Das Cloud-Wagnis

Out of Order - Verfügbarkeit im Cloud-Rechenzentrum

| Autor / Redakteur: Christoph Spitzer, Tintri / Rainer Graefen

Der Ausfall von AWS hatte Folgen für zahlreiche AWS-Kunden und deren Nutzer. Die Dienstleistungen von Netflix, Instagram und Pinterest gingen beispielsweise gemeinsam mit der AWS Cloud in die Knie
Der Ausfall von AWS hatte Folgen für zahlreiche AWS-Kunden und deren Nutzer. Die Dienstleistungen von Netflix, Instagram und Pinterest gingen beispielsweise gemeinsam mit der AWS Cloud in die Knie (Bild: Tintri)

Was beim Pokerspiel mitunter zum Erfolg führen kann, kann für Unternehmen teuer werden. Wer sein Geschäft in die Cloud betreiben will, sollte nicht alles auf diese eine Karte setzen.

Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass die Public Cloud nicht der adäquate Ort ist, um kritische Daten und Workloads zu verarbeiten. Auch die Verfügbarkeit der Public Cloud lässt schon einmal zu wünschen übrig: Sowohl Azure als auch AWS sind vor längeren Ausfallzeiten längst nicht gefeit.

Dass dies mit schwerwiegenden Folgen für die Kunden verbunden ist, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. Beide Public Cloud-Plattformen kämpfen nach länger andauernden Ausfällen dieses Jahr mit den Auswirkungen auf ihren Ruf als zuverlässige Public-Cloud-Betreiber. Die Ausfälle waren weltweit spürbar und erinnerten viele AWS-Kunden und -Nutzer daran, dass die Strategie, alles auf eine Karte zu setzen, nicht die beste Idee ist.

Die versteckten Kosten der Public Cloud

Der Ausfall von AWS hatte Folgen für zahlreiche AWS-Kunden und deren Nutzer. Die Dienstleistungen von Netflix, Instagram und Pinterest gingen beispielsweise gemeinsam mit der AWS Cloud in die Knie

Ausfallzeiten sind jedoch nicht der einzige Grund, das Risiko der Nutzung der Public Cloud besser zu verteilen. Ausfallzeiten in der Public Cloud passieren – eine Tatsache, die nicht vollkommen auszuschließen ist. Umso wichtiger werden die wirtschaftlichen Faktoren der Public Cloud. Vor allem in Bezug auf Kosten und Performance.

Auf den ersten Blick erscheint die Public Cloud hier günstiger als eine Private Cloud, die Alternative zur Public Cloud, weil man keine Investitionen in Infrastruktur tätigen muss. Aber es gibt andere Kostenfaktoren, die es zu bedenken gilt: So können in die Public Cloud ausgelagerte Applikationen hohe Kosten für die Migration verursachen. Anwendungen müssen unter Umständen neu konfiguriert, programmiert und integriert werden, damit sie auch auf der neuen Plattform problemlos laufen.

Die Logistikkosten

Aber auch die Kosten für eine Public Cloud können aus dem Ruder laufen, da sich die Public Cloud praktisch unendlich skalieren lässt. Im eigenen Rechenzentrum ist der Platz limitiert, da achtet die IT eher darauf, dass es keinen unkontrollierten Datenzuwachs gibt. Auch können Ressourcen-hungrige Applikationen nach dem Umzug in die Cloud Bandbreite des Netzwerks verschlingen. Im heimischen Rechenzentrum, der Private Cloud, gehostet, nutzten sie einfach freie Netzwerk-Bandbreite. In der Public Cloud hingegen nutzen sie die Bandbreite eines Dienstleisters, der dafür jedes Bit in Rechnung stellt. Es kam schon vor, dass Unternehmen am Monatsende zehntausende Euro allein für Nutzung von externer Netzwerkbandbreite zu bezahlen hatten.

