Mit wenigen Klicks von einer Cloud zur anderen Nutanix und die Multi-Cloud

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Ulrike Ostler

Die Multi-Cloud soll der Wahlfreiheit des Cloud-Nutzers dienen. Doch ob eine Kombination aus Private und mehreren Public Clouds dies leisten kann, ohne noch mehr Komplexität zu erzeugen, ist noch zu beweisen. Der HCI-Anbieter Nutanix will sich als ehrlicher Makler dafür einsetzen.

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Nutanix-Manager Goldbrunner: „Bei Nutanix muss man die Architektur nicht ändern, sondern bloß die Einstellungen für die neue Plattform.“
Nutanix-Manager Goldbrunner: „Bei Nutanix muss man die Architektur nicht ändern, sondern bloß die Einstellungen für die neue Plattform.“
(Bild: FelixMittermeier auf Pixabay)

Ob die Multi-Cloud wirklich schon ein erfolgreiches Betriebsmodell oder nur ein weiteres Cloud-Computing-Modell ist, kann Peter Goldbrunner, Country Manager Deutschland und Österreich Sales bei Nutanix, noch nicht sagen. Klar ist für ihn, dass sich die Hybrid Cloud durchgesetzt hat. In einer fokussierten Stellung sieht Goldbrunner seine HCI-Plattform als Brücke zwischen dem lokalen Rechenzentrum des Kunden und den Ressourcen der Public Cloud.

Peter Goldbrunner ist Country Manager für Deutschland und Österreich sowie Vice President Sales bei Nutanix.
Peter Goldbrunner ist Country Manager für Deutschland und Österreich sowie Vice President Sales bei Nutanix.
(Bild: Nutanix)

„Nutanix stellt eine HCI mit Compute, Hypervisor, Storage, Virtualisierung bereit, damit Kunden aus ihrem Rechenzentrum in ihrem Rechenzentrum eine Private Cloud machen“, erläutert Goldbrunner. Seine HCI ist reine Software, denn die x86-Hardware, wie etwa Bare-Metal-Server, kommt von zertifizierten Partnern. Dazu zählen Dell, HPE, Lenovo, Fujitsu und Supermicro.

Diese Partner hätten ihre Modellbezeichnungen und Produkte entsprechend auf Nutanix ausgerichtet. So gebe es für und von Nutanix zertifizierte Modelllinien von Dell („XC“), HPE („DX“), Lenovo („HX“) und Fujitsu („XF“). Außerdem sei Nutanix mit vielen weiteren Hardware-Plattformen kompatibel, die in Hardware-Kompatibilitätslisten aufgeführt seien. „Wir haben aber mit der Hardware rein gar nichts zu tun“, betont Goldbrunner, „denn wir liefern nur die Software.“

Fragen der Lizenzierung

Der Verdacht könnte aufkommen, dass die Hardware eine Stolperfalle darstellen könnte. Das ist aber nicht der Fall, denn der Channel-basierte Vertrieb durch Partner achtet darauf, keine Kunden zu verprellen. „Der Nutanix-Kunde hat völlige Wahlfreiheit und kann seine Lizenz von Hardware-Plattform zu Hardware-Plattform ohne Änderungen mitnehmen.“ Außer bei OEM-Produkten, weil die OEMs andere Lizenzen haben.

Nur auf dieser Ebene gebe es Unterschiede, bei der Software aber nicht. Dafür würden die OEMs die Nutanix-Software mit ihren Produkten verschmelzen und so Lösungen mit unterschiedlichen Funktionsumfängen und Serviceleistungen zur Verfügung stellen, was ihnen die Möglichkeit zur Differenzierung gebe.

Der erste Schritt in die Multi-Cloud besteht für den Kunden in der Umwandlung der lokalen IT in eine Private Cloud. Allein dies ist Goldbrunner zufolge bereits ein bedeutender und aufwändiger Schritt, denn dabei werden alle IT-Ressourcen unter ein Dach gebracht und alle Abläufe auf Automation getrimmt. „Nun ändert sich auf einmal die Rolle der IT-Abteilung“, so der Sales-Leiter: „Die IT-Abteilung verwaltet die private Cloud und wird zum Geschäftspartner der Geschäftsleitung.“

Eine Brücke

Nutanix hilft Unternehmen laut Goldbrunner, eine Brücke zwischen Private Cloud und Public Cloud zu bauen. „Mit wenigen Mausklicks kommt der Kunde in die Public Cloud“, so der Manager. Und für den Admin sei der Übergang nicht ersichtlich. „Der Wechsel zwischen den Public-Cloud-Providern ist relativ einfach, ebenso der Weg zurück in die Private Cloud.“

Durch das jederzeitige und überall geltende Kündigungsrecht habe der Kunde stets die gewünschte Wahlfreiheit und könne natürlich auch eine Multi-Cloud für seinen verschiedenen Workloads realisieren. „Das ist das Betriebsmodell der Zukunft, das jedes Unternehmen auf individuelle Weise nutzen wird. Dort tut sich für unsere Channel-Partner-Community ein großer Markt auf.“

Für Nutanix habe Priorität, dass der individuelle Infrastruktur-Stack des Kunden inklusive Automatisierung mobil und übertragbar sein könne. Dies müssen die x86-Instanzen aus der Public Cloud abdecken, vor allem für Infrastruktur auf Bare Metal, genau wie Nutanix. Für den Kunden sollen keine Mehrkosten bei den beiden Betriebsmodellen entstehen.

