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Digitale Datenspeicherung auf Film ist auch in 500 Jahre noch lesbar Langzeitarchiv auf Film geht mit Verzögerung an den Start

Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Nico Litzel

Archive müssen zunehmend auch digitale Botschaften speichern und für Generationen sichern. Stromfressende RAID-Schränke sind für so lange Perioden ungeeignet, ebenso Bandbibliotheken, die alle paar Jahre auf eine neue Generation zu migrieren sind.

( Archiv: Vogel Business Media )

Film ist ideal, weil er nachgewiesenermaßen lange hält und zudem ein echtes WORM-Medium ist. Einmal beschreiben und nie wieder ändern. Vor nichts haben Archivare mehr Angst als nachträgliche Veränderungen an Dokumenten, etwa durch Programmierfehler, schadhafte Controller oder Langzeit-Viren, die unentdeckt in einem Makro hausen und erst beim dritten Umkopieren zuschlagen.

Jede Menge Gigabytes für null Energiekosten. Das verspricht ein gänzlich neuer Ansatz der Langzeitarchivierung: Belichtung von Datenarchiven auf fotografischen Film. Dank COM (Computer Output Microfilm) überleben Daten 500 Jahre ohne Migration und Strom, das verspricht das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg.

Eine Arche für das Archiv

Schon vor zwei Jahren stellte das Institut die viel versprechende Technik als Prinzip vor. Nun ist das erste Vorserienmodell fertig. Grundlage ist ein sogenannter Laserbelichter der Münchner Firma Arnold & Richter (ARRI-Film), der ursprünglich zum „Schreiben“ auf Kinofilm entwickelt wurde. Laserdioden belichten hier Punkt für Punkt Kinobilder auf Negativfilm, direkt aus dem Rechner der Trickspezialisten.

Für Archivzwecke ist der normale Kinofilm allerdings ungeeignet, weil er zu grobkörnig und zu wenig haltbar ist. 500 Jahre sind schließlich eine lange Zeitspanne. Verwendet wird stattdessen ein ultrafeinkörniger Dokumentenfilm, 35 Millimeter breit und bis zu 1.000 Meter lang, der nach Aussagen des Schweizer Herstellers Ciba auch nach Jahrhunderten noch geschmeidig genug ist, um im Lesegerät wieder saubere Bits zu liefern.

Nasszelle im Rechenzentrum?

Im Rahmen des „ARCHE“-Projektes hatte das IPM zunächst einen Belichter für reale Bilder entwickelt. Der arbeitet inzwischen im Bundesarchiv in Koblenz und sichert unwiederbringliche Kulturdokumente. Der Film ist so feinkörnig, dass bis zu 25 DIN-A4-Vorlagen auf ein 32 x 45 Millimeter großes Filmeckchen passen.

Die Idee ist bestechend, die Umsetzung war aber deutlich schwieriger als zunächst gedacht. Die angestrebte Datendichte von mindestens einem Terabyte Daten pro Filmrolle ließ sich erst durch ein neues, von der TU-Braunschweig entwickeltes Codierverfahren erreichen.

Jetzt muss sich zeigen, ob neben staatlichen Archiven auch in der Privatwirtschaft Interesse für den „grünen“ Langzeitspeicher besteht. Da sich kein IT-Leiter eine Nasszelle in sein Rechenzentrum einbauen wird, ist dies eine Aufgabe für Dienstleister. Hier sieht es aber noch mager aus. Der geplante Vertriebspartner, die MicroArchive Systems in Frankfurt, ging noch vor der Markteinführung in Insolvenz.

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