Virtualisierung auf allen Ebenen Oracle packt fast alles in die Kapsel

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Ulrike Ostler

Nachdem sich Oracle lange dem Virtualisieren verweigert hatte, erfolgte – auch bedingt durch zugekaufte Firmen – eine breit angelegte Initiative dazu. Hardwarefirmen wollen Server und Desktops virtualisieren und so vor allem Ressourcen sparen, Oracle will mit Virtualisierung die Services rund um eine Applikation beschleunigen.

Firmen zum Thema

Oracle widmet sich der Virtualisierung.
Oracle widmet sich der Virtualisierung.
( Archiv: Vogel Business Media )

Es geht, nach einem White Paper der Company, darum, die Rechenzentren in Service-Zentren zu verwandeln, die „Applikationen on demand“ zur Verfügung stellen und die Anforderungen ihrer Kunden rund um die Uhr „mit Schnelligkeit und Wendigkeit“ erfüllen.

„Virtualisierung bedeutet für Oracle nicht nur, einen Server oder Desktop in viele kleine Rechner zu zerschneiden und sonst nichts zu ändern, sondern Virtualisierung als Hilfsmittel für den effizienten Betrieb von Applikationen zu verstehen“, beschreibt Rolf Kersten, Hardware Business Development Manager EMEA bei Oracle Deutschland, die Herangehensweise.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern
Rolf Kersten ist seit 2010 Hardware Product Marketing Manager, EMEA Hardware Technology Business Development bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG. In dieser Position ist er für alle Server-Produkte und Systemsoftware, wie Betriebssysteme und Virtualisierung, verantwortlich. . Rolf Kersten kam von Sun Microssystems zu Oracle, wo er seit 2004 als Produkt Marketing Manager beschäftigt war. Dort war er unter anderem für die Marktentwicklung und Marketingprogramme für die Sun SPARC und x86 Serverlinie zuständig. Zuvor war er seit 1998 im gleichen Unternehmen im Systems Engineer Partner Development tätig. Von 2006 bis 2009 war er bei Sun Microsystems außerdem Sprecher für das Thema „Green IT“ in Deutschland. . Sein Studium an der RWTH Aachen schloss Kersten als Diplom-Ingenieur für Wärmetechnik ab. (Archiv: Vogel Business Media)

Virtualisierung auf der Betriebssystemebene ist nicht genug, konstatiert Oracle und fordert, dass diese Technik reifen müsse. „Einfaches Provisionieren und die Lieferung einer Betriebssystemumgebung reichen nicht aus“, bekräftigt das Oracle-Strategiepapier. IT-Organisationen müssen Dienste wie Infrastructure- Plattform- oder Software-as-a-Service (IaaS, PaaS, SaaS) anbieten können – und das immer fixer und möglichst rund um die Uhr.

V-Angebote sollen sich weiter entwickeln

Damit das gelingt, fordert Oracle das Paketieren kompletter Applikationsumgebungen. Nur damit lasse sich das lästige und zeitraubende manuelle Anpassen von Lösungen vermeiden.

Heutige Virtualisierungsangebote müssten sich dementsprechend über eine simple Konsolidierungsaufgabe hinaus weiterentwickeln und Anwendungsentwicklungs-Umgebungen unterstützen, die hohe Verfügbarkeit und Skalierung bieten. Zudem sollten sie besser mit den Applikationen integriert sein, die in der virtuellen Umgebung ablaufen

Insgesamt, so Oracle, muss die Virtualisierung dafür sorgen, dass der gesamte Application Stack einfacher zu provisionieren, auszurollen, zu verwalten und zu unterstützen ist. Nur dann würde die IT von mehr Effizienz, Beweglichkeit und Flexibilität profitieren können.

weiter mit: Virtualisierung von der Applikation bis zur Platte

Virtualisierung von der Applikation bis zur Platte

Virtualisierung ist laut Oracle die Möglichkeit, eine Hardware-Ressource wie viele aussehen zu lassen, während Clustering aus vielen Hardware-Ressourcen eine logische Einheit macht. Bild: Oracle (Archiv: Vogel Business Media)

Oracle versucht also, Virtualisierungsprodukte anzubieten, die sich der Anwendung bewusst sind („application aware“). Der Fokus liegt auf dem kompletten Stack: von der Applikation über die Middleware, die Datenbank, das Betriebssystem, die Virtuelle Maschine, den Server bis zum Speicher.

Da Oracle über all diese Techniken selbst verfügt, kann sie sie nach Lust und Laune beziehungsweise gemäß den Kundenanforderungen mischen und zu fertigen Paketen schnüren. Virtualisierung wird dann zur Querschnittstechnologie.

Je nach Anforderung setzt Oracle unterschiedliche Virtualisierungstechniken ein:

  • „Oracle VM“ – das ist die „klassische“ Virtualisierung, die auf einem Hypervisor basiert. „Die Lösung von Oracle ist eine auf dem Open-Source-Produkt XEN basierende Eigenentwicklung, ergänzt um Techniken von Virtual Iron, die vor ziemlich genau zwei Jahren übernommen wurden“, beschreibt Oracle-Manager Kersten das Angebot. Oracle VM gibt es für x86- und Sparc-Server.
  • Dazu gibt es noch die „Solaris Container“ für x86- und Sparc-Server, die ursprünglich von Sun Microsystems entwickelt und vermarktet wurden. Sie kommen ohne Hypervisor und damit ohne Verwaltungs-Overhead aus: ein Stück näher an der begehrten „bare metal performance“, weil man dafür nur das Solaris-Betriebsystem benötigt.