Die Skalierung der Private Cloud stellte sich hingegen oft als schwierig dar. Neue Lösungen können nun dabei helfen, einfache Skalierung zu erreichen und die Kosten der Private Cloud kalkulierbarer zu machen. Analysetools können den Bedarf für zusätzliche Kapazität und Performance bereits sehr präzise vorhersagen und vermeiden damit teure Überprovisionierung. Und mithilfe von Automatisierung kann man den richtigen Ort für den Betrieb jeder Applikation festzulegen. So kommen Applikationen, die in der Public Cloud fehl am Platz sind, erst gar nicht dorthin.

Verfügbarkeit und Performance sind wichtiger denn je

Die IT ist für Unternehmen heutzutage einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, und die IT-Teams müssen höchste Anforderungen an die von Ihnen angebotenen Dienste erfüllen, insbesondere was die Verfügbarkeit der Dienste und deren Performance betrifft.

Als Daumenregel der Untergrenze für Hochverfügbarkeit im Unternehmensumfeld gelten 99,999 Prozent. Die Ausfallzeit von AWS dieses Jahr betrug 3 Stunden und 50 Minuten. Um die theoretische Untergrenze von 99,999 Prozent Hochverfügbarkeit mathematisch zu erreichen, müsste die AWS-Cloud ab sofort die nächsten 30 Jahre ausfallsicher laufen.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, lässt allerdings berechtigte Zweifel zu. Was viele IT-Teams in den Unternehmen, die der Public Cloud ihre wichtigen Workloads anvertrauen, nicht wissen dürften: Auf der praktischen Ebene läuft die Public Cloud wohl eher im Bereich von 99,9 oder 99,99 Prozent.

Der Unterschied klingt nach sehr wenig, ist aber tatsächlich sehr viel. Da Ausfallzeiten von wichtigen Applikationen sowohl den Ruf als auch den Umsatz beeinträchtigen, sollte man sich darüber im Klaren sein bevor man seine Workloads in die Public Cloud verschiebt. Abgesehen davon, müssen die Applikationen in der Public Cloud für ihre eigene Verfügbarkeit und generelle Widerstandsfähigkeit gegenüber Ausfällen auf der Softwareebene sorgen, da dies die Infrastruktur nicht bietet.

Selber hosten oder fremd hosten

Dies macht es generell schwierig, Verfügbarkeit in der Public Cloud zu garantieren. IT-Teams, die daran gemessen werden, sollten sich dessen bewusst sein, wenn sie planen, die Public Cloud für wichtige Workloads nutzen zu wollen.

Das Ass im Ärmel: Die private Unternehmens-Cloud

Im Normalfall hat ein Unternehmen eine große Anzahl sehr unterschiedlicher Applikationen. Einige davon können in der Public Cloud sehr gut aufgehoben sein - andere eher weniger. Diese sollten besser im eigenen Rechenzentrum gehostet werden. Und genau das ist der Grund, warum man eine umfassende Cloud-Strategie benötigt, die Lösungen für verschiedene Workloads und mit gänzlich unterschiedlichen Bedürfnissen berücksichtigt.

Eine eigene Unternehmens-Cloud kann das viel zitierte Ass im Ärmel sein, wenn die Frage nach der idealen Plattform für unternehmenskritische Applikationen gestellt wird. Da man über seine eigene Unternehmens-Cloud die volle Kontrolle hat, kann man die benötigte Leistung optimaler steuern, zum Beispiel über Einstellungen für Quality of Service (QoS).

Um mit den Vorteilen der Public Cloud konkurrieren zu können, muss eine eigene Cloud-Infrastruktur die gleichen Vorteile wie diese bieten: Agilität und Skalierbarkeit bei geringen Kosten. Verbunden über einen Cloud-Connector, kann man die Vorteile aus beiden Welten sogar miteinander kombinieren.

Fazit

Unternehmen scheuen verständlicherweise vermeidbare Risiken. Die Public Cloud hat durchaus Vorteile, aber eben auch Nachteile. Daher alles auf nur eine Karte zu setzen, ist ein großes Risiko. Eine Unternehmens-Cloud zusätzlich zu nutzen, heißt, das Risiko zu verteilen, und damit letztlich zu minimieren.

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