HP Infosight: Wegbereiter für das autonome Rechenzentrum

Predictive Analytics löst Probleme

| Autor / Redakteur: Till Stimberg* / Ulrike Ostler

Je besser die Vorhersagen, desto sinnvollere Maßnahmen lassen sich ergreifen. Im Rechenzentrum kann das automatisiert erfolgen.
Je besser die Vorhersagen, desto sinnvollere Maßnahmen lassen sich ergreifen. Im Rechenzentrum kann das automatisiert erfolgen. (Bild: gemeinfrei - OpenClipart-Vectors/Pixabay / CC0)

Analog zur Umsetzung von Digitalisierungsinitiativen steigt auch die Komplexität der zum Einsatz kommenden Infrastrukturen. Dieser lässt sich mit bisher genutzten prozessorientierten Management-Methoden à la ITIL kaum mehr beizukommen. Erforderlich ist vielmehr ein sich autonom verwaltendes und reparierendes Rechenzentrum.

Am 3. April 2018 meldeten viele Online-Medien eine folgenschwere Computerpanne bei der europäischen Flugsicherung Eurocontrol: Verloren gingen an diesem Tag alle Flugpläne, die vor 12.26 Uhr in das ETMFS (Enhanced Tactical Flow Management System) eingegeben wurden. Dieses System kontrolliert Flüge und Kapazitäten.

Die Folge: Schätzungsweise die Hälfte von 29.500 in Europa geplanten Flügen waren beeinträchtigt, statt der üblichen wurden Notfallverfahren verwendet. Erst um etwa 20 Uhr war das System wieder verfügbar.

Das Beispiel zeigt, dass der Ausfall wichtiger IT-Einrichtungen unter Umständen gravierende Folgen nach sich ziehen kann. Umso wichtiger ist es, Ausfälle, Datenverluste oder auch nur Leistungseinbußen weitgehend zu verhindern und, falls sie doch einmal auftreten, so schnell wie möglich zu beheben.

IT im Wandel

Bisher versuchte man, Zuverlässigkeit, Leistung und Verfügbarkeit durch strikte Steuerung und Kontrolle der IT-Prozesse sowie durch Überkapazitäten und Hardware-Redundanz zu erzielen. Im Zeitalter der sehr leistungsfähigen Multicore-Prozessoren, Flash-Speichermedien und der Virtualisierung tritt an die Stelle von Over-Provisioning und mehrfacher Vorhaltung unternehmenskritischer Systeme eine stärkere Verzahnung der Komponenten im Rechenzentrum.

Mehrere Anwendungen laufen parallel auf einem System und die Zahl der zum Einsatz kommenden Applikationen nimmt beständig zu. Jede davon stellt zudem spezifische Anforderungen an die IT. Das Marktforschungsunternehmen Enterprise Storage Group (ESG) stellte jüngst in seinem Bericht: „IT Spending Intentions Survey 2017” fest, dass in 45 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern über 500 Geschäftsanwendungen laufen. Weniger als 100 sind es nur bei zwölf Prozent der befragten Firmen.

Ergänzendes zum Thema
 
HPE Infosight im Support

Digitalisierung verändert das Tempo

Gleichzeitig verändert sich mit der Digitalisierung der Markt in einer hohen Geschwindigkeit. Um im Wettbewerb vorne zu bleiben, sind Unternehmen gezwungen, sich an den neuen Rhythmus anzupassen und schnell zu agieren.

Die Grundlage hierfür stellt häufig die Einführung neuer Applikationen und Services, die IT ist somit zum wichtigsten Werkzeug geworden. Prozesssteuerungsverfahren wie ITIL (IT Infrastructure Library) sind hierfür schlicht zu langsam und greifen nur noch bedingt.

2,83 Vollzeitmitarbeiter nur für Storage

Eine weitere im Auftrag von HPE von ESG durchgeführte Untersuchung zeigte, dass Unternehmen heute hochkomplexe Infrastrukturen nutzen. Die Kosten für ihren Betrieb können durch Fehlerbehebungsmaßnahmen und Produktivitätsausfälle signifikant nach oben schnellen (siehe: „Die finanziellen Auswirkungen von HPE Infosight auf Predictive Analytics“, September 2017). Die Fehlerursachen lassen sich laut Aussage der Befragten mit konventionellen Methoden oft nur schwer ermitteln. Mehrere zeitraubende Eskalationsstufen stehen auf der Tagesordnung und oft schiebt einer der betroffenen Hersteller die Verantwortung auf den anderen. Lösungen werden dadurch viel zu langsam gefunden und auf den Weg gebracht.

Einige Zahlen aus der ESG-Studie unterstreichen, was dies für die Verwaltung von Speicherinfrastrukturen bedeutet. So besitzen 65 Prozent der Nutzer konventionell gemanagter Storage-Lösungen designiertes Personal, das sich nur mit dieser Aufgabe befasst. Die durchschnittliche Zahl der Vollzeit-Äquivalente für die Speicherverwaltung beträgt bei ihnen 2,83.

