Im Praxistest: Acronis Backup & Recovery 11 Advanced Server, Teil 1 Mit Images den Restore-Prozess beschleunigen

Autor / Redakteur: Elmar Török / Rainer Graefen

Wurde Imaging-Software früher vornehmlich für das Disaster Recovery eingesetzt, so rücken heute die Lösungen in klassische Backup-Bereiche vor. Das und viele neue Funktionen erfordern vom Administrator ein gewisses Umdenken im Konfigurationsprozess. Unser Autor erläutert im ersten Teil die wichtigen Schritte im Detail.

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Acronis Backup und Recovery v.11, Advanced Server
Acronis Backup und Recovery v.11, Advanced Server
( Archiv: Vogel Business Media )

Als die ersten Imaging-Tools auf dem Markt auftauchten, ging es den Herstellern vor allem um das schnelle Deployment von mehreren identischen Festplattenimages auf PCs. Dementsprechend drehten sich die Funktionslisten vor allem um Dinge wie schnelle und netzwerkschonende Verteilung per Multicast, Remote-Deployment Management und Imagebearbeitung.

Das die 1:1-Kopie der Festplatte auch als Sicherungsmedium genutzt werden konnte war zwar bekannt, wurde aber erst im großen Umfang genutzt, als das Thema Disaster-Recovery und Bare-Metall Restore an Bedeutung gewann.

Images mit Rücksicherungsoption einzelner Dateien

Mit den Images ließen sich komplette Server samt aller Anwendungen und Daten unkompliziert und in einem Bruchteil der Zeit wiederherstellen, die eine traditionelle Backup-Lösung dafür benötigte.

Mittlerweile sind die Hersteller von Imaging-Lösungen wieder einen Schritt weiter. Acronis, einer der Pioniere in diesem Bereich, hat zwar nach wie vor die 1:1-Kopie als wichtiges Feature im Programm.

Doch die Enterprise-Variante der Software – Acronis Backup & Recovery 11 Advanced Server – beherrscht nun auch Backup-Funktionen, wie Deduplizierung, Verschlüsselung und Wiederherstellung von einzelnen Dateien, anstelle des ganzen Images. Acronis führt damit die, früher als True Image Echo bekannte, Produktreihe weiter.

Nun zentrales Netzknoten-Management

Mit dem Produkt wollte Acronis eine universelle Lösung schaffen, die „mehr als Imaging“ kann und zielt vor allem auf größere Unternehmen ab. Diese Intention wird schon in der Architektur deutlich. Es gibt – neben anderen Tools – ein übergreifendes Managementwerkzeug, mit dem alle zu sichernden Netzknoten verwaltet werden können.

Dazu gehören auch andere Programmversionen, wie beispielsweise Recovery für Microsoft Exchange oder Recovery für MS SQL-Server. Das ist auch der wesentliche Unterschied vom „Advanced“ zum normalen Server, der das Management nur direkt auf den Netzknoten zulässt.

Ist das zentrale Management den Preis wert? Auf alle Fälle, wenn mehr als eine Handvoll Netzknoten mit ABR verwaltet werden sollen. Der zentrale Sammelpunkt macht die Arbeit mit dem Produkt durch die Fülle an Funktionen und möglichen Konfigurationseinstellungen, erheblich übersichtlicher.

Skalierbarer Ansatz

Alle drei, eigentlich sogar vier, Elemente können auf einem Server vereint laufen, aber auch über mehrere Maschinen verteilt werden. Es gibt zum einen den Lizenzserver, der über die freien und benutzten Lizenzen wacht, verschiedene Versionen der Managementkonsole sowie die Datenbanken, in denen ABR seine Indexe speichert.

Eigentlich vier Komponenten sind es, da Acronis eine Möglichkeit anbietet, Images in einem Container mit speziellen Fähigkeiten – einer Storage-Node – abzulegen. Storage-Nodes stellen die Basis für das Konzept der Depots (engl. = Vaults) dar, die verwaltet oder unverwaltet sein können.

