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Erste Storage-Projekte mit ATA over Ethernet in Deutschland Neues Ethernet-Protokoll fordert iSCSI heraus

| Redakteur: Rainer Graefen

iSCSI ist das bekannteste, blockbasierte Ethernet-Speicherprotokoll. Doch es gibt ein konkurrierendes Ethernetprotokoll – ATA over Ethernet (AoE) –, das nicht nur für Home-Office-Anwender mit Linux-Kenntnissen interessant ist.

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Der kurze Protokoll-Stack befähigt ATA over Ethernet zum schnellen Datentransport.
Der kurze Protokoll-Stack befähigt ATA over Ethernet zum schnellen Datentransport.
( Archiv: Vogel Business Media )

In unserem Storage-Heft vom April/Mai 2007 schrieben wir in einem Artikel zu ATA over Ethernet (AoE) und Storage over IP (SoIP) als vorläufiges Fazit:

„Die größte Herausforderung, der sich AoE und SoIP gegenüber sehen, ist die fehlende Unterstützung bei den meisten Speicherherstellern. Nur Netgear und Hammer Storage bieten Produkte an, die SoIP unterstützen und Coraid ist gar der einzige Anbieter von Speichergeräten, die das AoE-Protokoll unterstützen.“

Während von SoIP über die Jahre hinweg nicht mehr viel zu hören war, machte uns Stefan Fischer, Geschäftsführer des Münchner Systemhauses Basis darauf aufmerksam, dass man gemeinsam mit einem Forschungskunden aus der Visual-Computing-Entwicklung einen ersten Piloten betreibe.

Grund genug wieder einmal einen Blick auf das gerne von Open-Source-Anwendern in Amerika benutzte Protokoll zu werden. Da AoE vom TCP/IP-Overhead befreit ist, werden über Ethernet-Netzwerke Geschwindigkeiten erreicht, die mit Fibre Channel vergleichbar sind, werben die Protagonisten für das Protokoll.

Ohne TCP und IP

AoE geht sogar noch ein Stück weiter, es verwendet nicht einmal das Internet Protokoll (IP), sondern das ursprüngliche Ethernet-Protokoll und vermeidet so weiteren Overhead. Bekanntester Anbieter von AoE-Produkten ist das amerikanische Speicherunternehmen Coraid.

Coraid hat sich für eine Open-Source-Strategie entschieden. Die Treibersoftware für das AoE-Speicherprotokoll ist seit der Linux-Version 2.6.11 im Betriebssystem aller Linux-Distributionen wie inzwischen auch in Free BSD und Solaris enthalten. Für VMware können AoE-Treiber kostenlos von der Coraid-Website geladen werden.

Diese Möglichkeit soll nach Aussage von Fischer in naher Zukunft auch für MAC OS und Windows funktionieren. Wer schon jetzt für diese beiden Betriebssysteme mit AoE experimentieren will, kann alternative Treiber käuflich erwerben. Der Sourcecode an sich ist bei diversen Treiberanbietern frei verfügbar.

Blöcke muss man nicht routen

Brantley Coile, technischer Leiter bei Coraid, hält Protokolle wie SoIP und iSCSi für ineffizienter als AoE. „iSCSI wurde dafür entwickelt, auf einer großen Speicherbox mit einem teuren Controller zu laufen, und SoIP ist nicht erweiterbar und proprietär“, meint Coile. „Die Leute, denen wir mit AoE helfen wollen, haben meistens eine prinzipielle Abneigung gegen Sonderlösungen oder fühlen sich zumindest unwohl damit.“

In unserem früheren Beitrag unseres amerikanischen Kollegen wurde als Nachteil von AoE bemängelt, dass das Protokoll nicht sicherstellen kann, dass alle Datenpakete am Zielort ankommen. Diese Information ist falsch, da die Paketkontrolle auf der CSMA/CD-Ebene von OSI-Layer 1 und 2 stattfindet.

Als Nachteil von ATA over Ethernet könnten iSCSI-Anwender allerdings die Tatsache bewerten, dass AoE wie auch Fibre Channel nicht geroutet werden kann. Wer dies zwingend benötigt, muss dann tatsächlich iSCSI mit dem nicht ganz so performanten TCP/IP benutzen.

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