Impulse für die Zukunft des Storage

Rückblick auf den Openstack Summit in Tokio

| Autor / Redakteur: Lenz Grimmer* / Rainer Graefen

Die Videos vom OpenStack Summit in Tokio sind auf Youtube zu finden oder unter www.openstack.org/summit/Tokio-2015/videos/
Die Videos vom OpenStack Summit in Tokio sind auf Youtube zu finden oder unter www.openstack.org/summit/Tokio-2015/videos/ (Bild: OpenStack Foundation)

Bei den derzeit halbjährlich stattfindenden Openstack-Summits geht die Post ab. Die Entwickler überschlagen sich mit immer neuen Funktionen. Teilnehmer dieses Großereignissses werden von der Fülle der Informationen, Konzepte und Ideen quasi "erschlagen". Unser Autor stellt seine Highlights des Tokio-Summit vor. Wer tiefer gehende Einblicke benötigt, der findet zusätzliche Details in den Video-Präsentationen.

Meine Kollegen von IT-Novum und ich hatten uns verschiedene Themenschwerpunkte herausgesucht. Ich persönlich hatte mir zum Ziel gesetzt, beim Summit so viel wie möglich über Storage zu erfahren, um neue Impulse für die Weiterentwicklung des Storage-Systems Open Attic mitzunehmen.

Und obwohl das Veranstaltungsprogramm dicht getaktet war, fand ich die Zeit, alte Bekannte zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. Der Networking-Aspekt gehört für mich zu den wichtigsten Gründen, warum man den Openstack Summit unbedingt besuchen sollte.

Direkt von den Entwicklern der vielen Openstack-Projekte Einblicke in den aktuellen Stand und die künftige Richtung zu bekommen, macht den Openstack Summit zu etwas Besonderem und trägt zu seinem enormen Erfolg bei den Besuchern bei. Mit mehr als 5.000 Teilnehmern war der Summit in Tokio vom 27. bis 30. Oktober einer der größten außerhalb Nordamerikas. Der nächste, der zwölfte Openstack Summit findet vom 25. bis 29. April in Austin im US-Bundesstaat Texas statt.

Reger Austausch am Stand von Red Hat
Reger Austausch am Stand von Red Hat (Bild: Lenz Grimmer)

Die Highlights: von der Schatten-Cloud bis hin zum Hoffnungsträger Kolla

Der derzeit größte Event im Open Source-Bereich umfasste ein überwältigendes Programm: vielfältige Vorträge, technische Diskussionen, Workshops und die volle Präsenz aller wichtigen Personen des Openstack-Ökosystems – und das nicht nur im Rahmen der Hauptkonferenz, sondern auch in zahlreichen Begleit-Veranstaltungen, zum Beispiel dem Design Summit. Da es unmöglich war, an allen Veranstaltungen teilzunehmen, haben die Veranstalter die meisten Beiträge auf Video aufgezeichnet und bereits wenige Stunden später im Internet zur Verfügung gestellt.

Erica Brescia, COO von Bitnami, einem Anbieter von vorkonfigurierten und installationsbereiten Anwendungspaketen für verschiedene Open Source-Projekte, widmete sich der Verbannung der Schatten-Cloud und warf viele spannende und provozierende Fragen auf.

Zum Thema Object Storage gab Christian Schwede, Principal Software Engineer beim US-amerikanischen Softwarehersteller Red Hat, mit seinem Vortrag “Building Web Applications using Openstack Swift” einen guten Überblick und erklärte Openstack Swift aus der Entwicklerperspektive – aufgelockert mit einem realen Usecase, hilfreichen „Dos und Don´ts“ sowie wertvollen Praxistipps.

In seinem rasanten Vortrag “What should I know about?” gab Mike Metral, Product Architect beim Webhoster Rack Space, einen Überblick über verschiedene Linux-Container-Technologien, verwandte Werkzeuge und Frameworks, die bei der Verwaltung und Orchestrierung von großen Container Deployments helfen. Der Beitrag wendete sich vor allem an Anwender, die bereits Vorwissen zu Containern besitzen und ihre Kenntnisse erweitern wollten.

Ein echtes Fazit blieb leider aus. Abschließend gab es nur den Hinweis, dass es eine große Bandbreite geeigneter Tools gibt, weshalb eine genaue Evaluierung und sorgfältige Auswahl wichtig ist. Auch wenn mich die Fülle an Werkzeugen etwas überwältigte, lieferte der Beitrag viele nützliche Tipps, welche Tools wir für die Weiterentwicklung beziehungsweise Optimierung unserer Dienstleistungen im Cloud-Umfeld in Betracht ziehen sollten.

Wie gehts es weiter mit Ceph, Cinder und Kolla?

Yuting Wu, Software-Entwickler bei AW Cloud stellte in seinem Vortrag „The Comparison of Ceph and Commercial Server SAN“ die Resultate seines Vergleichs von Ceph mit den proprietären Lösungen von Solidfire und ScaleIO vor. Wu verglich dabei die Punkte Storage-Funktionalität, Deployment-Optionen, Wartung und Betrieb sowie Leistung.

Seine Ergebnisse zeigen, dass bei Ceph noch Verbesserungen möglich sind – insbesondere was Deployment, Verwaltung, Leistung und ausgefeiltere Storage-Funktionen wie Quality of Service (QoS), Deduplizierung oder Kompression betrifft.

Auf dem Summit wurde auch die neue „Ceph-Version Infernalis“ angekündigt, die demnächst veröffentlicht werden soll. Infernalis wird mit neuen Funktionen ausgestattet sein, unter anderem für per-image metadata, flattening of snapshots und leichteres Löschen von parent images.

