Cognitive Computing, Teil 2

Mit spezifischer Metadaten-Generierung hilft Watson bei Geschäftsentscheidungen

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Rainer Graefen

Watson ist weder Hardware noch eine bestimmte Anwendung, sondern ein lernendes System.
Watson ist weder Hardware noch eine bestimmte Anwendung, sondern ein lernendes System. (Bild: IBM)

Jede Branche hat ihre Analysten und Experten. Die werden es in Zukunft ein wenig schwerer haben, wenn eine Maschine wie Watson aufgrund der Auswertung von Millionen Branchendaten konkurrierende Metadaten-Erkenntnisse bereitstellt. Vorerst bleibt jedoch unklar, ob der Unternehmensberater oder die "denkende" Maschinen den Weg in die Zukunft besser erkennt.

Vom Cognitive Computing ist es nur ein kleiner Schritt hin zum "Cognitive Business". Dafür hat IBM mit den IBM Cognitive Business Solutions eine neue Beratungsorganisation mit rund 2000 Analytics-Experten, Data Scientists sowie Industrie- und Change-Management-Spezialisten gegründet. Deren Ziel ist es, Kunden beim Umbau ihres Unternehmens in ein kognitives, also lernendes, Business zu unterstützen.

"Unsere Zusammenarbeit mit Kunden aus vielen Branchen zeigt uns, dass Cognitive Computing für viele Unternehmen der nächste logische Schritt ist, um ihr Geschäft weiterzuentwickeln", sagt Bridget van Kralingen, verantwortlich für das IBM Beratungsgeschäft weltweit. "Denn in den Unternehmen werden zwar immer mehr Daten gesammelt und ausgewertet, aber 80 Prozent aller verfügbaren Daten - Bilder, Sprache, chemische Formeln oder Literatur - sind mit herkömmlichen IT-Systemen nicht zu erreichen. Mit unserem Cognitive Computing Ansatz schließen wir diese Lücke."

Bis heute sind rund eine Milliarde Dollar in die Entwicklung von Watson Technologien geflossen, die mittlerweile in vielen verschieden Branchen, insbesondere im Gesundheitssektor, bei Banken und Versicherungen sowie im Handel eingesetzt werden.

IBM selbst geht von folgenden Kernthesen zum Cognitive Business aus:

  • Cognitive Computing wird in der Zukunft in immer mehr Bereichen Entscheidungen unterstützen. Dabei geht es bei Cognitive Computing im Wesentlichen um den schnellen und effizienten Zugriff auf Wissen, das in großen Datenmengen verborgen ist, d.h. um die Nadel im Heuhaufen.
  • Dabei wird es eigenständige Cognitive Produkte bzw. Lösungen geben und Produkte bzw. Lösungen, die um Cognitive Fähigkeiten angereichert worden sind. Hierfür bietet die IBM eigene Produkte und ein Ökosystem an.
Ergänzendes zum Thema
 
Der Cogni Toys Dino und das Fazit des Autors

Für Deutschland als Industrienation ist Cognitve Computing wie folgt wichtig:

  • 1. Cognitive Computing beschleunigt Forschung & Entwicklung und sollte deshalb von Unternehmen genutzt werden, um die Marktstellung zu erhalten bzw. zu verbessern.
  • 2. ... erlaubt eine effizientere Kundenschnittstelle und sollte deshalb von Unternehmen genutzt werden, um die Kundenbetreuung zu optimieren.
  • 3. ... erlaubt es, Prozesse und Produkte zu optimieren, bis hin zu neuen, datengestützten Services und Geschäftsmodellen.

In München zuhause

Ein wichtiges Einsatzgebiet von Watson ist das Internet der Dinge (IoT). Die weltweite Zentrale des Geschäftsbereichs Watson IoT findet sich übrigens seit Ende vergangenen Jahres in München. Rund 1.000 IBM Entwickler, Berater, Forscher und Designer sind dort in den Highlight Towers tätig.

Dort findet sich auch das erste europäische Watson Innovation Center. Gemeinsam mit Kunden und Partnern arbeitet man dort an einer neuen Generation vernetzter Lösungen an der Schnittstelle von Cognitive Computing und IoT. Ziel ist es, über kognitive Fähigkeiten vernetzte Geräte, Systeme und Sensoren intelligent zu machen sowie neue Marktchancen zu erschließen

Bereits verfügbare Watson-Lösungen

Die EINE Watson-Lösung gibt es allerdings nicht, sondern vielmehr einen wachsenden Satz an Lösungen. Über die Watson Developer Cloud können Entwickler zudem kognitive Services in ihre eigenen Anwendungen integrieren. Einige Lösungen von Watson sind der deutschen Sprache bereits mächtig, für andere stehen sie auf der Prioritätenliste ganz oben für die Einführung noch in diesem Jahr.

Um einen ersten Überblick über die Fülle an Watson-Lösungen zu erlangen, empfiehlt sich zunächst ein Blick auf den Watson Engagement Advisor - hier finden sich viele Anwendungsbeispiele vom Call Center über Produktion, Forschung & Entwicklung bis zum Einsatz als Hotel Concierge. Auch zu den anderen Watson-Lösungen finden Sie auf den IBM Seiten viele Informationen.