Kein Limit für die Wahlfreiheit

Diese Wahlfreiheit hinsichtlich der Infrastrukturarchitektur sei für IT-Leiter beim Argumentieren gegenüber der Geschäftsleitung sehr wichtig: „Wenn wir wollen würden, könnten wir morgen alles, was wir in der Private Cloud haben, ohne Änderungen in der Public Cloud betreiben.“

Dieses Argument führe dazu, dass die Firmen statt potentieller Schritte in die Public Cloud erst einmal die Umwandlung in eine Private Cloud im Rechenzentrum starteten und angingen. So könnten die Kunden erst einmal testen und proben, wie ihre IT als Private Cloud funktioniere, statt sich eine Schatten-IT von Services aus der Public Cloud ins Haus zu holen.

Der Nutanix-Stack.
Der Nutanix-Stack.
(Bild: Nutanix)

Die „Smart Cloud“, wie Mirko Casarico, der Schweizer Senior Sales Manager bei Nutanix, die hybride Enterprise Cloud nennt, „bringt den Kunden Autonomie hinsichtlich der Ausführung von Workloads.“ Aber was ist die optimale Ausführungsumgebung für die jeweilige Workload?

Eine neue Form des „best of breed“

Der Kunde müsse entscheiden, was für ihn die geschäftskritischen Workloads seien. Dafür sei eine Software-definierte Architektur ebenso erforderlich wie die Erfassung und Überwachung von KPIs. Die Hardware und das Betriebsmodell seien hingegen Commodity.

Wie sich die jeweiligen Kosten einer Workload-Ausführungsumgebung berechnen lassen, kann Goldbrunner eindeutig beantworten: „Wir haben dafür ein erprobtes Berechnungswerkzeug, das auch unsere Partner einsetzen, um Kosten der Private Cloud (also Nutanix) mit denen der Services einer Public Cloud zu vergleichen. Dieses Tool greift auf Konnektoren zurück, die in der Public Cloud angeboten werden.“

„Und damit können wir dem Kunden die entsprechenden Anzeigen liefern“, so Goldbrunner weiter. „Der Nutzer sieht in der Benutzeroberfläche sofort, ob er beispielsweise mehr Public Cloud nutzt, als er dachte.“ Das Tool helfe ihm bei der Entscheidungsfindung. Ein Partner oder ein Berater könnten auch Szenarien hinsichtlich der Kostenentwicklung durchspielen.

Zwischen den Stühlen

Nutanix muss als Brückenbauer eine Position zwischen Kunden und Public-Cloud-Providern verteidigen. Die Position hält einige Herausforderungen bereit, die sich stetig ändern. „Die Hyperscaler nehmen Workloads aus den Rechenzentren weg, und neue Workloads beziehungsweise künftige Applikationen laufen gar nicht mehr im lokalen Rechenzentrum“, berichtet Goldbrunner. „Wir sind insofern davon betroffen, weil wir ja ein Rechenzentrum in eine Private Cloud umwandeln. Je mehr Workloads also weggehen, desto schlechter ist das vermeintlich für einen Anbieter wie Nutanix.“

Vermeintlich – denn dem Kunden könne es egal sein, wo Nutanix ausgeführt werde. Für den Admin sei es nicht einmal ersichtlich, ob „das Blech“ im eigenen Rechenzentrum oder bei AWS stehe. „Insofern ist Nutanix eine Brücke zwischen zwei Betriebsmodellen, von A nach B und zurück“, resümiert der Manager.

Nutanix als Plattform für Multi-Cloud-Computing.
Nutanix als Plattform für Multi-Cloud-Computing.
(Bild: Nutanix)

Aber nicht alle Hyperscaler sind gleich geschaffen. Die Funktionalität der Public Cloud bietet Nutanix schon länger für AWS an. „Hinsichtlich Azure ist der Support angekündigt, und wir haben Kunden im Beta-Programm“, erläutert Goldbrunner. Jeder Provider habe einen anderen Ansatz, was Bare Metal anbelange. Bei AWS sei es „S3“, bei Azure seien es so genannte „Cages“. Der Kunde solle davon jedoch nichts mitbekommen. Das erledige Nutanix.

Wie immer bei Migrationen gibt es jedoch Caveats zu beachten. „Bei Themen wie Backup/DR, die nichts mit Nutanix zu tun haben, muss der Channel-Partner Anpassungen vornehmen“, so Goldbrunner. „Bei Nutanix muss man die Architektur nicht ändern, sondern bloß die Einstellungen für die neue Plattform.“

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