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Desktop-Systeme Microsoft: Windows 10 installiert sich nicht von selbst

| Redakteur: Rainer Graefen

Der Softwarekonzern Microsoft verneint Berichte, wonach sich das PC-Betriebssystem Windows 10 ohne Zustimmung der User auf deren Rechnern installiere. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers behalten die Anwender die volle Kontrolle über ihre Geräte.

Während des Wetterberichts der amerikanischen Fernsehstation KCCI in Des Moines/Iowa poppte plötzlich die Windows-10-Upgradeaufforderung auf. Das dazugehörige Video ist am Ende des Beitrages zu sehen.
Während des Wetterberichts der amerikanischen Fernsehstation KCCI in Des Moines/Iowa poppte plötzlich die Windows-10-Upgradeaufforderung auf. Das dazugehörige Video ist am Ende des Beitrages zu sehen.
(Bild: KCCI News )

Zu Beginn der Woche berichtete ELEKTRONIKPRAXIS über einen Fall, bei dem sich das Betriebssystem Windows 10 auf dem PC eines Pensionärs aus Ellwangen an der Jagst installiert hat – ohne dessen vorherige Zustimmung. Nach Aussage des 77-Jährigen sei der Rechner am vergangenen Sonntag ohne dessen Zutun mit dem Betriebssystem Windows 10 hochgefahren. Zuvor hatte er die Version Windows 7 genutzt. Ein Auswahlbildschirm hatte den Pensionär dann vor die Wahl gestellt, ob er Windows 10 behalten oder das Upgrade ablehnen wolle.

Microsoft verneint, dass sich Windows 10 von selbst auf Anwenderrechnern installiert. Seit Februar hat das aktuelle Betriebssystem allerdings den Status eines „Empfohlenen Updates“. Je nach den User-Einstellungen auf dem jeweiligen PC kann es also sein, dass Windows 10 automatisch auf den Rechner geladen (wohlgemerkt aber noch nicht installiert) wird. Denn Windows-Updates gibt es in drei Kategorien: Wichtige Updates beheben Fehler und stopfen Sicherheitslücken, empfohlene Updates fügen eventuell neue Funktionen hinzu und optionale Updates. Zu den optionalen Updates zählen zum Beispiel aktualisierte Grafikkarten-Treiber.

Wenn in den Update-Einstellungen die Option „Empfohlene Updates auf die gleiche Weise wie wichtige Updates bereitstellen“ markiert ist, dann wird Windows 10 automatisch auf den Rechner des Anwenders geladen. Die eigentliche Installation erfolgt jedoch laut Microsoft nicht ohne eine klare und eindeutige Benachrichtigung des Anwenders. In einem Blog-Eintrag von Terry Myerson, dem Bereichsleiter für Windows, heißt es: „Bevor das Upgrade das Betriebssystem auf Ihrem Gerät wechselt, werden Sie klar aufgefordert zu wählen, ob das Update fortfahren soll oder nicht.“

Missverständlicher Dialog: Diese Auswahlbox erscheint, wenn sich der User entschließt, den Endbenutzer-Lizenzvertrag für Windows 10 abzulehnen. Der Text kann so verstanden werden, dass der Anwender bei einer Ablehnung generell auf das kostenlose Update-Recht verzichtet. Dies ist allerdings laut Microsoft nicht der Fall.
Missverständlicher Dialog: Diese Auswahlbox erscheint, wenn sich der User entschließt, den Endbenutzer-Lizenzvertrag für Windows 10 abzulehnen. Der Text kann so verstanden werden, dass der Anwender bei einer Ablehnung generell auf das kostenlose Update-Recht verzichtet. Dies ist allerdings laut Microsoft nicht der Fall.
(Bild: VBM-Archiv )

Im Fall des eingangs genannten Pensionärs war das nach dessen eigenen Aussagen nicht der Fall. Erst nach der Installation des neuen Betriebssystems sei er gefragt worden, ob er Windows 10 behalten oder zu seinem alten System Windows 7 zurückkehren wolle – und zwar, als er den Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA) ablehnte. Die hier gezeigte Dialogbox mit der Überschrift „Nein danke, ich übertrage mein kostenloses Upgrade auf Windows 10“ stellte ihn vor folgende Wahl: „Durch Ihre Ablehnung erklären Sie, dass Sie auf das kostenlose Upgrade auf Windows 10 verzichten. Die vorherige Windows-Version wird erneut installiert, dies kann jedoch einen Moment dauern.“

Die Formulierung der Abfragebox ließ sich so verstehen, dass der User bei einer Ablehnung generell auf sein Recht auf das kostenlose Windows-10-Update verzichtet. Von Seiten Microsofts hieß es dazu: „In diesem Dialogfenster fragen wir den Nutzer, ob er tatsächlich das Downgrade auf sein altes System durchführen möchte. Bis zum 29. Juli kann er jedoch selbstverständlich jederzeit wieder das Upgrade auf Windows 10 durchführen.“ Die aus Sicht von Microsoft missverständliche Formulierung der Überschrift sei auf einen Lokalisierungsfehler zurückzuführen.

Im Internet gibt es jedoch eine Reihe von Berichten über Fälle, in denen sich Windows 10 ohne Wissen der Nutzer installiert haben soll. Die meisten stammen aus sozialen Medien wie Reddit und lassen sich nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Allerdings berichtete das US-Wirtschaftsmagazin Forbes im November vergangenen Jahres darüber, dass sich das Windows 10 heimlich auf einer Reihe von Rechnern mit Windows 7 und 8 installiert habe.

Laut Forbes habe Microsoft dies zugegeben. Der Grund dafür sei ein Bug im Update-Mechanismus gewesen, der in der Zwischenzeit aber behoben worden sei.

Unabhängig davon hat Mary Jo Foley, Reporterin beim Online-Dienst ZDnet, in den letzten Wochen Berichte gesammelt, wonach sich Windows 10 in einzelnen Fällen ohne Zutun der Anwender installiert haben soll. Sie rät Anwendern, die selbst bestimmen wollen, ob und wann sie auf Windows 10 wechseln wollen, Folgendes:

  • Im Windows-Updatemenü einen Zeitpunkt für die Installation der Upgrades einstellen. Auf diese Weise hat der User den Zeitpunkt in der Hand, zu dem das Update eingerichtet wird und kann seine Zustimmung geben oder verweigern.
  • Die Zustimmung zum Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA) verweigern.

Unabhängig davon empfinden viele Anwender die Popup-Fenster, mit denen Windows zum Upgrade auf Windows 10 auffordert, zunehmend als lästig. Mitunter zeigen sich diese Aufforderungen just im falschen Moment, so wie hier mitten im Wetterbericht der amerikanischen TV-Station KCCI in Des Moines/Iowa:

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