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UFFO für Pure Storage FlashBlade Pure Storage will neue Produktkategorie etablieren

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Die Zeiten, in denen Objekte, Blocks und Files säuberlich getrennt auf unterschiedlichen Systemen landeten, sind vorbei. Für Storage-Insider sprach Ariane Rüdiger mit Markus Grau von Pure Storage Deutschland über UFFO (Unified Fast File and Object).

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Pure Storages FlashBlade soll der erste Exponent der neuen Produktkategorie UFFO (Unified Fast File and Object) sein, die schnelle, massiv parallele File- und Objektzugriffe ermöglicht.
Pure Storages FlashBlade soll der erste Exponent der neuen Produktkategorie UFFO (Unified Fast File and Object) sein, die schnelle, massiv parallele File- und Objektzugriffe ermöglicht.
(Bild: Pure Storage)

Storage-Insider: Herr Grau, warum brauchen wir eine neue Marktkategorie für die FlashBlade-Produkte? Die sind doch schon einige Jahre auf dem Markt.

Markus Grau, Principal Systems Engineering bei Pure Storage: Das ist richtig, wir haben FlashBlade 2016 angekündigt und auch in den ersten drei Jahren über 500 Millionen Dollar damit umgesetzt. Allerdings stellt sich jetzt heraus, dass es immer mehr Kunden gibt, die sehr schnelle Systeme brauchen, die beides können, Files und Objekte. Gleichzeitig sollen sie auch viele parallele Zugriffe verkraften und skalierbar sein. Deshalb haben wir diese Kategorisierung entwickelt.

Plattformen, die für Files und Objekte geeignet sind, gibt es doch durchaus mehrere. Was ist bei Ihnen anders?

Grau: Die meisten Plattformen setzen die Objektschicht auf das Filesystem auf. Doch das erreicht nicht die Geschwindigkeit und die Menge an gleichzeitigen Zugriffen, die wir uns vorstellen.

Spezielle Architektur macht Objekte schnell

Wenn Sie keine Filestruktur unterlegt haben, wie führen Sie dann die Fileanfragen zu den richtigen Daten beziehungsweise zur richtigen Stelle auf dem Speicher?

Grau: Wir verwenden einen proprietär implementierten NFS-Demon und einen Key-Value-Store, der unter der File- und Objektschicht liegt. Zugriffe kommen ja entweder von Servern oder von Applikationen. Die S3-Anfragen greifen direkt auf den Speicher zu.

Wie schnell ist der Speicher letztlich?

Grau: Was die Latenz angeht, hängt das von der Objektgröße ab. Hinsichtlich der Bandbreiten liegen wir bei 1,5 Tb/s bei einem 75-Blade-System, welches bis zu 150 Blades erweitert werden kann. Wir verwenden als Übertragungstechnologie Ethernet und können die Protokolle NFS, SMB und S3.

Sie haben in den Systemen kein RDMA implementiert, obwohl das doch eine sehr schnelle Technologie ist. Warum?

Grau: RDMA wird vor allem am absoluten Highend eingesetzt, außerdem verwenden heute die meisten Technologien Infiniband als Netzwerktechnologie. Es gibt aber heute auch schon viele andere, die sowohl mit Dateien als auch mit Objekten arbeiten und ganz normale Ethernet-Infrastrukturen haben. Die peilen wir in erster Linie an.

Analytics und Datenschutz als wichtige Anwendungsfelder

Wer braucht heute schnelle Objekt- und Filespeicher wie Ihren und wofür?

Grau: Grundsätzlich profitieren viele Applikationen und auch Container. Beispielsweise kann man unser Produkt für schnelle Restores brauchen, im technischen Computing, also HPC- oder EDA-Anwendungen, als Container-Repositories. Es gibt auch Bereiche, in denen die Themen File und Objekt gemeinsam auftreten und direkt miteinander verwoben sind. Beispielsweise, wenn eine Applikation über S3 auf Nutzdaten zugreift, etwa um Bilder zu filtern. Die zugehörige Datenbank, auf die dabei ebenfalls zugegriffen wird, wird aber über NFS angesprochen. Solche und ähnliche Anwendungen haben wir im Auge. Wir wollen mit der Bezeichnung UFFO das Schnelle betonen. Object Storage gilt ja bei vielen immer noch als langsam. Daher kommen dann spezielle Vorteile, wie dass Analytics-Werkzeuge wegen der Geschwindigkeit von UFFO mit unserer Lösung keinen Cache mehr brauchen.

„Wir haben eine neue Geschäftseinheit Cloud Native gegründet“: Markus Grau, Principal Systems Engineer bei Pure Storage.
„Wir haben eine neue Geschäftseinheit Cloud Native gegründet“: Markus Grau, Principal Systems Engineer bei Pure Storage.
(Bild: Pure Storage)

Können Sie uns einen deutschen Anwender nennen, der die FlashBlade-Technologie einsetzt?

