OpenStack Summit 2017 in Sydney

OpenStack überall: Was muss sich ändern, was bleiben?

| Autor: Ulrike Ostler

Seit heute läuft der 16. OpenStack-Summit. Austragungsort ist Sydney. Die Veranstalter zählen 2.300 Besucher.
Seit heute läuft der 16. OpenStack-Summit. Austragungsort ist Sydney. Die Veranstalter zählen 2.300 Besucher. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT_Medien GmbH)

Ja, OpenStack lebt - und gedeiht. Heute hat der 16. „OpenStack-Summit“ begonnen, der erste in Australien. Doch das ist nicht das einzige Novum, das die Foundation ganz seiner Konferenztradition folgend zu verkünden hat. Des Weiteren gibt es neue Zahlen zur OpenStack-Nutzung und die Ausrichtung der Konferenz zielt noch stärker auf die Anwender ab. Das zeigt sich in den Themen: Integration und Organisation drängen in den Vordergrund.

Hinter OpenStack steckt die größte Open-Source-Community, die es jemals gegeben hat und diese Power gilt es zu nutzen. So formuliert es in etwa Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation. Dass diese nach wie vor Innovationen hervorbringt, zeigt sich an neuen Projekten, Produkten und der Zahl der Contributer, die für die Projekte entwickeln.

Das offenbart nicht nur die jüngste Foundation-eigene Untersuchung, die die Anzahl der Mitglieder auf mehr als 82.000 aus 187 Ländern beziffert. Auch der aus der OpenStack-Nutzung generierte Umsatz steigt gemäß der jüngsten von der The 451 Group durchgeführten Untersuchung: Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von zirka 30 Prozent, soll dieser laut den Marktforschern im Jahr 2021 auf über 6 Milliarden Dollar klettern.

Regional gesehen wächst dabei der Anteil der Länder im asiatisch-pazifischen Raum stärker als im Rest der Welt. Das spiegelt sich auch in den Nominierungen für das beste OpenStack-Projekt wider, das auf jedem halbjährlich stattfindenden Summit ausgezeichnet wird: China Railway, China Union Pay, City Network und das Tencent „T-Stack“-Team. Gewonnen hat das T-Stack-Projekt, das hinter dem Aufbau einer Private Cloud für Tencent steckt, Anbieter der Produkte „WeChat“ und „QQ“ beispielsweise.

Die Herausforderungen für Tencent.
Die Herausforderungen für Tencent. (Bild: Ulrike Ostler)

Doch Tencent baut sein Portfolio stetig aus; so wollen immer mehr Kunden eine Hybrid-Cloud betreiben. T-Stack ergänzt das bisherige Public-Cloud-Angebot, das allerdings auch unter anderem auf OpenStack-Techniken beruht. Welche Größenordnungen solche Projekte erreichen, zeigt sich in Nutzerzahlen. So verwenden täglich rund 50 Millionen Händler WeChat, um mit ihren Kunden und Partnern zu kommunizieren; rund 200.000 Aufträge werden darüber eingefädelt.

Das Vorgehen von Tencent entspricht einem allgemeinen Trend, den eine von Suse in Auftrag gegebene Studie untermauert: Die Nutzung verschiedener Cloud-Typen, beziehungsweise einer Hybrid Cloud, ist weder eine Chimäre noch eine Zukunftsvision noch ein Übergangsstadium, sondern Fakt. Laut Untersuchung werden für geschäftskritische Arbeitslasten vor allem private Clouds (43 Prozent) und hybride Clouds (42 Prozent) genutzt.

Das Marktforschungsunternehmen The 451 Group nahm sich im August dieses Jahres die weitere Entwicklung des OpenStack-Markts vor. Das Ergebnis: Er wird wachsen - im Private-Cloud-Segment stärker als bislang erwartet. (Angaben in Millionen Dollar).
Das Marktforschungsunternehmen The 451 Group nahm sich im August dieses Jahres die weitere Entwicklung des OpenStack-Markts vor. Das Ergebnis: Er wird wachsen - im Private-Cloud-Segment stärker als bislang erwartet. (Angaben in Millionen Dollar). (Bild: The 451 Group August 2017)

In den kommenden zwei Jahren rechnen die Befragten mit weiterhin wachsender Cloud-Nutzung, und zwar vor allem bei hybriden (66 Prozent) und privaten Clouds (55 Prozent). 36 Prozent sehen aber ebenfalls auch einen Anstieg der öffentlichen Cloud.

