Neue Ära der Mix-and-Match-Datenplattformen Open-Source-Datenbanken auf dem Vormarsch

Autor / Redakteur: Kevin Kline* / Dr. Jürgen Ehneß

Technikexperten müssen tagtäglich die richtige Balance zwischen Produktivität, Kosten und Komplexität finden. Auch die Umstellung auf die Remote-Arbeit, die steigende Nachfrage bei der Datenverarbeitung, die DSGVO-Verordnung und das ständig wachsende Datenvolumen machen die Dinge zusätzlich kompliziert. Dazu kommen die Realität der hybriden IT und die steigende Zahl der Datenbanken, die Technikexperten managen müssen.

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Open-Source-Datenbanken werden immer häufiger genutzt. Auf sie zu setzen, will wohlüberlegt sein.
Open-Source-Datenbanken werden immer häufiger genutzt. Auf sie zu setzen, will wohlüberlegt sein.
(Bild: © marrakeshh - stock.adobe.com)

Wer mit Datenbankplattformen arbeitet, steht durch die zunehmende Verbreitung von Open-Source-Datenbanken vor einer noch größeren Herausforderung. Fast ein Drittel der im letzten SolarWinds Query Report befragten Technikexperten gab an, in ihrem Unternehmen mehr als 300 Datenbanken zu verwalten. Dabei gilt laut den meisten der Befragten mindestens die Hälfte der Datenbanken ihres Unternehmens als entscheidend für den Unternehmenserfolg.

Die meisten Unternehmen arbeiten mit einer Vielzahl von Datenbankplattformen gleichzeitig. Diese wachsende Vielfalt bei sinkender Markentreue wird dadurch vorangetrieben, dass die IT-Verantwortlichen Anwendungen in einem immer schnelleren Tempo bereitstellen müssen. Entsprechend entscheiden sich viele IT-Teams in Unternehmen für den Kauf von Anwendungen, statt sie selbst zu entwickeln. Diese Drittanbieteranwendungen werden häufig mit einer bevorzugten Datenplattform bereitgestellt, die relational oder nicht-relational (die sogenannten NoSQL-Datenplattformen), vollständig quelloffen oder kommerziell sein kann.

Bisher sind kommerzielle Plattformen besonders bei geschäftskritischen Anwendungen noch in der Überzahl, doch Open-Source-Datenbanken sind auf dem Vormarsch. Lange waren nur wenige IT-Teams in Unternehmen bereit, ihre internen Systeme eventuellen Risiken auszusetzen, indem sie eine Open-Source-Datenplattform oder ein Datenbankmanagementsystem von einem noch jungen Start-up nutzten. Doch diese Zeiten sind vorbei, und wir stehen am Anfang einer neuen Ära der Mix-and-Match-Datenplattformen. Allerdings gibt es ein paar wichtige Faktoren zu beachten.

Gratis ist immer am besten – oder doch nicht?

Open-Source-Datenbanken haben zahlreiche Vorteile, und der größte davon liegt auf der Hand: Sie sind kostenlos oder zumindest sehr günstig. Im Gegensatz zu den (oft hohen) Lizenzgebühren kommerzieller Software gibt es hier keine Vertragszahlungen, die das IT-Budget belasten. Diese Einsparungen bieten IT-Abteilungen eine enorme Flexibilität, zu experimentieren und die Dinge so schnell wieder zu verändern, wie der Markt es verlangt.

Da die Open-Source-Community keine Lizenzen gegen Gebühren vergibt, haben kleine Unternehmen den gleichen Zugang zu innovativen Funktionen wie multinationale Großkonzerne. Start-ups und andere kleine Unternehmen haben dabei möglicherweise einen Vorteil gegenüber größeren Unternehmen: Sie treffen Entscheidungen meist schneller, da weniger Managementebenen am Prozess der Priorisierung und Entscheidungsfindung beteiligt sind.

Bislang zögerten börsennotierte Unternehmen trotz der Einsparungen bei den Lizenzgebühren, Open-Source-Datenbankplattformen einzusetzen. Grund dafür sind meist Sorgen um rechtliche Konsequenzen und Fragen der Verantwortlichkeit: Wer löst das Problem, wenn etwas schiefgeht? Muss man dann darauf warten, dass ein Freiwilliger am anderen Ende der Welt einen Patch bereitstellt?

Kosten-Nutzen-Rechnung

Ob man Open-Source-Lösungen nutzen sollte oder nicht, hängt von einer individuellen Kosten-Nutzen-Rechnung ab. Großunternehmen entscheiden sich möglicherweise für ein kommerzielles Tool, das ihnen durch seine Effizienz und den schnell verfügbaren Support jedes Jahr Tausende Euro spart. Selbst sechsstellige Lizenzgebühren wirken nicht zu hoch, wenn dafür alles einfach reibungslos funktioniert. Und wenn das nicht der Fall ist, ist die Problemlösung im Vertrag bereits inbegriffen.

Andere Unternehmen bevorzugen kostengünstige Datenbankplattformen und sind im Gegenzug bereit, auch mit Plattformen zu arbeiten, die im Vergleich zu kommerziellen Lösungen weniger ausgereift sein können. Manche IT-Teams entscheiden sich dafür, nur die gängigsten und bewährten Funktionen einer Open-Source-Datenbankplattform zu nutzen, um das Risiko zu reduzieren. Außerdem ist es möglich, Verträge mit kommerziellen Unternehmen wie Red Hat, Debian oder Percona abzuschließen, die viele der Bugs und Probleme bewältigen, die in Open-Source-Datenbankplattformen auftreten können.