Von Sun stammt auch die Technik der „Dynamic Domains“, die die Sparc-Hardware in mehrere logische Systeme unterteilt, wobei die Partitionen elektrisch isoliert voneinander arbeiten. Jede Dynamic Domain kann einige Tausend virtualisierte Betriebssysteminstanzen – in den Solaris Containern – enthalten.

  • Ebenfalls verkapselt kommen die kürzlich präsentierten „Fusion“-Applikationen zum Anwender. Dabei handelt es sich um Java-Anwendungen. „Man kann eben auch innerhalb der Middleware-Schicht kapseln, wir nennen das Fusion Middleware“, beschreibt Kersten die dritte Virtualisierungstechnik, die Oracle anbietet.

Angebote zur Desktop-Virtualisierung

Das derzeitige Top-Thema der Virtualiserungsgemeinde – Sinn und Zweck der Desktop-Virtualisierung – beantwortet Oracle-Manager Kersten zunächst ganz pragmatisch: „Ich virtualisiere den dicken Desktop und packe ihn ins Rechenzentrum“. Von welchem Endgerät aus dann darauf zugriffen wird, hänge wieder von der Applikation ab.

Dazu hat Oracle die „Virtual Desktop Infrastructure“ entwickelt. Sie stellt „eine Komplettlösung für Verwaltung, Hosting und den Zugriff auf virtualisierte Windows-, Linux- und Solaris-Desktops dar, die im Rechenzentrumbetrieben werden“, fasst das Oracle-Strategiepapier zusammen.

Soll ein sicherer Zugriff auf Windows- und Unix-Server oder Mainframes erfolgen, etwa um dem User Siebel- oder Hyperion-Anwendungen bereitzustellen, dann empfiehlt sich der Einsatz von „Secure Global Desktop“, der den sicheren Zugriff über eine URL auch von unterwegs aus erlaubt.

Benötigt der Anwender mehrere Betriebssysteme auf seinem Arbeitsplatzrechner, dann kann er Oracles „VirtualBox“ einsetzen. Standard-PCs unter den Betriebssystemen Windows, Mac OS X, Solaris oder Linux können mit den virtuellen Boxen Dutzende von Betriebssystemen „verstehen“.

weiter mit: Speichertechnik inklusive

Speichertechnik inklusive

Mittlerweile ist bekannt, dass Desktop-Virtualisierung mehr teuren Speicherplatz im Rechenzentrum nach sich zieht. Sparen kann man aber, wenn man Speichertechniken clever nutzt. So nutzt Oracle aus seiner Hausmesse Snapshot, um es den Besuchern zu erlauben, kostenlose auf ihre E-Mails zuzugreifen und sparte so Speicherplatz, weil immer nur die geringen Unterschiede abgelegt werden mussten.

Für das große Thema Speichervirtualisierung hat Oracle viele Angebote im Portfolio. Allein durch die Übernahme von Sun Microsystems, die zuvor das Speicherurgestein Storagetek gekauft hatten, kamen diverse Lösungen für virtuelle Platten- und Bandspeicher ins Haus.

Derzeit arbeitet Oracle am „VM Storage Connect Framework“, das in Kooperation mit Speichergrößen wie EMC und Netapp entwickelt wird. Ziel ist es, eine API zu entwickeln, über die sich Server und Speicher zentral aus dem Enterprise-Manager heraus provisionieren lassen.

Integrierte und konfektionierte Lösungen

Mit Oracles „VM Templates“ wird es dem IT-Personal vereinfacht, virtuelle Umgebungen und die passenden Anwendungen bereitzustellen. „Ein VM Template ist eine virtuelle Maschine mit Betriebssystem und einer fertig installierten und konfigurierten Instanz etwa von Siebel oder einer Oracle Datenbank“, beschreibt Kersten das Angebot. Diese Daten-Files werden von Oracle gepflegt und weiterentwickelt und lassen sich mit dem Enterprise-Manager kombinieren.

Notwendig für die Templates, die die Anwender auch selber mittels Template-Builder-Software erstellen können, ist Oracle Hypervisor Oracle VM. Gefüllt mit Oracle-Programmen sind die Templates dann übrigens kostenlos zu haben.

Haare in der Suppe

Virtualisierung wird allgemein als notwendige Vorstufe für Cloud-Computing angesehen. Die Marktforscher von Experton erstellten auch für dieses Jahr wieder den „Cloud Vendor Benchmark“. Oracle kommt dabei über die Position eines Markt-Herausforderers nicht hinaus.

Ärger hat sich Oracle auch mit der eigenen Anwendervereinigung eingehandelt. Die Anwender sind unzufrieden damit, „dass beim Einsatz von Oracle-Produkten bei allen Virtualisierungslösungen außer Oracle VM der komplette Server, gegebenenfalls auch der Server-Verbund, lizenziert werden muss und nicht nur die zugewiesenen Prozessoren“.

Oracle solle nicht versuchen, damit den Einsatz der eigenen Virtualisierungslösung zu erzwingen, so die Doag. Ob Oracle mit dieser Maßnahme bei Experton in den erlauchten Kreis der „Leader“ aufsteigen will?

Die Autorin:

Kriemhilde Klippstätter ist Autorin, Coach und Mediatorin in München.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2051826)