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Offene Kompatibilitätsprüfung versus geschützte Zertifizierung

OpenStack hat das Potential Source-Vendor-Certifications zu sprengen

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Wir verstehen, dass Sie von der Initiative zur offenen Kompatibilitätsprüfung bei OpenStack ziemlich fasziniert sind. Erzählen Sie mir, worum geht es dabei und warum ist es wichtig.

Renski: Natürlich. Historisch gesehen, haben die meisten großen Open-Source-Communities, wie Linux oder Apache Hadoop die Prüf- und Zertifizierungsaufgabe an nachgeschaltete Distributionsanbieter delegiert. Red Hat, zum Beispiel, hat eine riesige Anzahl an Partnern, die ihre Softwarelösungen nach Red Hat Linux zertifizieren. Cloudera macht das gleiche für Hadoop. Diese Zertifizierungsprogramme sind Eigentum eines Anbieters, der für die Zertifizierung verantwortlich ist, und aus Kundensicht herrscht wenig Transparenz bei dem, was sich hinter den Kulissen abspielt. Einige Anbieter führen tatsächlich gründliche Kompatibilitätsprüfungen durch. Andere unterzeichnen vielleicht nur ein Papier und geben Pressemitteilungen über eine Partnerschaft heraus.

Dass jeder Distributionsanbieter sein eigenes Zertifizierungsprogramm unterhielt, war vielleicht vor 15 Jahren angebracht, als das Internet sich etablierte und Tools für gemeinschaftliche Software-Entwicklung (wie Bug-Tracking-Systeme, Peer-Review-Systeme und CI-Tools) noch in den Kinderschuhen steckten. Heute jedoch, wo es um Open-Source-Stacks geht, gibt es kaum einen anderen Grund, eigene Zertifizierungsverfahren zu fahren, als den, Kundenbindung zu schaffen.

Um das anzugehen, baut die OpenStack-Community heute ein offenes Verfahren zur Prüfung der Anbieter-Kompatibilität auf, das, wie ich glaube, die traditionellen, geschlossenen Zertifizierungsmodelle sprengen wird. Die Community hat ein standardisiertes Tool-Set für Kompatibilitätsprüfungen geschaffen. Wenn ich, sagen wir mal, ein Anbieter für Speicherlösungen bin, kann ich diese Tools in meinem internen Labor anwenden, an vorgeschaltete OpenStack CI-System anbinden und, was am wichtigsten ist, ich kann die Ergebnisse dieser Kompatibilitätsprüfungen über ein interaktives Dashboard, das der Öffentlichkeit zugänglich ist, bekannt machen. Das verschafft allen ein objektives und genaues Bild davon, wie gut meine Speicherstruktur mit einer bestimmten Version von OpenStack funktioniert.

In Ihrem Blog scheinen Sie anzudeuten, dass das traditionelle Modell der Anbieterzertifizierung, das jahrelang verwendet wurde, etwas fehlerbehaftet ist. Können Sie dazu mehr sagen?

Renski: Das Problem mit geschützten Zertifizierungen ist, dass sie anfällig für die Strategie des Anbieters sind. Lassen Sie mich das erklären. Sagen wir, im Sinne eines hypothetischen Beispiels, ich bin ein Linux Distributionsanbieter, wie Red Hat, Canonical oder Duse - die alle OpenStack-Befürworter sind - und ich möchte nicht, dass ein kleiner Anbieter, wie Inktank oder Midokura, auf meiner Linux-Distribution läuft, weil das dazu führt, dass ein anderes Produkt in meinem Unternehmensportfolio darunter leidet. Was würde ich tun? Ich kann sagen, dass ich sie auf meiner Plattform nicht zertifizieren oder unterstützen werde. Folglich wird ein Kunde, der eine bestimmte Plattform betreibt, nicht mehr in der Lage sein, die Vorteile der Innovation zu nutzen, die von den kleineren Typen kam, einfach, weil die größeren ein widersprüchliches Programm haben. Ich beschuldige niemanden im heutigen OpenStack-Ökosystem, aber historisch gesehen, ist dies links und rechts in der IT-Branche geschehen und war der Grund für viele Konflikte, wie bei der berühmten Microsoft/Netscape-Story. Wir von Mirantis glauben, dass es bei der wichtigsten OpenStack-Mission nicht nur um die Software geht, die die Community erstellt, sondern um die Welle der Infrastruktur-Kommerzialisierung, die OpenStack erzeugt hat. Daher ist das Community-gestützte, offene Prüfverfahren für die Umsetzung dieser Mission entscheidend.

Glauben Sie, dass eine OpenStack-Community, die auf dem Weg zur Kommerzialisierung der Anbieter ist, die sie unterstützen, ein gefährlicher Trend ist? Einige der OpenStack-Befürworter könnten dadurch ausgeschaltet werden.

Renski: Ich glaube, die meisten Anbieter sollten heute verstehen, dass die Welle „des Offenen“ in der Infrastruktur-Branche über reines OpenStack hinausgeht. Eigentlich reitet OpenStack nur auf der „offenen Welle“, die es bereits gibt. Wir erleben angrenzende Initiativen, wie Open Compute, Open Daylight usw., die richtig Fahrt aufnehmen. Letzten Endes bedeutet dies, dass alles, was von einem offenen Modell profitieren kann (nicht nur Software), letztlich auf diese Art erfolgt, einschließlich Zertifizierungen, Hardware, Datencenter-Struktur, vielleicht Schulung usw. Das passiert, egal, ob OpenStack dies fördert. Deshalb müssen Anbieter, die von dieser offenen Kommerzialisierungswelle betroffen sind, diese entweder übernehmen, auf ein anderes Geschäftsmodell umsteigen oder untergehen…OpenStack nicht zu unterstützen, weil ihr Geschäftsmodell nicht differenziert genug ist, um der „offenen Welle“ standzuhalten, wird keines ihrer Probleme lösen.

Ist es nur Mirantis, die dies vorantreiben? Wer unterstützt die Initiative bisher noch?

Renski: Die Initiative war nicht einmal unsere Idee. Das war eine Basisbewegung, die ein paar der führenden technischen Köpfe in der technischen OpenStack-Community initiiert haben. Wir hielten das für eine großartige Idee, die viele Probleme auf vielen Ebenen lösen kann, und haben die Ressourcen von Mirantis darauf verwendet, sie zu unterstützen.

An dieser Stelle habe ich mit so ziemlich allen OpenStack-Boardmitgliedern und Stiftungsmitarbeitern über die Initiative gesprochen und alle sind mit an Bord. Die technische Seite der Community ist dabei, denn dort hatte die Community überhaupt ihren Ursprung. Außerdem unterstützen mehrere Dutzend Speicher- und Netzwerkanbieter, einschließlich der großen, wie VMWare, HP, NetApp und Nutzer wie Yahoo, Dreamhost und AT&T das Ganze.

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