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IBMs Rechenzentrums-Strategie Mit spezialisierter Hardware, tiefer Informationsgewinnung und Services punktet Big Blue bei den Kunden

| Autor / Redakteur: Thorsten Riedl / Rainer Graefen

Niemand hat das Geschäft so radikal auf Software und Dienstleistungen getrimmt wie IBM. Mit zwölf Milliarden Dollar in der Kriegskasse will Big Blue die Konjunkturdelle gestärkt verlassen

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Louis V. Gerstner, Jr., überreicht Samuel J. Palmisano (links) virtuell die IBM-Kapitänsmütze.
Louis V. Gerstner, Jr., überreicht Samuel J. Palmisano (links) virtuell die IBM-Kapitänsmütze.
( Archiv: Vogel Business Media )

Kein Wort. Als ob die Gespräche nie stattgefunden hätten. Bis heute gibt es von keinem Offiziellen bei IBM eine Bestätigung, dass Big Blue bis Mitte März mit Sun Microsystems um eine Übernahme verhandelt hat.

Doch durch Indiskretionen wurden zwischenzeitlich Details des geplanten Geschäfts bekannt. So hätte IBM für Sun rund sechs Milliarden Dollar gezahlt. Viel Geld für den siechen Konzern.

Zu wenig offenbar vor allem für Scott McNealy, Mitgründer von Sun, bis vor wenigen Jahren Chef und noch heute der erste Mann im Verwaltungsrat des Serverherstellers. Es sei viel Testosteron im Spiel gewesen, berichtet ein Insider über den Verlauf der Verhandlungen mit IBM – die zuletzt geplatzt sind. Man konnte sich nicht über den Kaufpreis einigen.

Für den einen eine Chance, für den anderen zu teuer

Zufall oder nicht: Am Tag, als IBM seine Quartalszahlen vorlegen musste, gab Oracle-Chef Larry Ellison gab bekannt, dass er für 7,5 Milliarden Dollar bei Sun zuschlägt.

IBM ließ das ungerührt: Man schüttete etwas mehr Geld an die Aktionäre aus, zeigte sich unbeeindruckt vom Tun des Rivalen – und tat im übrigen so, als ob es keine Wirtschaftskrise gäbe. Wie kein zweiter Konzern in der IT-Industrie profitiert IBM derzeit von den Umbauten der vergangenen Jahre.

Balu wird Sam Palmisano seit seiner Jugend genannt. Der Chef von IBM hat die Statur eines Bären, doch seine stoische Ruhe mit Gemütlichkeit zu verwechseln, könnte jedem Wettbewerber schlecht bekommen. Er begann direkt nach einem Studium der Verhaltenswissenschaften 1973 in seiner Heimatstadt Baltimore eine Ausbildung im Marketing bei IBM.

Steuermänner und Untiefen

1991 ging er als einer der ersten Topmanager des Konzerns nach Japan, um das Asiengeschäft auszubauen. Danach übernahm er den damals verlustträchtigen und heute dominierenden Dienstleistungs- und Beratungsbereich und machte ihn binnen Jahresfrist profitabel.

Kurz nach dem Platzen der Internetblase übernahm Palmisano 2002 das Ruder bei Big Blue von Lou Gerstner. Sein Vorgänger verließ IBM damals nach neun Jahren mit einem beinahe legendären Ruf. Als Gerstner Anfang der 90er Jahre Chef von IBM wurde, erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von fünf Milliarden Dollar pro Jahr, war nicht in der Lage die Technologietrends vorherzusagen oder gar darauf zu reagieren.

IBM hatte den Anschluss im PC-Geschäft verloren, den Übergang zu Client-Server-Architekturen verbummelt, und investierte Milliarden in die eigene Entwicklung – ohne sichtbare Erfolge. Gerstner brachte das Riesenschiff wieder auf Kurs.

weiter mit: Geschäftsprozesse und IT-Infrastruktur durch Services verflechten

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