Die Anwender verteilen ihre Lasten

Die Studie liefert auch gleich die Gründe mit. So würden 89 Prozent die Entwicklung am liebsten in der öffentlichen Cloud erledigen, ihre Produktion aber in die private Cloud verlagern - zu 63 Prozent aus Sicherheitsgründen, zu jeweils 52 Prozent wegen der Datenhoheit und der Leistung. Bei rund 30 Prozent spielen nach wie vor die Kosten eine Rolle.

Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, dass Adobe Systems ein Private-Cloud-OpenStack-Projekt aufgesetzt hat, um Public-Cloud-Werbeangebote sowohl für traditionelles Fernsehen als auch für digitale Plattformen zu unterbreiten (siehe: Adobe Marketing Cloud). Das erschien Joe Sandoval, Operations Engineering Manager und Nicolas Brousse, Director Operations Engineering bei Adobe Systems auch nur beim Start als eine Merkwürdigkeit, „sind wir doch quasi Public Cloud natives”, so die beiden. Fragen, die es bei Projektbeginn 2012 zu beantworten galt, lauteten:

  • Kann diese Cloud genügend skalieren?
  • Kann sie mit den Preisen öffentlicher Clouds mithalten?

Tatsächlich habe man bis 2015, als die erste Implementierung live ging, mit einer Kostenexplosion gerechnet. Doch, so erläutern die beiden, habe man nicht die „optimale Cloud“ bauen wollen, sondern ein geschäftliches Problem lösen wollen. Das Team aus weiteren vier Personen setzte letztlich eine Infrastruktur für sechs Rechenzentren mit 1.000.000 Rechenknoten bei 80 Gigabytes pro Sekunde auf, dank eines komplett automatisierten Workflow-Designs. Gespart habe man ebenfalls: 30 Prozent gegenüber der Public-Cloud-Infrastruktur, die zuvor zum Einsatz kam.

Das Ausstellungsplakat hat sich dem Veranstaltungsort angepasst.
Das Ausstellungsplakat hat sich dem Veranstaltungsort angepasst. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Private Clouds kommen und bleiben

Nach Angaben der 451-Marktanalyse entspricht die Implementierung von privaten Clouds der generellen OpenStack-Entwicklung. Sie beziffern den Anteil der Hybrid-Cloud-Nutzer mit 61 Prozent ebenfalls hoch, wobei es bisher um Infrastructure as a Service (IaaS) gegangen sei, der von Hyperscalern in die Unternehmen sickerte.

Tatsächlich aber nehme der Anteil an Private Clouds, die durch die Unternehmen und Organisationen selbst aufgesetzt würde, in einem stärkeren und vor allem schnelleren Umfang zu als ursprünglich prognostiziert. Unter anderem, weil spezielle Branchen wie die Finanzindustrie, Telekommunikationsunternehmen wie Telefonica und die Deutsche Telekom, die öffentliche Verwaltung, die Forschung aber auch die Hyperscaler selbst wie Tencent oder auch OVH auf OpenStack setzten.

Nach der Suse-Studie wird OpenStack jetzt von 23 Prozent der Organisationen in der Produktion genutzt (gegenüber 15 Prozent im Jahr 2016). Bei weiteren 37 Prozent läuft der Testbetrieb und 22 Prozent wollen ihn im Laufe der kommenden zwölf Monate aufnehmen. Das bedeutet, dass 82 Prozent bereits OpenStack nutzen oder den Einsatz planen.

In einer Heavy-Reading-Umfrage geben 84 Prozent der Befragten an, OpenStack zu nutzen oder sich damit zu beschäftigen; im vergangenen Jahr waren es 74 Prozent. Der Anteil derer, die direkt am OpenStack-Projekt mitarbeiten, ist nach Studienangaben von 17 auf 21 Prozent gestiegen.

