Hersteller-Update: Strategische und technologische Ausrichtung

Pure ergänzt Angebot um Cloud-Services

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Tina Billo

Mit der Erweiterung des Angebots um cloudbasierte Dienste will Pure Storage sich künftig ebenfalls ein Stück vom hybriden Cloud-Kuchen abschneiden.
Mit der Erweiterung des Angebots um cloudbasierte Dienste will Pure Storage sich künftig ebenfalls ein Stück vom hybriden Cloud-Kuchen abschneiden. (Bild: Pure Storage)

Auch Pure Storage, einer der Pioniere bei All-Flash-Arrays, kommt am Hybrid-Cloud-Trend nicht vorbei: Der Hersteller erweitert nun sein Portfolio um eine Reihe an Cloud-Services. Im Gespräch mit Storage-Insider erläuterte das Unternehmen, wohin die Reise diesbezüglich geht.

Erst 2009 wurde Pure Storage als einer der All-Flash-Array-Pioniere im Silicon Valley gegründet. Mittlerweile beschäftigt die Firma, die die Umsatzmilliarde inzwischen überschritten hat, etwa 2.500 Mitarbeiter und hat über 5.000 Kunden. Deutsche Niederlassungen befinden sich in München und Frankfurt.

Zum Basisprodukt Flash Array sind mittlerweile das Blade-System Flash Blade und in Zusammenarbeit mit Cisco die Referenzarchitektur Flashstack (Netz und Server von Cisco, Storage von Pure) hinzugekommen. Jüngste Entwicklung ist eine Referenzarchitektur für den KI-Bereich, Airi, bei der Pure Storage mit Nvidia als Lieferanten von Rechnerleistung und wahlweise Arista oder Cisco hinsichtlich der Konnektivität zusammenarbeitet.

Differenzierungsmerkmale aus Sicht von Pure

Pure selbst sieht sein Alleinstellungsmerkmal vor allen Dingen in großer Einfachheit in Bedienung und Management und einer langfristigen Perspektive beim Umgang mit den Kunden. So bedeutet Pures Evergreen-Konzept, dass bei der Verlängerung des Wartungsvertrages für ein Array um weitere drei Jahre automatisch auch ein Controller-Upgrade auf die aktuelle Version erfolgt.

2018 fand dabei auch der Umstieg von SAS auf NVMe-Controller statt. "Alle unsere Upgrades sind unterbrechungsfrei", betont Güner Aksoy, Regional Sales Diector Central Europe. Bei der Nutzung sind viele Konfigurationen wie etwa Dedupe oder Verschlüsselung nicht abschaltbar, was den Aufwand, aber natürlich auch die Optionen verringert.

Es geht in die Cloud

Nun versucht Pure, sich mit Cloud-basierten Serviceangeboten an den allgemeinen Trend von Unternehmen zu Hybrid Clouds anzupassen beziehungsweise von ihm zu profitieren. Die Services werden in der Public Cloud bis auf Weiteres ausschließlich beim Marktführer AWS vorgehalten. "Wir versuchen damit Anwender zu unterstützen, die, wie das heute viele tun, Applikationen über mehrere Ressourcen hinweg betreiben", erklärt Markus Grau, Principal Systems Engineer bei dem Hersteller.

So können Kunden jetzt im Rahmen des Dienstes Cloud Block Store ihre zu Hause oder beim Kollokateur auf Pure-Arrays unter dem Betriebssystem Purity gespeicherten Daten in der AWS-Cloud speichern, wobei Pure Cloud Block Store dieselben APIs benutzt wie ein Pure Flash Array. Bei der Verwaltung der Cloud-Daten hilft Pure1.

Mit Cloud Block Storage setzt Pure in der AWS-Cloud einen blockbasierten Speicherservice für Tier-1-Anwendungen um, der mit denselben APIs arbeitet wie die Vor-Ort-Variante der Pure Flash Arrays.
Mit Cloud Block Storage setzt Pure in der AWS-Cloud einen blockbasierten Speicherservice für Tier-1-Anwendungen um, der mit denselben APIs arbeitet wie die Vor-Ort-Variante der Pure Flash Arrays. (Bild: Pure Storage)

Mehr Backup- und HV-Optionen

Verfügbar ist der Service nur für Kunden, die ein Pure Flash Array physisch in ihrem Unternehmen betreiben. Sie sollen damit beispielsweise die Möglichkeit haben, einfacher als bisher eine Disaster-Recovery-Lösung aufzusetzen, Tests zu fahren oder insgesamt ihre Daten mobiler zu machen.

Wer Hochverfügbarkeitslösungen realisieren möchte, kann die Primärdaten vom Pure Flash Array auch gleichzeitig in zwei unterschiedlichen AWS-Verfügbarkeitszonen spiegeln. Werden sie dann noch mit EC2-Serverressourcen bei AWS verbunden, steht im Bedarf das Notfallsystem in kürzester Zeit. Diese Lösung ist sofort als öffentlich nutzbare Beta-Version verfügbar, im ersten Halbjahr 2019 folgt die generelle Verfügbarkeit.