Konventionelles Management ist zu aufwändig

Knapp die Hälfte der Storage-Administratoren mit konventionellem Management sieht sich mit 11 bis 15 Trouble-Tickets pro Monat konfrontiert. Die Fälle zu klären, nimmt bei 61 Prozent der Befragten mindestens eine Stunde oder mehr in Anspruch. Kein Wunder, denn zunächst heißt es, die Störung in mühseliger Kleinarbeit nachzuvollziehen und Protokolldateien zu generieren. Hinzu kommt, dass in komplexeren Fällen der Service Level 1- und 2-Support bemüht werden muss, dessen Wissen in der Regel für die Lösung solcher Probleme nicht ausreicht.

Bis ein Level-3-Mitarbeiter zu sprechen ist, benötigen 32 Prozent der Nutzer konventioneller Storage-Managementlösungen im Durchschnitt 84 Minuten. Alles in allem also viel unproduktive Zeitverschwendung.

Auch HPE 3Par wird heute mit HPE InfoSight ausgeliefert.
Auch HPE 3Par wird heute mit HPE InfoSight ausgeliefert. (Bild: HPE)

"Next Gen" IT-Management

Nötig ist deshalb eine neue Generation von Management-Anwendungen, die Administratoren durch Intelligenz und Automatisierung von ihrer Alltagsarbeit entlasten, sodass sie ihre Zeit auf wertsteigendere Tätigkeiten verwenden können. Am besten wäre es, wenn intelligente Algorithmen anhand der Sensordaten von gesteuerten Systemen Störungen oder Engpässe, Fehlkonfigurationen oder Optimierungsmöglichkeiten voll automatisch erkennen und vielleicht sogar selbsttätig beheben könnten.

Dafür steht HPE Infosight. Das Cloud-basierte Management- und Support-Tool war zunächst nur für HPE Nimble Storage verfügbar. Jetzt gibt es die Lösung auch für HPE 3PAR, die Primärspeicher-Plattform von HPE. Derzeit bietet das Produkt einen durch künstliche Intelligenz (KI) gesteuerten Empfehlungsmechanismus, eine Stack-übergreifende Analyse der IT-Infrastruktur und globale Reichweite. Was bedeutet das im Einzelnen?

  • Globale Reichweite: Die in der Cloud arbeitenden KI-Algorithmen werten die Daten der Hard- und Softwaresensoren aller weltweit installierten HPE-Nimble Storage- und in Zukunft auch der HPE-3PAR-Systeme in Echtzeit aus. Ein neues Cloud-Portal, das HPE Infosight und die Speicheranalyse-Plattform HPE Storefront Remote kombiniert, ermöglicht den Kunden, detaillierte Leistungstrends, Kapazitätsvorhersagen, Status-Checks und Best Practice-Informationen einzusehen.
  • Stack-übergreifende Analyse: Die analytischen Fähigkeiten von HPE Infosight sind schon heuteStorage-übergreifend, denn die Lösung sammelt auch Informationen darüber, ob andere Systeme in der IT-Infrastruktur ordnungsgemäß arbeiten. Viele Informationen bekommt HPE InfoSight beispielsweise von den APIs der in zahlreichen IT-Umgebungen installierten VMware-Lösungen.
    Auch die an den Eingängen der Speichersysteme eintreffenden Datenströme werden überwacht, woraus Infosight dann Rückschlüsse auf Probleme im gesamtem Applikations- und Netzwerkstack ziehen kann. Dabei hilft die große globale Datenbasis, welche es den Produktalgorithmen erlaubt, Muster zwischen verschiedenen Installationen zu vergleichen.

Die Wurzel des Übels erkennen

Laut ESG-Studie nutzen 71 Prozent der HPE-Nimble-Anwender HPE Infosight ebenso, um Probleme außerhalb der Storage-Infrastruktur zu finden und zu analysieren. Dabei stellte sich heraus, dass die Ursache von rund 54 Prozent der ursprünglich dem Speicherumfeld zugeordneten Schwierigkeiten außerhalb lag.

Bei einem Schweizer Unternehmen hatten nach eigenen Angaben zwei Drittel der vermeintlichen Speicherprobleme einen anderen Grund. Administratoren kann somit viel Arbeit abgenommen werden, die letztlich nur dem Nachweis dient, dass der eigene Bereich nicht der Auslöser war.

Mit HPE Infosight sinkt bei HPE-Nimble-Nutzern der Zeitbedarf für die Fehlerbeseitigung um Dimensionen.
Mit HPE Infosight sinkt bei HPE-Nimble-Nutzern der Zeitbedarf für die Fehlerbeseitigung um Dimensionen. (Bild: ESG/HPE: (Studie S. 9))

KI-gesteuerter Empfehlungsmechanismus

Die in der HPE Infosight-Cloud arbeitenden Algorithmen erkennen sich anbahnende Leistungs- oder Kapazitätsengpässe proaktiv und unterbreiten den Storage-Administratoren beim Kunden oder dessen Servicepartner Optimierungsvorschläge.

