Das war mein Openstack-Summit 2016, Austin

IT-Novum-Manager berichtet über den Openstack-Summit

| Autor / Redakteur: Lenz Grimmer* / Rainer Graefen

Lenz Grimmer, Senior Product Manager bei der IT-Novum GmbH , berichtet für DataCenter-Insider über seine Eindrücke und Erfahrungen beim Open-Stack-Summit.
Lenz Grimmer, Senior Product Manager bei der IT-Novum GmbH , berichtet für DataCenter-Insider über seine Eindrücke und Erfahrungen beim Open-Stack-Summit. (Bild: IT-Novum)

Vom 25. bis 29. April hatte die Openstack Foundation zu ihrer halbjährlich stattfindenden Konferenz „Openstack Summit“ nach Austin (Texas) eingeladen. Über 7.500 Teilnehmer aus 26 Ländern nahmen teil. Das und die vielen eindrucksvollen Anwenderberichte aus großen Unternehmen zeigten, dass sich Openstack stark ausbreitet und über den Status des Proof-of-Concepts hinausgewachsen ist.

Für mich war es nach dem Openstack Summit in Tokio im letzten Jahr die zweite Gelegenheit, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wie auch in Tokio lag mein Interessenschwerpunkt auf Vorträgen aus dem Storage-Umfeld, und hierbei insbesondere bei Beiträgen rund um das Cluster-Speichersystem „Ceph“.

Rückblick auf den Openstack Summit in Tokio

Impulse für die Zukunft des Storage

Rückblick auf den Openstack Summit in Tokio

20.11.15 - Bei den derzeit halbjährlich stattfindenden Openstack-Summits geht die Post ab. Die Entwickler überschlagen sich mit immer neuen Funktionen. Teilnehmer dieses Großereignissses werden von der Fülle der Informationen, Konzepte und Ideen quasi "erschlagen". Unser Autor stellt seine Highlights des Tokio-Summit vor. Wer tiefer gehende Einblicke benötigt, der findet zusätzliche Details in den Video-Präsentationen. lesen

Dadurch konnte ich mich über die aktuellsten Trends und Entwicklungen in diesem Bereich informieren, um die gewonnenen Erkenntnisse in unser Open-Source Storage-Managementsystem „openATTIC“ einfließen zu lassen, das wir seit Anfang des Jahres gemeinsam mit Suse zu einem Frontend für Ceph weiterentwickeln.

Die Hauptveranstaltung mit den eher anwenderorientierten Vorträgen fand im Austin Convention Center statt. Die Openstack Entwickler-Community tauschte sich auf dem „Design Summit“ im gegenüber liegenden Hilton-Hotel aus, legte Prüfungen ab und plante in Vorträgen und „Birds of a feather“-Sitzungen die zukünftige Entwicklung von Openstack.

Neue vereinheitliche Entwicklungsstrategie

Auffällig war, dass sich viele Workshops mit projektübergreifenden Themen beschäftigten. Das zeigte, dass sich die Openstack-Entwickler die Klagen der Anwender über den „Wildwuchs“ und die redundante Entwicklungsarbeit aufgrund der mangelnden projektübergreifenden Kommunikation zu Herzen genommen haben.

So diskutierten die Teilnehmer dieses Mal zum Beispiel Ansätze zu einem einheitlichen Schema zur Dokumentierung der diversen Programmierschnittstellen, einem gemeinsamen Plugin-basierten Kommandozeilenwerkzeug mit der Bezeichnung „OpenstackClient“ oder auch über die Festlegung von repräsentativen „Openstack Personas“.

Ergänzendes zum Thema
 
Das Fazit des Autors
 
Die kommenden OpenStack-Summits

Letztere sollen dazu dienen, die verschiedenen Anwendergruppen mit entsprechenden Personas beziehungsweise Musterfirmen zu repräsentieren, um anhand dieser Modelle neue Funktionalitäten und Verbesserungen zu beschreiben. Das garantiert, dass die Entwickler eine einheitliche Sprache verwenden und dass bei Aufgabenstellungen klar ist, für welchen Anwenderkreis ein Lösungsansatz definiert wird.

Neue Großanwender: Volkswagen und AT&T

Die ersten beiden Konferenztage wurden mit Keynotes eingeläutet. Das Auditorium des Convention Centers bot hierfür ausreichend Platz - im Gegensatz zum Summit in Tokio war es nicht erforderlich, die Keynotes per Video-Stream in weitere Säle zu übertragen.

Neben Beiträgen der Hauptsponsoren Red Hat, Mirantis, Cisco und Intel waren auch Sprecher von bedeutenden Openstack-Kunden und -Anwendern eingeladen. Darunter waren die für Openstack wichtigen Neuanwender Volkswagen und AT&T.

Für Openstack waren deren Vorträge ein medienwirksamer Coup, um zu zeigen, dass der Anwenderkreis weiter stark wächst, vielen Teilnehmern fehlte allerdings der technische "Tiefgang" bei den Beiträgen. Passend zu Austin mit seiner international bekannten Musikszene wurden die Keynotes von der Band "Soul Track Mind" begleitet, die dadurch für einen angenehm „nichttechnischen“ Rahmen sorgte.

Anwenderkreis ist stark gestiegen

Interessant fand ich die Erkenntnisse der kurz vor der Konferenz veröffentlichten Umfrage, die Jonathan Bryce in seiner Keynote vorstellte. Laut der von Openstack durchgeführten Studie hat mittlerweile die Hälfte aller „Fortune 500“-Unternehmen Openstack-Umgebungen im Einsatz. Zwei Drittel dieser Installationen sind im Produktivbetrieb, was ein Plus von 33 Prozent gegenüber der letzten Umfrage bedeutet.