"Vergiss mal den Computer, spricht lieber mit den anderen, tausche dich aus!" sagt einer der Teilnehmer des OpenStack-Summit. Das ist wohl der Grund, warum mehr als die Hälfte der Besucher um die halbe Welt fliegen, um bei der Veranstaltung dabei zu sein.
"Vergiss mal den Computer, spricht lieber mit den anderen, tausche dich aus!" sagt einer der Teilnehmer des OpenStack-Summit. Das ist wohl der Grund, warum mehr als die Hälfte der Besucher um die halbe Welt fliegen, um bei der Veranstaltung dabei zu sein. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien)

Networking mithilfe von OpenStack

Die Adaption unter den Telekommunikationsanbietern spiegelt sich in der Art der OpenStack-Projekte wider: Lag der Community-Fokus zunächst auf Compute und Storage, nimmt inzwischen die Arbeit mit und für die Netzwerkfunktionen einen Riesenanteil ein. Gemäß der Untersuchung von Heavy Reading unter Telekommunikationsanbietern bewerten 96 Prozent derer, die ihre NFV- und Cloud-Strategien bereits umzusetzen, OpenStack als entscheidend oder wichtig.

Innovation und Adaption

Der Erfolg von OpenStack lässt sich aber auch an der Innovationskraft messen. Mit einer derart großen Community im Hintergrund ist das Fluch und Segen zugleich. Schon vor einem halben Jahr sah sich die Foundation genötigt, klarzustellen, welche Projekte noch unter der Flagge OpenStack segeln können. Um den Entwicklungsdrang weder einzudämmen noch zu gefährden, sind Regeln, Organisatoren und Tools notwendig, die helfen, die neuen Ideen zu kanalisieren.

Red Hat, einer der großen Contributors, die zu OpenStack-Projekten beitragen, stellte etwa „ZUUC Version 3“ vor. Ursprünglich hatten Red-Hat-Entwickler das Tool, das eine Brücke sein soll, zwischen den Innovationen, die geplant sein könnten und denen, die tatsächlich realisiert werden sollten, zu schließen. Es hilft unter anderem dabei, die Schnittstellen zu vereinheitlichen, damit die Teile auch tatsächlich zueinander passen. Das Tool basiert auf dem zum Red Hat-Portfolio zugehörigen „Ansible“ und soll „Jenkins Job Builder“ ersetzen können.

Bare Metal und Kubernetes

Es ist noch nicht so lange her, dass „Ironic“, das Projekt zur Realisierung von Bare-Metal-Implementierungen, in größerem Umfang und zwar auf dem Summit in Vancouver diskutiert wurde. Mittlerweile belegen Umfragen eine deutliche Zunahme. So sei die Ironic-Nutzung in der Produktion seit dem vor sechs Monaten veröffentlichten Frühjahrs- OpenStack-Bericht von 9 auf 20 Prozent angestiegen. Dies sei umso bemerkenswerter, da jetzt mehr Nutzer wie Ebay oder die Commonwealth Bank Strukturen zur Container-Orchestrierung auf reinen OpenStack-Hardware-Systemen betrieben.

Welche PaaS- und Container-Tools nutzen Sie für das Management von OpenStack-Applikationen?
Welche PaaS- und Container-Tools nutzen Sie für das Management von OpenStack-Applikationen? (Bild: OpenStack Foundation)

Tatsächlich scheint die Kombination mit PaaS- oder CaaS-Werkzeugen(PaaS = Platform as a service, CaaS = Container as a Service) zur Verwaltung von Anwendungen auf OpenStack-Clouds eine smarte zu sein. Nahezu die Hälfte der Implementierungen verwenden solche, wobei Kubernetes bei den OpenStack-Frameworks ganz oben steht.

In der Untersuchung der The 451 Group steht gar: “Container ziehen derzeit zwar mehr Aufmerksamkeit auf sich als OpenStack und tatsächlich wenden sich einige User von OpenStack ab. Tatsächlich aber basieren einige der am innovativsten und fortschrittlichsten OpenStack-Anwendungen auf dem Gebrauch von Container-Techniken wie Docker und Kubernetes.“ Nahezu die Hälfte verwendet „Kubernetes“, dann folgen mit 28 Prozent Eigenentwicklungen und schlußendlich erst „Openshift“.

