Kommentar zu Backup und Recovery virtueller Maschinen

Moderne Budget-Märchen: Alle Daten lassen sich retten

| Redakteur: Rainer Graefen

Rainer Graefen, Chefredakteur Storage-Insider.de
Rainer Graefen, Chefredakteur Storage-Insider.de

Zwei Kennwerte bestimmen heute das Leben der Datensicherer. Nein, nicht Datentransferrate und preiswerte Massenspeichermedien. Die Backup-Welt dreht sich um RPO und RTO – auch wenn bei diesen Buchstabenfolgen fast jeder jedes Mal ein Glossar befragen muss.

Wer über RPO/RTO nachdenkt, der ist auf dem Wege der Besserung. Er versucht sich Rechenschaft darüber abzulegen, ob der potenzielle Datenverlust die Kosten für die Datenrettungstechnik rechtfertigt.

Virtuelle Maschinen machen die aufwändige Ermittlung von Datenverlust und Ausfallzeit zwar nicht leichter, aber nachher weiß man auf jeden Fall mehr über die Abhängigkeiten zwischen den VMs auf einem Rechner und den Abhängigkeiten von VMs auf anderen Rechnern.

Das Spiel mit dem Risiko

Eigentlich lassen sich RPO und RTO auf die Frage nach dem Risiko reduzieren: Wie schlimm ist es, wenn ich eine Sekunde lang Daten verliere? Und wie schlimm ist es, wenn in meinem Unternehmen für eine Sekunde nicht gearbeitet werden kann.

Wer diese beiden Fragen mit „sehr schlimm“ beantwortet, der ist bereit sehr viel Geld in die jederzeitige Verfügbarkeit seiner Daten zu stecken. Derjenige, der dezidiert die Verfügbarkeit jedes einzelnen Services begutachtet und versteht aus den Sekunden Stunden zu machen, der wird mit einem Backup&Restore-Konzept sehr viel Geld sparen können.

Der „Change“ ist der Datenverlust

Während ich im Backup-Kompendium 2010 noch darüber sinnierte, ob Snapshot, Image, virtuelles Tape, Replikation und Deduplizierung überleben werden, kann man heute sehen, dass alle diese Techniken den Datenverlust zu reduzieren, zu voller Blüte gelangen.

Ich glaube zwar immer noch, dass der kontinuierliche Snapshot das Maß aller Backup Dinge wird. Die Protagonisten der Continuous Data Protection (CDP) haben diesen Begriff leider schon bei der Markteinführung mit Zusätzen wie Near und Real verunglimpft, so dass die Anwender ihren Glauben an diese Technik erst wieder gewinnen müssen.

Anbieter wie EMC oder auch Datacore haben anscheinend die passende Technik an der Hand, die fähig ist jede Transaktion in einem konsistenten Zustand abzuspeichern und bei einem Restore auch wieder rückwärts anzufahren.

Das Reich der Abhängigkeiten

Für den Backup-Administrator sind die Definition von SLAs und technische Optionen zur Datenverlustreduzierung sicherlich eine große Baustelle. Bei der ganzen Servervirtualisiererei sollten die entstehenden Abhängigkeiten zwischen virtuellen Maschinen, physischen Maschinen und nicht zuletzt der Datenströme durch die vielen Backup-Flaschenhälse nicht vergessen werden.

Hier erwarte ich noch viele Seiteneffekte, die sich mit herkömmlichen Diagnosewerkzeugen nicht aufspüren lassen werden.

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