Einige Beispiele für aktuelle Entwicklungen und Lösungen:

  • Watson könnte die Automobilbranche umkrempeln: Für das autonome Fahren werden die kognitiven Fähigkeiten von Watson unabdingbar sein, so Sebastian Wedeniwski im IBM Think Blog DACH. Aber auch für das traditionelle Fahrerlebnis eröffneten sich viele neue Möglichkeiten, Sicherheit und Komfort zu optimieren, wenn das Auto seinen Besitzer "kennt".
  • Mit Hilfe kognitiver Watson-Technologien kann die Versicherungskammer Bayern (VKB) Anliegen der Kunden schneller und präziser erkennen und bearbeiten. Das System hat in einem Pilotprojekt mit der VKB im vergangenen Jahr Deutsch gelernt und analysiert nun einzelne Sätze im Anschreiben und im Gesamtkontext. Watson wertet Aussagen aus, interpretiert sie und versteht so ein Anliegen. Anschließend sorgt es für eine Zuordnung an den jeweils richtigen Sachbearbeiter - viel schneller, als Menschen das zu leisten in der Lage wären. Das erhöht die Kundenzufriedenheit und -bindung natürlich ungemein.
  • Gebäude weltweit werden immer höher. Die Herausforderung besteht darin, Zehntausende Menschen in Sekunden vertikal zu bewegen. Je höher, desto problematischer gestaltet sich das Fahrstuhlproblem. Es ist in der Mathematik längst bekannt und hinreichend thematisiert worden. Kone, finnischer Hersteller von Aufzügen, begegnet diesem Problem mit dem Einsatz kognitiver Technologien. Auf der Watson IoT Cloud Platform werden Daten von Sensoren und Systemen gesammelt, die an Aufzüge, Rolltreppen sowie Automatiktüren und Zugangskontrollsysteme gekoppelt sind. So soll das Fahrstuhlproblem unter Berücksichtigung geltender Datenschutzrichtlinien jeden Tag, jede Stunde und jede Minute aufs Neue gelöst werden.
  • Überhaupt macht mit kognitiven Technologien Big Data erst Sinn: Watson erlaubt es, große und unstrukturierte Datenmengen sehr schnell zu lesen und auszuwerten, sie auf bestimmte Muster hin zu überprüfen und Hypothesen zu erstellen.
  • Generell ist die große Stärke von Watson der intelligente Umgang mit großen Textmengen. Für die berühmten Folgen der Quizsendung "Jeopardy!" vom Februar 2011, in dem das System haushoch gegen zwei menschliche Gegner gewann, die in der Show zuvor Rekordsummen gewonnen hatten, musste es eine Datenbasis von 13 Terabyte in sich aufnehmen. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass Watson ein echtes Big-Data-System ist.
  • Die Berater von KPMG LLP nutzen seit diesem Jahr kognitive Watson-Technologien in ihren unterschiedlichen Geschäftsbereichen, schwerpunktmäßig im Bereich Wirtschaftsprüfung. Das Unternehmen verfolgt damit das Ziel, besser fundierte Erkenntnisse über Finanz- und Geschäftstransaktionen ihrer Kunden zu erlangen sowie neue, innovative Services anbieten zu können.
    "Wirtschaftsprüfer und andere vergleichbare Dienstleister sehen sich mit wachsenden Mengen unstrukturierter Daten konfrontiert. Kognitive Systeme wie Watson verändern die Art und Weise, wie mit diesen Daten umgegangen wird und wie sie genutzt werden können, um Entscheidungen zu treffen", so John Kelly, Senior Vice President Cognitive Solutions und IBM Research.

Wer Watson will, muss auch Cloud sagen

Kognitive Technologien sind ohne eine Cloud-Plattform, auf der sie geliefert werden, nicht denkbar, so die IBM-Chefin Virginia Marie Rometty in ihrem diesjährigen Annual Report. Gerade für Entwickler spielt die PaaS-Umgebung "IBM Bluemix" eine Schlüsselrolle. Bluemix ist die weltweit größte Cloud-Foundry-Plattform und läuft auf der Cloud-Infrastruktur von IBM Softlayer. Sie bietet Entwicklern Cloud-basierte Dienste und APIs in einer integrierten Plattform.

Damit können Entwickler verschiedene Tools immer neu kombinieren, um in der Cloud Apps für mobile Geräte, das Internet der Dinge, Big-Data-Analytics-Anwendungen und Ähnliches zu bauen. Die Entwicklung für und in der Cloud birgt enorme Chancen für noch mehr Innovationen. Prognosen zufolge wird die Zahl der Cloud-Entwickler bis 2019 auf 12,5 Millionen steigen.

Außerdem ermöglicht IBM Bluemix Zugriff auf ein modulares Software-Baukastensystem, das aus IBM-Software, Open Source und Komponenten von Drittanbietern besteht und für die Entwicklung und Verwaltung von Apps notwendig ist. Der App-Store für Entwickler bietet hunderte Services von IBM und Drittanbietern, und es werden stetig mehr.

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