Zweiter Streich ist die Snapshot-Lösung Cloud Snap, die Backup-Snapshots von Pure Flash Arrays auf AWS-Ressourcen zieht. Bestandskunden erhalten den Service ohne Aufpreis mit dem nächsten Softwareupdate, das noch im November erfolgen soll. Damit kann man einen Restore gegebenenfalls auf einer Pure-Instanz im Cloud Block Store durchführen, sprich: besonders schnell.

Cloud Snap ermöglicht die schnelle Wiederherstellung sowohl On-Prem als auch beim Kollokateur und in der Public Cloud.
Cloud Snap ermöglicht die schnelle Wiederherstellung sowohl On-Prem als auch beim Kollokateur und in der Public Cloud. (Bild: Pure Storage)

Mehr Auswahl = Mehr Spielraum

"Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Flash Blade als Target für einen Fast Restore", sagt Aksoy. Besonders gern würde diese Lösung gewählt, um wichtige Geschäftsapplikationen wie die Oracle-Datenbank nach Abstürzen schnellstmöglich wieder verfügbar zu machen. Ein wichtiger Grund dafür seien immer wieder Compliance- oder Regulierungs-Anforderungen. Insgesamt zeige sich der Trend, das Backup durch Festplatte zunehmend durch ein Backup auf Flash zu ersetzen, dem Pure mit seiner Lösung entgegenkommt.

Schließlich bringt Pure Storage ein erstes Produkt auf den Markt, das durch den Aufkauf von StorReduce zu den Unternehmen gekommen ist. "Das war unsere erste Akquise", sagt Aksoy. StorReduce ist ein Pionier beim Management von in der Cloud gespeicherten unstrukturierten Objektdaten, für die der Hersteller unter anderem eine Deduplizierungstechnologie anbietet. Diese macht Pure nun auch für seine Flash Blades verfügbar: Weil das Flash Blade sowohl NFS als auch die objekttaugliche S3-Schnittstelle besitzt, kann man Objektdaten dort speichern und wieder auf sie zugreifen.

Kunden haben nun die Wahl, ob sie StorReduce auf ihre Pure-Storage-Ressource in der Cloud legen oder aber auf ein Flash Blade im eigenen Haus, in einer zweiten Lokation oder beim Kollokateur. "Wir erweitern damit den Spielraum unserer Kunden", sagt Grau. Sie haben mehr Auswahlmöglichkeiten.

Kunden können jetzt on demand zahlen

Auch auf eine weitere Neuerung, die allerdings bereits seit Sommer des laufenden Jahres umgesetzt ist, weist Grau im Gespräch mit Storage-Insider hin: Pure bietet seinen Kunden ein Pay-per-Use-Programm an. Das lohnt sich allerdings nur, wenn sie mindestens 100 TByte Speicher brauchen, diesen Wert aber immer wieder überschreiten.

Im Rahmen des Evergreen Storage-Service können sie physisch bereits installierte Ressourcen über dem als Basis festgelegten 100-TByte-Level in GByte-Schritten bis zu einer zweiten Schwelle bedarfsgerecht abrufen. Dabei ist es auch möglich, eine genutzte Kapazität über 100 TByte zwischendurch wieder freizugeben, wenn sie gerade nicht gebraucht wird. Pure spricht hier von "Float-Reserve". Abgerechnet wird im Float-Bereich nach genutzten Gigabyte und hinsichtlich der Zeit relativ feingranular. Steigt auf die Dauer die Basis-Speicherkapazität, kann ein höherer Wert als Basis festgelegt und durch eine entsprechende Float-Kapazität nach oben erweitert werden.

"Damit vollziehen wir für Kunden, die oberhalb von 100 TByte liegen, den Übergang von Kapital- zu Betriebskosten", sagt Aksoy. Bei diesem Modell bleibt Pure Eigentümer des Systems, es handelt sich also keinesfalls um eine Form des Leasing, was steuerrechtlich relevant ist.

Auch NVMe ist gesetzt

Nach den Trends der kommenden zwei bis drei Jahre gefragt, sieht Technikspezialist Grau vor allem NVMe samt seiner Variante NVMeOF (NVME over Fabric) im Kommen. "Das Flash Blade spricht intern NVMe, also sind wir auf diese Ergänzung vorbereitet", sagt er. Ab Mitte 2019 rechnet Grau damit, dass der Standard stabiler ist und man ihn in Produkten umsetzen könne.

Der Trend zur "Shared Accelerated Storage" (Gartner), also zu mehreren Storage-Knoten, die mit lokalen Speicherressourcen gepoolt werden, um die Leistung zu erhöhen, sei sichtbar. Hierfür sei NVMeOF eine geeignete Lösung, denn die meisten Anwendungen skalierten heute nun einmal in die Breite; sprich: durch die Hinzunahme mehr oder weniger gleichartiger Ressourcen auf derselben Ebene.

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