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Tape-basierter S3-Object-Storage Neues Konzept zur Speicherung inaktiver Daten

Autor / Redakteur: Thomas Thalmann* / Dr. Jürgen Ehneß

Auch wenn die Tape-Technologie für viele nicht mehr zeitgemäß erscheint und Tape-basierte Speichersysteme oft durch festplattenbasierte Systeme ersetzt wurden, ist ein neuer Trend erkennbar.

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Bietet Vorteile: die Einbindung von Tape in die Storage-Strategie.
Bietet Vorteile: die Einbindung von Tape in die Storage-Strategie.
(Bild: © kubais - stock.adobe.com)

Das enorme Wachstum unstrukturierter Daten, die Gefahren durch Ransomware, Archivierungsanforderungen und die Sicherung von Cloud-Daten sind nur einige Aspekte, die dazu führen werden, dass die Tape-Technologie zukünftig eine bedeutendere Rolle spielen wird. Der Grund ist einfach: In absehbarer Zeit kann nur die Tape-Technologie die auf uns zukommenden Datenmengen zu vertretbaren Kosten, mit ausreichender Geschwindigkeit und mit geringem Energieaufwand speichern. Die Technologie ist standardisiert und bietet durch „Air Gap“ und Medienbruch zusätzliche Sicherheit.

Integration von Tape Libraries als Object Storage

Es stellt aber eine besondere Herausforderung dar, Tape Libraries in Speicherinfrastrukturen zu integrieren und dabei die spezifischen Vorteile von Tapes auszunutzen, ohne damit Insellösungen zu schaffen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Einbindung von Tape Libraries als objektbasiertes Speichersystem mit einer standardisierten Amazon-S3-Schnittstelle. Das S3 API bietet die Voraussetzung, um sehr große Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit auf viele Tape-Laufwerke gleichzeitig zu schreiben und davon zu lesen.

Dafür ist eine Management-Software notwendig, die die Funktionalität eines Object Storage bietet und weitere wichtige Eigenschaften mitbringen muss. Sie muss zum Beispiel hoch skalierbar sein, um die Performance und die Verfügbarkeitsanforderungen erfüllen zu können. Weiterhin sollte die Software Erasure-Coding-Verfahren für Tapes unterstützen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Ein hochperformanter S3-Service sowie Funktionen wie Object-Versionierung, Self-Monitoring und User-Management dürfen auch nicht fehlen. Diese Anforderungen erfüllt beispielsweise die Lösung PoINT Archival Gateway.

Die Use Cases

Die Anwendungsmöglichkeiten für einen Tape-basierten S3-Object-Storage sind vielfältig. Benutzer und Applikationen können die standardisierte S3-Schnittstelle direkt nutzen, um Daten für Archivierungszwecke langfristig auf Tapes zu speichern. Die Management-Software sorgt für WORM-Schutz und bietet ein Retention Management zur Erfüllung von Compliance-Anforderungen.

Integration von Tape-Technologie und S3-Cloud am Beispiel PoINT Archival Gateway.
Integration von Tape-Technologie und S3-Cloud am Beispiel PoINT Archival Gateway.
(Bild: PoINT Software)

In Verbindung mit einer dateibasierten HSM/ILM-Lösung kann der Tape-basierte S3-Object-Storage ideal als Archive Tier eingebunden werden. Inaktive Dateien, die teuren Primärspeicherplatz verschwenden, werden von der HSM/ILM-Software automatisiert auf Tape ausgelagert und archiviert. Dieser Ansatz spart Geld auf der Ebene der Primärspeicher und erfüllt gleichzeitig Archivierungsanforderungen.

Mittlerweile bieten auch viele festplattenbasierte Object-Storage-Produkte ILM-Funktionen an, um inaktive Objekte auszulagern. In der Regel geschieht dies über eine S3-Schnittstelle, so dass ein Tape-basierter S3-Object-Storage perfekt angebunden werden kann. Bei Datenmengen im Petabyte-Bereich, die im Object-Storage-Umfeld üblich sind, besteht durch die Auslagerung auf Tape ein enormes Einsparpotential. Dieser Ansatz mit zwei Speicherklassen wird auch von großen Cloud-Hyperscalern wie Microsoft Azure verfolgt.

Über die standardisierte S3-Schnittstelle ist die Integration von Tape Libraries für viele Anwendungen einfach zu realisieren.
Über die standardisierte S3-Schnittstelle ist die Integration von Tape Libraries für viele Anwendungen einfach zu realisieren.
(Bild: PoINT Software)

Ein weiterer Einsatzzweck, der vielfach noch unterschätzt wird, ist die Sicherung von Daten, die in der Cloud oder auf einem On-Prem-Object-Storage liegen. Dabei ist nicht Cloud-Storage als Ziel für ein Backup gemeint, sondern ein Backup der aktiven Daten, die in einem Cloud-Storage oder On-Prem-Object-Storage liegen. Viele Unternehmen nutzen Angebote von Cloud-Providern und lagern ihre Daten in die Cloud aus, um Kosten zu sparen. Allerdings entbindet sie das nicht von ihrer Verantwortung für das Backup ihrer Daten. Es hat bereits Fälle gegeben, in denen Cloud-Provider Kundendaten verloren haben und auch nicht wiederherstellen konnten.

Auch sind Cloud-Provider nicht unverwundbar gegen Ransomware. Ein Tape-basierter S3-Object-Storage kann eine native, kostengünstige und lokale Replikation der Objekte erstellen, die in der Public oder Private Cloud liegen. Ein wesentlicher Vorteil dabei ist, dass auf die gesicherten Daten direkt über das S3-Interface der Lösung zugegriffen werden kann. Ein aufwändiger Restore-Prozess ist nicht notwendig.

Zukunftssichere Storage-Konzepte mit Tape

Ein objektbasiertes Speichersystem auf Basis von Tapes als Speichermedium mit einer standardisierten S3-Schnittstelle kombiniert die Vorteile der Tape-Technologie (geringer Energieverbrauch, hohe Kapazität, Medienbruch et cetera) mit den funktionalen Möglichkeiten einer objektorientierten Datenspeicherung (Skalierbarkeit, Verfügbarkeit, Performance, Sicherheit und so weiter). Mit diesem Ansatz lassen sich viele zukünftige Herausforderungen im Storage-Bereich bewältigen.

*Der Autor: Thomas Thalmann, Geschäftsführer PoINT Software

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