Derzeit führt das HPE-Tool Konfigurationsänderungen an den verwalteten Systemen noch nicht selbsttätig durch, sondern weist die jeweils Verantwortlichen darauf hin, was getan werden müsste, um potenzielle Probleme zu beheben. Technisch wäre eine Automatisierung partiell allerdings bereits möglich.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Ein Team von Datenanalysten bei HPE beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung neuer und der Verbesserung bereits bestehender analytischer Algorithmen für HPE Infosight. Genutzt werden Softwaretechnologien wie maschinelles Lernen, Mustererkennung sowie Monte-Carlo- und multivariante Regressions- und Korrelationsanalysen.

Effizienterer Support

Der Support hat sich durch den Empfehlungsmechanismus des Werkzeugs bereits erheblich vereinfacht. Service Level 1 und 2 entfallen für HPE-Nimble- und nun auch für HPE-3PAR-Kunden, wenn HPE Infosight im Einsatz ist – es gibt nur noch einen Level-3-Support. Denn 86 Prozent aller auftretenden Probleme können Administratoren durch die proaktiven Empfehlungen lösen, bevor sie sich negativ bemerkbar machen.

Bei den restlichen 14 Prozent, für die es keinen automatisiert bereitgestellten Lösungsvorschlag gibt, erhält der Anwender oder externe Support-Spezialist sofort Zugriff auf technisch kompetentes Fachpersonal, das mit ihm gemeinsam möglichst schnell eine Lösung findet. Dabei müssen keine Daten oder Protokolle mehr generiert werden, all das erledigt bereits HPE Infosight.

HPE-Nimble-Anwender müssen sich dank der proaktiven Analysen von HPE Infosight mit erheblich weniger Trouble-Tickets herumschlagen, als Nutzer anderer Speicherprodukte.
HPE-Nimble-Anwender müssen sich dank der proaktiven Analysen von HPE Infosight mit erheblich weniger Trouble-Tickets herumschlagen, als Nutzer anderer Speicherprodukte. (Bild: ESG/HPE (Studie S. 8))

Vorausschauende Intelligenz

Die positiven Effekte reichen dabei, wie schon angedeutet, über die Storage-Systeme hinaus. Gelegentlich etwa legen Bios-Updates des Speichers Schwächen anderer genutzter Technologien, beispielsweise des Hypervisors, offen. Sobald diese erkannt sind, kann HPE an deren Behebung gemeinsam mit dem Anbieter arbeiten.

Anwender dagegen bleiben weitgehend von den Auswirkungen verschont. Stellt sich beispielsweise heraus, dass ein Update bei einigen Systemen unerwartet zu Problemen führt, erkennt die immanente Intelligenz schnell ähnlich konfigurierte Systeme. Bis diese nicht vollständig neutralisiert sind, werden sie nicht mit dem betreffenden Update versorgt.

Weniger Personalaufwand

All das führt bei HPE-Nimble-Kunden zu einem gegenüber konventionellen Speicherlösungen um Dimensionen verbesserte Nutzungs- und Support-Erfahrung. Auch hierfür liefert die ESG-Studie Belege: Nur 25 Prozent der Anwender von HPE-Nimble Storage beschäftigen ausschließlich für die Speicherverwaltung zuständiges Personal - und wenn, dann beträgt die durchschnittliche Zahl der Vollzeit-Äquivalente 1,21. Also weniger als halb so viel wie bei Nutzern anderer Lösungen.

HPE-Nimble-Kunden entstanden dadurch übers Jahr 79 Prozent geringere Personalkosten für die Speicherverwaltung. Zudem mussten 88 Prozent der HPE-Nimble-Kunden in dieser Zeit nur maximal fünf Trouble-Tickets bearbeiten.

Till Stimberg: "Ein Team von Datenanalysten bei HPE beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung neuer und der Verbesserung bereits bestehender analytischer Algorithmen für HPE Infosight."
Till Stimberg: "Ein Team von Datenanalysten bei HPE beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung neuer und der Verbesserung bereits bestehender analytischer Algorithmen für HPE Infosight." (Bild: HPE)

Die nächsten Schritte

Die Leistungsfähigkeit der HPE-Software wird stetig verbessert, sodass intelligente Algorithmen irgendwann die gesamte IT-Infrastruktur überwachen und automatisiert steuern. Zu diesem Zweck wird HPE die Infosight-Technik auf weitere Infrastruktur-Plattformen erweitern. Als Nächstes sollen HPEs Server in die Analyse-Umgebung einbezogen werden. Die erweiterte Datenbasis eröffnet dann ganz neue, noch weiterreichende Analyse- und Steuerungsmöglichkeiten.

Auch im Bereich Netzwerke arbeitet HPE am Ausbau seiner Fähigkeiten. Jüngst hat das Unternehmen Cape Networks erworben. Das Startup wird Arubas intelligentes Netzmanagement durch eine KI-basierte Lösung erweitern, die proaktiv die Verfügbarkeit von Services und Applikationen testet. Falls erforderlich, unterrichtet die Software die Verantwortlichen über etwaige Engpässe oder Probleme, noch bevor die Leistung der Infrastruktur und dadurch das Geschäft leidet. Die Lösung soll voll in die Aruba-Software integriert werden.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal DataCenter-Insider übernommen.

* Till Stimberg ist Director Hybrid IT Solutions Business Unit DACH und Russia bei HPE.

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