Integration bis in die letzte Ecke

Zu den jüngsten Entwicklungen gehört in jedem Fall der OpenStack-Einsatz im Edge Computing. Selbst der Begriff ist noch so neu, dass er sich erst etabliert. Wie Mark Collier, Chief Operating Officer der OpenStack Foundation, anmerkt, tritt OpenStack gleichermaßen aus dem Rechenzentrum heraus und entwickelt sich zur „Integration Engine“ für Software-definierte Infrastrukturen. Laut einem aktuellen Bericht von SDxCentral nutzen 87 Prozent der Befragten OpenStack für Edge-Infrastrukturen, 57 Prozent nehmen Kubernetes hinzu. Verizon gehört zu den Nutzern, die OpenStack für das Edge Computing einsetzen.

Eine tiefgreifende Veränderungen der Art wie IT organisiert ist, bringt neben dem Edge Computing das Multi-Cloud-Computing. Auch wenn dieser Ansatz häufig in einen Topf mit Hybrid Computing geworfen wird, handelt es sich dabei jedoch nicht um dasselbe. Der derzeitige Stand entspricht allerdings eher dieser Denke, verteilen die Anwender ihre IT-Assets doch nach Gutdünken mal in diese und mal in jene Cloud.

Nach einer Untersuchung von Cloudify bestätigt die Hälfte der an ihrer Umfrage teilnehmenden Organisationen, dass sie mehr als nur eine Cloud verwalten. Fast neun Prozent davon nutzen fünf Clouds oder mehr. Die beliebteste Kombination aus zwei Cloud-Lösungen ist übrigens AWS mit Azure. Dies lege nahe, so die Studie, dass die Organisationen Kombi-Lösungen aus zwei öffentlichen Clouds nutzen und somit die Bindung an nur einen Lieferanten vermieden. Die zweitbeliebteste Cloud-Kombination ist AWS und OpenStack.

Lew Tucker von Cisco stellt "Istio" vor, ein Projekt für vermaschte, zentralisierte Services.
Lew Tucker von Cisco stellt "Istio" vor, ein Projekt für vermaschte, zentralisierte Services. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT_medien GmbH)

Lew Tucker, Vice President und CTO von Cisco, der kam, um unter anderem die Zusammenarbeit von Cisco und Google Cloud herauszustellen, betonte dann auch, dass die Multi Cloud ganz sicher keine Vereinfachung der IT mit sich brächte. Allerdings hatte er ein Modell im Gepäck, das die Zentralisierung von in verschiedenen Clouds nutzbaren zentralen Services vorsieht. Tucker spricht von einem „Service-Mesh for (Micro-) Services“ und schließt: „Willkommen zu: `Alles als Service in der Multi-Cloud-Welt´!“

"Welcome to the Multi-Cloud Computing", sagt Lew Tucker, Cisco.
"Welcome to the Multi-Cloud Computing", sagt Lew Tucker, Cisco. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Die Herausforderungen für die OpenStack-Communitiy nehmen also keinesfalls ab. Zugleich kann weder die Interessengemeinschaft noch die Ausrichtung auf Entwickler beschränkt sein. Als Integrations-Plattform für Cloud- und Edge-Computing ist die Foundation auf Beiträge und Feedback von den tragenden IT-Unternehmen wie Red Hat, Cisco, Mirantis, Suse, Fujitsu, Huawei, den Anwendern, darunter BMW, Volkswagen, Ebay, China Railway…., aber auch von den Managed Cloud Providern wie Rackspace angewiesen. Dazu aber kommt die Einsicht, dass OpenStack offen sein muss und das nicht nur für die Integration anderer quelloffener Produkte und Services, sondern auch für proprietäre Anwendungen, etwa von SAP, wie Bryce betont.

Wie sieht die kommende OpenStack-Generation aus?

Was also tun? Der Executive Director stellt einen vier Punkte-Plan vor:

  • 1. Das Auffinden von Use Cases, die für eine große Nutzerzahl von Interesse sind.
  • 2. Zusammenarbeit mit anderen Open-Source-Projekten und Software-Anbietern.
  • 3. Das Bauen der für eine Weiterentwicklung von OpenStack und für die Anwender notwendigen Technik.
  • 4. Testen, was das Zeug hält, vor allem um die Interoperabilität der verschiedenen OpenStack-Interfaces herzustellen.

Das künftige OpenStack jedoch definiert Sorabh Saxena, President Business Operations bei AT&T Business Solutions. Er schreibt Folgendes ins Gebetbuch:

  • Security by Design
  • Vereinfachung des Betriebs
  • Möglichst störungsfreie Upgrades
  • Anpassung in der Kultur und den Prozessen

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