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Netzwerkspeichersystem Iomega StorCenter px4-300r im Praxistest, Teil 2 NAS-Geräte für den SMB-Markt machen Profisystemen das Einstiegssegment streitig

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Rainer Graefen

An der Funktionsvielfalt der Prosumer-NAS-Systeme gibt es nicht viel zu bemäkeln. Verbesserungswürdig ist allerdings der Datenschutz, der sich in diesem Marktsegment trotz wachsenden Datenmengen auf den difizielen RAID-Rebuild oder das langwierige Backup verlassen muss.

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Ist die IP-Adresse erst einmal im Browser bekannt, hat man die Qual der Einsatzwahl angesichts der zahlreichen Anwendungen.
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( Archiv: Vogel Business Media )

Über die USB-Schnittstellen können Fotokameras, Speichermedien oder Drucker mit der NAS-Appliance verbunden werden. Erfolgreich probiert haben wir das mit einem Samsung-Laserdrucker, der mit dem System zum Netzwerkdrucker wurde.

Ebenfalls gelungen ist der Anschluss eines USB-Sticks und der Datentransfer auf das NAS-Gerät. Den Kopiervorgang haben wir über das Bedienfeld an der Front des Speichersystems gestartet. Die kopierten Daten landeten in einem automatisch angelegten Unterverzeichnis des Ordners QuikTransfer.

Bildergalerie

RAID-Check

(Archiv: Vogel Business Media)

Abb. 4: Simulation eines Festplattenausfalls

Die Festplatten in Iomegas NAS können wahlweise als JBOD oder in verschiedenen RAID-Betriebsarten genutzt werden. Beim ab Werk eingestellten RAID-5 bleiben von den 7,28 Terabyte noch 5,46 Terabyte nutzbare Kapazität übrig.

Für unseren Test haben wir eines der Laufwerke im laufenden Betrieb aus dem Gerät entnommen. Erwartungsgemäß kam es dabei zu keinen Komplikationen. Das erneute Einbinden des Laufwerks dauerte circa fünfeinhalb Stunden. Während dieser Zeit funktioniert das Speichersystem zwar weiter, warnt aber prophylaktisch vor möglichen Leistungseinbußen.

Ähnlich viel Zeit wie zur RAID-Reparatur sollte man übrigens auch einplanen, wenn man das System komplett auf die Werkseinstellungen zurücksetzt und dabei alle Festplattendaten mit zufälligen Werten überschreibt – wie maßen hierfür vier Stunden und 40 Minuten.

Benchmark

Für das Benchmarking haben wir natürlich ein fehlerfreies und nicht belastetes Speichersystem genutzt. Von den zwei verknüpfbaren Netzwerkschnittstellen des StorCenter px4-300r verwendeten wir lediglich eine.

Die Werkseinstellungen blieben weitgehend unangetastet: Die Festplatten wurden als RAID-5 angesprochen, der NAS-Schreibcache blieb aktiv, Jumbo-Frames waren ausgeschaltet. Zudem haben wir auf dem System ein iSCSI-Laufwerk mit einem Terabyte Kapazität angelegt.

Als Gegenstelle nutzen wir einen Rechner mit Core 2 Duo CPU (T8100 @ 2,10 GHz), vier GigabyteRAM und GbE-LAN-Schnittstelle (Realtek RTL8168C(P)/8111C(P)). Als Betriebssystem fungierte ein Windows 2008R2 Standard SP1 (64 Bit) auf aktuellem Stand. Rechner und Speicherappliance haben wir direkt mit dem von Iomega mitgelieferten Ethernet-Kabel verbunden.

(Archiv: Vogel Business Media)

Abb. 5: NAS-Messergebnisse

Für erste Benchmarkwerte haben wir die Testsuite Lavalys Everest Ultimate Edition 4.6 genutzt. Auf dem iSCSI-Laufwerk erhielten wir damit Lesezeiten um die 100 Megabyte pro Sekunde.

weiter mit: Praxisnahe Transferraten

Benchmark-Verifizierung

Im Anschluss haben wir mit realen Daten nachgemessen. Hierfür haben wir mit Dataram RAMDisk 3.5 eine 2.048 MByte große Ramdisk (FAT32) eingerichtet. Die Messzeiten wurden händisch ermittelt; die angegebenen Werte sind jeweils der Durchschnitt aus drei Messungen.

Als Testdaten dienten folgende Pakete:

  • ISO Image: Ein einzelnes CD-Image mit 1.881.049.088 Byte
  • Mix: Ein CD-Image mit 992.837.632 Byte und 276 MP3-Dateien mit insgesamt 1.049.505.565 Byte
  • MP3: 572 MP3-Dateien mit insgesamt 2.016.151.756 Bytes

Mit einem Maximalwert von 106,44 MByte/s bestätigten sich zunächst die Werte des Everest-Benchmarks. Um an der Kapazität des Gigabit-Ethernet zu kratzen, braucht es aber eine große Datei, die in einem Rutsch auf ein iSCSI-Laufwerk des Speichersystems geschrieben wird (RAM > NAS).

Beim Zurücklesen der gleichen Datei auf die Ramdisk (NAS > RAM) brach der Wert bereits auf 73,59 MByte/s ein. Je mehr kleine Dateien geschrieben oder gelesen werden, desto geringer die Durchsätze. Generell gilt beim iSCSI-Zugriff: Die Schreibraten liegen über den Leseraten des StorCenter px4-300r.

(Archiv: Vogel Business Media)

Abb. 6: Block- und Filetransfer belasten die Hardware unterschiedlich

Beim Zugriff auf Verzeichnisfreigaben ist das genau umgekehrt. Das Speichersystem nimmt Daten also schneller an, als es diese ausliefert. Insgesamt liegen die Transferraten bei freigegebenen Ordnern deutlich unter denen des iSCSI-Laufwerks. Niedrigster Durchsatz im Test waren 26,71 MByte pro Sekunde für das Schreiben von MP3-Dateien auf das Iomega-System.

Fazit

Die Funktionsvielfalt des Iomega StorCenter px4-300r ist überwältigend. Beim Test haben wir uns deshalb mehrmals die Frage nach der typischen Zielgruppe gestellt. ITunes-Server, Torrent-Server und Fototransfer per USB oder Bluetooth sprechen eindeutig private Nutzer an.

Abschrecken dürften diese aber das penetrante Betriebsgeräusch und der Preis des Systems. Kleinere Unternehmen verbannen die Speicherappliance dagegen am besten in den Serverraum.

Dort bleiben Bluetooth- und USB-Schnittstellen dann zwar weitestgehend ungenutzt; für den professionellen Einsatz eignen sich Funktionen für iSCSI, Überwachungskameras oder private Cloud aber ohnehin besser.

Mit den aktiven Ordnern liefert Iomega ein ansprechendes Konzept zur leichten und automatisierten Bereitstellung von Daten an begrenzte oder öffentliche Nutzerkreise. Mögliche Anwendungsfälle hierfür sehen wir in kleinen Arbeitsgruppen, die auf gemeinsame Rohdaten zugreifen.

Agenturen könnten per YouTube, Flickr oder Facebook zudem unkompliziert und schnell Informationen verbreiten. Das von uns getestete System Iomega StorCenter px4-300r mit acht Terabyte Kapazität ist für 2.560 Euro erhältlich.

(ID:2052569)