Wu von AWCloud erläutert, was es bei Ceph zu optimieren gilt .
Wu von AWCloud erläutert, was es bei Ceph zu optimieren gilt . (Bild: Lenz Grimmer)

CephFS soll im ersten Quartal 2016 in einer stabilen Version veröffentlicht werden. Größte Herausforderungen sind laut den Entwicklern das Hinzufügen eines funktionellen Dateisystemüberprüfungs-Tools (file system check tool) sowie Performance-Verbesserungen.

Ankündigung neuer Releases wie „JInfernalis“ und „Jewel“
Ankündigung neuer Releases wie „JInfernalis“ und „Jewel“ (Bild: Lenz Grimmer)

Auch die Planungen für das übernächste Ceph-Release mit dem Code-Namen „Jewel“ wurden erläutert. Zu den angekündigten Verbesserungen gehörten unter anderem Performance-Optimierungen, Spiegelung von RBD-Block-Devices und erste Funktionen zur Konfiguration von „Quality of Service“ (QoS).

Einen spannenden Einblick gab es auch in das Cinder-Projekt. Die Kernentwickler von Cinder sprachen über den Stand der Entwicklung und wohin die Reise gehen soll.

Neben der API-Versionierung ist auch die API-Mikroversionierung ein wichtiges Thema. Zudem stehen die Bereitstellung von Snapshots und die Unterstützung von „Trim“ auf der Agenda. Die Entwickler denken momentan darüber nach, Cinder von Openstack zu entkoppeln, um es zu einem alleinstehenden, allgemeinen Service für mehr Cloud-Technologien als nur Openstack zu machen. Aus meiner Sicht ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer breiteren Akzeptanz von Cinder im Cloud Computing-Bereich.

Jesse Proudman, Gründer und CTO des PCaaS-Anbieters Bluebox, stellte in seinem Vortrag „Distros: Let's Not Make *That* Mistake Again“ die provokante Frage, ob verschiedene Distributionen von Openstack wirklich sinnvoll sind oder seinem Erfolg nicht eher abträglich. Viele Openstack-Anwender wollen sich heute nicht mehr mit dem Aufbau der Infrastruktur beschäftigen müssen oder haben dafür keine Ressourcen übrig. Proudman sieht dies als Chance für Unternehmen, entsprechende Dienstleistungen zum Aufbau und Betrieb von Openstack-Infrastrukturen in den Rechenzentren der Kunden anzubieten.

Verschiedene Ansätze zielen auf die Verbesserung der Ceph-Leistung auf Solid State Devices
Verschiedene Ansätze zielen auf die Verbesserung der Ceph-Leistung auf Solid State Devices (Bild: Lenz Grimmer)

Im „Ceph Community Talk on High-Performance Solid State Ceph“ diskutierten Vertreter verschiedener Storage-Unternehmen, darunter Intel, Samsung und Sandisk, ihre unterschiedlichen Ansätze, um die Leistung von Ceph auf Solid State Devices zu verbessern. Viel Aufwand stecken die Unternehmen in die Erstellung von Benchmarks und anderen Performance-Tools. So arbeitet Intel zusammen mit Red Hat an der Veröffentlichung des Ceph Benchmarking Toolkit (CBT) als Open Source-Software. Sandisk bemüht sich vor allem um eine verbesserte Leistung von Ceph, indem es Patches anbietet, die den Code skalierbarer machen und einige der bekannten „Flaschenhälse“ beseitigen.

Cache- beziehungsweise Tiered Pools in Ceph mit Nebenwirkungen
Cache- beziehungsweise Tiered Pools in Ceph mit Nebenwirkungen (Bild: Lenz Grimmer)

Ein paar Annahmen über Spinning Disks, die in der Vergangenheit einige der Design-Entscheidungen bei Ceph beeinflussten, werden jetzt kritisch auf Verbesserungspotenzial überprüft. Der Vortrag bestärkte meinen Eindruck, dass es momentan mehrere vielversprechende Ansätze gibt, um die noch existierenden Leistungsprobleme von Ceph zu beheben.

Vielversprechend: Kolla

Ein weiteres vielversprechendes Projekt aus dem Openstack-Ökosystem, an dem gerade mehrere Entwickler und Unternehmen gemeinsam arbeiten, ist Kolla. Kolla ist ein Deployment-Tool, das auf Ansible und Docker basiert und viele Linux-Distributionen unterstützt.

Mit Kolla lässt sich eine funktionierende Openstack-Umgebung inklusive Ceph in etwa 20 Minuten aufsetzen. Am Projekt sind unter anderem Red Hat, Cisco, Oracle und Rack Space beteiligt.

Interessant fand ich, dass Kolla nicht nur für Openstack-Entwicklungsumgebungen genutzt werden kann, sondern auch für reale Produktionsumgebungen. Die Community selbst steuert die Entwicklung des Projekts inklusive eines straffen Prüfungs- und Testprozesses.

*Der Autor:

Lenz Grimmer ist bei IT-Novum Senior Product Manager für die Software-Defined Storage-Plattform Open Attic. Lenz ist seit seinem Informatikstudium Mitte der neunziger Jahre im Linuxbereich unterwegs: als Entwickler für SUSE Linux und MySQL AB, als Community Relations Manager für MySQL und als Product Manager für die Oracle Linux Distribution und das Sync & Share–Angebot „Team Drive“. Als Open-Attic-Product-Manager unterstützt Lenz die Weiterentwicklung des Projekts und den Ausbau des Anwender- und Kundenkreises.

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