Sobald der Administrator ein zentrales Depot erstellt, werden dessen Name und der Pfad zum Depot an alle, auf dem Server registrierten Maschinen verteilt. Ein verwaltetes Depot kann zusammen mit den anderen ABR-Komponenten auf einem Server liegen, oder über mehrere Speichersysteme, auch NAS-Geräte, verteilt sein.

Logisch fasst ABR dann die einzelnen Speicherorte zu einer Einheit zusammen und erlaubt weitere Funktionen innerhalb des Depots wie Deduplizierung oder Verschlüsselung.

weiter mit: Mit der richtigen Lizenz geht fast alles

Restore auf neue Hardware, wenn SATA-II und Lizenz vorhanden

Der Umfang der sicherbaren Objekte ist ziemlich weitreichend: Bei Servern und virtuellen Maschinen werden sowohl Bare Metal Recovery als auch Einzeldateiwiederherstellung unterstützt. Seit Version 11 sind alle Dateien über einen Suchkatalog indiziert, der eine logische Sicht auf alle Backup-Daten bietet.

Damit lassen sich einzelne Dateien schneller wiederherstellen. Workstations können ebenfalls integriert werden, erfordern allerdings separate Lizenzen. Auch für die optionalen Komponenten Deduplizierung und Universal Restore fallen Zusatzkosten an.

Mit Universal Restore lassen sich Images auch auf unterschiedlicher Hardware wieder herstellen, zum Beispiel wenn ein älterer Server ausfällt oder migriert werden soll und das neue Modell mit SATA-Interfaces ausgestattet ist. Die Funktion ist eigentlich unerlässlich für viele Restore-Aufgaben, dass hierfür zusätzliche Kosten anfallen, ist lästig.

Auch Asianux wird gesichert

Andere Imaging-Backup Produkte enthalten so ein Feature im Standardlieferumfang. Allerdings ist mit der neuen Version 11 die Möglichkeit hinzugekommen, Daten auch unter Linux auf abweichende Hardware wiederherzustellen.

Als Betriebssysteme werden für Server alle Windows-Versionen ab Windows 2000 SP4 unterstützt, Windows Server 2003 und 2008 auch in 64 Bit. Linux Anwender können von Red Hat Enterprise über CentOS, Fedora, Ubuntu, Debian, OpenSUSE und SLES bis zu Asianux wählen.

Bei den Workstations geht es ebenfalls bei Windows 2000 SP4 los und reicht bis Windows 7. Die Home-Editionen lassen jedoch keine Remote-Verbindungen zu und können daher nicht über die zentrale Konsole gemanagt werden.

Manuelle Vorarbeiten bei Linux notwendig

Unser Schwerpunkt lag im Test auf Windows. Zum einen, weil das die Mehrheit der typischen Zielkunden als Serverplattformen einsetzen und zum anderen, weil die Managementkonsole nur bei Windows Betriebssystemen die volle Kontrolle der Agents, einschließlich deren Deployment, bietet.

Bei Linux Plattformen müssen die Agents manuell auf den Zielsystemen installiert werden. Als zentraler Server, der auch die Acronis Komponenten beherbergte, kam ein Dell Poweredge 2950 mit zwei Xeon E5410 Quad-Core Prozessoren und je 2,33 GHz Taktfrequenz zum Einsatz.

Er war mit 16 GByte Arbeitsspeicher und einem RAID-1 Array aus zwei 146 GByte SAS Festplatten ausgestattet. Über zwei Fibre-Channel HBAs von Brocade war er mit einem Xyratex RS1602 Speichersystem mit dualen 2 GBit/s Controllern verbunden.

Praxisnaher Hardware-Test mit virtuellen und physischen Maschinen

Dort standen in einem Volume 1 TByte Speicherplatz für die Images zur Verfügung. Für die Tests der Depots wurde auch Kapazität auf einem Windows 2008 Storage Server sowie von verschiedenen lokalen Festplatten in Servern hinzugezogen.

Gesichert wurden sowohl physikalische Geräte als auch virtuelle Maschinen. Ein Core 2 Duo E7400 mit 8 GByte RAM diente als Host für VMware vSphere 4.1.0 sowie vier virtuelle Maschinen: je ein Mal Windows Server 2003, Windows 7, Windows XP SP3 und Fedora Linux.

