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Datenbestand verdoppelt sich alle 2,5 Jahre Mit den Daten wächst auch das Potenzial

| Redakteur: Heidemarie Schuster

Alleine in Westeuropa sollen die Daten laut einer EMC-Studie bis 2020 auf fünf Zetabyte anwachsen. Um der Datenberge Herr zu werden, verlagern immer mehr Unternehmen ihre Daten in die Cloud. Big-Data-Technologien sind auf dem Vormarsch.

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Big Data und Cloud Computing sind die Trendthemen im Storage-Markt.
Big Data und Cloud Computing sind die Trendthemen im Storage-Markt.
(© Fernando Madeira - Fotolia.com)

Zu den wichtigsten IT-Themen in diesem Jahr gehört Big Data. Die Nutzung von Big-Data-Lösungen in Unternehmen soll bei der Bewältigung eines extrem hohen und immer stärker anwachsenden Datenaufkommens helfen.

Big Data ist eine neue Technologie, mit der große, unzusammenhängende Datenmengen in Echtzeit analysiert werden können. Aber: „In Deutschland steckt Big-Data noch in den Kinderschuhen“, sagt Michael Kleinemeier, Mitglied des Bitkom-Präsidiums. „Die gute Nachricht ist: Big Data hat ein enormes Wachstumspotenzial, gerade in Deutschland.“

Wie nützlich Big Data sein kann, zeigt die Stadt Stockholm. Hier konnte das Verkehrsaufkommen laut dem Bitkom um 20 Prozent reduziert werden, und die individuellen Fahrzeiten seien auf die Hälfte geschrumpft. Dafür werden jede Sekunde 250.000 Standortdaten von Verkehrsteilnehmern, Video- und Sensorsysteme ausgewertet und zur Verkehrssteuerung eingesetzt. Auch die Verkehrsemissionen wurden so um 20 Prozent verringert.

Big-Data-Markt auf Wachstumskurs

In diesem Jahr wächst laut dem Bitkom der deutsche Big-Data-Markt auf rund 651 Millionen Euro Umsatz. Dies bedeutet eine Steigerung um 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2012 wurden mit entsprechender Hard- und Software sowie Services 351 Millionen Euro umgesetzt. Bis 2016 soll der Umsatz in Deutschland mit Big Data auf rund 1,7 Milliarden Euro wachsen. Das entspricht einem jährlichen Plus von 48 Prozent.

„Wir produzieren immer mehr Daten und das in immer höherer Geschwindigkeit. Bisher wurden viele Daten nicht sinnvoll genutzt“, sagt Kleinemeier. „Daten sind die wichtigste Ressource in der digitalen Welt. Big Data ist in Verbindung mit intelligenten Netzen der Schlüssel zur Lösung unserer großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, vom Klimaschutz und dem Erhalt der ­Mobilität bis zur Verbesserung der medizinischen Versorgung einer alternden Gesellschaft.“

(Bitkom)

Erwartungen an Big Data

Die hohe Nachfrage nach Big-Data-Lösungen begründet der Bitkom damit, dass die Unternehmen umfassende Vorteile durch deren Einsatz erwarten, wie eine Studie der Experton Group ergab. Hierbei wurden 100 deutsche Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern dazu befragt, welche Vorteile sie sich von der systematischen Auswertung großer Datenbestände versprechen (mehrere Antworten waren möglich). 38 Prozent gehen davon aus, besser über das Informations- und Konsumverhalten ihrer Kunden aufgeklärt zu werden, um somit Angebote genauer auf deren Bedürfnisse abstimmen zu können. Ebenfalls 38 Prozent erhoffen sich durch den Einsatz von Big Data, ihr Zielpublikum genauer zu erreichen. Auch bei der Optimierung von Logistikprozessen soll Big Data helfen. 37 Prozent der befragten Unternehmen erwarten hierbei Kostensenkungen. Die systematische Analyse anfallender Daten mittels Big-Data-Werkzeugen soll insgesamt Geschäftsprozesse optimieren und den Unternehmen im Wettbewerb einen Vorsprung verschaffen. 33 Prozent versprechen sich eine bessere Einschätzung von Marktpotenzialen und Business Cases. 21 Prozent erwarten höhere Renditen durch eine optimierte Preisgestaltung und 19 Prozent strategische Wettbewerbsvorteile durch genauere und schnellere Marktkenntnisse.

Cloud-Storage im Kommen

Nicht für alle Unternehmen ist Big Data relevant. Aber beinahe alle kämpfen mit den immer schneller wachsenden Datenmengen. Laut der Digital Universe Studie, die die Marktforscher von IDC im Auftrag von EMC durchgeführt haben, verdoppelt sich der Datenbestand in Westeuropa alle zweieinhalb Jahre. Von 2012 bis 2020 wird das Digitale Universum in Westeuropa von 538 Exabyte auf fünf Zetabyte wachsen, was einen Zuwachs von mehr als 30 Prozent pro Jahr bedeutet.

Eine kostengünstige Speicher-Alternative versprechen sich viele mit Cloud-Storage. So prognostiziert EMC, dass bis 2020 das Thema Cloud Computing immer mehr Einfluss gewinnen wird. Während im vergangenen Jahr 17 Prozent des Digitalen Universums in der Cloud standen, soll im Jahr 2020 mit 42 Prozent, fast die Hälfte des Digitalen Universums dort gespeichert, überliefert oder verarbeitet werden, so EMC.

Laut einer Iron-Mountain-Studie speichern 78 Prozent der befragten deutschen Unternehmen ­Daten in der Cloud oder planen, dies innerhalb der nächsten zwölf Monate zu tun. Fast jede fünfte Firma (18 Prozent) setzt sogar auf eine rein Cloud-basierte Speicherstrategie.

Problematisch erweist sich allerdings der Datenschutz. Denn 76 Prozent der deutschen Business-Entscheider sind laut der Studie der Meinung, die Verantwortung für Datensicherheit an den Cloud-Anbieter abzutreten, wenn Daten in der „Wolke“ gespeichert werden.

Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Befragten glauben darüber hinaus, dass ein möglicher Datenverlust dem Ruf ihres Cloud-Dienstleisters mehr schadet als ihrer Firma selbst – trotz der Tatsache, dass Unternehmen nach EU-Recht für verlorene oder kompromittierte Daten haften, die sich in ­ihrem Besitz befinden.

Verantwortlichkeit für Daten

„Unternehmen müssen verstehen und akzeptieren, dass sie für ihre Daten verantwortlich sind – egal wo diese gespeichert sind“, sagt Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer bei Iron Mountain Deutschland. „Cloud-Speicherung ist zwar sehr attraktiv, weil sie flexibel und kosteneffizient ist und hervorragende Zugriffsmöglichkeiten bietet. Sie kann jedoch kein Ersatz sein für eine umfassende Archivierungs- und Backup-Strategie. Unternehmen, die die Vorteile der Cloud-Technologie nutzen, sollten daran denken, ihre Daten zusätzlich offline zu sichern, zum Beispiel auf Magnetbändern.“

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