Apple nimmt preisbewusstes Käuferklientel ins Visier

Neues iPhone und iPad

| Autor / Redakteur: dpa / Tina Billo

iPad Pro
iPad Pro (Bild: Apple)

Spekulationen im Vorfeld gab es wie immer viele, Sensationen hingegen weniger: Bei der vermutlich letzten Produktpräsentation an Apples altem Firmensitz in Cupertino trat das Untemehmen mit dem iPhone SE und dem iPad Pro an. Bei beiden Modellen handelt es sich um Einstiegsmodelle - zumindest was den Preis angeht.

Mit dem Frühjahrstermin brach Apple erstmals mit seiner Tradition, Produktneuheiten im Herbst vorzustellen. Im kleineren Rahmen als sonst üblich - denn für die großen Ankündigungen ist das Moscone Center in San Francisco seit jeher die erste Wahl - präsentierte der Hersteller mit dem iPhone SE einen Nachfolger des iPhone 5s, der die Technik der neueren Modelle in einer kleineren Hosentaschenvariante verpackt. Darüber hinaus gab es eine "geschrumpfte" Version des iPad Pro zu sehen, die dem größeren Bruder bis auf die Größe in kaum etwas nachsteht.

Interessant gewählter Präsentationstermin

Die Entscheidung "außer der Reihe" zu einer Produktpräsentation einzuladen, kam sicherlich nicht von ungefähr. Ein erster Hinweis, für den interessant gewählten Zeitpunkt, ließ sich aus den Eingangsworten von Tom Cook heraushören. In seiner Keynote sprach er den Rechtsstreit mit dem FBI und der US-Regierung an - am folgenden Tag sollte in dem Verfahren um das Entsperren des iPhones eines toten Attentäters in Kalifornien eine wichtige Anhörung stattfinden.

Der Hintergrund: Apple war von einer Richterin angewiesen worden, dem FBI dabei zu helfen, ein iPhone 5c aufzuknacken. Die Bundespolizei verlangte, der Konzern solle eine Software schreiben, die es den Ermittlern erlaubt, beliebig viele Passwörter durchzuprobieren, ohne dass sich der Inhalt des Telefons automatisch löscht.

Apple sträubte sich gegen dieses „Regierungs-Betriebssystem“ und argumentierte, eine solche Lücke auch nur für ein Telefon zu entwickeln, würde die Sicherheit für alle senken. Außerdem fürchtet der Konzern, dass ein Präzedenzfall ähnlichen Anfragen Tür und Tor öffnen würde.

Die neuen Produkte gaben dem Konzern die Chance, die Öffentlichkeit vor der Dienstagsanhörung daran zu erinnern, dass Apple mehr als nur Debatten um Verschlüsselung und nationale Sicherheit produziert.

Das iPhone SE

Die iPad-Familie
Die iPad-Familie (Bild: Apple)

Das iPhone SE mit 4-Zoll-Display erinnert von der Optik stark an das iPhone 5s. Im Inneren steckt jedoch weitgehend die Technik des neuesten iPhone 6s: Der schnellere A9-Prozessor, eine 12-Megapixel-Kamera, ein NFC-Chip unter anderem für Bezahldienste wie Apple Pay. Allerdings fehlt die Funktion "3D Touch", bei der ein kräftigerer Druck auf das Display wie eine Art rechter Mausklick auf dem PC funktioniert.

Das SE soll zum gleichen Preis den Platz des iPhone 5s einnehmen, das Apple in Deutschland aktuell ab gut 500 Euro verkauft.

Verkaufs-Rückgang kontern

Mit dem Gerät vollzieht Apple eine gewisse Strategiewende: Es ist das erste "Einsteigermodell", das einen Großteil der Technik der aktuellen iPhone-Generation enthält. Bislang neigte Apple eher dazu, ein Modell der vorherigen Generation zu günstigeren Preisen im Markt zu lassen. Ein halbe Ausnahme war das nach einem Jahr wieder eingestellte iPhone 5c – auch das hatte zwar ein neues Plastikgehäuse, enthielt aber die Technik eines Vorjahresmodells.

Das iPhone SE kommt zum Ende eines Quartals, in dem Analysten mit dem ersten Rückgang an iPhone-Verkäufen seit dem Start 2007 rechnen. Das mag der Fixierung des Konzerns auf teure Modelle geschuldet sein, während der Umstieg auf Smartphones verstärkt die Entwicklungsländer erreicht. Dort sind zumindest zunächst günstige Geräte gefragt. Aber die Strategie, sich aus dem Billigmarkt herauszuhalten, sorgt für einen Milliardengewinn nach dem anderen. Und zum Beispiel in China behielt Konzernchef Tim Cook mit seinem langen Atem recht: Die Kunden kamen zu Apple als sie sich ein iPhone leisten konnten.

Neues iPad Pro soll Windows-PC-Nutzer zum Umstieg bewegen

Mit dem Tablet-Markt hat Apple deutlich weniger Freude. Die iPad-Verkäufe schwächeln schon seit rund zwei Jahren – das wiederum zieht den gesamten Markt nach unten. Selbst das vor allem auf professionelle Nutzer ausgerichtete iPad Pro konnte in seinen ersten Monaten Ende vergangenen Jahres den Absatz nicht groß stimulieren.Mit dem neu vorgestellten iPad-Tablet bringt Apple nunmehr die Technik des neuen Modells in die Standard-Größe mit 9,7-Zoll-Display, in der zuletzt das iPad Air 2 im Herbst 2014 auf den Markt gebracht wurde.

In Deutschland soll das kleinere iPad Pro für 689 Euro angeboten werden, dafür aber gleich bei 32 Gigabyte Speicher statt der bisherigen 16 GB starten. Apple knausert nach wie vor mit dem Speichervolumen bei den Einstiegsversionen – was viele Käufer dazu verleitet, dann doch für mehr Speicher tiefer in die Tasche zu greifen. Die 9,7-Zoll-Version unterstützt wie das große iPad Pro den neuen Apple-Stift und ist ebenso mit vier Lautsprecher in den Ecken und dem Anschluss für eine Andock-Tastatur ausgestattet.

Neue Armbänder anstelle neuer Uhr

Als Bonus stellte Apple auf dem Event einige neue Armbänder für die Apple Watch vor – allerdings keine neue Version der vor einem Jahr auf den Markt gebrachten Computer-Uhr. Auf diese hatte es zuletzt einige auffällige Rabattaktionen gegeben, was bei einigen Beobachtern die Hoffnung genährt hatte, dass Tim Cook vielleicht doch noch eine große Überraschung aus dem Hut zaubern würde. Diese beschränkte sich letztlich allerdings nur auf den Preis, der bei den Apple Watch Sport-Modellen um jeweils 50 Euro gesenkt wurde.

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