Dem SolarWinds Query Report zufolge nutzen aktuell bereits 43 Prozent der Technikexperten MySQL oder MariaDB. Weitere 18 Prozent gaben an, dass sie planen, MySQL, MariaDB oder eine andere Open-Source-Datenbankplattform innerhalb der nächsten drei Jahre einzuführen.

Die Kehrseite betrachten

Bevor man jedoch Open-Source-Neuland betritt, sollte man auch die Kehrseite betrachten: Open-Source-Plattformen sind oft weniger ausgereift und noch nicht sehr lange am Markt. Daher könnten Möglichkeiten zur Unterstützung anderer Tools fehlen, die in kommerziellen Datenbankplattformen als selbstverständlich gelten. Open-Source-Plattformen erfordern oft technisches Know-how, wenn man mehr als nur die Grundfunktionen nutzen und sie an die eigenen Wünsche anpassen möchte. Auch wenn viele mit Open-Source-Plattformen vertraut sind (beispielsweise aus Ausbildung und Studium), kann dies ein Nachteil für kleine und mittlere Unternehmen sein, die einen starken Support benötigen.

Gleichzeitig möchten viele Unternehmen Open-Source-Datenbanken für grundlegende Datenbankanwendungen nutzen oder wiegen zumindest die Vor- und Nachteile ab, wenn sie bereits über praktische Erfahrung mit dem Datenbankmanagement verfügen. Letztlich entscheiden sich viele Unternehmen dafür, auf bessere Tools zu warten, bevor sie mit der Einführung einer Open-Source-Datenbankplattform beginnen.

Der erste Schritt: Die eigenen Optionen prüfen

Vor dem Start mit Open-Source-Datenbanken sollten Datenbankexperten analysieren, warum und wann diese Plattformen für ihr Unternehmen am sinnvollsten sind. Viele konzentrieren sich bei diesen ersten Überlegungen ausschließlich auf die Leistung und die Workload-Kapazität der Plattform. Doch das reicht nicht aus. Neben der Leistung sollte man besonders auch die Bereiche Sicherheit und Compliance berücksichtigen, und gegebenenfalls Kosten und Lizenzierung. Die neuen Datenschutzverordnungen sind streng, und die Sicherheit sollte nie an zweiter Stelle kommen.

Zugegebenermaßen ist es fast unmöglich, die nötige Zeit für diese Recherchen aufzuwenden. Denn sehr viele Datenbanken am Laufen zu halten und die immer wieder aufkommenden Probleme zu beheben, ist bereits ein Vollzeitjob. Auch laut dem SolarWinds Query Report nehmen Wartungsarbeiten einen erheblichen Teil des Arbeitstags von Datenbankexperten in Anspruch: Ein Drittel der befragten Technikexperten gab an, einen Großteil des Tages mit Wartungsarbeiten zu verbringen. Dadurch bleibt natürlich weniger Zeit für Recherchen zu Open-Source-Datenbankplattformen übrig – oder überhaupt für Analysen, die zu Produktivitätssteigerungen und Kosteneinsparungen führen könnten.

Mit einem Monitoring-Mindset Zeit sparen

Durch die Einführung geeigneter Automatisierungs- und Monitoring-Tools können Technikexperten bei der Wartung Zeit sparen. Datenbankmonitoring-Tools können Probleme vorhersehen, bevor sie kritisch werden, und in Echtzeit auf verschiedene Warnungen reagieren. Die Automatisierung sorgt gleichzeitig dafür, dass mehr Zeit für das proaktive Datenbankleistungsmanagement übrigbleibt. Monitoring-Tools können im Hintergrund aktiv sein, während Datenbankexperten sich weiterbilden, Open-Source-Optionen in Augenschein nehmen und ihre Fähigkeiten zum Verwalten zahlreicher Datenbanken weiterentwickeln.

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Unternehmen mit einem Monitoring-Mindset deutlich erfolgreicher sind als andere. Wenn Top-Unternehmen eine neue Datenbankplattform einführen, tun sie dies nicht, ohne gleichzeitig Monitoring-Maßnahmen mit umzusetzen, die dafür sorgen, dass nichts unbemerkt schiefgeht. Damit stellen sie sicher, dass die Plattform nicht plötzlich alle Verarbeitungszyklen auf einem bestimmten Server belegt. Angesichts der wachsenden Auslastung von Technikexperten ist das eine große Hilfe.

Gleichzeitig werden in diesen Unternehmen niemals überstürzte Entscheidungen aufgrund von Firmenpolitik getroffen, wenn es um die Einführung von neuen Praktiken und Prozessen geht. Denn bevor man sich dafür entscheidet, eine Open-Source-Datenbankplattform einzusetzen, sollte man bedenken, dass eine Fehlentscheidung ernsthafte Auswirkungen haben kann. Wenn man eine neue Datenbankplattform bereitstellt, sollte man den Bereitstellungsregeln klare Geschäftsziele und nicht auf Firmenpolitik zugrunde legen.

Fazit

Wer noch nicht damit begonnen hat, sich mit Open-Source-Datenbankplattformen zu beschäftigen, sollte jetzt proaktiv werden. Denn früher oder später wird der Zeitpunkt kommen, zu dem jeder in der IT mit einer Open-Source-Datenbankplattform arbeiten muss. Das Umfeld verbessert sich, und sobald die Grundlagen geschaffen sind, folgen auch gute Tools.

*Der Autor: Kevin Kline, Head Geek, SolarWinds

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