und Wohnungen auch weiterhin die bessere Wahl. Mesh-Lösungen werden diese Geräte deshalb auf absehbare Zeit nicht verdrängen. Da die Vorteile von Mesh allerdings immer bekannter werden, rechnen wir in diesem Bereich dennoch mit großem Wachstums- und Umsatzpotenzial.“

Zyxel WiFi ZyMesh Lizenz für Business-APs

Genau wie Lancom Systems zum Beginn der Story, so sieht auch Zyxel zum Ende dieser Abhandlung das Thema Mesh komplett aus der Firmen-Perspektive: Dazu Patrick Hirscher, Presales Engineer & Trainer bei Zyxel Deutschland:

„Über unsere WLAN Controller gewähren wir Händlern und Integratoren mit der zusätzlichen ZyMesh Lizenz eine einfache Konfiguration der Mesh Struktur und ebenso ein einfaches Monitoring Tool zur Überwachung und Alarmierung der Mesh Struktur“. Allgemein betrachtet bringt eine Mesh-Umgebung laut Hirscher folgende Vorteile:

  • Es werde eine sehr gute räumliche Abdeckung mit WLAN erreicht, da jeder AP in der Mesh Umgebung als „Repeater“ fungiere
  • Dank Mesh gäbe es keinen Single Point of Failure
  • Jeder AP in der Mesh Struktur diene quasi als Sender, Empfänger und Verteiler
  • Im Mesh-Umfeld werde nur ein Kanal im WLAN benötigt, in anderen Umfeldern dagegen ein Kanal pro Access Point
  • Dank Mesh funktioniere auch das Roaming, was jeder Kunde mittlerweile ganz selbstverständlich erwarte

Bei unserer Frage nach potenziellen Mesh-Nachteilen betont Patrick Hirscher, dass seine Antworten nur allgemeiner Natur seien, und nicht Zyxel-bezogen: Hier der O-Ton:

In vielen Access Points ist die Software für Meshing nicht verbaut. Es müssen viele APs im Umfeld verbaut sein, um ein stabiles Netz zu gewährleisten und größere Distanzen zu überbrücken. Bei Software-Updates der APs muss jeder AP den gleichen Firmwarestand haben, sonst könnte das Mesh-Netz einbrechen. Und, in Mesh Netzwerken kann innerhalb eines Funkkanals nur eine Partei senden, somit kann es zu Stockungen in der Funkleitung kommen, wenn eine große Anzahl von Clients eingeloggt ist. Dann arbeitet Mesh die Anfragen nach dem first come, first served Prinzip ab.

Der Rest der WiFi-Mesh-Welt

Unsere stark verkürzten Interviews können nur einen Teil der WiFi-Mesh-Welt wiedergeben. Schon seit Anfang 2016 flattern uns WiFi-Mesh-Ankündigungen vermehrt auf den Schreibtisch. Seit Herbst 2016 sehen wir begeisterte Testberichte zu WiFi-Mesh-Produkten in US-Fach-Medien. Anfang 2017 hat sich Mesh dann auf der CES in Las Vegas und auf dem Mobile World Congress MWC in Barcelona zu einem kleinen Hype entwickelt.

Fragt sich: Ist Mesh auch für Deutschland nachhaltig relevant? Ist Mesh eine Eintagsfliege, oder wird Mesh zum WLAN-Mega-Trend? Bis zum Sommer 2017 waren uns folgende Mesh-affine Lösungen bekannt:

  • Aerohive Mesh Network Redundancy
  • AmpliFi Mesh Wi-Fi System
  • Asus HiveSpot Mesh Wi-Fi System
  • Asus Lyra
  • AVM 7580-Router & 1750E-Repeater
  • D-Link Covr
  • Eero Home WiFi System
  • Google WiFi
  • Luma Surround WiFi System
  • Linksys Velop
  • Netgear Orbi
  • Sitecom Huddle
  • Strong WLAN MESH Solution 1600 und 1700
  • TP-Link Whole-Home-WLAN-System Deco M5 und M5 Plus.
  • Ubiquiti Networks UniFi AP Enterprise WiFi System
  • Zyxel ZyMesh Mesh-Lizenzen

Ein Teil dieser Lösungen war in Deutschland per Sommer 2017 noch gar nicht lieferbar.

Fazit

Die Ansichten zu WiFi-Mesh-Systemen sind so kontrovers wie selten zuvor etwas Anderes in der WLAN-Geschichte: Linksys und Netgear loben Mesh. Lancom Systems warnt eindringlich davor. AVM integriert stattdessen ausgesuchte Mesh-Features in seine Fritz-Produkt-Palette. Das nennt man dort dann aber nicht Mesh, sondern Mesh-Komfort. Am Ende sollten alle WLAN-Anbieter nur das Beste für den User wollen, nämlich: Ein stabiles, flächendeckendes, komfortables WLAN. Zu diesem Ziel führen allerdings mehrere Wege. Mesh ist nur einer davon. Ob Mesh der neue Mega-Trend bei WLAN wird, ist noch nicht bewiesen.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal IP-Insider übernommen.

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