Vier physikalische Clients mit Windows XP SP3, Windows Vista und Windows 7 kamen ebenfalls zum Einsatz, mit Motherboards von Asrock sowie verschiedenen Intel Prozessoren. Das Testnetzwerk wurde auf ein VLAN beschränkt, dass ein 48-Port-Gigabit-Switch vom Typ D-Link DGS-1248T bereitstellte.

weiter mit: Geführter Installationsprozess

Geführter Installationsprozess

Auch wenn das Konzept des Image-basierten Backups klar ist, sollte man sich als Administrator vor der Installation auf alle Fälle die Kurz-Installationsanleitung von der Webseite des Herstellers besorgen und durchlesen. Zu viele Funktionen des Produkts führen sonst zu verfrühten – möglicherweise zeitaufwändig zu korrigierenden – Entscheidungen.

Die Software selbst ist aber problemlos im Umgang. Große freundliche Symbole und gute Erklärung auf den einzelnen Seiten des Setup-Wizard zeigen einem erfahrenen Anwender, was von ihm erwartet wird.

Sobald der Lizenzserver läuft, können die erworbenen Schlüssel eingetragen werden, was man wegen der Länge der einzelnen Keys unbedingt mittels Import aus einer Datei abwickeln sollte. Kleiner Tipp: Wer sich bereits bei der Webseite registriert und dort seine erworbenen Produkte hinterlegt hat, kann alle oder ausgewählte Schlüssel in eine Datei exportieren lassen.

Die Keys können auch nachträglich im Lizenzserver aufgenommen werden, doch wenn es an das Setup der eigentlichen Software geht, zieht der Wizard ohnehin wieder den Lizenzserver zurate und sperrt sich, wenn dort nicht die korrekten Lizenzen hinterlegt sind.

Kommunikationsprofi(l)

Bei der Installation von Komponenten, die Admin-Rechte benötigen, meldet sich die Software mit einer Rückfrage, ob ein eigenes Dienstkonto angelegt oder der Admin-Account um den Zusatz „Service-Logon“ erweitert werden soll. Aus Sicherheitsgründen sollte man natürlich ein separates Konto benutzen, dennoch ist diese Rückfrage in kleinen Umgebungen ein Komfortgewinn.

Als Port zur Kommunikation der Agent mit den Serverkomponenten wird per Default TCP 9876 genutzt, es lassen sich auch beliebige andere Ports eintragen. Die Freischaltung des Ports bei einer aktivierten Windows-Firewall ist auf Wunsch automatisch möglich.

Ein SQLServer 2005 Express ist mit dabei und reicht für kleine Systemumgebungen, der Verweis zu anderen SQL-Datenbanken ist möglich. Der PXE-Server zum Start der Acronis Bootumgebung über die Netzwerkkarte wird übrigens installiert, auch wenn es dazu keine separate Meldung gibt.

Überraschend zu diesem Zeitpunkt, mitten im Installationsprozess, ist eine „Kundenzufriedenheitsermittlung“. Sie lässt sich allerdings überspringen. Das Kopieren und Finalisieren der Installation dauert von hier an nochmals etwa 10 bis 15 Minuten.

Keine Reboots bei Installation notwendig

Insgesamt nimmt die Installation, mit der Planung aller Speicherorte und Pfade, je nach Größe des Netzwerks und ob man die Software auf mehrere Server verteilt oder nicht, eine bis drei Stunden in Anspruch.

Sehr angenehm ist, dass Acronis es tatsächlich schafft, ohne Reboots auszukommen, sowohl bei den Serverkomponenten als auch später, wenn die Agents auf den Backupsystemen ausgebracht werden. Das ist für viele Firmen, die keine Möglichkeit haben, Server zwischendurch abzuschalten, eine enorme Erleichterung.

Und so kann ab diesem Moment bereits das erste Backup des Masterservers erfolgen. Im Test klappte das auf Anhieb wunderbar, auch wenn sich der Auswahlbildschirm für die Backups deutlich von den Vorgängerversionen unterscheidet.

Der zweite Teil dieses Artikels erscheint Mittwoch, dem 12.10.2011

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