Rechenzentren und die Umwelt Mehr Nachhaltigkeit durch den Wechsel in die Cloud

Autor / Redakteur: Ashish Arora* / Elke Witmer-Goßner

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, mit denen der Mensch heute konfrontiert ist. Kohlendioxidemissionen sind die zentrale Ursache für den Anstieg der globalen Temperaturen. Umsichtig gestaltet, kann der Umzug in die Cloud dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen.

Der Energiebedarf für die Datenspeicherung und den Betrieb von ITK-Services ist immens – die Nutzung „grüner Clouds“ könnte dabei helfen, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.
Der Energiebedarf für die Datenspeicherung und den Betrieb von ITK-Services ist immens – die Nutzung „grüner Clouds“ könnte dabei helfen, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.
(Bild: ©peach_fotolia - stock.adobe.com)

Klimaschädliche CO₂-Emissionen sind ein Problem, mit dem jede Branche zu kämpfen hat. Doch gerade der ITK-Bereich weist hohe CO₂-Werte auf. Eine einzige Google-Suche beispielsweise erzeugt bis zu sieben Gramm Kohlendioxidemissionen – genug, um eine Glühbirne für ein paar Sekunden zum Leuchten zu bringen. Die Nutzung eines Smartphones für eine Stunde pro Tag über das ganze Jahr hinweg führt zu 1.250 Kilogramm Kohlendioxidemissionen. Multipliziert man das mit den Milliarden von Menschen, die täglich Hunderte von Google-Suchen durchführen und unzählige Videos auf ihren Smartphones streamen, entwickelt sich der Kohlenstoff-Fußabdruck des Internets alarmierend.

Hinzu kommt: Der Datenverbrauch steigt weiter – mit den skizzierten Folgen für das Klima. Bis 2025 könnte die Branche ohne Optimierung 20 Prozent des gesamten Stroms verbrauchen und bis zu 5,5 Prozent der weltweiten Kohlenstoffemissionen ausstoßen. Bei diesem Tempo würde der Stromverbrauch der IKT-Branche denjenigen der meisten Länder weltweit – mit Ausnahme der USA, Chinas und Indiens – übersteigen, so eine von Experten begutachtete schwedische Studie, die den gesamten weltweiten Stromverbrauch prognostiziert.

Cloud-Nutzung und Reduktion des CO2-Fußabdrucks

Der Umstieg auf die Cloud kann hier gegensteuern: Er funktioniert so ähnlich, als würde man Fahrgemeinschaften bilden oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, statt selbst ein Fahrzeug (also On-Premises-Server) zu besitzen. Denn On-Premises-Server erfordern tonnenweise Hardware, riesige Anlagen mit Stromversorgung rund um die Uhr und Kühlung, um ein einziges Unternehmen betriebsbereit zu halten.

Durch „Fahrgemeinschaften“ mit Cloud-Service-Providern wie Amazon, Microsoft oder Google sparen Unternehmen nicht nur Ressourcen, sondern arbeiten auch effizienter. Ein Wechsel in die Cloud bringt Kosten- und Umweltvorteile mit sich, da Cloud-native Anwendungen weniger Infrastruktur, physischen Platz und Energie pro Nutzer verbrauchen.

Die Cloud kann ein höheres Maß an Effizienz bei der Nutzung von Strom, Heizung und Ressourcen ermöglichen. Große Cloud-Service-Anbieter sind mit ihren reichhaltigen Ressourcen wie Finanzen, Technologien und Mitarbeitenden am besten dazu in der Lage, den Wandel hin zu einer klimaneutralen Cloud anzuführen.

Big Tech im Kampf gegen den Klimawandel

Neugestaltete Rechenzentren mit mehr Energieeffizienz können einen großen Beitrag dazu leisten, die CO₂-Bilanz nahezu auf null zu reduzieren. Dazu zählen auch Elemente wie OLED-Beleuchtung, umweltfreundliche Kühlung oder erneuerbare Energie. Die IT-Branche, insbesondere die Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Amazon, Facebook und IBM, nehmen diese Herausforderung ernst und haben begonnen, ihre Infrastruktur entsprechend neu zu gestalten.

Google zum Beispiel gibt an, das erste Unternehmen seiner Größenordnung zu sein, das mit 100 Prozent erneuerbarer Energie arbeitet. Angetrieben von Windkraft und Solarenergie, sind die zentralisierten Cloud-Services von Google heute siebenmal energieeffizienter, als dies beim Einsatz von On-Premises-Umgebungen der Fall wäre. Das Unternehmen nutzt zudem KI und maschinelles Lernen, um seine Rechenzentren zu optimieren. Wenn sich die Temperatur ändert, wird die Energiemenge, die zur Kühlung der Server verwendet wird, entsprechend angepasst.

Die für November 2021 geplante COP26 (UN-Klimakonferenz 2021) in Großbritannien wird alle Länder dazu auffordern, bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Die für November 2021 geplante COP26 (UN-Klimakonferenz 2021) in Großbritannien wird alle Länder dazu auffordern, bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
(Bild: shutterstock_145765028)

Microsoft hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 kohlenstoffnegativ zu werden. Bis 2050 will das Unternehmen mehr Kohlenstoff aus der Umwelt entfernen, als es seit seiner Gründung im Jahr 1975 ausgestoßen hat. Neben der Nutzung erneuerbarer Energiequellen investiert das Unternehmen auch in Technologien zur Reduktion und Entfernung von Kohlenstoff. Microsoft experimentiert zudem mit einer Unterwasser-Rechenzentrumsanlage vor der Küste Schottlands, um seine Rechenzentren kühl zu halten, ohne große Mengen an Strom zu verbrauchen.

AWS hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2040 in all seinen Geschäftsbereichen eine Netto-Null-Kohlenstoffbilanz zu erreichen. Seine Rechenzentren in Virginia, die als „Data Center Alley“ bezeichnet werden, sind für 70 Prozent des weltweiten Internetverkehrs verantwortlich. Laut Greenpeace verbrauchen diese Rechenzentren eine Energiemenge, die dem Stromverbrauch von 1,4 Millionen US-Haushalten in einem Jahr entspricht. Die Selbstverpflichtung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer grüneren, nachhaltigeren Cloud.

Das nächste Großprojekt für Cloud-Service-Provider

Globale Technologieunternehmen wie HCL teilen die Verantwortung, ihre Kunden auf dem Weg zu einer grüneren Cloud zu unterstützen, indem sie die richtigen Systeme auswählen, die richtigen Fähigkeiten bereitstellen und Cloud-Transformationsinitiativen in traditionellen Organisationen vorantreiben. So hat HCL beispielsweise 70 Prozent seiner Kunden in der EU und in Großbritannien bei der Umstellung auf die Cloud oder auf ein mit erneuerbaren Energiequellen betriebenes Rechenzentrum unterstützt.

Eine grünere Cloud ist auch eine gute Nachricht für Unternehmen, da sie Kosten reduziert, die Effizienz verbessert, den Ruf der Marke verbessert und den Betrieb zukunftssicher gestaltet. Deshalb sollte das Ziel, Rechenzentren umweltfreundlicher zu betreiben, eine Aufgabe für alle Unternehmen sein. Die Investition in Cloud-Service-Provider, die Nachhaltigkeit priorisieren, ist der erste Schritt zum Aufbau eines ökologisch nachhaltigen Betriebs. Darüber hinaus sollten alle Unternehmen, die einen kohlenstoffneutralen Betrieb anstreben, auf die Cloud umsteigen und entsprechende Transformationsinitiativen durchführen.

Ashish Arora, HCL Technologies.
Ashish Arora, HCL Technologies.
(Bild: HCL Technologies)

Der Weg in die Zukunft besteht darin, erneuerbare Energiequellen zu nutzen, energieeffiziente Hard- und Software für Rechenzentren zu beschaffen, energieeffiziente Beleuchtung und Stromversorgung in die Einrichtungen zu integrieren und intelligente Kühlsysteme zu entwickeln, um Verschwendung zu vermeiden. IT-Führungskräfte weltweit sollten umweltfreundlichere Entscheidungen treffen, wenn sie mit Lieferanten verhandeln – und diese dazu motivieren, nachhaltigere Technologien zur Reduktion der Kohlenstoffemissionen durch entsprechende KPIs zuzusichern.

*Der Autor: Ashish Arora ist Vice President Cloud & Infrastructure Services bei HCL Technologies

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