Openstack wird dabei primär in den Kategorien Enterprise Private Cloud, Public Cloud, Telekommunikation/NFV, Forschung und Big Data eingesetzt. Bei den Gründen für den Einsatz der Lösung gab die große Mehrheit der 1600 Befragten an, Openstack aufgrund der Standardisierung und Offenheit gewählt zu haben.

Openstack bedeutet auch Kulturwandel

Ein Thema, das sich durch viele der Vorträge zog, war, dass die Einführung von Openstack nicht nur aus technologischer Sicht eine Veränderung für viele Unternehmen bedeutet. Auch Firmenkulturen und Prozesse müssen sich anpassen, zum Beispiel manuelle Vorgänge eliminiert oder automatisiert werden.

Das betrifft auch interne Richtlinien, die an die neuen Technologien angepasst werden müssen, um dem Fortschritt und den damit einher gehenden Veränderungen nicht im Weg zu stehen.

Neue App sorgt für besseres Konferenzerlebnis

Um den Teilnehmern den Überblick über das Vortragsprogramm zu erleichtern, hatte die Openstack Foundation ihre Mobilapplikation komplett überarbeitet und damit einige der Kritikpunkte an der in Tokio eingesetzten App behoben. In meinen Augen ließ die Usability immer noch zu wünschen übrig, sie bot aber das, wofür sie ursprünglich entwickelt wurde: einen guten Überblick über das schier unüberschaubare Programm.

Teilnehmern am Openstack Summit sei empfohlen, das Vortragsprogramm bereits im Vorfeld genau zu studieren und sich die interessantesten Beiträge zu markieren - während der Konferenz bleibt meist nicht die Zeit dafür. Sicher ist die Teilnahme am Summit nicht besonders günstig, die Möglichkeit, direkt mit den Vortragenden in Kontakt zu kommen und persönliche Fragen stellen zu können, macht das Event aber sehr wertvoll.

Container und Virtualisierung gewinnen an Bedeutung

Während ein einziger klar erkennbarer Trend dieses Mal fehlte, hatten die Themen Container-Technologien und ihre Einbindung sowie die Virtualisierung und Automatisierung von Infrastrukturkomponenten, insbesondere im Netzwerkbereich, spürbar an Bedeutung gewonnen. Ich hatte den Eindruck, dass es generell mehr in Richtung praktischer Anwendungsszenarien und den daraus gewonnenen Erkenntnissen ging.

Die Zeit des Experimentierens weicht nun einer Phase des Austauschs der gesammelten Erfahrungen und "best practices", was ich sehr begrüße. Anstelle der Fragestellung, ob Openstack für bestimmte Anwendungsfälle geeignet ist, ging es dieses Mal mehr um das „wie“. Auch das zeigt, das Openstack inzwischen in viel mehr Unternehmen praktisch eingesetzt wird als noch beim letzten Summit.

Weite Wege

Im Gegensatz zum Tokio Summit erlebte ich in Austin erfreulicherweise mit nur einer Ausnahme, dass Vortragsräume aufgrund von Überfüllung geschlossen werden mussten. Die meisten Räume waren ausreichend groß.

Dafür kam es häufig vor, dass man zwischen den Vorträgen einmal quer durch das Konferenzzentrum oder sogar ins benachbarte Hilton laufen musste, was in den 10 Minuten Pause aufgrund der großen Distanzen eine Herausforderung war.

In Gesprächen mit Openstack-Entwicklern wurde außerdem deutlich, dass die Größe der Konferenz in Kombination mit dem parallel stattfindenden Design Summit für viele Entwickler eine Doppelbelastung darstellte und es daher Diskussionen gibt, ob man die beiden Events nicht voneinander trennen sollte.

Gleich eine ganze Straße hatte Openstack für das Social Event am Dienstagabend gebucht. Auf der Rainey Street nahe des Konferenzzentrums boten viele Bars und Restaurants die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu bekommen und die ein oder andere Frage persönlich zu klären. Mehrere Live-Bands und Comedy-Einlagen waren genau das Richtige, um nach einem intensiven Konferenztag etwas abzuschalten.

Neues Ceph-Release präsentiert

Die für mich spannendsten Vorträge und Workshops beschäftigten sich mit Ceph. In der Woche zuvor hatten die Ceph-Entwickler bei Red Hat das neue „long-term support“ Release „Jewel“ freigegeben. Neben diverser Performance-Verbesserungen gehört sicher die offizielle Freigabe des Dateisystems „CephFS“ zu den Highlights der Version.

Auch die Integration von Ceph in Openstack wurde weiter voran getrieben - Ceph ist im Bereich Block Storage mit 57 Prozent der Openstack-Installationen unangefochten die Nummer eins, gefolgt von "klassischen" LVM-Setups unter Linux mit 28 Prozent.

Neben reinen Technologiethemen gab es auch Panel-Diskussionen zu „soften“ Themen. So besuchte ich eine Diskussion zum Thema Open Source Business-Modelle und Best Practices im Aufbau von Open Source-Communities.

Besonders spannend, gerade mit Blick auf unser Open Source-Projekt openATTIC, fand ich die Tatsache, dass der Beruf des „Community Managers“ immer noch über keine konkrete Arbeitsbeschreibung verfügt. Auch ist selten klar, welchem Bereich des Unternehmens eine solche Person zugeordnet werden soll. Ähnlich wie Produkt-Management handelt es sich um eine interdisziplinäre Rolle, deren Schwerpunkt auf der Kommunikation zwischen vielen unterschiedlichen Interessengruppen liegt.

* Lenz Grimmer ist Senior Product Manager bei der IT-Novum GmbH.

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