Grau: Es gibt welche, allerdings sind die noch nicht als Referenzen freigegeben. Sie kommen aus der Forschung, der Luftbildverarbeitung und anderen Marktsegmenten mit hohen Ansprüchen an das Datenmanagement und die Datenverarbeitung.

Zurück zu den Einsatzfeldern: Sie sagten, Container könnten von einem schnellen Objektspeicher besonders profitieren. Hat also Ihre UFFO-Idee auch mit dem erstarkenden Containermarkt zu tun?

Grau: Zumindest tut sich in diesem Markt viel, man muss sich nur die Daten der Marktforscher ansehen. Deshalb haben wir auch Mitte September für 370 Millionen Dollar Portworx gekauft und eine Geschäftseinheit Cloud Native gegründet. Portworx realisiert persistente Container-Storage für jede Kubernetes-Distribution, jegliche Cloud und jede andere Form der Container-Implementierung, solange sie Kubernetes-kompatibel ist.

Was soll die neue Geschäftseinheit tun?

Grau: Sie soll sich um das Geschäft mit dem sogenannten New Stack kümmern, wobei es vor allem um Container-Infrastrukturen geht. Das sehen wir als ein Software-Thema, das eigentlich unabhängig von der darunterliegenden Hardware ist.

… und dann sollen die Kunden Ihr FlashBlade-System kaufen, weil das am besten mit dem New Stack harmoniert.

Grau: Ich müsste lügen, wenn ich mich nicht freute, falls Kunden des neuen Geschäftsbereichs auch Pure-Hardware kaufen. Voraussetzung dafür, dass der neue Geschäftsbereich mit ihnen arbeitet, ist das allerdings nicht. Wir sind da ausdrücklich unabhängig von der Hardware. Viele Kunden haben ja fast keine eigene mehr.

In der Hybrid Cloud mit FlashBlade

Na ja, derzeit heißt das Mantra ja Hybrid Cloud, und dafür braucht man eigene Infrastruktur.

Grau: Das ist richtig bei großen, schon etwas besser etablierten Firmen. Viele Start-ups haben aber heute kein Rechenzentrum mehr, die holen sich alles aus der Cloud. Aber gerade in der Hybriden Cloud haben wir mit FlashBlade gute Chancen. AWS hat uns gerade für Outposts zertifiziert. Wobei ein FlashBlade, das mit Outposts verbunden ist, gleichzeitig auch für interne Zwecke genutzt werden kann. Man braucht so nicht zwei Storage-Systeme, nur weil man Daten, logisch betrachtet, in der Cloud und im eigenen RZ halten will. Ein weiteres Beispiel: Vertica nutzt FlashBlade für seine Eon-Mode-Systeme, die Cloud-Storage-Technologie und deren Nutzungskomfort Cloud-Storage on Premises umsetzen.

Nochmal zurück zum Thema Container und persistente Storage. Veeam hat soeben Kasten eingekauft. Waren Sie an der Firma ebenfalls interessiert?

Grau: Wir haben uns vor allem für Portworx interessiert, weil das Unternehmen sich nicht auf einen Anwendungszweck wie Backup konzentriert, sondern gleichzeitig auch Hochverfügbarkeit, einen kontinuierlichen Betrieb und erleichterte Container-Migrationen bei der Entwicklung im Blick hatte.

Wobei Sie, betrachtet man sich die aktuellen Kooperationen, was FlashBlade angeht, doch sehr aktiv im Bereich Backup und Disaster Recovery sind.

Grau: Das stimmt, wir bieten mit Cohesity eine gemeinsame Lösung für Datenschutz an, Cohesity Flash Protect for Pure FlashBlade. Das ist eine Lösung für schnelle Recovery. Commvault realisiert eine Lösung gegen Ransomware mit unserer Hardware. Im Safe Mode lässt sich verhindern, dass die gesicherten Datenbestände gelöscht werden.

Welche weiteren Entwicklungen sind bei FlashBlade in Arbeit?

Grau: Wir haben ja erst kürzlich unsere Speicher-Software Purity//FB 3.0 mit vielen neuen Funktionen, etwa für die Replikation, vorgestellt. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir schon bald namhafte Kunden im deutschsprachigen Raum nennen können, die interessante Applikationen mit FlashBlade realisieren. Um ein zitierbares Beispiel zu nennen: Unsere Technologie steckt hinter Folding@Home, der Online-Plattform, mit der man sich an Molekülfaltungen für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs beteiligen kann.

Vielen Dank, Herr Grau!

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger